Nach dem Trainerwechsel zur besten Rückrunden-Mannschaft

ThSV Eisenach II landet mit bestem Angriff und schlechtester Abwehr auf dem 4. Tabellenplatz

Mit 30:14 Punkten schloss der ThSV Eisenach II die Punktspielsaison in der Thüringenliga Männer auf dem 4. Tabellenplatz ab. Das jüngste Team der Liga war das torhungrigste, zirkelte 754 Bälle in die gegnerischen Kästen. Im eigenen Gehäuse landeten 705 Bälle. Kein Team der Liga kassierte mehr Gegentreffer. Mit 22:4 Punkten schwang sich der ThSV Eisenach II zum besten Rückrundenteam auf.
Ein eher unfreiwilliger Trainerwechsel brachte die Wende.

In der Hinrunde, bis zum Jahreswechsel, lief der mit Daniel Hellwig auf der Trainerposition gestartete ThSV Eisenach II den selbst artikulierten hohen Ambitionen Richtung Meistertitel hinterher. Leistungshandball mit vier Trainingseinheiten plus zusätzlichen Laufeinheiten pro Woche hieß die Devise. Wie Profis. Den voll im Berufsleben stehen Akteuren ging der Spaß am Handball verloren.

Dem hohen Druck waren die vielen jungen Spieler nicht gewachsen, erinnert sich Kapitän Qendrim Alaj. Moderner Handball beruht nicht auf Dauerlauf. Wir fühlten uns wie eine Kindermannschaft behandelt, führt Qendrim Alaj, mit 30 Jahren der weitaus Älteste im Team (Durchschnittsalter nicht einmal 22 Jahre), aus.

Niederlagen gegen zumeist nur zwei Trainingseinheiten je Woche absolvierende Kontrahenten dämpften die Stimmung. Besonders schmerzlich die Pleiten beim SV T&C Behringen/Sonneborn (32:36) und beim HSV Weimar (23:30). Es kriselte.

Die schlechte Stimmung im Nachwuchsbereich wurde auf die zweite Mannschaft übertragen. Doch wir stellten uns in der Öffentlichkeit und auch beim Vorstand hinter unseren Trainer Daniel Hellwig, blickt Qendrim Alaj zurück.

Mit einem Sieg über den SV Altenburg – und trotz magerer Punkteausbeute bis dahin – habe man sich mit einem guten Gefühl in die Pause zum Jahreswechsel verabschiedet.

Überraschung zum Jahresbeginn
Das neue Kalenderjahr begann für den ThSV Eisenach II mit einer faustdicken Überraschung. Unmittelbar vor dem Trainingsstart kündigte Daniel Hellwig.

Er habe nicht das Vertrauen der Vereinsführung gespürt, gab dieser als Begründung an.

Dem widersprach, ihm wurden im Nachwuchsbereich gerade weitere Aufgaben übertragen. Von einem „Vakuum und Schock“ spricht Qendrim Alaj rückblickend. Ein solcher Schritt habe sich in keinster Weise abgezeichnet. Als unschön bezeichnet es der Kapitän, dass sich Daniel Hellwig, mit dem er befreundet war, sich nicht einmal persönlich von der Mannschaft verabschiedet habe. Wenige Tage später vermeldete MHV-Oberligist HBV Jena die Verpflichtung von Daniel Hellwig. Die Zeiss-Städter, bei denen zum Ende der Saison der Ex-Eisenacher Erstbundesligaspieler Sergio Casanova das Amt des Geschäftsführers niederlegte, stiegen in die Thüringenliga ab und treffen in der neuen Saison auf den ThSV Eisenach II.

Erfolgsgeschichte mit Qendrim Alaj
Was tun Anfang Januar 2023? Die Fortsetzung der Punktspiele nahte. Der Vorstand des ThSV Eisenach fragte Qendrim Alaj, ob er sich – erst einmal übergangsweise – die Rolle des Spielertrainers vorstellen könne. Konnte der C-Lizenz-Inhaber und übernahm.

Als Kapitän hatte ich ja bereits viel Verantwortung übernommen. Eine spätere Trainerlaufbahn habe ich ohnehin im Blick, so Qendrim Alaj.

Er fungierte fortan als Spielertrainer, Kapitän, Regisseur und Siebenmeter-Werfer auf dem Parkett. Und das mit Erfolg! Und bis zum Saisonende. Und wohl auch in der nächsten Saison.

Der Dank geht an die Mannschaft, die mich sofort als Trainer akzeptiert hat. Keiner nahm das Ganze auf die leichte Schulter. Alle waren sofort fokussiert, blickt Qendrim Alaj zurück.

Nach Gesprächen mit dem aus Philipp Urbach, Armend Alaj und Max Schlotzhauer bestehenden Mannschaftsrat wurden Veränderungen getroffen.

Mit dem Ziel, so Qendrim Alaj, Rückkehr von Spaß und Einkehr von guter Stimmung. Handballerisch sind wir alle sehr gut ausgebildet.

Das Abwehr- und Angriffsspiel wurde verändert. Von der 3:3-Deckung kehrte man zur 6:0 zurück. Mit mehr Stabilität, aber nicht immer.

Im Angriff setzten wir auf Spielwitz, belebten alte Spielzüge, blickt der Spielertrainer zurück.

Er selbst dirigierte das Team auf dem Parkett, war mit insgesamt 129 Toren zuggleich bester Werfer (Platz 8 der Torjägerliste der Liga). Eine Stammformation hatte sich herauskristallisiert, aber auch alle anderen Akteure kamen zum Einsatz. Jeder trug zum mannschaftlichen Erfolg bei. Julius Brenner, unter Daniel Hellwig im rechten Rückraum oder Kreisläufer, teilweise nur Abwehrspieler, blühte regelrecht auf, netzte insgesamt 113 Bälle ein (Platz 14 in der Torjägerliste der Liga).

Er ist der einsatzstarke Typ, der immer wieder aufsteht, charakterisiert Qendrim Alaj den Rückraumspieler.

Sieg in Ronneburg bedeutete die Wende
Das erste Spiel mit Qendrim Alaj als Spielertrainer führte den ThSV Eisenach II in den Ronneburger Hexenkessel. Der 31:24-Auswärtssieg war das Signal zur Wende. Ein bärenstarker Deckungs-Innenblock mit Ole Gastrock-Mey kochte den Gastgeber-Angriff ab. Eisenacher Siege auf dem heißen Ronneburger Parkett waren bisher eine absolute Rarität. Er war die Initialzündung zur ausgesprochen erfolgreichen Rückrunde! Beim Abschlusstraining vor dem Auswärtsspiel in Mühlhausen zog sich Ole Gastrock-Mey einen Kreuzbandriss zu.

Ein Schock für ihn und uns alle, blickt Qendrim Alaj zurück.

Mit unbändigem Kampfgeist, mit einem per Gehhilfen das Team von der Bank unterstützenden Ole Gastrock-Mey, wurde ein Sieg in Mühlhausen bejubelt. Zwei Siege in einer Saison über den VfB TM Mühlhausen, wie in der abgelaufenen, gelangen höchst selten, hoben die Stimmung weiter an. Es wurde fleißig gepunktet. Nur zwei Niederlagen (gegen Goldbach und Meister Sonneberg) waren zu verzeichnen.

Keine Ausrutscher, betont Qendrim Alaj.

Steigende Zuschauerzahlen bei den Heimspielen gingen dem sportlichen Erfolg einher.

Wir sind ein richtiges Team geworden, auch außerhalb des Parketts, freut sich Qendrim Alaj.

Er dankte Christian Trabert, der als Freundschaftsdienst das eine oder andere Mal im Tor ausgeholfen habe.

Nächste Saison zählt er, wie auch der im Laufe der vergangenen Spielzeit bereits zurückgekehrte Ardit Ukaj, zum 18-Mann Kader, informiert Qendrim Alaj.

Youngster mit ansteigender Formkurve
Der Spielertrainer kann sich vorstellen, dass der junge Joel Stegner ihn auf Rückraum-Mitte „beerbt“. Joel Stegner, zuletzt der Stamm-Linksaußen, habe sich handballerisch und menschlich entwickelt, die Formkurve zeige nach oben.

Er hat auf der Mitte sein Können angedeutet, befindet Qendrim Alaj, der sich mehr auf die Trainer-Rolle konzentrieren möchte, aber in der nächsten Saison wohl weiterhin als Führungsspieler auf dem Parkett gefragt ist. Schlotze ist immer beim Training, immer mit 100 Prozent dabei, auch neben dem Platz ein ungemein wertvoller Mensch für unseren Verein, lobt Qendrim Alaj mit Max Schlotzhauer einen weiteren Youngster.

Im Tor entwickelte sich der 18-jährige Bastian Freitag zur Nummer 1. Mehrfach mit der Doppelbelastung 2. Männer und A-Jugend. Zusätzliche Trainingseinheiten im Zweitbundesligateam kamen hinzu.

Bastian Freitag hat in vielen Spielen gezeigt, wozu er in der Lage ist, urteilt Qendrim Alaj.

In der kommenden Saison rückt Bastian Freitag in den Kader der Bundesligamannschaft auf, als Nummer 3 auf der Torwartposition. Loben möchte Qendrim Alaj Kreisspieler Hristijan Remenski, der sich trotz Bandscheibenvorfall seit Oktober mit Schmerzen in den Dienst der Mannschaft gestellt und eine Operation verschoben habe. Diese sei am 23. Mai 2023 in Fulda erfolgt. Alle im Team hoffen, dass er beim Trainingsstart am 24. Juli 2023 dabei ist. Als „sehr großes Talent“ bezeichnet Qendrim Alaj den 18-jährigen Linkshänder Florian Müller.

Er hat alle Voraussetzungen, um eine Profilaufbahn einzuschlagen, urteilt der Spielertrainer über den jungen Rechtsaußen. Ein absoluter Teamplayer, sich mit seinen Qualitäten stets in den Dienst der Mannschaft stellend, charakterisiert Qendrim Alaj den jungen Bastian Kemmler, der aus beruflichen Gründen die Wartburgstadt verlässt.

Bastian Kemmler habe das Zeug für höhere Aufgaben.

Mit einer gesunden Mischung aus Jung und Alt wollen wir mit Spaß, Kampf und Leidenschaft einen Medaillenplatz anpeilen, zugleich unsere jungen Spieler weiter fördern, blickt Qendrim Alaj nach vorn.

Th. Levknecht

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