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ThSV: Bruchlandung in der Mainmetropole

Mit gedämpftem Optimismus war der ThSV Eisenach zum Auswärtsspiel in die Ballsporthalle Frankfurt-Hoechst gefahen. Gastgeber SG Wallau/Massenheim dominierte zwar in den bisherigen sieben Vergleichen, nur eine Punkteteilung gab es 1998, doch die Wartburgstädter waren guten Mutes, den Bock endlich umstoßen zu können. Die Realität auf dem Parkett im nur spärlich gefüllten weiten Rund sah allerdings anders aus. Die Eisenacher funkten besonders in der zweiten Halbzeit nach einem 22:18 Zwischenstand „Land unter“, waren nur noch ein Spielball der Hessen, die beim Abpfiff mit einem 40:28 (19:16) zugleich ihren höchsten Saisonsieg bejubelten. „Wir ließen uns in der Schlussviertelstunde förmlich abschlachten“, musste Eisenachs Cheftrainer Peter Rost konstatieren, der seine Mannschaft nach den jüngsten Erfolgen eigentlich weiter wähnte.

Auf dem Parkett begannen die Eisenacher in der erfolgreichen Formation vom 37:29 Sieg über Kronau/Östringen. Philipp Karbe sollte in der Abwehr Jan-Olaf Immel abmelden. Im Angriff kam für ihn Evars Klesniks, der zunächst ein «sicheres Händchen» hatte. Kurz entschlossen drückte er zum 2:2 (4.Min.) ab. Till Bitterlich erhielt am Kreis erneut den Vorzug, entwickelte mit 6 Treffern beachtliche Offensivqualitäten. Nach einer Regelwidrigkeit am drangvollen Evars Klesniks verwandelte Karsten Wöhler vom Punkt zum 6:6 (11.). Doch Eisenach bekam Wallaus Spielmacher Igor Lavrov einfach nicht in den Griff. Er spazierte förmlich durch die Eisenacher Defensivabteilung. Überhaupt, Eisenachs Abwehr agierte ohne jene Leidenschaft, die den Grundstein der letzten Erfolge gelegt hatte. Als Kamel Ameddah für zwei Minuten auf die Bank musste, nutzten die Gastgeber, profitierend von Eisenacher Fehlern (Wöhler, Göhl) die Überzahl zum 11:7 (16.). Eisenachs Kapitän Karsten Wöhler, einsatzfreudig wie eh und je, erwischte in puncto Abschluss jedoch einen rabenschwarzen Tag. Binnen 10 Minuten brachte er 4 Bälle von Linksaußen nicht unter. Wallaus Konter zum 14:10 (21.) waren wie Nadelstiche für die Eisenacher. Die linke Angriffsseite «lahmte», da auch Sergio Casanova von der Leistung der Vorwoche weit entfernt war. Die Thüringer rappelten sich dennoch zu einem Zwischenspurt auf. Der insgesamt enttäuschende Danijel Grgic setzte per Tippvorlage den eingewechselten Havard Augensen in Szene, der zum Anschlusstreffer traf (14:13 (25.). ThSV-Keeper Karsten Lehmann blieb gegen Jan-Olaf Immel Sieger. Dnijel Grgic versenkte im Gegenzug das Leder zum 14:14. Doch das war nur kurzzeitiges Strohfeuer. Karsten Wöhler zog am langen Pfosten vorbei. Wallaus Immel nutzte seine Freiräume, traf zum 18:15 (29.).
Beide Mannschaften wechselten mit Beginn der zweiten Spielhälfte ihre Torleute. Wallau brachte für den keinesfalls enttäuschenden Marcus Rominger Oldie Zoran Djordic, an dem die Eisenacher in den vergangenen Jahren mehrfach gescheitert waren. Dragan Jerkovic löste im ThSV-Gehäuse Karsten Lehmann ab. Doch er bekam ebenso wie sein Vorgänger kaum eine Hand an den Ball, auch weil von den Vorderleuten völlig im Stich gelassen. Nach dem 22:18 (Klesniks, 33.Min.) war es um die Wartburgstädter geschehen. Wallau wirbelte die Eisenacher nach Herzenslust durcheinander, deren Abwehr völlig überfordert war. Die eigenen Angriffsbemühungen endeten immer wieder bei Zoran Djordic oder eigenen Unzulänglichkeiten.
Die beiden Schiedsrichterfrauen Jutta Ehrmann und Susanne Künzig, bei ihrem letzten Auftritt in Frankfurt mit einer Bierdusche verabschiedet, zeigten sich an diesem Tag ausgesprochen Gastgeber freundlich. Mit ihrer unterschiedlichen Bewertung zerstörten sie den letzten Glauben in den Eisenacher Reihen an eine Chance. In Spielerüberzahl zog Wallau alle Register des eigenen Könnens, enteilte auf 27:20 (40.). Auch der eingewechselte Gintautas Vilaniskis hatte kein Zielwasser parat. Die Hessen spielten sich in einen Rausch (31:21, 47.). Den Gästen ging jegliches Selbstvertrauen verloren. Wöhler, Grgic und Casaonva brachten vom Siebenmeterpunkt den Ball nicht an Djordic vorbei. Wallaus-Coach Martin Schwalb schickte angesichts des klaren Vorsprungs sogar seine gerade der Jugend entwachsenen Benjamin Hundt und Sebastian Lindner ins Rennen. Selbst sie beteiligten sich am munteren Torewerfen gegen die völlig aus Rand und Band geratenen Wartburgstädter. Wallau kombinierte wie im Training. Eisenach glich einem Torso und sehnte den Schlusspfiff herbei, musste in den Schlusssekunden gar den depremierenden 40. Gegentreffer hinnehmen.
Bereits in der nächsten Woche, am Mittwoch, 5.11.03, stehen sich beide Vertretungen erneut gegenüber, dann allerdings im Pokal und in der kleinen Ländcheshalle in Wallau.

STATISTIK
SG Wallau/Massenheim: Rominger (1.-30.), Djordic (31.-60.); Hundt (3), Klein (1), Immel (9), Bengs (3), Tiedtke (4), Jonsson (1), Lindner (1), Werum (4), Lavrov (8/3), Behrends (6)

ThSV Eisenach: Lehmann (1.-30./ 44.-60.), Jerkovic (bei 1 Strafwurf, 31.-44.); Wöhler (3/2), Karbe (1), Augensen (1), Ameddah (3/1), Bitterlich (6), Klesniks (7), Göhl (1), Casanova (4), Sehovic, Grgic (2), Urban (n.e.)
Zeitstrafen: Wallau 1 x 2 Min. – Eisenach 6 x 2 Min.
Siebenmeter: Wallau 3/3 – Eisenach 6/3
Schiedsrichter: Jutta Ehrmann/ Susanne Künzig (Odenthal/Karlsruhe)
Zuschauer: 1850

TRAINERSTIMMEN
Martin Schwalb (Wallau/Massenheim):
Die Partie gegen Eisenach war für uns ein eminent wichtiges Spiel. Die Anspannung war groß. Fazit: Wir reiten weiter auf der Erfolgswelle. In der 1. Halbzeit lief es bereits im Vorwärtsgang bestens. Wir haben uns schnell bewegt und Eisenachs Abwehr damit ausgespielt. Nur in der Defensive hatten wir Probleme, weil wir Eisenachs Klesniks nicht stoppen konnten. Mit der Abwehrumstellung zu Beginn der 2. Halbzeit provozierten wir Eisenach zu Ballverlusten. Unser Schlussmann Zoran Djordic zog Eisenachs Angreifern den letzten Zahn. Wir spielten uns frei. Selbst die eingewechselten jungen Burschen spielten frisch und frei von der Leber weg. Alle hatten ihre Freude an dieser prächtig auftrumpfenden Mannschaft.

Peter Rost (Eisenach):
Ich bin enttäuscht, wie sich meine Mannschaft nach dem 22:18 Zwischenstand hat abschlachten lassen. Hier fehlte die Leidenschaft in der Abwehr, der unbedingte Wille und Glaube zum Sieg. Uns fehlte die Lockerheit, die Freude an der gemeinsamen Bewegung. Etwas Verständnis bringe ich für die Mutlosigkeit angesichts der unterschiedlichen Bewertungen seitens der Schiedsrichterinnen auf. Unterm Strich steht die schwächste Auswärtsleistung der Saison, die es gründlichst auszuwerten gilt. Dann konzentrieren wir uns auf die nächste Aufgabe.

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