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Nur eine gute Halbzeit für Punktgewinn zu wenig

In der nur spärlich besetzten Ballsporthalle Frankfurt-Höchst unterlag der ThSV Eisenach im Duell zweier Tabellennachbarn der gastgebenden SG Wallau-Massenheim mit 29:25 (14:14). Für die Hessen genoss diese Partie höchste Priorität, musste nach der Niederlage beim Abstiegskandidaten Solingen unbedingt ein voller Erfolg her, um sich für den Europapokal zu qualifizieren. Der eigentlich als verletzt gemeldete Spielmacher Igor Lavrov musste sogar ran, überzeugte mit Spielwitz und Torgefahr, markierte selbst 7 Treffer.

Mit Jensen und Feuerwehrstart
Die Eisenacher begannen mit Jonny Jensen für den grippegeschwächten Preben Vildalen auf der Regieposition. Die Abwehr agierte sofort mit Biss, gedanklicher und körperlicher Frische. Blitzsaubere Konter, abgeschlossen durch Sergio Casanova, Elmar Romanesen und Stephan Just führten zum 0:3 (5.Min.). Die Gastgeber machten in Überzahl (Amalou saß zwei Minuten draußen) Druck. Zwei Treffer des wurfgewaltigen Pascal Hens führten zum 2:3 (8.). Martin Reuter antwortete mit dem 2:4 (9.) und Jonny Jensen zog urplötzlich ab (3:5, 10.). Stephan Just hob nach 11 Minuten das Leder über Wallaus Schlussmann Zoran Djordic, aber auch über die Querlatte. Als Sergio Casanova scheiterte, markierte Wallaus Neuzugang Jan-Henrik Behrends von Rechtsaußen zum 6:5 (14.). Die Wallauer Führung glich Eisenach immer wieder postwendend aus. Einen Tempogegenstoß der Eisenacher landete nach Amalou-Fehler genau in den Armen von Wallaus Oldie Mike Fuhrig. (Der Leipziger beendet im Sommer seine lange und erfolgreiche Laufbahn). Jan-Henrik Behrends überwand Dragan Jerkovic zum 9:8 (21.).

Die Hallenuhr fiel aus – der ThSV drehte auf
Für den Rest der 1. Halbzeit verabschiedete sich die Hallenanzeige. Dafür stand der ThSV Eisenach nun voll unter Strom. Die Eisenacher Abwehr samt Schlussmann Dragan Jerkovic kaufte Wallau in dieser Phase den Schneid ab. 4 blitzsaubere Konter versenkten Eric Amalou (2), Stephan Just und Elmar Romanesen zum 9:12 Zwischenstand (24.). Die etwa 100 in blau-weiß gehüllten ThSV-Anhänger waren bester Stimmung, hatten die Halle akustisch klar im Griff.
Selbst ein ausgelassener Strafwurf, Joulin scheiterte an Djordic, stoppte die Eisenacher nicht. Als der druckvolle Jonny Jensen regelwidrig gestoppt wurde, verwandelte Stephan Just vom Punkt zum 10:13 (25.). Wallaus Klasse-Keeper Zoran Djordic zog sich beim Abwehrversuch vermutlich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu, der das Aus für diese Begegnung und wahrscheinlich auch für diese Saison bedeutete. Sein «Vertreter» Marcus Rominger war jedoch keinen Deut schlechter. Die Eisenacher leisteten sich technische Fehler im Vorwärtsgang und im Positionsspiel klappte es nicht so recht. Wallau kam praktisch mit der Halbzeitsirene zum psychologisch wichtigen 14:14 Ausgleichstreffer.

ThSV mit Problemen im Positionsangriff
Auch nach Wiederbeginn wirkte der Eisenacher Spielaufbau zu statisch. Das Überraschungsmoment fehlte. Wallau ging mit 16:14 in Führung (32.). Zwei von Stephan Just sicher verwandelte Strafwürfe, vorausgegangen waren Regelwidrigkeiten an Sergio Casanova und Karsten Wöhler, brachten den 16:16 Ausgleich (37.). Wallau ließ den Ball geschickt durch die eigenen Reihen laufen, suchte den listigen «Weltenbummler» Andreas Rastner am Kreis. Igor Lavrov tänzelte durch die ThSV-Abwehr – 19:16 (43.). Beim Stand von 20:17 «fischte» Wallaus Torhüter Marcus Rominger einen Romansen-Ball herunter, Lavrov erhöhte auf 21:17 und Andreas Rastner sogar auf 22:17 (48.). Dieses 5-Tore-Polster war dennoch kein Ruhekissen für die Hessen, die von ihrem Coach Martin Schwalb wild gestikulierend am Spielfeldrand ständig aufgeputscht wurden.

Stephan Just – Mister 100% vom Punkt
Mit Preben Vildalen nun auf der Regieposition versuchten die Eisenacher auf Tuchfühlung zu bleiben. Eigene Stockfehler erschwerten das freilich. (Wöhler,55.). Der vom Punkt kaltblütige Stephan Just, 6 Versuche/6 Treffer, ließ immer wieder stille Hoffnung im Eisenacher Lager aufkommen. So beim Treffer zum 25:27 (aus Eisenacher Sicht) in der 59.Minute. Was in den Schlusssekunden noch alles möglich ist, erlebten die Eisenacher beim letzten Heimspiel gegen Flensburg schmerzlichst am eigenen Leibe. Doch Steffen Webers Tor zum 28:25 bedeutete die endgültige Entscheidung.

TRAINERSTIMMEN
Peter Rost (Eisenach): Aufgrund der 2. Halbzeit ist der Gesamterfolg von Wallau als verdient zu bezeichnen. Wir haben sehr gut begonnen, agierten in der Abwehr sehr beweglich und höchst konzentriert. Infolgedessen gelang uns durch leichte Treffer eine 3-Tore-Führung. Zum Ende der 1. Halbzeit offenbarten wir Schwächen im Positionsangriffsspiel, die sich in der 2. Halbzeit fortsetzten. Diese Niederlage in einem insgesamt nicht schönen Handballspiel wirft uns nicht um.
Martin Schwalb (Wallau): Meine Mannschaft beeindruckte von Beginn mit hohem Kampfgeist. Für uns galt es, mit einem Sieg über die starken Eisenacher unsere Europapokalchancen zu wahren. Dieser Druck war deutlich spürbar. Ohne Linkshänder offenbarten wir Probleme in der Angriffsgestaltung. Gegenstöße der Eisenacher brachten uns in Rückstand. Psychologisch ungemein wichtig, der Treffer zum 14:14 Ausgleich kurz vor der Halbzeitpause. In den zweiten 30 Minuten standen wir in der Abwehr besser. Marcus Rominger, für den verletzten Zoran Djordic im Kasten, hielt ganz wichtige Bälle. Unser Spiel nach vorn lief besser, wir kontrollierten das Geschehen. Mit diesem Erfolg dürften wir uns nach Lage der Dinge, wobei ich auf die Gerechtigkeit der oberen Instanzen setze, für den Europapokal qualifiziert haben. Das freut uns ungemein. Meiner dezimierten und arg geschlauchten Mannschaft habe ich 3 Tage trainingsfrei gegeben, um vom Handball abzuschalten. Meine Jungs sollen durchatmen, bevor die beiden letzten Spieltage anstehen.

STATISTIK
Wallau: Djordic (1.-27.), Rominger (27.-60.); Fuhrig, Immel (2), Hens (7), weber (2), Bengs (1), Rastner (5), Meyer, Werum (2), Lavrov (7/2), Behrends (3);
Eisenach: Jerkovic, Lehmann (n.e.); Romanesen (4), Wöhler (2), Joulin (1/1), Amalou (2), Vildalen (2), Reuter (2), Bitterlich, Jensen (2), Just (8/6), Casanova (2)

Zeitstrafen: Wallau 3 x 2 Min.; Eisenach 3 x 2 Min.
Siebenmeter: Wallau 2/2; Eisenach 8/7
Schiedsrichter: Bracklow/Lohde (Woggersin/Rowa)

Zuschauer: 2000 (nach Angaben von Wallau-Manager Stefan Schöne, nach Schätzungen höchstens 1500)

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