Stabilität in der Abwehr, diszipliniertes Angriffsspiel
Starke zweite Halbzeit, ThSV Eisenach bejubelt mit 29:28 (12:12) über die HSG Wetzlar zweiten Saisonsieg
„Unsere junge Mannschaft hat die sich selbst auferlegte Drucksituation gemeistert“, bilanzierte Eisenachs Coach Sebastian Hinze nach dem zweiten Saisonsieg seines Teams. „Eine Super-Abwehr, ein diszipliniertes und konsequent abgeschlossenes Angriffsspiel in der zweiten Halbzeit mündeten im verdienten Sieg“, konstatierte ThSV-Keeper Matija Spikic, der gleich in der Anfangsphase einen Siebenmeter abwehrte. Felix Aellen, der immer in die Tiefe gehende torgefährliche Spielgestalter (6 Treffer aus 7 Versuchen), führte die Wartburgstädter zum 29:28 (12:12) über die HSG Wetzlar. ThSV-Kapitän Peter Walz führte die herausragende kämpferische Leistung an. Und da war die blau-weiße Anhängerschaft auf den Rängen, die ihr Team lautstark nach vorn peitschte. Das wurde zum Orkan, als Peter Walz aus der eigenen Hälfte zum 18:14 traf (38.), Philipp Meyer das Leder aus der eigenen Hälfte ins Tor der Mittelhessen zum 23:18 zirkelte (48.), Vincent Büchner das Leder eroberte und zum 24:18 per Tempogegenstoß vollendete (50.). Die Werner-Aßmann-Halle wurde zum Tollhaus! „Eine ganz starke zweite Halbzeit war ausschlaggebend“, unterstrich Stephan Seitz. „Wir haben in der Abwehr nur das zugelassen, was wir zulassen wollten“, berichtete der Linkshänder. Die letzten Minuten schmeckten den Eisenacher indes nicht so besonders. Die Gäste hatten auf eine offensive Abwehr umgestellt, markierten in den letzten 6 Minuten, nach dem 27:22 durch Felix Aellen, 6 Treffer. Auch wenn den Mittelhessen nach dem 29:25 durch Moritz Ende (57.) noch drei Treffer gelangen, der Doppelpunktgewinn des ThSV Eisenach geriet nicht in Gefahr. Thüringens Nationalhymne, das „Rennsteiglied“, hallte durch den Thüringer Handballtempel. „Von Woche zu Woche ist zu sehen, wir unsere jungen Spieler besser werden. Fantastisch, was unsere Mannschaft in der Abwehr reißt. Wir haben noch viel Platz nach oben, haben Reserven. Wenn wir in jedem Spiel an unsere Leistungsgrenze gehen, ist für uns was drin. Heute war unsere Halle besonders laut, vielen Dank an unsere Fans für diese grandiose Unterstützung“, gab Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte zu Protokoll. Einer, der das Fluidum Werner-Aßmann-Halle in den vergangenen Jahren genoss, im Sommer aber zum TBV Stuttgart wechselte, hatte sich unter die Zuschauer gemischt und schaute nach dem Abpfiff in der ThSV-Kabine vorbei. Mit seinen einstigen Mannschaftskameraden nahm Simone Mengon ein kühles Getränk zu sich.
Gian Attenhofer verletzt
Während der Erwärmung zog sich Eisenachs Rechtsaußen-Spieler Gian Attenhofer eine Verletzung am rechten Fußgelenk zu und konnte nicht mitwirken. Die exakte Diagnose gibt es erst zu Beginn der Woche. „Wir hoffen, nicht schlimmes“, so Rene Witte. Für Gian Attenhofer rückte Alexander Saul in den 16er-Spieltagskader. Mark Dragunski, der Eisenacher Jugendkoordinator, gerade mit der B-Jugend vom 38:26-Auswärtssiefg in der MHV-Regionalliga beim HC Elbflorenz zurück, erklärte sich spontan bereit, das Bundesligateam auf der Wechselbank zu unterstützen. „Das ist auch nicht selbstverständlich“, lobte Rene Witte den einstigen Kreisläufer mit Gardemaß (2,14 Meter).
Zunehmende Stabilisierung der Abwehr
Die Auftaktphase ging an die Gäste, bei denen zunächst Filip Vistorop die Regierolle übernahm. Eisenachs Spiel wirkte holprig. Die Abwehr fand nicht zur Kompaktheit. Die Gäste trafen gar in Unterzahl. Ein „Verlegenheitswurf“ von Eisenachs Fynn Hangstein wurde eine leichte Beute von Anadin Suljakovic. Der Keeper der HSG Wetzlar kaufte mit seiner 5. Parade auch das Leder von Tillman Leu ab (11.). David Akakpo, Neuzugang aus Potsdam, traf von Außen zum 3:6 (14.). „Hätten wir den Siebenmeter untergebracht, hätten wir sogar 7:3 führen können“, orakelte Momir Ilic, der Coach der HSG Wetzlar. Anadin Sujakovic und sein Torwartkollege Karim Hendawy bekamen hernach nur noch zwei Bälle bis zur Schluss-Sirene vor der Linie zu fassen. „Wir spielten geduldig, schlossen platziert ab“, führte Eisenachs Stephan Seitz ins Feld. Peter Walz brachte zusätzliches Feuer in die Eisenacher Reihen. Er lochte zum Anschlusstreffer an (5:6/16.), Vincent Büchner glich aus (6:6/17.) und Stephan Seitz traf zum 7:6 (18.). „Danach war es über weite Strecken eine Partie auf Augenhöhe“, so Sebastian Hinze. Felix Aellen „vernaschte“ den Innenblock der HSG Wetzlar zum 8:7 (19.), markierte mit einer Energieleistung das 11:9 (26.). Philipp Ahouansou schloss für die Hessen ab. David Akakpo, vom Außen eingelaufen, traf gar zum 11:12 (30.). Mit der Sirene verwandelte Max Baneke einen an Peter Walz verwirkten Siebenmeter zum 12:12-Pausenstand.
Ballgewinn und Tempogegenstoß, Vincent Büchner trifft zur Vorentscheidung
„In der Halbzeitpause haben wir unsere defensiven Probleme angesprochen. Es galt, mehr in die Arm- und Beinarbeit zu investieren. Mit unserer breiten Aufstellung ist es dann gelungen, viele 1 gegen 1-Duelle zu gewinnen“, erläuterte Sebastian Hinze. Mit einem kleinen Lauf zum 17:13 (36.) stieg das Selbstbewusstsein der Gastgeber, die sich auch von Zeitstrafen nicht von ihrer Linie abbringen ließen. Mit einer „klassischen Formation“ hatten die Hausherren das Spiel unter Kontrolle. Eine schnelle Drehung, Oskar Joelsson zog zum 19:15 ab (40.). Jeder Ballgewinn wurde von Jubelstürmen auf den Rängen begleitet. ThSV-Keeper Matija Spikic kaufte dem freien David Akakpo das Leder ab. Torwartwechsel auf Seiten der Gäste blieben ohne die erhoffte Wirkung. Aufgrund eines Wechselfehlers kassierte Keeper Karim Hendawy sogar eine Zeitstrafe (47.). Max Beneke zog mit ganz viel Power zum 22:18 ab, Philipp Meyer erhöhte mit seiner Spezialität, Würfe aus der eigenen Hälfte in den leeren Kasten auf der Gegenseite, zum 23:18 ab (48.). Vincent Büchner stibitzte sich das Leder und vollendete per Gegenstoß zum 24:18 (50.). Zur Vorentscheidung! Die Mittelhessen versuchten es mit einer offensiveren Deckung, mit Ahmed Nafea vorgezogen. Die Eisenacher hatten die passenden Antworten. Auch als Josip Simic drei Treffer in Folge gelangen. Stephan Seitz und Moritz Ende trafen zum 29:25 (57.). Auch die dritte Zeitstrafe und damit das vorzeitige Aus von Peter Walz und drei Gäste-Treffer änderten nichts an der Punktvergabe.
Stimmen zum Spiel
Sebastian Hinze (Trainer des ThSV Eisenach)
Unsere Mannschaft hat die selbst gesetzte Drucksituation gemeistert. Wir sind nicht gut gestartet, haben eine Überzahl nicht gut ausgespielt. Über eine gute Abwehr haben wir zu unserem Spiel gefunden. In der Halbzeitpause haben wir unsere Defensiv-Probleme angesprochen, dann mehr in unsere Arm- und Beinarbeit investiert, mit breiter Aufstellung viele 1 gegen 1-Duelle gewonnen. Überragend die zweite Halbzeit mit Angriffseffektivität, Defensivqualität und Rückzugsverhalten.
Momir Ilic (Trainer der HSG Wetzlar)
Natürlich ist es sehr schade, dass wir dieses Spiel verloren haben. Wir haben sehr gut angefangen und mit 6:3 geführt. Wir hatten die Chance per Siebenmeter sogar auf 7:3 zu erhöhen, doch haben sie nicht genutzt. Trotzdem war die erste Hälfte insgesamt in Ordnung. Wir haben das Spiel zu Beginn des zweiten Durchgangs verloren, als wir beste Chancen nicht genutzt haben. Da hatten wir uns die Möglichkeiten so herausgespielt, wie wir uns das vorgenommen hatten, aber leider den Ball nicht reingeworfen. Positiv ist, dass wir auch heute wieder Charakter gezeigt haben und am Ende noch einmal herangekommen sind, was in dieser Atmosphäre keineswegs einfach ist.
Rene Witte (Geschäftsführer des ThSV Eisenach)
Über 60 Minuten gesehen haben wir völlig verdient beide Punkte verbucht. Eine überragende zweite Halbzeit war ausschlaggebend. Von Woche zu Woche ist zu sehen, wir unsere jungen Spieler besser werden. Fantastisch, was unsere Mannschaft in der Abwehr reißt. Wir haben noch viel Platz nach oben, haben Reserven. Wenn wir in jedem Spiel an unsere Leistungsgrenze gehen, ist für uns was drin. Heute war unsere Halle besonders laut, vielen Dank an unsere Fans für diese grandiose Unterstützung. Vielen Dank an unseren Jugendkoordinator Mark Dragunski, der sich spontan bereiterklärt hat, uns auf der Bank zu unterstützen. Während der Erwärmung hat sich Gian Attenhofer am Fußgelenk verletzt. Wir drücken ihm die Daumen, dass es nichts Schlimmes ist, er schnell wieder auf das Parkett zurückkehrt. Er war gerade in sehr guter Form.
Matija Spikic (Torwart ThSV Eisenach)
Die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit, mit einer Super-Abwehr sowie einem disziplinierten Angriff mit erfolgreichem Abschluss, waren vorentscheidend. Die letzten Minuten hätten wir besser gestalten können, in Gefahr geriet der Sieg allerdings nicht.
Stephan Seitz (rechte Rückraumspieler des ThSV Eisenach)
Bis auf die fünf Minuten lieferten wir eine sehr gute zweite Halbzeit. Wir spielten geduldig im Angriff. Mit unserer Abwehrarbeit haben wir weitestgehend nur das zugelassen, was wir zulassen wollten, haben uns an unseren Plan gehalten. In wichtigen Momenten war unser Keeper Matija Spikic zur Stelle.
Peter Walz (Kapitän und Kreisspieler des ThSV Eisenach)
Herausragend unsere kämpferische Einstellung! Herauszustreichen ist unsere ganz starke Abwehr, die uns etliche Tempogegenstoßtore ermöglichte,
Felix Aellen (Spielgestalter des ThSV Eisenach)
Wir haben uns konsequent an unseren Plan gehalten. Das war letztlich ausschlaggebend.
Statistik: ThSV Eisenach – HSG Wetzlar 29:28 (12:12)
ThSV Eisenach: Spikic (1.-60./ 8 Paraden – 28 Gegentore), Heinevetter; Joelsson (3), Reichmuth, Beneke (4/2), Hangstein, Walz (4), Ende (5), Aellen (6), Meyer (1), Antonijevic, Seitz (1), Kurch, Büchner (4), Saul, Leu (1)
Trainer: Sebastian Hinze
HSG Wetzlar: Suljakovic (1.-41./ 47.-49./58.-60. -7 Paraden/ 22 Gegentore), Hendawy (0 Paraden/ 7 Gegentore); Grahovac (1), Vistorop (2), Mappes, Theiß (5), Simic (3), Ahounansou (8), Akakpo (5), Weimer, Müller (1), Löwen, Zacharias, Cavor, Nafea (3/1)
Trainer: Momir Ilic
Zeitstrafen
ThSV Eisenach: 6 x 2 Min. – Walz (19./53./58.), Leu (24.), Meyer (38.), Aellen (49.)
HSG Wetzlar: 6 x 2 Min. -Grahovac (8.), Nafea (25./45.), Löwen (30.), Simic (37.), Hendawy (47.)
Siebenmeter
ThSV Eisenach 2/3 – Beneke verwandelt 2 x gegen Suljakovic, Beneke wirft beim Stand von 21:17 gegen Hendawy ans Holz (45.)
HSG Wetzlar: 1/3 – Nafea verwandelt 1 x gegen Spikic, Nafea scheitert beim Stand von 1:1 an Spikic (3.), Nafea scheitert beim Stand von 29:26 an Spikic (58.)
Schiedsrichter: Otto/Piper
Zuschauer: 2.637
Spielfilm: 3:6 (13.), 7:6 (18.), 10:8 (23.),12:12 (30.), 17:13 (35.), 21:16 (41.), 24:18 (50.), 29:25 (57.), 29:28 (60.)
Th. Levknecht
