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ThSV Eisenach: Der lebendige Traditionsverein unter der geschichtsträchtigen Wartburg

Zum 30. Gründungsjubiläum sprachen wir mit Präsident Shpetim Alaj

Was wird mit Eisenach verbunden? Natürlich die über 950-jährige Wartburg hoch oben über der Stadt, Martin Luther, Johann-Sebastian Bach (kurzum eine reiche kulturelle Geschichte), der Automobilbau – und der Handball. Im Jahr 1958 eroberten die Männer von Motor Eisenach um Spielertrainer Werner Aßmann den Titel eines Deutschen Meisters im Feldhandball der DDR. Nach dem Umzug in die Halle spielte Motor Eisenach nahezu durchgängig in der 1. Liga der ehemaligen DDR, 18 Jahre trainiert von Hans-Joachim Ursinus. Mehrmaliger „Amateurmeister“, Platz 6 hinter den privilegierten Sportclubs und Einzüge in die Pokalendrunde gehörten zu den Highlights, trotz zwischenzeitlicher „Heimspiele“ in Mühlhausen und Erfurt, bis ab 1984 mit der Sporthalle Katzenaue (später Werner-Aßmann-Halle) eine echte Heimspielstätte eröffnet wurde.

Auch nach der Wiedervereinigung Deutschlands blieb der aus der Sektion Handball der BSG Motor Eisenach am 11.06.1990 gegründete ThSV Eisenach (es misslang, alle Sektionen der BSG Motor in den neuen Verein zu integrieren) auf der Bundesligakarte, spielte bis auf die Saison 2018/2019 stets in der 1. oder 2. Handballbundesliga. Unvergesslich, der Aufstieg des Teams um Kapitän Jürgen „Bongo Beck“ unter Rainer Osmann und 1997 in die Beletage des deutschen Handballs, an einem Samstagabend gegen die MIT Melsungen live im mdr-Fernsehen übertragen. Lokal- und Landespolitiker aller Couleurs sicherten in gemeinschaftlichem Handeln die Finanzen für den Umbau der Werner-Aßmann-Halle auf ein Fassungsvermögen von 3140 Zuschauern. Sieben Jahre kam die Creme de la Creme des deutschen und internationalen Handballs zum Punktspiel nach Eisenach. Es galt, wirtschaftliche und sportliche Klippen zu meistern. Die in der Regionalliga eine gute Rolle spielenden Frauen, sogar Pokalsieger Thüringens, wurde mit dem gesamten weiblichen Nachwuchs in den SV Wartburgstadt eingegliedert. Der männliche Nachwuchs blieb im Fokus. Mal mehr, mal weniger. Im Jahr 2003 erreichte die A-Jugend (Trainer Andreas Schwabe/ Uli Enke), im Jahr 2004 die B-Jugend (Trainer Peter Hattenbach/Andreas Herold), 2007 die B-Jugend (Trainer Edmund Nositschka/ Frank Keller) die Finalrunden um die Deutsche Meisterschaft. In der Saison 2014/2015 bejubelte die B-Jugend (Trainer Christian Roch /Frank Stange) den Titel eines Mitteldeutschen Meisters, vor dem SC Magdeburg und dem SC DHfK Leipzig. Zu einem jeweils nur einjährigen Intermezzo stiegen die ThSV-Männer 2013 (Trainer Adalsteinn Eyjolfsson) und 2015 (Trainer Velimir Petkovic) in die 1. Handballbundesliga auf.

Der erstmalige Drittliga-Abstieg wurde souverän mit dem sofortigen Wiederaufstieg (Trainer Sead Hasanefendic) repariert. Daniel Luther beendete nach über 20-jähriger Vereinszugehörigkeit seine Karriere. Die durch die Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochene Saison 2019/2020 in der 2. Handballbundesliga beendete der ThSV Eisenach auf Platz 11. Er gehörte zu jenen Teams, die im Schnitt über 2.000 Zuschauer zu den Heimspielen begrüßen durften. Die Medienpräsenz erhöhte sich deutlich, in den sozialen und in den Printmedien, ebenso in Radio und Fernsehen. Der ThSV Eisenach ist nicht nur das sportliche Aushängeschild der Region Eisenach, er gehört mit zu den Botschaftern Thüringens im gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus.

Der vor über zwei Jahren neugewählte Vorstand um Shpetim Alaj und Peter Krauß forcierte auch die Nachwuchsarbeit. Die (im Vorjahr von Ex-Nationalspieler Dirk Schnell und aktuell von Ex-Nationalspieler Uwe Seidel betreute) B-Jugend spielt in der Mitteldeutschen Oberliga eine gute Rolle. Gerade wurde die Meldung zur Teilnahme an der Qualifikation für die Jugendbundesliga abgegeben. Ohne Punktverlust bejubelte die C-Jugend den Landesmeistertitel. Von den Minis bis zur 2. Männermannschaft gehen Teams des ThSV Eisenach im Amateurbereich auf Torejagd.

Neben dem sportlichen Aspekt sieht sich der ThSV Eisenach auch als wichtiger sozialer Faktor der Stadt, unterstützt vielfältigen Aktionen. Leistungsorientiert, aber auch mit lebendigem Vereinsleben, so lautet der aktuelle Slogan des Vereins. Binnen eines Jahres wuchs die Mitgliederliste um 80 neue Namen. Junge Sportler, deren Eltern und interessierte sogenannte „passive“ Mitglieder sind dabei. Frohsinn steht ganz oben, ob bei einer Festivität beim Partner „aquaplex“, bei einem vereinsinternen Fußballturnier und anschließender Weihnachtsfeier mit Überraschungen oder die auf ganz große Resonanz gestoßene Stickeraktion.

Die Namen von Hans-Joachim Alban, Arnd Herrmann, Helmut von Moltke, Detlef Alban, Frank Seidenzahl, Detlev Gollhardt, Gerhard Sippel, Gero Schäfer und seit über zwei Jahren Shpetim Alaj finden sich auf der Liste der Vereinspräsidenten.

Aus Anlass des 30-jährigen Gründungsjubiläum sprachen wir mit Shpetim Alaj:
Herr Alaj, Sie begleiten seit vielen Jahren den Weg des ThSV Eisenach?
Ja, ich bin 1994 zum ThSV Eisenach gestoßen, Ich habe mich im damaligen Förderverein um Güner Oppel, Gerhard Sippel, Horst Ehrhardt und Detlef Alban aktiv mit eingebracht. Wir haben die Versorgung zu den Bundesliga- und den Nachwuchsspielen übernommen. Ich selbst habe oft am Bratwurstrost gestanden. Die Einnahmen flossen in den Gesamtverein. Ich habe seinerzeit die ThSV-Familie kennengelernt, die mich sehr beeindruckt hat und zu der ich unbedingt dazugehören wollte. Zusammenhalt, Fleiß, Tradition, Toleranz und der menschliche Umgang untereinander, dafür stehe auch ich. Das Miteinander im Förderkreis hat mich ganz besonders beeindruckt, es hat uns allen riesigen Spaß gemacht. Zu den Auswärtsspielen sind wir oft mitgefahren, haben 1997 den Aufstieg unserer bodenständigen Mannschaft um Rainer Osmann miterlebt und genossen.
Seit dem Jahr 2002 unterstütze ich mit meiner zum damaligen Zeitpunkt gerade gegründeten Firma „Zollservice Alaj“ als Sponsor den ThSV Eisenach.
Im Jahr 2003 bin ich gefragt worden, ob ich im Vereinsvorstand mitwirken möchte. Das empfand ich als Ehre und zugleich als Anerkennung für meine ehrenamtliche Arbeit bis dato. Mit großer Freude begleitete ich 6 Jahre das Amt des Schatzmeisters und 1 ½ Jahre das des Geschäftsführers. Ehrenamtlich. Ich durfte viele Menschen kennenlernen, die inzwischen zu Legenden geworden sind.
Im Februar 2018 wählte mich die Mitgliederversammlung unseres Vereins zum Präsidenten.

Welchen Stellenwert nimmt der ThSV Eisenach ein?
Der ThSV Eisenach ist ein Aushängeschild Eisenachs. Er ist ein wichtiger Faktor im Gesamtpaket mit Wirtschaft und Kultur Eisenachs. Jener Stadt, die ich sehr mag. Der ThSV Eisenach ist ein Aushängeschild der gesamten Region, er ist zugleich ein Botschafter Thüringens im gesamten Bundesgebiet. Das ist ein Fakt, der nicht von der Hand zu weisen ist, auf den wir sehr stolz sind. Ein Engagement für diesen Verein ist für mich und ganz viele Menschen eine Herzenssache und eine große Ehre. Ich darf erinnern, dass der ThSV Eisenach unter den schwierigen Bedingungen der Wendezeit vor 30 Jahren, als die Menschen im Osten Deutschlands völliges Neuland betraten, es geschafft hat, ein wichtiger Bestandteil des Handballs in Deutschland zu werden. In der abgelaufenen Saison in der 2. Handballbundesliga ist der ThSV Eisenach das bestplatzierte Team aus den neuen Bundesländern! Der ThSV Eisenach hat in 30 Jahren stets versucht, eine gesunde Kombination aus Profi und Nachwuchs zu schaffen. Mal sehr gut, mal weniger gut.

Wie sehen Sie den ThSV Eisenach am 11.06.2020?
Wir haben die Höhen und Tiefen der letzten Jahre gut überstanden. Wir sind auf gutem Weg, trotz der Corona-Pandemie erfolgreichen Handball für unsere Stadt, für unsere Anhänger und unser gesamtes Thüringen zu präsentieren. Den Ausrutscher 2018, Abstieg in die 3. Liga, haben wir sofort behoben, sind mit enormem Aufwind und ganz viel Euphorie wieder in die 2. Handballbundesliga gestartet. Viele alte und neue Sponsoren unterstützen uns. Eisenach ist eine handballbegeisterte Stadt. Die gesamte Region ist handballbegeistert. Das bestätigen unsere Zuschauerzahlen. Wir bieten attraktiven Handball in toller Atmosphäre. Viele junge Menschen finden den Weg zur eigenen sportlichen Betätigung zum ThSV Eisenach. Unsere Nachwuchsabteilung verzeichnet ein Plus von 50 Kindern. Das Vereinsleben wird deutlich aktiviert. Unsere Mitgliederzahl ist um 80 angestiegen. Das spricht auch für das zwischenmenschliche Klima in unserem Verein. Das spricht auch für die Arbeit meiner Vorstandskollegen, denen ich ausdrücklich danken möchte. Wir sind bemüht, unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe in und für unsere Stadt zu erfüllen, auch im Zusammenführen von jungen Menschen und Familien´
Unsere sportlichen Ziele im Nachwuchs: alle unsere Nachwuchsteams als Nummer 1 in den verschiedensten Altersklassen in Thüringen, die B-Jugend spielt eine gute Rolle in der Mitteldeutschen Oberliga, der A-Jugend gelingt die Qualifikation für die Jugendbundesliga. Wir setzen alles daran, damit uns dies gelingt. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen unseren Trainern, Übungsleitern und Betreuern für ihre geradezu sensationelle Arbeit bedanken. Der Dank gilt ebenso den Eltern unserer Talente, die uns vielfältig unterstützen.

Herr Alaj, richten wir den Blick nach vorn…
Die Bewältigung der Corona-Pandemie, die größte Herausforderung der Menschheit seit Jahrzehnten, ist auch eine riesige Aufgabe des ThSV Eisenach. Die Gesamtheit der Auswirkungen ist noch nicht absehbar. Wir haben bisher einen guten Job gemacht. Wir sind dabei, mit unseren Sponsoren und Partnern ein tragfähiges Konzept für die unmittelbare Zukunft zu erstellen. Ich bin sehr dankbar, dass fast alle unsere Sponsoren und Partner ihre Bereitschaft erklärt haben, uns weiterhin zu unterstützen. Der Freistaat Thüringen hilft seinen Spitzensportvereinen, zu denen der ThSV Eisenach gehört. Wir sind unserer Landesregierung, insbesondere Minister Helmut Holter, sehr dankbar. Wir danken der übergroßen Mehrheit der Abgeordneten des Thüringer Landtages, insbesondere dem Abgeordneten Raymond Walk, die die von unserem Manager Rene Witte initiierte Initiative „Team Sport Thüringen“ mit konkreter Hilfe unterstützen. Das erleichtert unsere Arbeit bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Vielen Dank! Generell, wir wollen unsere stolze Geschichte von Motor zum ThSV Eisenach fortführen! Als lebendiger Traditionsverein!

Auf der Tagesordnung des Eisenacher Stadtrates stand am Dienstag (mal wieder) der Bau einer neuen den Standards der 1. Handballbundesliga entsprechenden neuen Spielstätte, ebenso wichtig für den Schul- und Vereinssport. Das Land Thüringen hält seit mehreren Jahren hierzu eine Förderung von 9.4 Millionen Euro bereit…
Um zukunftsfähig zu sein, braucht der ThSV Eisenach als sportliches Aushängeschild der Stadt eine erstbundesligataugliche Halle. Ebenso brauchen Schul- und Vereinssport diese neue Sportstätte. Ich glaube, am Dienstag – ich verfolgte die Stadtratssitzung auf der Zuschauertribüne – ist ein zielführender Beschluss gefasst worden ist. Wir danken allen Beteiligten, Oberbürgermeisterin Katja Wolf mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie den das Projekt unterstützenden Ratsmitgliedern, hier federführend Michael Klostermann, Andreas Neumann und Jo West.

30 Jahre ThSV Eisenach, zuvor seit 1949 Handball bei der BSG Motor Eisenach mit dem Höhepunkt der Deutschen Meisterschaft im Feldhandball der DDR und viele Jahre Zugehörigkeit zur 1. Liga der DDR, das wäre doch ein Grund zum Feiern?
Die aktuelle Lage in unserem Land verhindert die Jubiläumsfeier zum jetzigen Zeitpunkt. Doch wir werden als Verein zu einem späteren Zeitpunkt eine dem Jubiläum würdige Feier noch organisieren.

Was wünscht sich der Präsident des ThSV Eisenach?
Ich wünsche mir Harmonie im Umfeld unseres Vereins. Wenn jemandem die eine oder andere Entscheidung nicht gefällt, bitte ich um Verständnis und Toleranz. Ich hoffe, dass alle unsere Spieler – von den ganz jüngsten bis zu den Männern, alle Mitglieder, alle Sponsoren und Partner, alle Fans, alle unserem ThSV Eisenach sich verbunden fühlenden Menschen gesund bleiben, diese schwierige Zeit mit ihren Familien gut überstehen. Das steht derzeit an oberster Stelle!

Th. Levknecht

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