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ThSV – Auswärts souverän aufgetrumpft

«Wir wollen die Mannschaft sehen», skandierten freudetrunken 120 Anhänger des ThSV Eisenach (damit 20 Prozent der Gesamtzuschauerzahl bildend) am Samstagabend Minuten nach dem Abpfiff in der Sparkassenarena Elsenfeld.
Die Wartburgstädter waren ihrer Favoritenrolle vollauf gerecht geworden, präsentierten sich beim Tabellen-Letzten Tuspo Obernburg in bester Spiel- und Torlaune, siegten souverän mit 43:30 (19:12), folgten der Bitte ihrer Anhänger, kamen aus der Kabine zum Freudentänzchen, mit Daniel Luther als Stimmungsdirigent (!).
«Einfach traumhaft, diese Unterstützung durch unsere Fans genießen zu dürfen», war Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson im emotionalen Stimmungshoch. Eine «Super-Stimmung durch die Eisenacher Fans», betonte auch Christoph Barthel, der Coach von Tuspo Obernburg.
Die Verantwortlichen des Gastgebers hatten dafür gesorgt, dass die am Nachmittag in der Region spielenden A- und B-Jugend-Mannschaften des ThSV Eisenach am Abend völlig kostenfrei das Zweitbundesligaspiel verfolgen und ihre Vorbilder anfeuern konnten.
«Eine ganz tolle Geste. Großer Dank an Tuspo», unterstrichen die Nachwuchstrainer Christoph Jauernik, einst selbst im Obernburger Trikot, und Christian Roch.

«Der ThSV Eisenach war uns in allen Belangen überlegen, im Angriff und in der Abwehr, aber auch in der Einstellung», resümierte Christoph Barthel. Dass es seiner blutjungen Mannschaft an der Einstellung fehlte, ärgerte den Tuspo-Coach besonders. «Keine Aggressivität in der Abwehr. Nur bei unserer Aufholjagd wurde gefightet, die sich aber letztlich nur als Strohfeuer herausstellte», merkte Christoph Barthel an. Seine Crew ließ Eisenachs 11-Tore-Plus (18:29, 45.) bis auf vier Tore schrumpfen (27:31, 51.). «Wir haben in dieser Phase in Unterzahl völlig unnötige Tempogegenstoßtreffer kassiert», fand Adalsteinn Eyjolfsson auch im Hochgefühl kritische Töne. Die positiven überwogen natürlich: «Die Mannschaft hat gebrannt. Jeder hat gefightet. Wichtig auch die gute Leistung von unserem Torhüter Stanislaw Gorobtschuk nach seiner Einwechslung. Als es um die 50. Minute noch einmal etwas kribbelig wurde, hat Eryk Kaluzinski Verantwortung übernommen. Wir spielten dann wieder befreit auf.»
Die letzten knapp neun Minuten gingen mit 12:3 Treffern an den ThSV Eisenach, vom 27:31 (51.) zum 30:43-Endstand. Der zweite Auswärtssieg in Folge, der vierte im bisherigen Saisonverlauf war unter Dach und Fach. Angesichts der Punktgewinne der unmittelbaren Konkurrenten, der EHV Aue setzte seinen Siegeszug auch in Neuhausen fort (32:31 für die Erzgebirger), war der Doppelpunktgewinn der Eisenacher schon nahezu Pflicht! Wermutstropfen: Girts Lilienfelds schied zu Beginn der zweiten Halbzeit mit einer Platzwunde oberhalb des linken Auges verletzt aus, musste sich zur Behandlung ins Krankenhaus begeben.

Daniel Luther gibt die Richtung vor
Das Konzept der Eisenacher sah zunächst vor, das Daniel Luther für Abwehraufgaben auf das Parkett kommt, Kapitän Benjamin Trautvetter ablöst. Daniel Luther setzte jedoch sofort drei «Duftmarken» binnen 157 Sekunden im Vorwärtsgang, resultierend aus Ballgewinnen der Eisenacher in der Abwehr: das 0:1 vom Kreis (!) nach 38 Sekunden, das 0:2 mit platziertem Wurf aus dem Rückraum und das 0:3 mit überlegtem Heber. Eryk Kaluzinski setzte noch einen drauf, erneut nach Tempogegenstoß zum 0:4 (4.). Der aufgrund der Lethargie seiner Crew aufgebrachte Tuspo-Coach Christoph Barthel zückte die grüne Karte. Die Eisenacher blieben dennoch klar Chef auf dem Parkett. ThSV-Keeper Radek Musil parierte einen Siebenmeter vom einzig noch in den Gastgeberreihen verbliebenen Routinier Martin Justus (5.). «Mit großer Effizienz schlossen wir unsere Angriffszüge ab», freute sich Adalsteinn Eyjolfsson. Der Eisenacher Rückraum mit einem sich in glänzender Spiel- und Torlaune befindlichen Tomas Sklenak (9 Treffer) auf der Regieposition, Eryk Kakluzinski im linken und den schnellen leichtfüßigen Girts Lilienfelds initiierte Angriff auf Angriff. Auch mit einer vorgezogenen Deckungsspitze vermochten die Hausherren nicht die Angriffsflut zu bremsen. Adrian Wöhler schloss eine Ballstafette von Linksaußen zum 6:11 (15.) ab. Tomas Sklenak traf zum 7:13 (19.). Benjamin Trautvetter verwertete ein Girts-Lilienfelds-Anspiel zum 10:16 (23.). Den Gastgebern, mit zahlreichen Abgängen im Sommer des Vorjahres und auch während der Saison, fast nur eine «Jugendbrigade», fehlte die Abgeklärtheit.
Der ins Eisenacher Gehäuse eingewechselte Stanislaw Gorobtschuk meistert gleich einige Bälle. Mit ballverlagernden Spielzügen schufen die Wartburgstädter geschickt Überzahlsituationen. Daniel Luther bediente den sich blitzschnell lösenden Girts Lilienfelds, der das 11:18 markierte (27.). Inzwischen war Gabor Langhans für Aufgaben im Deckungsinnenblock der Eisenacher gekommen. Nick Heinemann zeichnete sich für den 12:19-Pausenstand verantwortlich.

Achterbahnfahrt
Eisenachs Kombinationsfluss lief auch nach Wiederanpfiff der schwachen Unparteiischen Aslandag/Aslandag aus Duisburg auf Hochtouren. Daniel Luther löste mit einem Doppelpack zum 12:22 (34.) die erste Laola-Welle im Eisenacher Fanblock aus. Benjamin Trautvetter netzte zum 12:23 (36.) ein. ThSV-Schlussmann Stanislaw Gorobtschuk kaufte dem frei vor ihm auftauchenden Johannes Beck das Leder ab (38.). Währenddessen bemühte sich ThSV-Physiotherapeut Martin Münzberg hinter der Eisenacher Bank bereits um den verletzten Girts Lilienfelds. Nach Bitte durch den Hallensprecher eilen zwei unter den Zuschauern befindlichen Ärzte zur Hilfe. Girts Lilienfelds wird mit einem Kopfverband notversorgt und durch die Tochter eines ThSV-Vorstandsmitgliedes ins örtliche Klinikum gebracht. Alexander Koke kommt im Eisenacher Rückraum. Er ist mehrfach Auslöser von Ballstafetten zu Linksaußen Adrian Wöhler, die dieser im Dreierpack zum 18:29 (45.) nutzte.
Die Hausherren, vornweg Jan Claussen (gerade 19 Lenze geworden) und der gleichaltrige Cornelius Maas sowie der mit 24 Jahren schon zu den «gestandenen» Tuspo-Spielern zählende Bastian Schüssler, blasen, profitierend von Eisenachern Patzern, in Überzahl urplötzlich zur Aufholjagd. Aus dem 18:29 (45.) wird binnen sechs Minuten ein 27:31 (51.). Eine Sonderbewachung gegen Eisenachs Tomas Sklenak zeigte Wirkung. Siebenmeterreife Attacken gegen Eisenachs Daniel Luther und Adrian Wöhler blieben ungeahndet. Die jungen Tuspo-Heißsporne und die vorbildlich ihre Mannschaft unterstützenden, allerdings nur wenigen Zuschauer, witterten kurzzeitig Morgenluft. Sollte die Partie tatsächlich noch kippen?
Auch wenn er sich zunächst nach einer Eisenacher Auszeit einen Ballverlust leistete, Routinier Eryk Kaluzinski übernahm Verantwortung, wuchtete selbst ein oder ließ sich nur auf Kosten eines Strafwurfes, den Alexander Koke sicher verwandelte, stoppen. Jetzt zappelte das Leder in Sekundenabständen im Tuspo-Kasten. Eryk Kaluzinski schmetterte zum 29:35 (54.) ein. Der 19-jährige Johannes Klimmer war machtlos, fühlte sich wie in einer Schießbude. Der ins ThSV-Gehäuse zurückgekehrte «Altmeister» Radek Musil war sofort auf Betriebstemperatur. Ballgewinn auf Ballgewinn, Tempogegenstoß auf Tempogegenstoß. Gabor Langhans lieferte die Vorlage zum 29:37 durch Benjamin Trautvetter. Daniel Luther stibitzte sich das Leder, behauptete sich im Laufduell und versenkte zum 29:39 (57.). Gabor Langhans, von der Torlaune seiner Mitspieler angesteckt, netzte zum 30:41 (59.) und zum letzten Treffer einer sehr torreichen Partie ein. «Die Phase zwischen der 45. und 51. Minute war unnötig. Am Ende haben wir mit 13 Toren gewonnen. Ausrufezeichen», erklärte Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson.

Am kommenden Samstag, 02.04.2011, dem Tag des Sommergewinns in Eisenach, wartet eine schwierige Heimaufgabe, gastiert der TV Neuhausen in der Werner-Aßmann-Halle (Anwurf 19.30 Uhr). Tickets sind im Vorverkauf erhältlich.

Statistik

Tuspo Obernburg: Lübker, Klimmer (ab 15.); Beck (4), Kern (2), Justus (1), Schüßler (3), Claussen (6), Wengerter, Beck (2), Maas (8), Erifopoulus (2), Djurdjevic (2), Lemke

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk (22.-53.); Trautvetter (4), Sklenak (9), Wöhler (6), Koke (2/2), Luther (7), Bitterlich, Kaluzinski (5), Adams, Schiffner, Langhans (4), Heinemann (1), Lilienfelds (5)

Zeitstrafen: Obernburg 2 x 2 Min.; Eisenach 4 x 2 Min.

Siebenmeter: Obernburg 3/0; Eisenach 2/2

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