Nach 11 Minuten war der letzte Rettungsanker bereits weg

Bildquelle: Th. Levknecht – Jakob Völksch (li.) und sein einstiger Nachwuchstrainer beim ThSV Eisenach Jan Gesell im „Ballhaus“ Aschersleben

ThSV Eisenach II kassiert im Schlusslichterduell 31:40 (10:21) -Niederlage beim HC Aschersleben/ Ehemalige SCM-Kanten riegeln für den HC Aschersleben ab 

„Wir wollen allen zeigen, dass wir in diese Liga gehören“, mit dieser Absicht trat der ThSV Eisenach II die Fahrt zum Schlusslichter-Aufeinandertreffen beim HC Aschersleben an. Es ging für beide darum, den letzten Hoffnungszipfel in Sachen Klassenerhalt zu ergreifen. Gegen auf der ganzen Linie enttäuschende Eisenacher gelang dies dem Gastgeber mit einem 40:31 (21:10) -Erfolg. Der ThSV Eisenach hat mit 8 Punkten aus 20 Partien nur noch theoretische Chancen auf den Verbleib in der Regionalliga des Mitteldeutschen Handballverbandes. Es bleibt wohl ein einjähriges Intermezzo. 

Der ThSV Eisenach II mutiert zur Schießbude der Liga, kassierte in den letzten beiden Partien 87 Gegentore, in den bisher ausgetragenen 20 Begegnungen insgesamt 698 Gegentore, im Schnitt knapp 35. Schuld daran ist auch die hohe Zahl der technischen Fehler, die die sportlichen Gegner in Ballbesitz bringen und in Tempogegenstößen münden lassen.  In Aschersleben notierte Mannschaftsbetreuer Jan Gesell 19 technische Fehler, 12 schon in der ersten Halbzeit. Das Torhüterduell ging Unentschieden aus. Stanisla Gorobtschuk und Aron Büchner (ThSV Eisenach) parierten ebenso wie Moritz Malig und Justin Thäder (HC Aschersleben) 14 Bälle. Auf dem Zettel von Jan Gesell standen zudem insgesamt 19 Eisenacher Fehlwürfe, nahezu gleichmäßig verteilt in der ersten und zweiten Halbzeit.  Die jungen Schiedsrichter Nico Lippoldes und Arthur Punkte hatten bei der fairen Gangart beider Mannschaften leichtes Amtieren.  

Th. Levknecht – Alle Absprachen zwischen Mark Dragunski und Qendrim Alaj (vorn) fruchteten nicht

Schiedsrichter-Legende Hagen Becker enttäuscht vom ThSV Eisenach II  

In 2002 errichteten Sport- und Freizeitzentrum „Ballhaus“ wehte Bundesligaflair. Die Gastgeber hatten personell alles Deck, auch ihre beiden SCM-Oldies, die Ex-Nationalspieler Andreas Rojewski (40 Jahre) und Fabian van Olphen (44). Beide gewannen mit dem SC Magdeburg 2007 den EHF-Pokal und 2016 den DHB-Pokal. Beim ThSV Eisenach waren die ehemaligen Bundesligaspieler Duje Miljak (42) und Stanislaw Gorobtschuk (37) auf dem Parkett, auf der Bank Mark Dragunski (55) dabei. Als technischer Delegierte amtierte eine Schiedsrichter-Legende, Hagen Becker, über Jahrzehnte gemeinsam mit Axel Hack (beide aus Halberstadt) ein überaus geachtetes Schiedsrichterpaar in der 1. Liga der ehemaligen DDR und später im wiedervereinigten Deutschland. „Ich hatte ein einsatzstarkes und emotionsgeladenes Kellerderby erwartet, war vom Auftritt des ThSV Eisenach II enttäuscht. Nahezu körperlos. Wir spielen doch Handball und nicht Schach. Frühzeitig war  alles entschieden“, brachte es der inzwischen 65-jährige Hagen Becker auf den Punkt. Das war nicht die Mentalität, die DANN, die er von Eisenacher Handballern kennt. 

Über Tempogegenstöße treffen die Gastgeber frühzeitig zur Vorentscheidung

Nach 11 Minuten waren die Weichen gestellt. Der Abwehrblock des HC Aschersleben mit Fabian van Olphen, Chris Ludwig und Andreas Rojewski riegelte ab, nutzte Ballgewinne zu Tempogegenstößen zum 9:2. Selbst Andreas Rojewski lief in der Auftaktphase über die rechte Seite zwei erfolgreiche Gegenstöße. Eisenachs Plan, den doch mitwirkenden Routinier Duje Miljak an den Kreis zu stellen, um über dessen Körperlichkeit vollenden zu können, schlug fehl. Schon vor der Pause, beim 20:10, leuchtete ein 10-Tore-Plus an der Anzeigetafel. „So leicht hatten wir uns die Aufgabe nicht vorgestellt. Wir haben unseren Plan diszipliniert und ehrgeizig umgesetzt, kamen zu einem auch in dieser Höhe verdienten Sieg“, konstatierte Jakob Volksch und lobte die Abwehrarbeit im ersten Abschnitt.  Der 20-jährige Kreisspieler der Gastgeber lief von 2020 bis 2023 im Trikot des Eisenacher Nachwuchses auf, wurde im Januar Papa, betreibt Handball neben seiner Lehre zum Elektriker. Sein Vater war im ThSV-Trikot in die Halle gekommen.  Auch bei einem Abstieg werde er beim HC Aschersleben bleiben, ließ Jakob Völksch wissen. Ganz leise Hoffnung auf den Klassenerhalt gibt es nach dem Doppelpunktgewinn für den HC Aschersleben noch. 

Th. Levknecht – ThSV II beim Einlaufen vor dem Anpfiff in Aschersleben
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Nur eine Randnotiz: 21 Treffer im zweiten Abschnitt  

„Durch die Vielzahl unserer Fehler im Angriff gerieten wir früh klar in Rückstand. Die Köpfe gingen schnell runter. In der zweiten Halbzeit versuchten wir über eine offensive Abwehr zu Ballgewinnen zu kommen. Das ist nur bedingt gelungen. Der HC Aschersleben behauptete locker sein komfortables Toreposter“, konstatierte Eisenachs Rechtsaußen-Spieler Marec Stupka. Sein Team markierte nach dem Seitenwechsel 21 Tore, vielfach über die Kreismitte, abgeschlossen von Conrad Ruppert auf Zuspiele von Qendrim Alaj. Das alles freilich nur eine Randnotiz. Der HC Aschersleben knackte noch die 40-Tore-Marke. „Die ersten Minuten mit gleich 6 technischen Fehlern haben uns den Boden unter den Füßen weggezogen. Unsere Fehler beflügelten die Heimmannschaft. Zur Halbzeitpause fielen in der Kabine klare Worte. Mit unserer offensiven Abwehr haben wir den HC Aschersleben zu Fehlern gezwungen, schlossen selbst über die erste und zweite Welle ab. Leider unterliefen uns weiterhin einfache Fehler, wurde teilweise der Abschluss zu früh und unvorbereitet und erfolglos gesucht“, bilanzierte Qendrim Alaj. Man werde nicht aufgeben, rechnerisch sei noch nichts entschieden. „Wir bereiten uns nun auf das Heimspiel, das Thüringenderby gegen den HSV Bad Blankenburg, am kommenden Samstag vor“, erklärte Qendrim Alaj. 

Statistik

HC Aschersleben: Malig, Thäder; P. Seifert (9/4), C. Hoffmann, (4), Schreier (6), Rojewski (3), P. Hoffmann (1), Weber (2), Nupnau, van Olphen, Völksch (4), F. Seifert (5), Filippov (6)

ThSV Eisenach II: Gorobtschuk; Büchner; Brenner, Rehm, Nothum (1), Stupka (5), Ruppert (7), Miljak (4), Gastrock-Mey (1), Ukaj, Cech (2), A. Alaj (3), Katzwinkel (1), Q. Alaj (7/1)

Zeitstrafen: HC Aschersleben 4 x 2 Min. – ThSV Eisenach II 2 x 2 Min. 

Siebenmeter: HC Aschersleben 4/4 – ThSV Eisenach II ½

Schiedsrichter: Lippoldes/PunteZuschauer: 249

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