Nicht stressresistent, ohne Klarheit auf dem Spielfeld, in puncto Bereitschaft unterlegen 

Bildquelle: sportfotoseisenach – Felix Aellen wurde immer früh attackiert

ThSV Eisenach kassiert 33:36 (15:16) – Niederlage bei Zweitligist TV Emsdetten und scheidet in der 2. DHB-Pokal-Runde aus

„Pokalspiele haben was Spezielles“, hatte Niclas Heitkamp, der Ex-Eisenacher in den Reihen des TV Emsdetten, im Vorfeld erklärt und auf den Pokalcoup gegen den Erstbundesligisten gehofft. Er selbst konnte aufgrund einer im Abschlusstraining zugezogenen leichten Gehirnerschütterung nicht mitwirken. Der Zweitbundesliga-Aufsteiger verwandelte seine Heimspielstätte Ems-Halle in ein Tollhaus, bejubelte mit 1.699 Zuschauern einen verdienten 36:33 (16:15) -Erfolg über den ThSV Eisenach und zog ins Achtelfinale des DHB-Pokals ein. 

Wenige Tage nach der famosen Leistung bei der knappen 27:28-Niederlage im Punktspiel gegen den THW Kiel enttäuschte der ThSV Eisenach auf der ganzen Linie. Mehr als eine Vorentscheidung fiel zwischen der 36. und 43. Minute, als die Gastgeber einen 18:19-Rückstand in eine 25:20- Führung verwandelten. Sie hatten in Keeper Oliver Krechel den „Man of the Match“, der 11 Bälle abwehrte, darunter drei Siebenmeter (2 von Felix Aellen, 1 von Oskar Joelsson). In der Schlussphase kaufte auch noch Paul Dreyer Eisenachs Felix Montebovi einen Strafwurf ab. Das Torhüterduell ging insgesamt Unentschieden aus. Die ThSV-Keeper Mats Gruppe und Matija Spikic parierten wie ihre Emsdettener Kollegen 14 Bälle, doch die entscheidenden und spektakulären Oliver Krechel. „Emsdetten war uns von der Bereitschaft her überlegen. Eigentlich sind wir das stets. Das war ein ausschlaggebender Punkt“, konstatierte Sebastian Hinze, der Coach des ThSV Eisenach. „Wir waren nicht stressresistent, wir haben es nicht geschafft, Klarheit auf das Spielfeld zu bringen“, fügte Sebastian Hinze hinzu.  „Mit einer großen Portion Mut schafften wir die Pokalüberraschung. Wir haben in der Abwehr die Eins gegen Eins-Duelle mit der notwenigen Körperlichkeit geführt, uns von Beginn erfolgreich entgegengestellt, den entscheidenden Vorsprung erarbeitet“, strahlte Lennart Lingener, der Trainer des TV Emsdetten, der „aus der Not geboren“, mit drei Linkshändern operierte. „Spieldynamik und die Atmosphäre sprachen mit für uns. Wir haben uns in eine Euphorie und in einen Flow gespielt, die Halle angezündet“, fügte Lennart Lingener hinzu. Er musste ab der 19. Minute auf Robin Jansen verzichten, der nach einem groben Foul von den sicher amtierenden Schiedsrichtern Marvin Cesnik und Jonas Konrad Rot sah. Βeide verhängten insgesamt nur drei Zeitstrafen (zwei gegen Eisenach). „Eine tolle Mannschaftsleistung. Alle waren auf den Punkt da, haben performt. Solche Tage braucht man, wenn man einen vermeintlichen Favoriten schlagen will. Wir merkten schnell, im Zusammenspiel mit der Halle geht was, landeten einen hoch verdienten Sieg“, unterstrich der zuschauende Niclas Heitkamp. Er hofft, am Wochenende um Punkte gegen den VfL Lübeck-Schwartau wieder mitwirken zu können. 

sportfotoseisenach – ThSV-Kapitän Peter Walz trifft vom Kreis

„Wir haben uns, wie auch zu jedem Ligaspiel, intensiv vorbereitet. Jeder wusste um seinen Job. Wir haben dem Druck nicht standgehalten. In kleinen Hallen, wie in Emsdetten und wie auch in unserer Halle, ist der Druck von außen größer als in weitläufigen Hallen wie in Kiel oder Mannheim. Mit zunehmender Spielzeit zappelte fast jeder Emsdettener Ball in unserem Tor“, befand Eisenachs Kreisläufer und Innenblocker Tillman Leu. Er düste nach dem Abpfiff gesondert nach Eisenach, stand für ihn – Lehramtswärter Biologie und Sport – am nächsten Tag in Leipzig eine Biologie-Prüfung an. 

„Bei uns fehlten in jeder Aktion ein bis zwei Prozente. Im Angriff und in der Abwehr. Das Vertrauen in den Nebenmann links und rechts hat zunehmend gefehlt. Wir sind nervös geworden, uns unterliefen technische Fehler. Emsdetten stellte sich uns bissig gegenüber“, bilanzierte Eisenachs Angriffsregisseur Felix Aellen (6 Treffer aus 9 Versuchen).  Sein Rückraum-Kollege Stephan Seitz (3 Treffer aus 3 Versuchen), der immer wieder mit Power den Kreis der Hausherren ansteuerte, sah sich ab Mitte der ersten Halbzeit bei jedem Ballbesitz einem gellenden Pfeifkonzert ausgesetzt. Die einheimischen Fans nahmen dem Linkshänder eine Angriffsaktion übel. „Wie alle Mannschaften in der 2. Liga, der TV Emsdetten ist keine Hobby-Truppe. Wir haben es nicht geschafft, die Halle gleich zum Verstummen zu bringen. Stattdessen spielt sich der Gastgeber in einen Flow und hat verdient gewonnen“, befand ThSV-Rechtsaußen Gian Attenhofer, der 5 Tore aus 6 Versuchen markierte. 

sportfotoseisenach – Eisenachs Linkshänder Stephan Seitz steuerte immer wieder mit Vehemenz die Abwehr des TV Emsdetten an

Zum Spielverlauf

„Wir gingen wie gegen Kiel seriös vorbereitet in diese Partie, hatten uns einen Matchplan erarbeitet“, betonte Sebastian Hinze. Er begann mit Dominik Solak, Felix Aellen und Stephan Seitz im Rückraum, Felix Montebovi und Moritz Ende auf den Außenpositionen, Peter Walz am Kreis und Mats Grupe im Tor. Tillman Leu löste Felix Montebovi in der Abwehr ab. Tillman Leu und Dominik Solak bildeten zunächst den Deckungs-Innenblock, später auch Justin Kurch und Tillman Leu. Nach einer Viertelstunde übernahm Gian Attenhofer die Rechtsaußenposition. Bis zur 9. Minute waren bereits 12 Tore gefallen (6:6). Die Hausherren initiierten – wie erwartet – etliche Spielzüge in Kooperation mit dem Kreis. „Anfangs lief es aber noch ganz gut für uns“, befand ThSV-Torhüter Mats Gruppe. Felix Montebovi (insgesamt 7 Treffer aus 10 Versuchen) schloss konsequent über Linksaußen ab, Peter Walz (6 Tore auf 7 Versuchen) behauptete sich am Kreis. Im Doppelpack versenkte Gian Attenhofer von Rechtsaußen zum 8:10 (16.). Kurz darauf scheiterte Felix Aellen vom Strich. Der TV Emsdetten gleicht zum 10:10 durch Marius Kluwe aus. In Überzahl unterläuft Oskar Joelsson ein Schrittfehler, zieht Fynn Hasenkamp aus zentraler Position zum 12:11 ab (20.). Sebastin Hinze bringt im Rückraum mit Elias Scholtes, Vukasin Antonijevic und Oskar Joelsson neues Personal. Doch die Hausherren treffen durch Marius Luve vom Kreis zum 14:12 (24.). Mats Grupe (7 Paraden in der 1. Halbzeit) sorgt dafür, dass die Eisenacher nicht weiter in Rückstand geraten. Die Emsdettener warten mit einem guten Rückzugsverhalten auf, stellen die Eisenacher immer wieder zum Zweikampf. Jeder dieser Aktionen wird von den Rängen bejubelt. Felix Aellen besorgte mit energischem Einsatz den 15. ThSV-Treffer, sodass beim Stand von 16:15 die Seiten gewechselt wurden. 

sportfotoseisenach – Felix Montebovi am Siebenmeter-Strich

Mit ganz viel Leidenschaft ging der TV Emsdetten auch in die zweite Halbzeit. Doch die Eisenacher schienen zu ihrer Linie gefunden zu haben. Angriffsaktionen über beide Außen gehörten dazu. Elias Scholtes traf aus dem rechten Rückraum zum 17:18 (34.). „Doch dann unterliefen uns Fehler im Tempospiel“, ärgerte sich Sebastian Hinze. Es gelang nicht, das 18:19 (36.) durch Felix Aellen zu behaupten. Die Eisenacher liefen sich in der Emsdettener Abwehr fest, unter Druck unterliefen technische Fehler (insgesamt 13). Von einem „Bruch im Spiel“ und „die Halle brannte“ sprach später Mats Gruppe. ThSV-Rückraumspieler Dominik Solak (1 Tor aus 6 Versuchen) hämmerte das Leder über den Emsdettener Kasten, Oskar Joelsson brachte – nach Foul an Stephan Seitz – das Leder vom Strich nicht unter (42.). Der TV Emsdetten spielte sich in einen Rausch. Die Zuschauer hielt es nicht auf ihren Sitzen. Der Erstbundesligist von der Wartburg zeigte Nerven. Sebastian Hinze versuchte mit zwei Auszeiten (43./46.) Einfluss zu nehmen. Matija Spikic war bereits ins ThSV-Tor gekommen. Doch auch er konnte die Bälle zunächst nur aus dem Netz holen. Schlagwürfe über die Mitte zischten ins ThSV-Gehäuse zum 29:22 (48.). „Wir bekamen erhebliche Probleme in Abwehr und Angriff“, konstatierte Oskar Joerlsson. „Wir öffneten die Deckung, uns gelang es aber nicht zu verkürzen, stattdessen kassierten wir einfache Gegentore“, rekapitulierte Mats Gruppe. Sein Torwartkollege Matija Spikic, in der 42. Minute eingewechselt, wehrte zwar 5 Bälle ab, doch das hatte letztendlich nur statistischen Wert, Beim 32:26 (53.) waren längst „alle Messen gelesen“. Der TV Emsdetten probierte nun sogar das 7 gegen 6 unter Wettkampfbedingungen. Den Wartburgstädtern blieb nur Ergebniskosmetik durch Peter Walz, Felix Aellen und Dominik Solak zum 36:33-Endstand. 

sportfotoseisenach – Elias Scholtes gegen die Emsdettener-Abwehrspieler Fynn Hasenkamp (Nr.20) und Marcel Timm (Nr. 32)
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Montag Punktspiel beim HC Erlangen

Der ThSV Eisenach ist am Montag, 28.09.2026 in der Opel Handball-Bundesliga gefordert. Die Wartburgstädter gastieren um 19.30 Uhr beim HC Erlangen. 

Statistik TV Emsdetten – ThSV Eisenach 36:33 (16:15)

TV Emsdetten:
Krechel (11 Paraden), Dreyer (ab 55./ 3 Paraden); Meuser (4), Terhaer (3/1), Budelmann (5), Träger (2), Beekmann, Gorspishin (1), Dörtelmann, Hasenkamp (4), Jansen, Tobeler (8), Timm (1), Kluwe (5). Damböck (3)

ThSV Eisenach:
Gruppe (9 Paraden), Spikic (ab 42./ 5 Paraden); Joelsson (1), Scholtes (2), Capric, Attenhofer (5), Walz (6), More, Ende, Aellen (6), Solak (1), Antonijevic, Seitz (3), Kurch, Montebovi (7/1), Leu (2)

Siebenmeter:
TV Emsdetten 1/1 – ThSV Eisenach 1/5

Zeitstrafen:
TV Emsdetten 1 x 2 Min. ThSV Eisenach: 2 x 2 Min. 

Schiedsrichter:
Cesnik/Konrad 

Zuschauer:
1.699

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