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«Superteam» Lemgo zittert sich zum Sieg über Eisenach

Der TBV Lemgo, frischgekürter Pokalsieger, aktuelle Tabellenführer der 1. Bundesliga und Titelanwärter Nummer 1, das Gross der Nationalmannschaft stellend, zitterte sich vor 3625 Zuschauern in der heimischen Lipperlandhalle zu einem mühevollen 24:22 (14:10) über den ThSV Eisenach. Die Wartburgstädter imponierten erneut mit einer tollen Moral bei einem der Top-Teams, ernteten, wie bei den hauchdünnen Niederlagen in Magdeburg und Kiel, jedoch noch nicht die Früchte der Arbeit. Der TBV Lemgo benötigte sogar die Hilfe der Schiedsrichter, um gegen die Thüringer als Sieger das Parkett zu verlassen. «Wir haben halt noch immer keine Lobby», konstatierten die Eisenacher Verantwortlichen. Die mitgereisten Eisenacher Fans sahen es wesentlich drastischer. «Schiebermeister TBV» skandierten sie lautstark.

Eisenacher Abschlussschwächen
Die Eisenacher begannen mit der erfolgreichen Formation der letzten Wochen, zuletzt 3 Siege in Folge. Lemgo begann auf Linksaußen mit dem aus dem Ruhestand geholten Oldie Jochen Fraatz, dominierte mit seinen Nationalmannschafts-Korsettstangen Markus Baur und Daniel Stephan (Rückraum) sowie Christian Schwarzer (Kreis). Die Eisenacher versuchten über eigenen ruhigen Spielaufbau zum Erfolg zu kommen. Sie bissen sich am großgewachsenen Lemgoer Mittelblock (Zerbe) immer wieder die Zähne aus. Würfe aus der 2. Reihe wurden abgeblockt. Stephan Just konnte sich am Kreis kaum behaupten, wurde «zugedeckt». Lemgo zeigte sich zunächst wesentlich effektiver, legte ein 7:3 (10.) vor. Die Eisenacher wechselten den Torhüter, Karsten Lehmann kam für Dragan Jerkovic. Stephan Just scheiterte mit einem Siebenmeter an Lemgos Auswahlkeeper Christian Ramota (12.). Sergio Casanova mit überlegt abgeschlossenem Tempogegenstoß und ein energischer Karsten Wöhler verkürzten für den ThSV Eisenach (7:5, 14.). Stephane Joulin kam nun auf Linksaußen. Der Franzose scheiterte jedoch zunächst ebenso wie seine Teamkollegen an Lemgos Schlussmann Christian Ramota. Wunderliche Regelauslegungen der Unparteiischen Lohde/Bracklow (Rowa/Woggersin) verunsichern die Gäste. Lemgo nutzt das kaltblütig zum 10:5 (19.). Es schien, die Eisenacher wollten den Lemgoer Torhüter «berühmt werfen». Völlig freistehend brachten sie das Leder in der 1. Spielhälfte 9 Mal nicht im Lemgoer Kasten unter. Bei Ramota war Endstation für Just, Casanova, Wöhler. Der Tabellenführer zeigte sich treffsicher, erhöhte durch Markus Baur gar auf 14:8 (29.). Stephan Joulin (vom Punkt) und Preben Vildalen sorgten mit ihren Treffern noch zu einer Resultatsverbesserung bis zur Pause (14:10).

Joulin wie in Glanzzeiten
Mit Wiederanpfiff übernimmt auf Eisenacher Seite Till Bitterlich die Kreisposition. Die Gastgeber bleiben weiter tonangebend, profitieren von den Schwächen der Eisenacher beim Abschluss, treffen ihrerseits zum 18:12 (41.) und sehen wie der sichere Sieger aus. Aus welchem Holz der ThSV Eisenach des aktuellen Jahrganges geschnitten ist, zeigen die Gäste nun eindrucksvoll. Von wegen Resignieren! Mit Aggressivität in der Abwehr und schnellen Kombinationen nach vorne wird Lemgo ins Wanken und mächtig ins Schwitzen gebracht. Rechtsaußen Stephane Joulin zirkelte die Bälle wie in seinen Besten Tagen am verduzten Ramota vorbei ins Netz. Er war auch Vorbereiter des «Tor des Tages». Eric Amalou vollendete Marke Kempa zum 18:16 (45.). Die Schützlinge von Peter Rost waren wieder dran! Keeper Karsten Lehmann, kurz vor der Auswechslung stehend, steigerte sich nun wie seine Vorderleute prächtig. Stephane Joulin traf fast nach Belieben von Rechtsaußen. Der nun für den untergetauchten Sergio Casanova im rechten Rückraum agierende Elmar Romanesen markierte den Anschlusstreffer zum 20:19 (49.). Im Gegenzug hämmerte Lemgos 2,11 m-Riese Volker Zerbe das Leder über den Eisenacher Kasten. Der Ausgleich fiel jedoch nicht. Ein Romanesen-Ball blieb in der Lemgoer Deckung hängen. Alexander Koke traf zum 21:19 (51.). Nach einer Regelwidrigkeit an Elmar Romanesen versenkte Stephan Joulin den fälligen Strafwurf sicher zum 21:20 (53.). Ein Lemgoer Fehlabspiel beantwortet der ThSV Eisenach ebenfalls mit einem Fehler (Amalou). Schwarzers Einsatz am Kreis wird mit Siebenmeter für Lemgo belohnt. Daniel Stephan trifft zum 22:20. Sekunden später wuchtet Preben Vildalen zum 22:21 (56.) ein. Daniel Stephan visiert nur das Holz an, die Eisenacher verlieren überhastet das Leder – wieder ist die Ausgleichsmöglichkeit dahin. Schwarzer vollendet für den Tabellenführer auf 23:21 (57.).

Heiß umstrittene Entscheidung
Die Eisenacher öffnen ihre Deckung, versuchen im Alles oder Nichts die Wende. Kapitän Martin Reuter locht dann tatsächlich zum Anschlusstreffer in der Schlussminute ein (23:22, 60.). Noch sind 38 Sekunden zu absolvieren. Lemgo wirkt ausgelaugt, versucht über die restliche Zeit zu kommen. Ein Baur-Abspiel landet im Seitenaus. Die Situation scheint eindeutig. ThSV-Keeper Karsten Lehmann ist auf dem weg zur Bank, um Platz für einen zusätzlichen Feldspieler zu machen. Zum Erstaunen aller und Entsetzen der Eisenacher entscheiden die Schiedsrichter auf Einwurf für Lemgo. Daniel Stephan trifft ins verlassene Tor (24:22, 60.). Alle Proteste der Eisenacher sind erfolglos.

Trainerstimmen:
Peter Rost (Eisenach): Lemgo kam zu zwei glücklichen Pluspunkten. Unser Manko: In der 1. Halbzeit ließen wir 9 hochkarätige Torchancen aus. Bei einer besseren Effektivität wäre beim durch das Pokalendrundenturnier in Hamburg kräftemäßig geschlauchten TBV Lemgo mehr möglich gewesen. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die erneut eine tolle Moral bewies, sich nie aufgab, engagiert in der Abwehr rackerte und unsere vorhandenen spielerischen Mittel im Vorwärtsgang erfolgsorientiert einsetzte. Erneut haben wir einem der ganz „Großen» in dessen Halle erfolgreich Paroli geboten. Leider blieb uns noch was Zählbares versagt.

Zbigniew Tluczynski (Lemgo): Wir wussten vorab um die Schwere der Aufgabe. Die Pokalendrunde in Hamburg hat uns viel Kraft gekostet. Eisenach stellte sich als die erwartete couragiert auftrumpfende Mannschaft vor. Angesichts der anderen Resultate des Tages, wie die Niederlagen von Kiel in Schwerin und von Magdeburg in Minden erhält unser Sieg zusätzliches Gewicht.

Statistik:
Lemgo: Ramota, Kaiser; Stephan (4), Tempelmeier (2), Schwarzer (5), Koke (2), Zerbe (2), Baumgartner, Fraatz, Kehrmann (3), Baur (4), Walther (1)

Eisenach: Jerkovic (1.-10.), Lehmann (10.-60.); Romanesen (1), Wöhler (1), Joulin (8/4), Amalou (1), Vildalen (4), Reuter (3), Bitterlich, Just (1/1), Casanova (3)
Zeitstrafen: Lemgo 4 x 2 Min.; Eisenach 4 x 2 Min.

Siebenmeter: Lemgo 1/1; Eisenach 6/5

Schiedsrichter: Lohde/Bracklow (Rowa/Woggersin)

Zuschauer: 3625

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