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Schon bis zur Halbzeit zwölf technische Fehler

Nach fünf Auswärtssiegen in Folge musste der ThSV Eisenach am Ostersamstag die Rückfahrt aus Baden-Württemberg mit einer Niederlage im Gepäck antreten. Im Spitzenspiel des 28. Spieltages der 2. Handballbundesliga der Männer bezwang die SG BBM Bietigheim vor 1310 Zuschauern das Team von der Wartburg mit 28:22 (13:10).

Der ThSV Eisenach verbleibt dennoch auf dem dritten Tabellenplatz; der Vorsprung auf den ärgsten Verfolger HSG Nordhorn (32:30 Sieger über den im Abstiegsstrudel befindlichen SC DHfK Leipzig) schmolz allerdings auf drei Zähler. Auch die SG Bietigheim rückte nach Pluszählern bis auf drei heran. Der ThSV Eisenach hat den Fortgang der Dinge weiterhin in eigener Hand!

Zusätzlicher Wermutstropfen für die Wartburgstädter am Ostersamstag, der blendend aufgelegte Rückraumspieler Girts Lilienfelds zog sich während eines Zweikampfes bereits im ersten Abschnitt eine Fußgelenkverletzung zu, biss bis in die zweite Halbzeit hinein auf die Zähne, markierte bis zu seinem Ausscheiden sieben Treffer und war damit erfolgreichster Werfer seines Teams. Ob es sich um einen Bänderriss handelt, wird eine medizinische Untersuchung zu Wochenbeginn ergeben.

Der Spielausgang basierte auf zwei Grundursachen. Die im Leistungshoch befindlichen Gastgeber trumpften auch ohne drei verletzt pausierende Leistungsträger (Thorsten Salzer, Freudl, Durak) am 51. Geburtstag ihres Trainers Jochen Zürn groß auf. Der ThSV Eisenach bot hingegen ein völlig ungewohntes Fehlerfestival im Angriff. «Schon bis zur Halbzeit unterliefen uns zwölf technische Fehler», ärgerte sich Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson und sprach vom «undisziplinietestem Auftritt seiner Mannschaft seit langem». Diese Ostergeschenke nahmen die Hausherren mit Wohllust an, starteten zu bestens strukturierten Tempogegenstößen. Rechtsaußen Marcel Schäfer dokumentierte hierbei seine Qualitäten, verwandelte zudem alle seinem Team zuerkannten Strafwürfe und wurde in der Summe mit zehn Treffern notiert. «Wir haben die Partie nicht in der Abwehr sondern im Angriff verloren, fanden einfach nicht zu unserem Rhythmus, nicht zu unserer Form der letzten Wochen», stellte Adalsteinn Eyjolfsson fest. «Hannes Jonsson agierte überpacet», fügte der Eisenacher Coach hinzu. Als echte Alternative für die Rolle des Spielgestalters wurde der langzeitverletzte Tomas Sklenak schmerzlich vermisst. Daniel Luther, einer der Matchwinner vom jüngsten Sieg über den TV Hüttenberg, leicht angeschlagen in die Partie gegangen, konnte kaum Impulse setzten, agierte reserviert. Die SG Bietigheim, mit einem umsichtigen und selbst torgefährlichen Andreas Blodig auf der mittleren Aufbauposition sowie einem kurz vor dem Karierende stehenden Keeper Milos Hacko (39 Jahre) in prächtiger Verfassung, startete mit einer 3:0-Führung (4.). Dem ThSV Eisenach, lautstark angefeuert von über 100 mitgereisten Fans, gelang im gesamten Spielverlauf nur ein einziges Mal, beim 4:4 (9.), der Ausgleichstreffer. «Wir liefen ständig einem Rückstand hinterher», konstatierte ein enttäuschter ThSV-Coach. «Wir haben Eisenachs Spielweise im Vorfeld analysiert, die Erkenntnisse bestens umgesetzt und die Gäste gestoppt. Sind wir einmal in der Vorwärtsbewegung, haben Geschwindigkeit aufgenommen, kommen unsere Qualitäten zum Tragen», strahlte ein beifallumrauschter Bietigheimer Trainer Jochen Zürn, dessen Vertrag allerdings über die Saison hinaus nicht verlängert wurde. «Die Hausherren haben diszipliniert gespielt. Ihre Stärke, die erste Welle optimal eingesetzt, letztendlich souverän und verdient gewonnen», zollte Adalsteinn Eyjolfsson dem Gastgeber Lob.

ThSV Eisenach: Hoffnung nach Zwischenspurt
Und dennoch, um die 50. Minute, bei einem energischen Zwischenspurt der Wartburgstädter, wackelte der Sieg der Gastgeber. Diese schienen beim 22:16 (48.) fast schon im sicheren Hafen. Die Eisenacher, mit einer offensiveren auf Ballgewinne ausgerichteten Abwehr, bewiesen eine intakte Moral, eroberten sich nun auch das Leder und steuerten mit Vehemenz das Hacko-Gehäuse an. Die Hausherren wankten. Hannes Jonsson verwandelte zwei Strafwürfe, an Duje Miljak und ihm selbst verwirkt. Dann war Radek Musil im Eisenascher Kasten zwei Mal zur Stelle. Adrian Wöhler versenkte eine Ballstafette von Linksaußen, Daniel Luther zog endlich einmal scharf ab. Beim 22:20 (53.) war wieder alles offen. Die Gastgeber griffen zur grünen Karte. «Ich stimmte meine Jungs auf die offensive Abwehr der Eisenacher ein», erklärte ein schmunzelnder Bietigheimer Trainer Jochen Zürn. Das 23:20 durch den zur Kreismitte eingelaufenen Andreas Blodig beantwortete Benjamin Trautvetter mit dem 21. Eisenacher Treffer (23:21, 55.). Dann hob Robin Haller das Leder überlegt zum 24:21 ins Eisenacher Netz. Zwei neuerliche Eisenacher Zuspielfehler nutzte Rechtsaußen Marcel Schäfer um per zwei Tempogegenstöße binnen weniger Sekunden sein Torekonto aufzustocken und seinen Platz in der Spitzengruppe der Torjägerliste der Liga zu untermauern (26:21, 56.). So richtig in Spiellaune zauberte die SG Bietigheim, Robin Haller gelang gar ein umjubelter Kempa-Treffer zum 28:21 (59.). Ausgelassen tanzten Spieler und Offizielle der SG Bietigheim nach dem vierten Sieg in Folge auf dem heimischen Parkett der Sporthalle am Viadukt.

Exakt eine Woche zuvor tanzte noch der ThSV Eisenach auf dem Parkett der Werner-Aßmann-Halle, nach einem per rasantem Schlussspurt erzielten 27:24-Erfolg über den TV Hüttenberg. Erfolge und Niederlagen wechseln im Sport. «Das war heute allerdings nicht der wahre ThSV Eisenach», betonte Adalsteinn Eyjolfsson und ergänzte mit Nachdruck, «in den nächsten Spielen müssen wir uns gewaltig steigern.»

Girts Lilienfelds mit großer Torgefahr aus dem rechten Rückraum
Der ThSV Eisenach setzte auf sein zuletzt bewährtes Rezept: den Deckungsriegel mit Nicolai Hansen, Branimir Koloper, Duje Miljak und Daniel Luther. Im Vorwärtsgang wurden die Kreativkräfte Hannes Jon Jonsson und Girts Lilienfelds eingewechselt. Nicolai Hansen verblieb auch im Angriff auf dem Parket, besetzte die Kreisposition. Er scheiterte zunächst an SG-Keeper Milos Hacko (2.) während die Hausherren resolut zum 3:0 (4.) abschlossen. Hannes Jon Jonnson und Adrian Wöhler trafen zum Anschlusstreffer (3:3, 5.). Der aus dem rechten Rückraum nicht zu stellende Girts Lilienfelds besorgte mit seinem Treffer zum 4:4 (9.) den ersten und zugleich letztmaligen Gleichstand. Eisenacher Zuspielversuche zur Kreismitte landeten nicht beim gewünschten Empfänger, waren vielmehr Ausgangspunkt für Tempogegenstößer. «Wir kassierten zehn Kontertor», schüttelte Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson den Kopf. Christian Heuberger traf zum 6:4 (11.). Hart bedrängt und dabei sich die Fußverletzung zuziehend, zeichnete sich Girts Lilienfelds für den fünften ThSV- Treffer verantwortlich (7:5, 15.). Doch die Fehlerkette bei den Thüringern riss nicht ab. Christian Schäfer versenkte per Konter zum 9:6 (16.). Auszeit durch den ThSV Eisenach. Kurz darauf Konter der Hausherren durch Andre Lohrbach zum 10:5 (17.). Auf Seiten der Eisenacher schien nur Girts Lilienfelds das richtige Angriffsrezept zur Stelle zu haben. Radek Musil löste Stanislaw Gorobtschuk im Eisenacher Kasten ab (19.). Wie die Abwehr der Hausherren zu knacken war: Hannes Jonsson bediente den zur Kreismitte eingelaufenen Adrian Wöhler, der das Leder im Kasten unterbrachte (12:6, 21.). Radek Musil lenkte den Ball um das Eisenacher Gehäuse. Doch für die Offensivkräfte der Gäste war bei SG-Keeper Milos Hacko Endstation oder der Pfosten, wie beim Heinemann-Siebenmeter (25.), stand im Wege. Dann wusste sich Adrian Wöhler nur auf Kosten eines Strafwurfes und einer Zeitstrafe zu helfen. Christian Schäfer verwandelte zum 13:9 (29.). Girts Lilienfelds traf mit seinem fünften Treffer zum 13:10-Pausenstand.

Bietigheim «dankt» für Eisenacher Osterpräsente
Kurz vor dem Seitenwechsel hatten die Eisenacher bereits ihre linke Angriffsseite mit Alexander Schiffner und Eryk Kaluzinski neu besetzt. Mit dieser ging es auch in den zweiten Abschnitt. Die hellwache und leichtfüßige Abwehr der Gastgeber unterband immer wieder Eisenacher Zuspielversuche, angelte sich das Leder und schraubte sofort das Tempo hoch, traf nach dem 15:13 (35.) zum 19:13 (39.). Daniel Luther kam in den linken Rückraum, Adrian Wöhler auf die Linksaußenposition zurück. Wenig später besetzte Duje Miljak für den aufgrund seiner in der ersten Hälfte zugezogenen Fußverletzung auf der Wechselbank platznehmenden Girts Lilienfelds im Angriff den rechten Rückraum. Benjamin Trautvetter kam in Angriff und Abwehr. Er schloss eine Ballstafette zum 14. Eisenacher Treffer ab (19:14, 43.). Dann demonstrierte die SG Bietigheim ihre Torgefahr aus dem Rückraum, traf durch Timo Salzer und Tim Coors zum 21:16 (46.). Andre Lohrbach erhöhte per Tempogegenstoß über Linksaußen auf 22:16 (48.). Es folgte ein rasanter fünfminütiger Eisenacher Zwischenspurt zum 22:20 (53.). Zu mehr reichte es an diesem Tag nicht; aufgrund der Antworten der Hausherren und der Fehler des ThSV Eisenach auch im Schlussgang.

Punktspielpause / Am 13.04.2013 Heimspiel gegen Leutershausern
Die Handballbundesligen pausieren aufgrund von Länderspielaufgaben am kommenden Wochenende. Der ThSV Eisenach greift wieder am Samstag, 13.04.2013 ins Punktspielgeschehen, empfängt an diesem Tag die SG Leutershausen, die mit einem 27:24-Erfolg über den HC Erlangen für eine faustdicke Überraschung sorgte. Der Ticketverkauf für die Partie des ThSV Eisenach gegen die SG Leutershausen ist in allen bekannten Vorverkaufsstellen bereits angelaufen. Reservierungen sind möglich unter Tel. 03691/72350 oder 82800.


Statistik

SG BBM Bietigheim: Hacko, Welz; Haller (2), P. Rentschler, Timo Salzer (2), Heuberger (4), Schäfer (10/4), Coors (3), Blodig (5), M. Rentschler, Schulz, Lohrbach (2)

ThSV Eisenach: Gorobtschuk, Musil; Trautvetter (2), Wöhler (2), Jonsson (6/2), Luther (1), Miljak, Stölzner, Kaluzinski, Hansen, Schiffner, Heinemann (4/2), Lilienfelds (7), Koloper

Siebenmeter: Bietigheim 4/4 – Eisenach 5/4

Zeitstrafen: Bietigheim 3 x 2 Min. – Eisenach 4 x 2 Min.

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