ThSV Eisenach II zu schnell für den Ligaprimus

Handballoberliga Männer: ThSV Eisenach II – VfB TM Mühlhausen 34:28 (16:12)

Nach 34:28 (16:12) -Erfolg über den VfB Mühlhausen sind die Alaj-Schützlinge bis auf einen Zähler an den Spitzenreiter heran

Der ThSV Eisenach II wirft im Schnitt mehr als 34 Tore, das spricht für ihn auch am heutigen Abend, erklärte Tim Rodrian, der zuschauende Torjäger des SV Town & Country Behringen/Sonneborn, vor dem Anpfiff des Ligagipfels.

Er behielt Recht. (Tags darauf sorgte er mit seiner Mannschaft für eine Überraschung, bezwang sie die HSG Werratal mit 27:26.) Im Duell angriffsstärkstes gegen defensivstärkstes Team behauptete sich im Spitzenspiel der Handballoberliga der Männer mit dem ThSV Eisenach II die angriffsstärkste Mannschaft. Der Tabellen-Zweite dominierte von Beginn mit Angriffs- und Abwehrstärke, brachte den bis dato ungeschlagenen VfB Mühlhäusern vor über 450 Zuschauern mit einem 34:28 (16:12)-Erfolg die erste Niederlage bei, rückte bis auf einen Zähler an den Tabellenführer aus dem Unstrut-Hainich-Kreis heran. Die Referees Johannes Rudolph und Jens Hanse waren der beidseitig überaus fair geführten Partie zwei sichere Leiter.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Florian Müller überwindet Mühlhausens Keeper Adrian Winkler.

Die Spieler beider Teams kennen und schätzen sich. Der VfB Mühlhausen ist offizieller Kooperationspartner des ThSV Eisenach. Die Gäste wurden von einer lautstarken Fankolonie begleitet, der ThSV Eisenach II freute sich über die besondere Unterstützung von der JSG Erbstromtal und Fußballern der SG Hötzelsroda. Als im Saisonverlauf Not an Mann war, hatten Qendrim und Armend Alaj die Fußballschuhe für die SG Hötzelsroda geschnürt.

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Restlos bedient, Mühlhausens Coach Karsten Knöfler.

Qendrim Alaj happy, Karsten Knöfler zerknirscht

Wir stellten eine kompakte Abwehr, haben wenig Durchbrüche zugelassen und damit unserem Torhüter geholfen. Mit unserem Tempospiel hetzten wir die Gäste regelrecht durch die Halle. Wir haben unsere Angriffe bis zum Ende gespielt, setzten nicht bei Halbchancen zum Wurf an, resümierte Eisenachs Rückraumspieler Julius Brenner.

Nur in der Anfangsphase, beim 0:1 (1.) und 1:2 (4.), jeweils durch Rückraum-Shooter Markus Lentzko, lagen die Gäste vorn. Die Eisenacher zelebrierten ihren schon obligatorischen Kempa, Philipp Urbach bediente den in den Kreis fliegenden Qendrim Alaj zum 5:3 (9.), ließen lediglich beim 6:6 (15.) und 7:7 (17.) nochmals den Gleichstand zu. Sehenswert das Rückhandanspiel von Qendrim Alaj auf Ardit Ukaj zum 9:7 (18.). Die Hausherren gaben die Führung nicht mehr ab.

Wir ließen dem Tabellenführer keine Chance, setzten das um, was wir uns vorgenommen hatten. Auf die Abwehrumstellungen der Gäste fanden wir sofort die passenden Lösungen. Wir waren nicht berechenbar, begeisterten die große Zuschauerkulisse mit attraktivem Handball, gepaart mit ganz viel Emotionen, strahlte Spielertrainer Qendrim Alaj.

Er hatte sich am Dienstag im Training eine Knieverletzung zugezogen, brillierte dennoch in der Rolle des Spielgestalters, markierte selbst 7 Treffer.

Mein Dank geht an unsere Physiotherapeuten Martin Münzberg und Richard Freitag, die dafür sorgten, dass ich spielen konnte, betonte der Spielertrainer.

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Den Ball hat ThSV-Keeper Bastian Freitag am Vorabend seines 19. Geburtstages sicher.

Für Abwehraufgaben wurde er zumeist von Leonard Toelke abgelöst. Zerknirscht blickte Karsten Knöfler, der Coach des VfB Mühlhausen, auf die 60 Spielminuten:

Wir haben nicht das gezeigt, was wir können. Uns gelang es nicht, das schnelle Spiel der Eisenacher zu unterbinden.

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Mehrfache Abwehrumstellungen bei den Gästen blieben erfolglos. Ihnen fehlten mit Ivica Lazarovski und Martin Ginov (beide erkrankt) wichtige Stützen auf der rechten Angriffsseite.

Ohne Linkshänder im Rückraum war unser Angriffsspiel zu linkslastig. Dennoch erarbeiteten wir uns Torchancen für zwei Spiele, brachten das Leder aber nicht unter, bilanzierte Karsten Knöfler, der eine ungewohnte Abschlussschwäche konstatierte.

Seine Schützlinge vermochten allein vier von sieben Strafwürfen nicht zu versenken.

Wir agierten kopflos, vermochten keine konstanten 10 Minuten zu zeigen, ärgerte sich Karsten Knöfler.

Die Eisenacher „dankten“ für die Kopflosigkeit der Gäste mit etlichen Gegenstoßtreffern.

Adrian Winkler war der Einzige, der sein Potential abrief, vermerkte Karsten Knöfler.

Der Ex-Eisenacher im Kasten der Mühlhäuser sei bei Spielen gegen seinen ehemaligen Verein stets besonders motiviert. Das Torhüterduell ging allerdings an Bastian Freitag. Am Vorabend seines 19. Geburtstages parierte der ThSV-Keeper, unterstützt von seinen Vorderleuten, 16 Bälle.

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Torben Hübke netzt zu einem seiner 5 Treffer ein.

Torben Hübke überzeugt in Abwehr und Angriff

Mit kreativem Angriffsspiel, dabei die Breite des Spielfeldes nutzend, zogen die Hausherren vor der Pause vom 11:10 (22.) auf 16:12 bis zur Halbzeitsirene davon. Florian Müller versenkte von Rechtsaußen. Die Gäste betrauten ihren Linksaußen Moritz Rahn mit der Aufgabe des Spielgestalters.

Linksaußen können diese Rolle übernehmen, argumentierte Karsten Knöfler.

Moritz Rahn, einst im Nachwuchsprojekt des ThSV Eisenach und im Eisenacher Sportinternat, nach selbst verordneter Handballpause seit dieser Saison wieder auf dem Parkett, mühte sich redlich. Das Spiel zum Kreis, ein Markenzeichen des VfB Mühlhausen seit einigen Jahren, brachte die Gastgeber nicht in die Bredouille. Der Eisenacher Deckungsinnenblock mit Leonard Tölke, Torben Hübke und Julius Brenner zeigte sich hellwach. Explosivität mit Passsicherheit zeichnete das Angriffsspiel aus. Armend Alaj, von erfolgreichen Länderspieleinsätzen mit dem Kosovo zurück, übernahm Verantwortung beim Torwurf, auch vom Siebenmeter-Strich. Er netzte zum 20:15 ein (37.). Schlussmann Bastian Freitag parierte gegen Yannick Fritzlar (41.), blieb im Siebenmeterduell mit Konstantin Fick Sieger (43.). Unter den Augen von Bundesligacoach Misha Kaufmann behauptete sich der zum Kader der ersten Mannschaft gehörende Torben Hübke am gegnerischen Kreis, versenkte zum 23:18 (42.) und 27:22 (48.). Ballorientierte Abwehrarbeit leitete Gegenstöße ein. Julius Brenner versenkte zwei zum 28:22 (48.) und 29:22 (50.). Der Versuch, Eisenachs Angriffsspiel mit einer Pressdeckung gegen Qendrim Alaj den Stecker zu ziehen, blieb ein Wunsch. Das Angriffsspiel lief auf Hochtouren. VfB-Keeper Adrian Winkler verhinderte einen höheren Rückstand. Der beim VfB Mühlhausen auf das Parkett zurückgekehrte Torjäger Markus Lentzko lochte zu seinem 8. Treffer ein (53.), vermochte das Blatt nicht mehr zu wenden. Er haderte vielmehr mit seinen Mitspielern, verließ resignierend die Spielfläche. Beim Gastgeber stand inzwischen die Jugendbrigade auf dem Parkett. Der 17-jährige Felix Cürten schloss mit Überzeugung zum 33:27 ab (55.). Für den 34. und letzten ThSV-Treffer sorgte Florian Müller, bevor Moritz Rahn zum Endstand traf.

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Armend Alaj übernahm insbesondere im zweiten Abschnitt viel Verantwortung.

Nächstes Spitzenspiel am Freitagabend in heimischer Halle

Wir wollen unseren Erfolgskurs im nächsten Derby fortsetzen, unterstreicht Qendrim Alaj mit Blick auf die nächste Partie.

Dabei genießt der ThSV Eisenach II erneut Heimrecht und hofft auf wiederum eine große Zuschauerkulisse. Am Freitag, 26.01.2024 gastiert der SV Blau-Weiß Goldbach/Hochheim um 20.00 Uhr zu einem weiteren Spitzenspiel in der Werner-Aßmann-Halle. Der Tabellen-Zweite empfängt den Tabellen-Dritten, der am Samstag beim SV Aufbau Altenburg klar mit 32:24 erfolgreich war.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Über 450 Zuschauer besetzten die Hauptribüne der Werner-Aßmann-Halle.

Statistik
ThSV Eisenach: Freitag, Büchner, Trabert; Müller (5), Brenner (4), Rehm, Urbach (1), Stegner, Schlotzhauer, Cürten (1), Toelke (2), Hübke (5), Ukaj (4), A. Alaj (5/2), Katzwinkel, Q. Alaj (7/2)
VfB TM Mühlhausen: Winkler, Randhage; Lentzko (8/1), Adam (1), F. Fick (5), Hesse, Wiegand, K. Fick (6), Klose, Brauer (1), Rahn (3/1), Harder (3), Fritzlar (1)
Siebenmeter: ThSV Eisenach 4/6 – VfB Mühlhausen 3/7
Zeitstrafen: ThSV Eisenach 2 x 2 Min. – VfB Mühlhausen 3 x 2 Min.
Schiedsrichter: Rudolph/ Hanse
Zuschauer: 456

Th. Levknecht

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