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Siegesserie an der Ostseeküste gerissen

Nach fünf Siegen in Folge musste der ThSV Eisenach erstmals wieder über eine Niederlage quittieren. Personell arg gebeutelt, ohne die Rückraumspieler Tomas Sklenak und Girts Lilienfelds und ohne Linksaußen Philipp Lindner (alle verletzt), mit einem verletzungsbedingt nur zu Kurzeinsätzen zur Verfügung stehenden Daniel Luther, unterlagen die Wartburgstädter beim HC Empor Rostock mit 22:29 (11:14), verbleiben aber dennoch in der mehrköpfigen Verfolgergruppe zu Tabellenplatz 3.
Nach GWD Minden schaffte TUSEM Essen (36:31-Erfolg über Potsdam) als zweites Team den vorzeitigen Aufstieg in die 1. Handballbundesliga. Beste Aussichten auf den dritten Aufstiegsplatz hat derzeit der TV Neuhausen auf Rang 3, mit einem kleinen Polster von drei Zählern auf die Verfolgergruppe.

Der HC Empor Rostock schöpfte mit dem Doppelpunktgewinn über Eisenach neue Hoffnung im Kampf um den Ligaverbleib, verließ erst einmal die Abstiegsränge, auf die der VfL Potsdam rutschte. In unmittelbarer Nähe der Scandines Arena lief das (vorerst) letzte Fußball-Zweitbundesligaspiel des FC Hansa Rostock. Die Handballer der Ostseemetropole wollen diesem Schicksal entgehen…

Zurück auf dem Boden der Realität
«Lebt Eueren Traum aus», stand in großen Lettern auf einem von ThSV-Fans entrollten Transparent in der Rostocker Scandines Arena, die entgegen vorherigen Meldungen mit 650 Zuschauern (Fassungsvermögen 750) nicht ausverkauft war. Besonders im neuen VIP-Bereich blieben, wohl den Frühlingswetter im Freien geschuldet, viele Plätze leer. Mannschaft und Anhänger aus Thüringen fanden sich nach den 60 Minuten auf dem Boden der Realität wider. «Die Vision vom Aufstieg in die 1. Liga müssen wir nach dieser Leistung zur Seite legen», räumte Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson auf der vom ehemaligen Rostocker Erstligatorhüter Jürgen Rhode in Hochstimmung über den eigenen Sieg moderierten Pressekonferenz ein. «Gegen eine defensiv gut agierende Abwehr mit einem sehr guten Torhüter konnten wir uns nicht entscheidend behaupten», analysierte Adalsteinn Eyjolfsson. Besonders kritisch beleuchtete der Isländer die Auftaktphasen beider Halbzeiten. Die Rostocker führten nach 17 Minuten mit 7:3, zogen nach Wiederanpfiff der zweiten Halbzeit auf 17:11 (34.) und gar 23:14 (42.) davon. «Da unterliefen uns selbst in Überzahl fünf technische Fehler, die Rostock konsequent bestrafte», merkte Adalsteinn Eyjolfsson an. Torgefahr aus dem Rückraum strahlte beim ThSV Eisenach eigentlich nur Eryk Kaluzinski aus. Zu wenig, um die Mecklenburger ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Duje Miljak. Roel Adams und Eryk Kaluzinski mühten sich in der Summe vergeblich. Der Kraftakt vom 20:19-Hichtchcock über den HC Erlangen war nicht zu wiederholen, da auch andere sonstige Asse nicht stachen.

«Wir wussten, nur über eine starke Abwehr können wir Eisenach bezwingen. Aggressivität und Teamgeist sprachen für uns. Wir profitierten natürlich auch von Eisenacher Fehlern», bilanzierte Empor-Coach Norbert Henke. Er hatte in Schlussmann Oliver Schröder den besten Aktiven der Partie in seinen Reihen. Hatten die beiden Rostocker Schlussleute bei der 27:31-Heimniederlage am 1. Mai gegen TUSEM Essen kaum einen Ball vor der Linie zu fassen bekommen, liefen beide Keeper, Oliver Schröder und Felix Storbeck, zu großer Form auf. Nick Heinemann (2) und Benjamin Trautvetter scheiterten von der Siebenmeterlinie an Felix Störbeck. Völlig frei vom Kreis brachten beispielsweise Alexander Schiffner (15.), Adrian Wöhler (22.) und Benjamin Trautvetter (26.) das Leder nicht an Oliver Schröder vorbei. «Wir setzten auch viel zu früh zum Wurf gegen den Doppelblock an», führte Adalsteinn Eyjolfsson aus. Zahlreiche Bälle wurden dadurch vorzeitig entschärft. In puncto Torgefahr aus dem Rückraum waren die Gastgeber mit Gabor Langhans, Michal Bruna, Vyron Papadopoulus und Spielgestalter Kreso Ivankovic (zusammen 19 Feldtore) an diesem Tag weitaus besser besetzt.
Der Ex-Eisenacher Gabor Langhans, gegenüber seiner Zeit unter der Wartburg mit drahtiger Figur, sprungkräftig, von seinen Mitspielern in Szene gesetzt, viel Selbstvertrauen und Emotionen, traf im zweiten Abschnitt fast nach Belieben. Sein ehemaliger Trainer zollte ihm deshalb Lob. «Der Schritt von Gabor, nach Rostock zu gehen, war der richtige. Aber oftmals sieht man sich im Leben ja zwei Mal», erklärte Adalsteinn Eyjolfsson, was Rostocks Trainer Norbert Henke veranlasste, den Linkshänder ans Hallenmikrofon zu holen. «Ich fühle mich in Rostock wohl», erklärte der gerade das 23. Lebensjahr vollendende Gabor Langhans, vor vier Jahren von den Füchsen Berlin ins Thüringische gekommen und nun im zweiten Jahr beim HC Empor Rostock. Nach dem 9-Tore-Rückstand und einer Deckungsumstellung sahen die zwei Dutzend mitgereisten Eisenacher Fans ein Aufflackern in den Reihen ihres Teams (25:20, 51.), den so wichtigen Sieg ließen sich die Hausherren freilich nicht streitig machen, Gabor Langhans und der sein Comeback feiernde Michal Bruna netzten zum 28:20 (56.) ein.

Startphase in beide Halbzeiten misslang den Eisenachern
Ein Auftakt nach Maß für die Gastgeber (3:0, 5.). Die Eisenacher bemühten sich um spielerische Sicherheit, zu zaghaft ihre Angriffsbemühungen. Die Verantwortung beim Torwurf aus dem Rückraum lag fast ausschließlich bei Eryk Kaluzinski. Die Rostocker kombinierten zur Kreismitte, wo sich Benjamin Meschke zum 5:2 (11.) und 6:3 (15.) behauptete. Nach 17 Minuten leuchten für die Wartburgstädter gerade einmal drei Treffer auf der Anzeigetafel auf. Spätestens bei Empor-Keeper Oliver Schröder war Endstation für Eisenachs Angriffszüge. Wie die Abwehr erfolgreich auszumanövrieren ist, zeigte der siebente Eisenacher Treffer durch den im Rücken der Abwehr zur Kreismitte eingelaufene Adrian Wöhler, der ein Miljak-Zuspiel versenkte (9:7, 24.). Der Anschlusstreffer indes fiel nicht, stattdessen trafen die Hausherren zum 11:7 (27.). Spektakulär freilich Eisenachs achter Treffer, per Rückhandwurf im Fallen von Benjamin Trautvetter erzielt (11:8, 28.). Für frischen Witz und mehr Esprit sorgte der auf die mittlere Aufbauposition eingewechselte Alexander Schiffner.

Wenig verheißungsvoll aus Eisenacher Sicht auch der Start in die zweite Halbzeit. Nick Heinemann scheiterte von der Siebenmeterlinie am Holz und Keeper Felix Storbeck (31.). Dann verteilten die Eisenacher Einladungen zu Tempogegenstößen, die die Norddeutschen dankend zum 17:11 (Papadopoulus, 34.) annahmen. Gabor Langhans narrte die linke Eisenacher Abwehrseite sprunggewaltig, lochte zum 20:14 ein (40.) und drehte jubelnd in Richtung Eisenacher Bank ab. Ein Bruna-Schlagwurf zischte an Stanislaw Gorobtschuk, der ab der 40. Minute das ThSV-Gehäuse hütete, zum 23:14 in die Maschen (42.). Den
Ostseestädter gelang nun fast alles, dem ThSV Eisenach nur ganz wenig. Benjamin Trautvetter und Nick Heinemann sorgten nach Siebenmeterduellen für Beifallsstürme für Rostocks Torhüter Felox Storbeck (44./46.). In der Schlussviertelstunde, nun mit Branimir Koloper auch im Angriff (Kreismitte) rappelten sich die Eisenacher nochmals auf, keimte beim 25:20 (Wöhler, 51.) nochmals ganz leise Hoffnung, stachelte Eryk Kaluzinski seine Nebenleute nochmals an. Die kühlen Norddeutschen machten aber schnell Nägel mit Köpfen.

Statistik
HC Empor Rostock: Storbeck, Schröder; Ilper, Bruna (4), Dethloff, Ivankovic (7/5), Langhans (7), Meschke (3), Gruszka (1), Papadopoulus (6), Wetzel (1), Seidewasser, Wischniewski, Zemin
ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk; Trautvetter (3/2), Wöhler (3), Luther, Miljak (2), Kaluzinski (5), Adams (2), Schiffner (1), Heinemann (4/2), Koloper (2), Szep-Kis

Siebenmeter: Rostock 5/5 – Eisenach 7/4

Zeitstrafen: Rostock 4 x 2 Min. – Eisenach 2 x 2 Min.

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