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Marcel Schliedermann setzte die Segel immer wieder auf volle Kraft voraus | Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Beschreibung: Marcel Schliedermann setzte die Segel immer wieder auf volle Kraft voraus
Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Starke Angriffsleistung reichte nicht

ThSV Eisenach unterlag Erstbundesliga-Absteiger HBW Balingen-Weilstetten haarscharf mit 30:31 (16:19) • Neue Mentalität lässt dennoch hoffen

Die wahrscheinlich beste Angriffsleistung in der eigenen Halle endete mit der 10. Heimniederlage der Saison. Der stark ersatzgeschwächte ThSV Eisenach unterlag dem in Bestbesetzung angereisten Erstbundesliga-Absteiger HBW Balingen-Weilstetten mit 30:31 (16:19).

Schade, dass sich die Jungs nicht belohnt haben. Wir müssen in der Abwehr konsequenter auftreten, resümierte ThSV-Coach Arne Kühr.

Sein Team, ohne die Stammkräfte Matthias Gerlich, Daniel Luther, Justin Mürköster und Nicolai Hansen, stellte seine neue Mentalität unter Beweis, ließ sich bei 5- oder vielfachen 4-Tore-Rückständen nicht aus der Bahn werfen.

Wir haben stets an uns geglaubt, betonte Arne Kühr.

Trotz einer guten Torwurfquote (43 Würfe – 30 Tore) reichte es nicht ein einziges Mal zum Gleichstand. Die Gallier von der Alb operierten einen Tick abgeklärter, bejubelten einen Start-Ziel-Sieg in der Wartburgstadt.

„Beim Konter hat man zu lange Zeit zum Überlegen“

Erneut eine knappe 1-Tore-Niederlage, das ist bitter. Kämpferisch haben wir alles gegeben, uns als Team präsentiert. Das wurde in den Gesprächen mit den Fans positiv herausgestrichen. Gelingt es uns diese Leistung regelmäßig abzurufen, können wir den Klassenerhalt schaffen, bilanzierte ThSV-Linksaußen Adrian Wöhler.

Beim Stand von 25:26 steuerte er per Gegenstoß den Gästekasten an, brachte aber das Leder am glänzend reagierten Keeper Tomas Mrkva nicht vorbei (48.).

Das war der schwarze Fleck auf einer guten Leistung von mir. Beim Konter hat man einfach zu lange Zeit zum Überlegen, will es ganz genau machen. Diese Szene hat mich bis in die Nacht verfolgt, berichtet der Zweitdienstälteste im Aufgebot des ThSV Eisenach.

Am Sonntagmorgen versuchte er mit seiner Familie beim Besuch des Volksfestes zum Eisenacher Sommergewinn etwas abzuschalten. Die beiden Kinder ließen kaum ein Karussell aus.

Es war nicht der Tag der Eisenacher Abwehr
Letztendlich konnte eine starke Angriffsleistung die Schwächen in der Defensive nicht vollends kompensieren. Mit Marcel Schliedermann und Ibai Meoki gemeinsam auf dem Parkett zelebrierten die Eisenacher zusammen mit Alexander Saul schwungvollen Angriffshandball. „Marcel Niemeyer war kaum zu stellen“, zollte HBW-Coach Jens Bürkle Eisenachs Kreisspieler ein dickes Kompliment. Marcel Niemeyer, dessen Einsatz verletzungsbedingt auf der Kippe stand, behauptete sich immer wieder am Kreis, markierte 6 Treffer und holte 3 Strafwürfe raus.

Marcel Schliedermann setzte im Zweikampf die Akzente, fand Jens Bürkle auch lobende Worte für den Eisenacher Interimskapitän.

Doch der Angriff konnten die Schwächen in der Defensive nicht vollends kompensiert werden. Jona Schoch, der linke Rückraumspieler der Gäste, nutzte seine Freiheiten zu 9 Feldtoren. Eisenachs Schlussleute schauten verdutzt hinterdrein. Allein im ersten Abschnitt landeten 19 (!) Bälle im Eisenacher Kasten. Routinier Martin Strobel gefiel als umsichtiger und abgeklärter Spielgestalter, ließ keine Hektik aufkommen.

Torhüter können zumeist glänzen, wenn das Zusammenspiel mit der Abwehr klappt. Das klappte bei den Gastgebern kaum. Das Eisenacher Torwartduo Redwitz/Gorobtschuk parierte zusammen 7 Bälle, ihre Gegenüber Tomas Mrkva und Jonas Baumeister deren 13. Nachdem Alexander Saul 6 Siebenmeter sicher gegen Tomas Mrkva verwandelt hatte, scheiterte er zweifach am eigens eingewechselten Jonas Baumeister.

In einem solch knappen Spiel fallen mein Fehlwurf und zwei ausgelassene Siebenmeter, neben anderen Kleinigkeiten, ins Gewicht, bekannte Adrian Wöhler.

Interimskapitän Marcel Schliedermann blies zur Attacke
Eisenachs übersichtlicher Kader stellte sich nahezu von selbst auf: Adrian Wöhler auf Links- und zunächst Jonas Richardt auf Rechtsaußen, Ibai Meoki (in der Abwehr von Duje Miljak abgelöst), Marcel Schliedermann und Alexander Saul im Rückraum, Marcel Niemeyer am Kreis Marcel Popa (im Rückraum), der angeschlagene Willy Weihrauch (Rechtsaußen) und Hannes Iffert (Kreis) kamen zwischenzeitlich. Die Hauptlast lag also auf den Schultern von Wenigen. Schnell spürbar, es wird nicht der Tag der Eisenacher Abwehr, Zwei Auszeiten und eindringliche Worte von Arne Kühr veränderten das Bild nur unwesentlich. Vom 2:3 (5,) trafen die Gäste zum 6:11 (23.). Marcel Schliedermann blies zur Aufholjagd. Ballstafetten zu Linksaußen Adrian Wöhler wurden erfolgreich abgeschlossen. Beim 10:12, Marcel Niemeyer auf Zuspiel von Alexander Saul, waren die Eisenacher wieder auf Tuchfühlung. Die Gäste nutzten ihre Freiräume zum 11:15 (23.). Zwei Gegenstöße, von Adrian Wöhler und vom eingewechselten Willy Weyhrauch zum 16:18 (30.). sorgten für zusätzlich Stimmung unter der Eisenacher Anhängerschaft.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach • Stärkster Eisenacher: Kreisspieler Marcel Niemeyer.

ThSV Eisenach mit sehenswerten Angriffsaktionen
Die Gäste, von einem Tross von 60 ehrenamtlichen Helfern begleitet, von der Vereinsspitze zum Trip nach Thüringen eingeladen, mussten nach Wiederanpfiff der Spielleiter mehrfach den Anschlusstreffer hinnehmen, wie beim 19:20 durch einen von Alexander Saul verwandelten Siebenmeter nach Foul an Ibai Meiko (35.). Die Gäste nutzten die Zeitspiel-Auslegung der Unparteiischen Alan Schaban und Matthes Westphal zum finalen Wurf kurz vor dem Pfiff, wie beim 21:24 (40.). Die Hausherren blieben sich ihrer (erfolgreichen) Linie im Angriff . Eine Ballstafette von Marcel Niemeyer über Alexander Saul führte zum 24:25 durch Marcel Schliedermann (45.) treu. Das war schon überaus sehenswert! Der Ausgleichstreffer fiel nicht. Mit nachlsassenden Kräften schlich sich bei den Wartbuirgstädtern auch der eine andere Fehler ein. Abgeklärt trafen die Gäste zum 25:28 (49.) und 26:30 (54.). Doch selbst das 28:31 (58.) war noch keine Vorentscheidung. Der junge Marcel Popa fasste sich ein Herz, traf im Doppelpack zum 30:31. Da waren noch 36 Sekunden zu spielen. Jens Bürkle griff 13 Sekunden vor Ultimo zur grünen Karte. Den Balinger Ball parierte ThSV-Keeper Jan-Steffen Redwitz, zu einem zielführenden Gegenstoß reichte die Zeit für die Hausherren nicht mehr. Die Gäste tanzten auf dem Parkett, jubelten mit der Schar ihrer mitgereisten ehrenamtlichen Helfer und Fans. Das Team des ThSV Eisenach wurde mit reichlich Beifall verabschiedet.

Hätten wir vor zwei Wochen mit dieser Leistung aufgewartet, wir hätten das Heimspiel gegen die HSG Konstanz gewonnen, so der einhellige Tenor.

Hätte! Doch der Kontakt zum ersten Nichtabstiegsplatz ist nicht abgerissen. Alles noch machbar!

Dadi Runarsson musste auf der Bank schmoren
Einer aus dem Lager der Gäste vermittelte nicht den glücklichsten Eindruck. Dadi Runarsson, Sohn vom ehemaligen Eisenacher Spieler und Trainer Runar Sigtrygsson, musste die gesamte Spielzeit auf der Bank verharren. In der Hinrunde, beim 32:22-Erfolg über den ThSV Eisenach bildete der Blondschopf gemeinsam mit Martin Strobel den Angriffsmotor. Nach dem Wechsel auf dem Trainerstuhl im Oktober, sein Vater Runar Sigtrygsson wurde von Jens Bürkle abgelöst, findet sich der exzellente 21-jährige Angriffsspieler zumeist nur auf der Wechselbank wieder. „Einen zusätzlichen Angriffs- und Abwehrwechsel will ich vermeiden“, führt Jens Bürkle als Erklärung an. „Die Konkurrenz im linken Rückraum und auf der Mitte ist groß. Nicht nur durch Martin Strobel, sondern auch durch den aus dem eigenen Nachwuchs aufgerückten Lukas Saueressig“, fügt der HBW-Trainer hinzu. Die Tür für Dadi Runarsson, der einige Zeit seiner Kindheit in Eisenach verbrachte und zahlreiche Hände schüttelte, sei freilich nicht zu. Durch gute Trainingsleistungen werde er wieder zu mehr Spielanteilen kommen.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach • Auch das geht im Handball: Eisenacher und Balinger Fan nach dem Abpfiff freundschaftlich beieinander.

Statistik
ThSV Eisenach: Redwitz (1.-11., 47.-60., bei 1 Siebenmeter/ 2 Paraden – 14 Gegentore), Gorobtschuk 11.-47./ 5 Paraden – 17 Gegentore); Iffert, Küstner, Wöhler (4), Meoki, Miljak, Schliedermann (4), Richardt (2), Streckhardt, Popa (3), Niemeyer (6), Weyhrauch (2), Saul (9/6)
HBW Balingen/Weilstetten: Mirkva (1.60./ 11 Paraden – 31 Gegentore), Baumeister (bei 2 Siebenmeter/ 2 Paraden – 0 Gegentore); Schönningsen (4), Foth (2), Flohr, Hausmann (1), Thormann, Friedrich (1), Nothdurft (5), Runarsson, Gretarsson (5/5), Strobel (2), Schoch (9), Wiederstein, Saueressig (2)
Siebenmeter: ThSV Eisenach (8/6) – Saul verwandelt 6 x gegen Mrkva, scheitert 2 x an Baumeister / HBW Balingen-Weilstetten: 5/5 – Gretarsson verwandelt 3 x gegen Gorobtschuk 2 x gegen Redwitz)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach 4 x 2 Min. (Meoki, Miljak, Schliedermann, Weyhrauch / HBW Balingen-Weilstteten 5 x 2 Min, (Schoch 2 x 2 Min,, Foth, Flohr, Nothdurft je 2 Min.)
Schiedsrichter: Schaban/ Westphal
Zuschauer: 1.512
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Niemeyer, Schliedermann / HBW Balingen-Weilstetten: Schoch, Foth, Strobel
Spielfilm: 2:3 (5.), 6:10 (13.), 10:12 (18.), 13:18 (27.), 16:19 (30.), 19:20 (35.), 21:24 (40.), 25:26 (47.), 26:30 (54.), 28:31 (58.), 30:31 (60.)

Andrea T. | | Quelle:

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