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ThSV Eisenach gab 4-Tore-Führung aus der Hand

Arger Dämpfer für den ThSV Eisenach! Eine Woche nach dem 21:19 Paukenschlag über die Superstars des SC Magdeburg versäumten es die Wartburgstädter in einem Duell mit einem Mitkonkurrenten in Sachen Klassenerhalt die Gunst der Stunde zu nutzen, sich etwas Luft zum Tabellenende zu verschaffen. Beim Aufsteiger Stralsunder HV kassierten die Eisenacher eine vermeidbare 26:25 (16:15) Niederlage. In der kleinsten Halle der Liga schienen die Thüringer 10 Minuten vor dem Abpfiff beim 20:24 auf der Siegerstraße. Sechzig die Strapazen der 1300 Kilometer langen Fahrt nicht scheuende ThSV-Fans waren bereits in Jubelstimmung, hatten klar die akustische Hoheit. Doch dann stellten sich die Eisenacher selbst ein Bein, suchten zu schnell und mit falsch angesetzten Würfen den Abschluss. Über eine sich einschließlich Torhüter steigernde Deckung rissen die Norddeutschen noch das Ruder herum. Mit dem 9.Treffer von Gintautus Vlilaniskis zum 22:25 (52.Min.) endete nämlich die Trefferausbeute der Thüringer. Ausgerechnet die erfahrenen Akteure (Grgic, Vilaniskis, Casanova) vermochten es nicht, den greifbaren Doppelpunktgewinn zu sichern. Beim Stand von 25:25 brachte der bis dato vom Punkt treffsichere Kapitän Karsten Wöhler einen Strafwurf nicht an Stralsunds Schlussmann Liviu Ianos unter (57.). In der Schlussminute sorgte Nico Kibat mit einer beherzten Aktion zum Kreis für das spielentscheidende 26:25. Der ThSV Eisenach brachte im Gegenzug seinen Torschützen vom Dienst an diesem Tag, Gintautas Vilaniskis, nochmals in Wurfposition, doch Stralsunds Keeper blieb Sieger. So bejubelten am Ende die 1000 einheimischen Besucher ausgelassen den zweiten Erstligasieg, der Stralsund nach Punkten mit Eisenach gleichziehen lässt (beide 4). Bedeppert zogen hingegen die Thüringer von dannen – eine qualvolle 8-Stunden-Heimfahrt noch vor Augen.

TREFFSICHER: GINTAUTAS VILANISKIS
Eisenachs Danijel Grgic wurde an seiner ehemaligen Wirkungsstätte mit viel Beifall begrüßt. Die Verdienste des Kroaten in 4 Jahren Stralsund sind noch gegenwärtig.
Torreich ging es zunächst zu – 10 Treffer bis zur 7. Minute zum 5:5 Gleichstand. Eisenach Trainer Peter Rost gab von Beginn Gintautas Vilaniskis im linken Rückraum in der Offensive den Vorzug. Sergio Casanova, nach überstandener neuerlicher Verletzung noch um seine alte Form ringend, kam zunächst nur für Abwehraufgaben. Etwas überraschend operierte Till Bitterlich am Kreis. Er hatte sich dort u.a. mit dem Ex-Eisenacher Zdenek Vanek auseinanderzusetzen. Der 35-jährige Tscheche kommt nahezu ausschließlich in der Defensive auf das Parkett, soll mit seiner Routine dem Aufsteiger helfen. Beim 5:6 (9.) durch den wuchtigen Gintautas Vilaniskis ging Eisenachs erstmals in Führung. Von ungewohnter Rechtsaußenpopsition markierte Karsten Wöhler das 5:7 (10.) Doch es folgten 6 Minuten kollektiver Blackout beim ThSV Eisenach. Zuspielfehler und Missverständnisse luden die Gastgeber zum Kontern ein. Die Eisenacher Präsente nutzte Stralsund zum 11:7 (16.). Doch die Hausherren schienen von der eigenen 4-Tore-Führung überrascht, agierten nun nervös. Danijel Grgic dirigierte mit behutsamen Aktionen Eisenachs Angriffsspiel. Till Bitterlich hatte am Kreis einen schweren Stand, wurde hart attackiert. Gintautas Vilaniskis ballerte aus der 2. Etage, was das Zeug hielt. Nach Regelwidrigkeit an Sergio Casanova versenkte Karsten Wöhler den fälligen Strafwurf zum Anschlusstreffer (11:10, 20.). Auf der Gegenseite kaufte Eisenachs Schlussmann Karsten Lehmann Stralsunds Danny Anclois vom Punkt das Leder ab. Doch der Ausgleich wollte nicht gelingen, weil Evars Klesniks nur das Holz traf und der im Vorwärtsgang neuerlich glücklose Ronny Göhl scheiterte. Nach rüdem Foul von Bernard Latchimy musste Eisenachs Till Bitterlich verletzt vom Parkett. Der Sünder war mit einer Zeitstrafe mehr als gut bedient. Karsten Wöhler verwandelte den fälligen Siebenmeter zum erneuten Anschlusstreffer (14:13 (28.). Auf Eisenacher Seite trifft immer wieder Gintautas Vilaniskis – 7 Treffer bis zum Halbzeitstand von 16:15 für Stralsund.

MIT LEHMANN-STEIGERUNG ZUR 4-TORE-FÜHRUNG
Die zweite Halbzeit beginnt mit Alexander Urban am Kreis und Sergio Casanova im rechten Rückraum. Die rechte Angriffsseite blieb dennoch das Sorgenkind der Eisenacher an diesem Tag: keine Impulse keine Torgefahr. Nach einem Casanova-Fehler markiert der quirlige Nico Kibat das 18:15 für die Norddeutschen. (35.). Beide Vertretungen produzierten nun zahlreiche Fehler. Alexander Urban scheiterte frei vom Kreis (38.) und räumte seinen Platz für Havard Augensen, dem 3. Eisenacher Kreisspieler an diesem Tag. Till Bitterlich kam auch für Abwehraufgaben nicht zurück. Sicherlich ein Handicap für den Innenblock der Eisenacher Abwehr. Dafür steigerte sich nun Karsten Lehmann im Eisenacher Kasten, der in der 1. Halbzeit kaum einen Ball zu fassen bekam. Karsten Wöhler sorgte vom Punkt für den Anschlusstreffer und Sergio Casanova schloss einen Konter zum 19:19 ab (44.).
Der auf Stralsunder Seite auftauende Tino Mogensen brachte seine Farben nochmals mit 20:19 in Vorhand (44.), doch dann überrollten die Eisenacher die Hausherren. Augensen trifft vom Kreis zum 20:21 (46.). Danijel Grgic angelt sich das Leder aus den Stralsunder Reihen, bedient Karsten Wöhler, der beim Wurf „gefällt wird“. Sergio Casanova markiert per Strafwurf das 20:22 (47.). Danijel Grgic schließt einen weiteren Konter zum 20:23 (48.) ab. Hektik pur bei Stralsund: Das Leder landet im Seitenaus. Auf mustergültige Vorlage von Danijel Grgic hebt Karsten Wöhler den Ball zum 20:24 (50.) ins Netz. Der Ausgang der Partie scheint vorgezeichnet. Doch es kommt anders. Stralsunds Tino Mogensen trifft plötzlich nach Belieben. Die Eisenacher verlassen ihre erfolgreiche Linie. Jeder sucht den schnellen Abschluss, will sich zum „Helden“ werfen. Durch Torhüter freundliche Hüftwürfe bringen sich die Eisenacher selbst in Schwierigkeiten – und letztendlich um den Erfolg.

AM SAMSTAG KOMMT AUFSTEIGER KRONAU/ÖSTRINGEN
Am kommenden Samstag, 18.10.03, stehen die Eisenacher im Heimspiel gegen den anderen Aufsteiger, die SG Kronau/Östringen, schon wieder mächtig unter Erfolgsdruck. Anwurf ist um 19.30 Uhr in der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle. Der Eintrittskartenvorverkauf ist bereits angelaufen. Bestellungen sind möglich per Internet unter http://www.thsv.eisenachonline.de/scripts/ticket/t_veranstaltungen.php?kid=1(www.thsv.eisenachonline.de), Tel. 03691/82800 sowie in den bekannten Vorverkaufstellen in Eisenach, Bad Salzungen (Foto-Schrön) und Waltershausen (Gastst. „Friedenstein).

TRAINERSTIMMEN
Peter Rost (Eisenach):
Wir haben 24:20 geführt und dennoch verloren. Das ist traurig, weil wir das Spiel durch Undiszipliniertheiten selbst verloren haben. Wir suchten zu schnell und den Abschluss, stellten uns damit selbst ein Bein. Hohe Bälle waren bis in die Schlussphase das Erfolgsrezept gegen Stralsunds Torhüter. Plötzlich warfen wir, sicherlich zur Freude von Stralsunds Torhüter, flach. Wieder einmal mussten wir Lehrgeld zahlen.
Norbert Henke (Stralsund):
Das 20:24 war der Knackpunkt. Mit unglaublicher Kampfmoral und Leidenschaft haben wir das Spiel noch gekippt. Eine sich steigernde Deckung mit einem Super-Torwart war in der Endphase ausschlaggebend. Eine Augenweide das Siegtor von Nico Kibat. Wir standen vor dem Anpfiff mächtig unter Druck. Die zwei Pluszähler gegen Eisenach können noch Gold wert sein. Ich habe zwei tolle Spielmacher gesehen – Danijel Grgic auf Eisenacher und Nico Kibat auf Stralsunder Seite. Ich hatte ja das Glück, einige Jahre Danijel Grgic in unserem Team zu haben. Er ist der tollste Handballer, den ich bisher trainieren durfte.

STATISTIK
Stralsunder HV: Ianos, Levchine; Latchimy, Kibat (5/1), Luca, Mogensen (7), Vanek, Skerka (3), Anclais (5/1), Michalewicz, Liesche (2), Dau, Strack (4);
ThSV Eisenach: Lehmann, Jerkovic (n.e.); Klesniks (1), Grgic (3), Göhl, Casanova (3/1), Vilaniskis (9), Wöhler (7/5), Karbe (n.e.), Ameddah (n.e.), Augensen (1), Urban, Bitterlich (1)
Zeitstrafen: Stralsund 6×2 Min. – Eisenach 5×2 Min.
Siebenmeter: Stralsund 3/2 – Eisenach 7/6
Schiedsrichter: Heinz/Hock (Waiblingen-Neustadt)
Zuschauer: 1050 (ausverkauft)

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