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ThSV: Das große Zittern geht weiter

Die gute Nachricht für den ThSV Eisenach am Mittwochabend: Der VfL Pfullingen unterlag TUSEM Essen 29:31. Die Wartburgstädter liegen damit weiter ein winziges Pünktchen vor Pfullingen, das den Relegationsplatz inne hat. Sie haben es damit weiter selbst in der Hand, den Klassenerhalt zu schaffen. Und das, obwohl es die 7. Niederlage in Folge setzte! Die Eisenacher unterlagen am Mittwoch bei der SG Wallau-Massenheim 26:23 (13:11). Die Thüringer scheiterten (wieder einmal) nicht an einem stärkeren Kontrahenten, sondern an sich selbst. Sie bauten nach eigener 8:4 Führung die Hessen durch zahlreiche Fehler wieder auf, beraubten sich in der Schlussphase durch Undiszipliniertheiten der Chance auf zumindest einen Punkt. So wird am Samstag ab 15 Uhr im Heimspiel gegen Nordhorn weiter kräftig gezittert – und nach Gummersbach geschaut, wo Pfullingen gastiert.

Martin Schwalb und Bülent Aksen, Trainer und Manager der SG Wallau-Massenheim, scherzten nach dem Abpfiff. Bülent Aksen, einst Torhüter beim Handball-Bundesligisten OSC Rheinhausen, und dort den finanziellen Kollaps miterlebend, beantwortete die Frage nach der Zuschauerzahl mit den Worten, «3700 – die nicht gekommen sind». Im weiten Rund der Ballsporthalle Frankfurt-Hoechst verliefen sich gerade einmal 1300 Zuschauer (100 Eisenacher hatten die Phonestärkenhoheit!). Doch das störte die Wallauer-Verantwortlichen nicht. Mit dem Coup, Nationalspieler Christian Rose für 3 Wochen nach Spanien auszuleihen, wurde die Kasse unerwartet aufgefrischt. Im Bankettsaal der Ballsporthalle ließen es sich dann etwa 300 «Gönner» der SG Wallau-Massenheim nach dem Abpfiff vorzüglich munden, nachdem ihnen das Gespann Schwalb/Aksen geduldig Rede und Antwort gestanden hatte. Auch sportlich war man, zumindest an diesem Abend, zufrieden. Nach vier sieglosen Spielen, darunter eine Heimniederlage gegen Pfullingen (!) gab es zum Saisonhalali in eigener Halle gegen die «spendierfreudigen» Eisenacher einen Sieg. Auf Tabellenplatz 9 war man bereits vor dem Anpfiff jenseits von Gut und Böse. Stimmung kam unter den einheimischen Zuschauern eigentlich nur vor dem Anpfiff auf, als der Ex-Leipziger Mike Fuhrig (wieder einmal) verabschiedet wurde. Der Abwehr-Oldie war im Saisonverlauf wieder in das Schwalb-Team zurückgekehrt.

Eisenachs Trainerduo Rost/Allonge hatte im Training erkannt, mit wem gegenwärtig erfolgreich Handball gespielt werden könnte. Stephan Just, ein Garant mancher Punkte im Saisonverlauf, seit einiger Zeit jedoch von seiner Glanzform weit entfernt, saß zunächst auf der Bank. Seine Stammposition am Kreis füllte wie zuletzt Jonny Jensen aus. Just half wegen seiner Dynamik zuletzt im Rückraum aus. Doch da lief Martin Reuter auf. Der mehrfach kritisierte Schwarzschopf zeigte es allen noch einmal. Der Eisenacher Kapitän ballerte dem gewiss nicht schlechten Zoran Djordic im Tor die Bälle aus der 2. Etage nur so um die Ohren. Eisenachs Angriffsspiel kam auf Touren, konnte nur regelwidrig gestoppt werden. Oliver Behling versenkte die verhängten Strafwürfe. Hinten zeigte Karsten Lehmann, dass er zu recht derzeit die Nummer 1 im Tor ist. Nach dem 4:4 (9.) legten die Thüringer gar noch einen Gang zu. Behling und Reuter sorgten für das 4:8 (16.). Doch Martin Reuter verließ mit schmerzverzerrtem Gesicht das Parkett: Ein Muskefaserriss bedeutete das Aus. Ein Riss im ThSV-Spiel war nun deutlich spürbar. Peter Rost musste im Rückraum umstellen. Stephan Just besetzte die Reuter-Position. Der Angriffspower war dahin. Eisenacher Abspiel- und Zuspielfehler (Vildalen, Jensen, Romanesen) weckten die Hessen. Der junge Jan-Henrik Behrends, vor kurzem noch in der Wallauer Regionalligamannschaft am Ball, ließ sich die Gastgeschenke nicht entgehen, sorgte für das 8:8 (22.). Jonny Jensen und Stephan Just brachten Eisenach wieder in Vorhand (9:11, 27.). Doch dann ging es wieder drunter und drüber. Haarsträubende Fehler nutzte Wallau zum 13:11 Halbzeitstand. «Nobody» Behrends hatte auch im zweiten Abschnitt das Sagen, traf zum 16:12 (34.). Peter Rost griff in die Taktikkiste, ließ Wallaus Jan-Olaf Immel und Igor Lavrov durch Oliver Behling und Karsten Wöhler «an die kurze Leine nehmen». Beim 16:15 (Romanesen, 39.) war Eisenach wieder dran. Trotz eines neuerlichen 4-Tore-Rückstandes (20:16, 44.), eingeleitet durch ausgelassene Torchancen (Just, Wöhler), keimte über 21:20 (49.) und 23:22 (55.) Hoffnung auf Zählbares. Doch die Eisenacher stellten sich selbst ein Bein. Ausgerechnet die international so erfahrenen Wikinger produzierten zuhauf Fehler. Jonny Jensen konnte seine Zunge zudem nicht im Zaume halten, kassierte eine Zeitstrafe. In Überzahl machte dann Wallau alles klar (25:22, 56.). Ronny Göhl scheiterte frei an Wallaus Keeper, Elmar Romanesen verlor das Leder. Behrends besorgte mit seinem 11. Treffer das 26:22 (58.). Kalt von der Bank kommend, sorgte Stephane Joulin vom Punkt für das Schlussresultast (26:23, 59.).

STATISTIK
Wallau: Djordic, Rominger; Immel (1), Weber (5), Bengs, Jonsson, Linder, Hundt (1), Werum (2), Lavrov (4), Krauthoff (2), Behrends (11/5)
Eisenach: Lehmann, Jerkovic (bei einem Siebenmeter); Romanesen (3), Wöhler (1), Joulin (2/2). Vildalen (2/2), Reuter (3), Urban (n.e.), Bitterlich, Behling (3/3), Jensen (1), Just (5/1), Göhl, Auer (n.e.)

Zeitstrafen: Wallau 6 x 2 Min.;Eisenach 7 x 2 Min.

Siebenmeter: Wallau 5/5; Eisenach 8/6

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