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Selten war es so leicht in Eisenach zu gewinnen!

ThSV Eisenach kassiert klare 28:24 (10:17)- Heimniederlage gegen TuSEM Essen • Sonntag folgt das schwere Auswärtsspiel in Gummersbach

Selten war es so leicht in Eisenach zu gewinnen, gestand Michael Hegemann, der Co-Trainer von TuSEM Essen.

Der Ex-Nationalspieler muss es wissen, gastierte er während seiner langen Laufbahn mehrfach in der Werner-Aßmann-Halle. Der gastgebende ThSV Eisenach unterlag in einem Nachholspiel des 12. Spieltages TUSEM Essen unerwartet klar mit 28:34 (10:17). Spätestens zu Beginn der zweiten Halbzeit, beim 11:22 (37.), war die Punktevergabe geklärt. Zumindest das Torhüterduell ging über die Distanz Remis aus. Für die blutjungen Eisenacher Schlussleute Johannes Jepsen und Fran Lucin wurden zusammen 10 abgewehrte Bälle notiert. Auf die gleiche Anzahl kam TuSEM-Dauerbrenner Sebastian Bliss, der mit 7 abwehrten Bällen im ersten Abschnitt nicht unmaßgeblich zur klaren 7-Tore-Pausenführung seines Teams beitrug.

Wir haben es TuSEM zu einfach gemacht, verwerfen gleich in der Anfangsphase zu viele Bälle, geraten mit 2:8 in Rückstand. Schnell gingen die Köpfe runter. Ich sage es ungern, aber da war keine Mentalität mehr da, gestand Eisenachs Rückraum-Mitte-Mann Jannis Schneibel.

Erneut gelangen dem ThSV Eisenach in der ersten Viertelstunde nur ganze drei Treffer.

Unsere miserable Chancenverwertung ist leider ein aktuelles Thema. Hinzu kommen zu wenig Druck aus dem Rückraum, zu wenig Tiefe, zu viele Gegentore aus der ersten und zweiten Welle. Standen wir im System, gelang TuSEM nicht allzu viel, konstatierte ThSV-Rückraumspieler Jonas Ulshöfer. Wir sind unseren Gästen sehr entgegengekommen, haben sie in unserer Halle praktisch eingeladen. Nach 15 Minuten war nahezu alles entschieden. Dass wir die zweite Halbzeit mit einem Tor gewonnen haben, tröstet nur wenig. Wir haben alles probiert, doch es war der Wurm drin. TuSEM hat souverän sein Pensum heruntergespult, bilanzierte Maik Nowak, der Sportliche Leiter des ThSV Eisenach.

Der erfahrene Handball-Lehrer und ehemalige DHB-Auswahltrainer bat zugleich um Verständnis für die blutjunge Eisenacher Rückraumreihe, die solche Situationen noch nicht meistern könne. Aufgekratzt zeigte sich TuSEM-Coach Jamal Naji:

Wir hatten gehörigen Respekt vor dem THSV Eisenach und der Werner-Aßmann-Halle. Wir haben die 5:1-Abwehr der Gastgeber taktisch sehr gut bespielt, mit Disziplin und in der Auswahl der Auslösehandlungen. Unser Torhüter meisterte gleich zu Beginn Würfe aus Nahdistanz, das gab uns Sicherheit. In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut verteidigt, fast noch besser angegriffen. Mit einem 4:1-Tore-Lauf zu Beginn der zweiten Halbzeit waren die Weichen klar gestellt. Wir hätten noch deutlicher als mit 6 Toren Differenz gewinnen können, versäumten dies in der Phase zwischen der 40. und der 60. Minute, räumten da Eisenach die Möglichkeit zu mehr Treffern ein. Wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir das besser machen.

Misha Kaufmann, Eisenachs Coach, war doch merklich geknickt.

Wir hatten kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu. Ich nehme die Niederlage auf meine Kappe, entschuldige mich bei unseren Zuschauern. Ich war machtlos, hatte keine Möglichkeit des Eingreifens. Wir haben wieder einmal gute Torchancen nicht genutzt. Unser junges Team unterliegt einem Lernprozess. Es besteht kein Grund zum Schwarzmalen. Wir haben schließlich auch schon sehr gute Spiele gezeigt. Auch Niederlagen gehören zum Leben von Sportlern. Entscheidend ist das Wiederaufstehen. Das gilt für uns schon am Sonntag im Auswärtsspiel beim VfL Gummersbach, erklärte der Schweizer in Diensten des ThSV Eisenach.

Maik Nowak bedankte sich ausdrücklich bei den 500 Zuschauern (mehr waren erneut nicht zugelassen), die ein feines Gespür bewiesen und die Mannschaft bis zum Schluss unterstützt hätten.

TuSEM dominierte von Beginn selbstbewusst
Zu wenige Überraschungsmomente, zu ausrechenbar das Eisenacher Angriffsspiel. Die Würfe der Hausherren, oftmals unzureichend platziert, wurden eine leichte Beute von TuSEM-Schlussmann Sebastian Bliss. Dieser meisterte auch gleich einen Hangstein-Siebenmeter (6.). ThSV-Keeper Johannes Jepsen tat es ihm gleich, als er Noah Beyer einen Strafwurf abkaufte (11.). Erneut versenkten die Wartburgstädter in der ersten Viertelstunde nur 3 Bälle. Selbstbewusst trumpften die Gäste um Rückraum-Mitte-Mann Justin Müller (6 Treffer) und ihrem Rückraum-Rechten Lucas Firnhaber (4 Treffer) auf. ThSV-Coach Misha Kaufmann versuchte mit personellen Wechseln einzugreifen. Nach dem 3:8 (14.) gingen die Eisenacher volles Risiko, entschieden sich für ein 7 gegen 6, für den zusätzlichen Feldspieler für den Torhüter. ThSV-Coach Misha Kaufmann versuchte zudem mit personellen Wechseln einzugreifen. Beide Außen (Snajder/ Tokic) scheiterten zunächst, wurden durch Willy Weyhrauch und Adrian Wöhler ersetzt. Die körperlich präsente TuSEM-Abwehr ließ sich kaum überlisten, vorn zelebrierten die Gäste einen Kempa-Treffer zum 4:10 (18.). Die Hausherren scheiterten selbst in Überzahl, während die Ruhrpott-Sieben in Unterzahl durch Dimitri Ignatov zum 6:12 über Rechtsaußen einnetzte. Wie es gehen kann, zeigte die Doublette zwischen Fynn Hangstein und Ruben Sousa zum 7:12 (24.). Auch Alexander Saul wurde so eingesetzt, dass der Linkshänder aus der Bewegung erfolgreich zu Eisenachs Treffern Nummer 9 und 10 abziehen konnte. Doch die Gäste antworteten Sekunden später mit eigenen Toren. Eisenachs lehrbuchreif zur Kreismitte eingelaufene Rechtsaußen Willy Weyhrauch brachte das Leder nicht am guten Sebastian Bliss vorbei, wenige Augenblicke später traf Dimitri Ignatov zum 10:17-Pausenstand.

ThSV Eisenach nutzte Chance zur Ergebniskosmetik
Nach Wiederanpfiff misslang den weiterhin im 7 gegen 6 mit zwei Kreisspielern operierenden Hausherren ein Zuspiel zum Kreis nicht, unterlief Jonas Ulshöfer ein Stürmerfoul. Noah Beyer versenkte für TuSEM vom Siebenmeter-Strich zum 11:22 (37.). ThSV-Coach Misha Kaufmann brachte als letzten Angriffsoption den stets in die Nahtstellen der gegnerischen Abwehr marschierenden Martin Potisk. Dieser stellte seine Qualitäten auch unter Beweis. Ivan Snajder hatte inzwischen auf Linksaußen zu Treffsicherheit gefunden, netzte zum 15:23 ein (41.). Der Ex-Konstanzer Markus Dangers traf für die Gäste vom Kreis zum 15:24 (42.). Kurzzeitig brachten die TUSEM-Crew unnötige Härte ins Spiel, Jonas Ellwanger wurde nach grobem Foulspiel an Ante Tokic disqualifiziert (44.). Auf den Spielverlauf hatte das allerdings keinen Einfluss, ging nur in die Statistik ein. In Überzahl patzten die Eisenacher wieder einmal. TuSEM schien zu leichtsinnig zu werden, Eisenachs Danil Hideg (mit seinem einzigen Treffer) und Fynn Hangstein zirkelten das Leder in den verwaisten Gästekasten zum 17:24 (46.). Das veranlasste TuSEM-Coach Jamal Naji zu einer Auszeit. Nach Zeitstrafen gegen Ruben Sousa und Peter Walz nutzten die Gäste ihre doppelte Überzahl zum 18:26 (47.). Martin Potisk beschäftigte die Gäste-Abwehr erheblich, trug sich mit drei Treffern (aus drei Versuchen) ins Spielprotokoll ein. Fynn Hangstein versuchte unaufhörlich Eisenachs Angriffsspiel mehr Torgefahr zu verleihen, markierte insgesamt 7 Treffer (bei 9 Versuchen). Der zwischenzeitlich ins ThSV-Gehäuse eingewechselte Fran Lucin zeichnete sich bei einem abgewehrten Siebenmeter aus (53.). Ante Tokic, Fynn Hangstein, Martin Potisk und Ivan Snajder stockten die Eisenacher Trefferausbeute auf 18 im zweiten Abschnitt auf. Die Punkte waren freilich längst im TuSEM-Mannschaftsbus verstaut. Fynn Hangstein verwandelte per Siebenmeter zum 28:34-Endstand.

Statistik
ThSV Eisenach: Jepsen (8 Paraden), Lucin (46.- 53./ 2 Paraden); Wöhler, Potisk (3), Hangstein (7/3), Ulshöfer, Walz (1), Hideg (1), Tokic (5), Sousa (1), Dicker, Donker, Schneibel (2), Snajder (5), Weyhrauch (1), Saul (2)
TuSEM Essen: Bliss (10 Paraden), Diedrich; Beyer (3/2), Ellwanger (1), Glatthard, Kämper (2), Dangers (3), Becher (2), Ignatow (4), Szczesny (1), Bergner (2), Müller (6), Firnhaber (4), Seidel (1), Morante Maldonado (2), Klingler (4)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 3 x 2 Min. (Hideg, Walz, Sousa je 2 Min.) – TuSEM Essen: 6 x 2 Min. (Becher, Bergner, Müller, Firnhaber, Morante Maldonado, Klingler
Siebenmeter: ThSV Eisenach: 2/3 (Hangstein verwandelt 3 x gegen Bliss u. scheitert 1 x an Bliss) – TUSEM Essen: 2/4 (Beyer verwandelt 2 x gegen Jepsen, scheitert je 1 x an Jepsen und Lucin)
Schiedsrichter: Köppl/Regner
Zuschauer: 500
Beste Spieler: ThSV Eisenach: keiner – TuSEM Essen: Müller, Bliss, Dangers

Th. Levknecht

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