Mit unbändigem Willen zum Sieg

Rumpfteam des SV Town & Country Behringen/Sonneborn bejubelt trotz frühzeitiger roter Karte für Torjäger Tim Rodrian 33:32 (15:14)-Erfolg über den klar favorisierten ThSV Eisenach II

Was für eine Watschen für die Zweite des ThSV Eisenach?! Achtzehn Treffer der Gebrüder Alaj reichten nicht. Ein mit unbändigem Willen aufwartender SV Town & Country Behringen/Sonneborn bejubelte völlig losgelöst einen verdienten 33:32 (15:14)-Erfolg.

Das war die perfekte Reaktion auf die derbe Pleite der Vorwoche in Altenburg. Jeder hat für den anderen gekämpft, betonte Behringens Torjäger Tim Rodrian, für den die Partie schon zur Halbzeit nach einer roten Karte beendet war.

Mit 32 Fehlwürfen unterstützte der ThSV Eisenach II den Außenseiter. Besonders die Außenspieler produzierten ein Fahrkartenfestival.

Eine Blamage, da gibt es nichts herumzudeuteln, so Qendrim Alaj, der Spielertrainer des ThSV Eisenach II.

Es gelte die Partie aufzuarbeiten, nicht analog dem Vorjahr, nach einer Niederlage in Behringen in ein Tief zu geraten.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Behringens Jonas Hennig (am Ball) ist Qendrim Alaj, Max Schlotzhauer und Leonard Tölke entwischt. Der Rechtshänder markierte von Rechtsaußen 6 Treffer.

Mit gerade einmal 7 Feldspielern und 2 Torhütern ging das bis dato sieglose Tabellen-Schlusslicht in die Partie gegen den seit März dieses Jahres ungeschlagenen und mit 6:0 Punkten in die aktuelle Saison gestarteten ThSV Eisenach II, der in der Vorwoche das „Team Internationale“ der SG Suhl/Goldlautern mit einem furiosen Auftritt 37:36 bezwungen hatte, der mit 13 Feldspielern und 2 Torhütern angereist war. Aus den 7 Feldspielern der Gastgeber, zu denen schon Trainer Christopher Kohls selbst gehörte, wurden zur Halbzeit nur noch 6. Torjäger Tim Rodrian, im ersten Abschnitt 6 Treffer, sah nach einem groben Foul (Stoßen in der Luft) an Eisenachs 17-jährigen Leif Katzwinkel Sekunden vor dem Ende des ersten Abschnittes vom Schiedsrichtergespann Lutz Pfefferkorn und Johannes Rudolph die rote Karte. Qendrim Alaj warnte schon zur Pause sein Team, dass nun andere in den Reihen der Gastgeber über sich hinauswachsen. Torhüter Linus Trapp stellte sich für den zweiten Abschnitt als Feldspieler zur Verfügung, um dem einen oder anderen Mitspieler eine Pause zum Luftholen zu ermöglichen, trug sich sogar in die Torschützenliste ein. Er war dann der einzige Wechselspieler. Der aus der A-Jugend aufgerückte Christian Michels gehörte an diesem Tag zum Stamm.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Joel Stegner trifft für den ThSV II.

Rote Karte sorgte für zusätzlichen Impuls

Der krasse Außenseiter war nach knapp 17 Minuten mit 11:10 in Führung gegangen, gab die Führung bis zum Schlusspfiff nicht wieder her, lag zwischenzeitlich mit 22:15 (40.) und 27:22 (49.) vorn, wehrte die Schlussoffensive der Gäste mit der Mobilisierung der letzten Kräfte erfolgreich ab. Die Hoffnung der Eisenacher, mit einer voll besetzten Bank, allerdings ohne Julius Brenner, die Partie im Schlussgang gegen ermüdete Gastgeber zu drehen, erfüllte sich nicht. Beseelt vom greifbaren erneuten Heimsieg über den ThSV Eisenach II wuchs jeder aus dem Rumpfaufgebot der Hausherren, lautstark unterstützt vom eigenen Anhang, über sich hinaus.

Der Wille war entscheidend. Die rote Karte kurz vor der Pause für Tim Rodrian ließ bei allen den Impuls um weitere 10 Prozent klettern, berichtet Christopher Kohls. Linus Trapp im ersten und Henrik Häuser im zweiten Abschnitt haben – eigentlich untypisch für Spiele gegen den ThSV Eisenach II – für ein Plus auf der Torhüterposition gesorgt, konstatierte der selbst 6 Tore zum überraschenden Sieg beisteuernde Behringer Trainer.

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Jonas Hennig, einer der zahlreichen Ex-Eisenacher im Aufgebot der Gastgeber, den ThSV-Spielertrainer Qendrim Alaj vor noch nicht allzu langer Zeit als „besten Rechtshänder der Liga auf Rechtsaußen“ bezeichnet hatte, stellte nicht nur auf Rechtsaußen seine Qualitäten unter Beweis, sondern lief auch im Rücken der Eisenacher Abwehr zur Mitte ein und versenkte das Leder. Lars Keller dirigierte, erwies sich als sicher von der Siebenmeter-Linie, war mit 7 Treffern erfolgreichster Werfer seines Teams.

Es war allerhöchste Zeit zu punkten, betonte ein strahlender Christopher Kohls.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Sicher vom Strich: Eisenachs Spielertrainer Qendrim Alaj.

Selbstkritik von Qendrim Alaj

Letztlich sind wir an uns selbst gescheitert, bekannte Qendrim Alaj.

Das Fehlen des im Urlaub weilenden Julius Brenner war in Abwehr und Angriff nicht zu übersehen. Sicherlich auch bedingt durch den kleinen Kader war der Gastgeber nicht auf Tempoforcierung aus.

Wir haben uns einschläfern lassen, fand Qendrim Alaj klare Worte.

Dennoch habe sich sein Team gute Torchancen erspielt, doch das Leder sei am Holz oder über dem Tor gelandet, was sicherlich auch dem Haftmittelverbot in der Hainich-Sporthalle zuzuschreiben sei. Das Torhüterduo der Gastgeber entschärfte viele Bälle. Der Auftakt entsprach den Vorstellungen der Gäste. Joel Stegner traf zum 3:5 (7.), Armend Alaj zum 5:7 (10.). Der von Qendrim Alaj verwandelte Siebenmeter zum 8:9 (13.) bedeutete schon die letztmalige Führung des ThSV Eisenach II. Aus diesem 8:9 wurde ein 14:11 (20.). Mit einem knappen 15:14, Leif Katzwinkel hatte in Unterzahl zum Anschlusstreffer eingenetzt, ging es zu den Pausengetränken.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Oscar Zika (Behringen) beim Torwurf.

Nach Wiederbeginn ging beim Gast nicht viel. Die Hausherren schraubten ihr Torepolster in die Höhe. Oskar Zika, einst im ThSV-Sportinternat, lochte zum 22:15 ein (40.). Ein 7-Tore-Plus! Erst nach dem 27:22 (Jonas Hennig, 49.) zündeten die Eisenacher ihre Schlussoffensive, vor allem mit präzisen Abschlüssen durch Armend Alaj. Die sich bietende Ausgleichschane beim Stand von 27:26 wurde verdattelt. Stattdessen traf der eigentliche Keeper Linus Trapp von Linksaußen zum 28:26 (53.). Doch auch nach dem 31:27 (55.) gaben sich die Gäste noch nicht geschlagen. Qendrim Alaj besorgte per siebentem von ihm verwandelten Siebenmeter den neuerlichen Anschlusstreffer (33:32, 60.). In den noch zu absolvierenden 42 Sekunden sicherten die Kohls, Keller & Hennig den überraschenden Sieg.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Das Team des SV Behringen/Sonneborn jubelt nach dem Abpfiff völlig losgelöst. Mit dabei (2.v.l.) der schon vor der Pause durch eine rote Karte ausgeschiedene Tim Rodrian.

Statistik
SV Town & Country Behringen/Sonneborn: Häuser, Trapp (1), Zika (4), Keller (7/4), Kohls (6), Michels (2), Rodrian (6/1), Hennig (6), Baumgarten (1)
ThSV Eisenach II: Freitag, Büchner; Müller (3), Urbach (1), Stegner (2), Schlotzhauer (1), Rehm, Toelke (1), Ukaj (3), A. Alaj (10)
Siebenmeter: SV T & C Behringen/Sonneborn 5/5 – ThSV Eisenach II 7/7
Zeitstrafen: SV T & C Behringen/Sonneborn 4 x 2 Min, Rot für Rodrian nach grobem Foulspiel (30.). – ThSV Eisenach II 6 x 2 Min., Rot für Tölke n. 3. ZS (59.)
Schiedsrichter: Pfefferkorn/ Rudolph
Zuschauer: 154

Th. Levknecht

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