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Trainer Rainer Osmann den Wölken ein Stück näher nach dem Aufstieg 1997 | Bildquelle: © Archiv Th. Levknecht

Beschreibung: Trainer Rainer Osmann den Wölken ein Stück näher nach dem Aufstieg 1997
Bildquelle: © Archiv Th. Levknecht

ThSV Eisenach – ein lebendiger Traditionsverein

Wartburgstädter zurück auf der Bundesliga-Bühne

Nicht um die Asche vergangener Erfolge sitzen, sondern das Feuer am Lodern halten, so lautet der Slogan des ThSV Eisenach, dem Flaggschiff des Thüringer Männerhandballs, einem absoluten Sympathieträger und idealem Werbepartner.

Handball ist tief verwurzelt in der Region Eisenach. Schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde bei der Turnerschaft Eisenach Großfeld-Handball gespielt. Später, unter „Wartburg Eisenach“, „BMW Eisenach“ (Der erste BMW wurde in Eisenach und nicht in München produziert!) und „EMW Eisenach“ gehörten die Handball-Männer zu den führenden Mannschaften Thüringens. Nach Kriegsende rollte das Leder wieder auf dem Sportplatz Katzenaue. Das Automobilwerk Eisenach, in dem der „Wartburg“ über Jahrzehnte vom Band lief, bot mit seiner Betriebssportgemeinschaft (BSG) Motor Eisenach eine Heimstätte für viele Sportarten. Die BSG Motor zählte stets um die 2.000 Mitglieder. Auch die Handballer fanden hier ihr Zuhause.

Foto: © Archiv Th. Levknecht • Das Meisterteam von 1958 nach dem Endspielsieg in Halle.

Deutscher Meister im Feldhandball der DDR
Im Jahr 1958 feierte Motor Eisenach seinen größten Erfolg im Handball. Mit Spielertrainer Werner Aßmann, dessen Namen die heutige Heimstätte des ThSV Eisenach trägt, eroberten die Motor-Kämpen den Titel des Deutschen Meisters im Feldhandball der DDR. In den 60er Jahren zog der Handball vom grünen Rasen in die Halle. Nahezu durchgängig spielte Motor Eisenach in der 1. Liga der DDR, bot den Sportclubs aus Berlin, Frankfurt/Oder, Leipzig, Magdeburg und Rostock erfolgreich die Stirn. In der zumeist nur 10 oder 12 Mannschaften umfassenden 1. Liga holte sich Motor Eisenach mit Trainer Hans-Joachim Ursinus und Kapitän Rainer Osmann mehrfach den inoffiziellen Titel des „Amateurmeisters“, beendete auf Tabellenplatz 6 die Saison. Die mehrfache Qualifikation zur Pokalendrunde gehörte zu den Höhepunkten. Endlich, im Jahr 1984, wurde am Fuße der Wartburg eine geeignete Heimstätte, die 1.400 Zuschauer fassende Sporthalle Katzenaue eröffnet. Vorbei die Zeit der Heimspiele in der Jahnsporthalle, einem ehemaligen Stall für Pferde der kasernierten Volkspolizei, vorbei der Zeit der „Heimspiele“ in Mühlhausen und Erfurt.

Foto: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach • Eisenacher Trainerlegenden (v.l.) Rainer Osmann, Sead Hasanefendic, Peter Rost, Hans-Joachim Ursinus. In der Mitte mit Thomas Levknecht einer der Gründungsväter des ThSV Eisenach und seit nahezu 30 Jahren Pressesprecher.

Gründung des ThSV Eisenach
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands galt es den Leistungshandball in Eisenach auf völlig neue Füße zu stellen. Handballenthusiasten krempelten die Ärmel hoch, mit heißem Herzen, aber ohne Kenntnisse der Marktwirtschaft. Die Motor-Handballer hatten sich über Platz 6 in der letzten DDR-Erstligasaison für die zweigeteilte 1. Handballbundesliga qualifiziert. Aus der Sektion Handball der BSG Motor Eisenach wurde der Thüringer Sportverein Eisenach. Es blieb bei einem einjährigen Intermezzo in der 1. Handballbundesliga. Mit Mühe konnte nach dem Abstieg die 2. Bundesliga gehalten werden. Helmut von Moltke erwarb sich als junger Präsident des ThSV Eisenach hier große Verdienste! Die Troika Frank Seidenzahl (Präsident), Thomas Dröge (Manager) und Rainer Osmann (Trainer) betrieb einen wirtschaftlichen und sportlichen „Wiederaufbau“. Im Jahr 1997 bejubelte der ganze Freistaat Thüringen den Aufstieg des ThSV Eisenach mit Rainer Osmann als Trainer, Kapitän Jürgen „Bongo“ Beck und Publikumsliebling Titel Raduta, in die 1. Handballbundesliga. An einem Samstagabend berichtete das mdr-Fernsehen live die komplette Partie! Die Heimstätte Werner-Aßmann-Halle wurde im Zusammenwirken zwischen Land und Stadt binnen kurzer Zeit umgebaut, erreichte ein Fassungsvermögen von 3.140 Zuschauerplätzen. Sieben Jahre kamen die weltbesten Handballer zum Punktspiel in die Wartburgstadt. Selbst ein Weltklasse-Handballer wie Stephane Joulin trug das Trikot des ThSV Eisenach! Nicht alle wirtschaftlichen Klippen konnten gemeistert werden. Zum Ende der Saison 2003/2004 musste in den sauren Apfel des Abstiegs gebissen werden.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach • Daniel Luther („Eisen“) beendet nun nach fast 22 jähriger Vereinstreue seine Laufbahn.

Erstliga-Aufstiege mit kurzer Verweildauer
Wieder gab es Männer und Frauen, die trotz eines steinigen Weges nicht verzagten. Die blau-weiße Fanschar sowie viele Sponsoren und Partner hielten auch in schweren Zeiten die Treue. Im Jahr 2011 stand die erfolgreiche Qualifikation für die eingleisige 2. Handballbundesliga. Es folgte der Aufstieg 2013 in die 1. Handballbundesliga, mit dem postwendenden Abstieg. Auch im Jahr 2015 bejubelte Handball-Eisenach den Aufstieg in die Beletage, in die DKB-Handballbundesliga. Es blieb erneut nur bei einem einjährigen Intermezzo. Danach zogen die Verantwortlichen zwar an einem Strang, aber nicht in die gleiche Richtung. Erstmals in der langen Geschichte mussten im Sommer 2018 Eisenachs Handball-Männer in die 3. Liga absteigen. Der Verein stellte sich auf allen Ebenen neu auf, kann auf ganz viele ehrenamtliche Helfer, aber auch auf die Unterstützung der Stadt Eisenach für ihr sportliches Aushängeschild bauen. Mit dem Ziel, der sofortigen Rückkehr auf die Bundesligabühne. Aber auch, um die Nachwuchsarbeit wieder zu intensivieren.

Wieder auf der Bundesligakarte
Die Rückkehr auf die Bundesligabühne ist eindrucksvoll gelungen. Mit sattem 12-Punkte-Vorsprung auf den Tabellen-Zweiten SG Nußloch (mit Ex-Nationalspieler Christian Zeitz) wurde die Meisterschaft in der Oststaffel der 3. Liga vermeldet. In der Aufstiegsrelegation schafften es die Eisenacher gleich im ersten Anlauf. Die Schützlinge vom quick lebendigen Altmeister Sead Hasanefendic feierten gegen den Süd-Staffel-Meister HSG Konstanz zwei Siege: in heimischer Werner-Aßmann-Halle vor nahezu 3.000 Zuschauern ein 30:25, in der mit 1.800 Zuschauern ausverkauften Schänzle-Halle in Konstanz. mit der Unterstützung von über 200 mitgereisten Fans, ein 29:26 Apropos Zuschauer: Mit nahezu durchschnittlich 1.700 Zuschauern bei den Heimspielen eroberte der ThSV Eisenach im Zuschauer-Ranking aller vier Drittliga-Staffeln klar Platz 1. Selbst n der 2. Handballbundesliga würde dieser Zuschauerzuspruch Platz 8 in der entsprechenden Tabelle bedeuten.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach • Die Fans des ThSV eisenach sind eine Macht. Auch auswärts! Hier 400 in Baunatal.

Ein Verein mit Unterbau
Neben der ersten Männermannschaft gilt dem Nachwuchs viel Aufmerksamkeit. In allen Altersklassen, von den Minis bis zur A- Jugend, stehen derzeit Teams des ThSV Eisenach im Punktspielbetrieb. In Handball-Arbeitsgemeinschaften an den Grundschulen wird das Interesse für den Handballsport geweckt. Anfang des neuen Jahrhunderts kletterten A- und B-Jugend-Mannschaften des ThSV Eisenach auf das Treppchen Deutscher Meisterschaften. Im Jahr 2014 eroberte die B-Jugend den Titel des Mitteldeutschen Meisters. Die A-Jugend spielte in der Jugendbundesliga. Die C-Jugend erreichte 2018 Bronze bei den Mitteldeutschen Meisterschaften. Künftig muss in den Nachwuchsbereich mehr Kraft investiert werden, um verlorengegangenen Boden aufzuholen. Es gilt, Leistungssportler für die eigenen Reihen zu entwickeln, gleichzeitig den sozialen Aspekt aber nicht zu vernachlässigen. Vereine, und damit natürlich auch der ThSV Eisenach, sind der soziale Kitt der Stadt.

Thomas Levknecht

Foto: © Archiv Th. Levknecht • Selbst Weltklasse-Rechtsaußen Stephane Joulin trug das Eisenacher Trikot.

Andrea T. | | Quelle:

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