Werbung

ThSV Eisenach im Freudentaumel

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Eisenachs Linkshänder Alexander Saul markierte 8 Feldtore.

Endlich wieder Zuschauer – Endlich den Bock umgestoßen! Wartburgstädter feiern vor knapp 600 Zuschauern nach einem 13:18-Pausenrückstand mit einem 31:27 ihren ersten Punktspielsieg über den HC Elbflorenz

In der 6. Auflage hat es geklappt! Mit einem 31:27 (13:18) gelang dem ThSV Eisenach der erste Punktspielsieg über den HC Elbflorenz. Dieser wurde von knapp 600 Zuschauern frenetisch gefeiert. Am Vortag hatte der ThSV Eisenach vom zuständigen Gesundheitsamt des Wartburgkreises grünes Licht für die Zulassung von 700 Zuschauern – erstmals seit dem Oktober des Vorjahres – erhalten. Ein riesiger logistischer Aufwand war zur Einhaltung der Hygieneregeln von unzähligen blitzschnell aktivierten ehrenamtlichen Helfern umzusetzen. Der Einsatz außerhalb des Parketts wurde von jenen auf dem Parkett belohnt. Ein danieder gehendes Unwetter kappte zwar die Internetverbindung und verhinderte die Übertragung von sportdeutschland.tv, doch via Livestream von „Sport im Osten“ des mdr-Fernsehens konnte das Handballspektakel aus der Werner-Aßmann-Halle verfolgt werden.

Bildquelle: © Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Eisenachs Kreisläufer Peter Walz ist Dresdens Oskar Emanuel und Philip Jungemann entwischt und netzt ein.

Ein Handballspektakel war es auf alle Fälle. Beim Gang zu den Pausengetränken lagen die Eisenacher beim 13:18 mit 5 Treffern hinten. Eingangs der Schlussviertelstunde zeigte die Anzeigetafel ein 21:25 an, zu allem Überfluss jagte Eisenachs Ivan Snajder auch noch einen Siebenmeter über den Gästekasten. Zu deutlich dominierte der Gast von der Elbe.

Doch wir haben an uns geglaubt, lieferten ein Super-Kampfspiel, sprudelte es aus Eisenachs Kapitän Alexander Saul heraus.

Der Linkshänder, mit 8 Treffern (aus 10 Versuchen) der beste Werfer auf dem Parkett, setze die Segel auf Sturm.

Im ersten Abschnitt fehlte etwas die Leidenschaft, bekamen wir die Deckung nicht dicht. Das änderte sich in der zweiten Halbzeit und insbesondere in der letzten Viertelstunde. Wir wurden immer stärker, die Dresdner immer unsicherer, konstatierte Eisenachs Peter Walz.

Der Kreisläufer gehörte erneut zu den tragenden Säulen, war mehrfach nur auf Kosten von Strafwürfen zu stoppen.

In der Deckung bekamen wir endlich Zugriff, nach vorn nutzten wir mit erhöhtem Tempo unsere Wurfchancen resolut, freute sich Daniel Dicker.

Dresdens Manager Karsten Wöhler, viele Jahre im Trikot der Eisenacher am Ball und auch deren Manager, verstand die Welt nicht mehr.

Wir hatten alles bestens im Griff, hätten schon zur Pause noch klarer führen können, verlieren dann völlig den Faden,produzieren Fehler und Fehlwürfe, erlauben Eisenach Würfe in unser leeres Tor, erklärte er kopfschüttelnd. In dieser Phase haben uns die Fans toll gepusht, wollte Daniel Dicker unbedingt vermerkt haben.

Bis eingangs der Schlussviertelstunde hatten die Eisenacher Torhüter Blaz Voncina und Thomas Eichberger gerade einmal 3 Bälle zu greifen bekommen. Besser von seinen Vorderleuten unterstützt, wurde nun Blaz Voncina ein Faktor. An Peter Walz und Martin Potisk verursachte Strafwürfe netzte der von der Bank kommende Adrian Wöhler schnörkellos ein. Alexander Saul traf zum Anschlusstreffer (24:25, 51.). Mit purer Willenskraft traf Peter Walz im Nachsetzen zum 26:26 (53.). Sebastian Gress brachte den HC Elbflorenz nochmals mit 26:27 in Führung (54.). Das sollte der letzte Treffer für seine Farben sein. Von der plötzlichen Stärke und Power der Eisenacher völlig überrascht, meldete der HC Elbflorenz regelrecht „Land unter“.

Die Faktoren Hektik und Emotionen spielten nun eine Rolle. Wir gaben zu viele Bälle weg und das Spiel drehte sich. Das war bitter für uns. Die wichtigste Phase des Spieles, nämlich die letzte, ist uns völlig misslungen, bekannte Rico Göde, der Coach des HC Elbflorenz.

Seine Auszeit nach den Treffern von Ivan Snajder, Martin Potisk und Alexander Saul zum 29:27 (57.) schien seine Spieler nicht mehr zu erreichen. Auch der Versuch des Spieles mit 7 gegen 6 blieb erfolglos. Der Wurf von Arseniy Buschmann landete neben dem Eisenacher Gehäuse.

Wir wurden von unseren Zuschauern regelrecht getragen, unterstrich Eisenachs Trainer Markus Murfuni.

Sein Kapitän Alexander Saul bediente Peter Walz der zum 30:27 einnetzte (59.). Eisenachs Torwart-Oldie Blaz Voncina blieb dann auch noch im Siebenmeterduell mit dem bis dato sicheren Lukas Wucherpfennig Sieger (59.). Ante Tokic setzte mit seinem Treffer zum 31:27 den Schlusspunkt unter einen denkwürdigen Handballabend.

Während der Halbzeitpause haben wir mit klaren Worten unsere Fehler angesprochen. Im zweiten Abschnitt stand eine ganz andere Mannschaft auf dem Parkett, die nicht 18 Tore schluckte, sondern 18 Treffer selbst markierte und nur 9 Gegentore zuließ, bilanzierte Eisenachs Trainer Markus Murfuni.

Der Spielverlauf sei ein Spiegelbild der Saison gewesen, mit Höhen und Tiefen, so ThSV-Manager Rene Witte.

Unsere Mannschaft hat eine tolle Moral bewiesen, wollte unbedingt diesen Sieg. Auch für unsere Fans. Diese Partie hat ganz deutlich gezeigt, unser Verein braucht seine Fans, unterstrich Rene Witte.

Thüringens Nationalhymne, das Rennsteiglied, lange nicht mehr im Thüringer Handballtempel zu hören, wurde auf den Rängen innbrünstig intoniert. Für die Spieler des ThSV Eisenach ein völlig neues Gefühl! Daniel Hideg, Jannis Schneibel und Peter Walz, kurz vor Weihnachten oder im neuen Jahr in die Wartburgstadt gekommen, liefen erstmals vor eigenen Fans auf.

Bildquelle: © Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Martin Potisk setzte nach seiner Einwechslung neue Akzente.

Eisenachs löchrige Abwehr kassiert 18 Gegentore
Getreu dem Motto, eine erfolgreiche Formation nicht zu ändern, begannen die Eisenacher mit Ivan Snajder auf Links- und Willy Weyhrauch auf Rechtsaußen, Daniel Hideg, Jannis Schneibel und Alexander Saul (für Abwehraufgaben von Daniel Dicker abgelöst) im Rückraum, Peter Walz am Kreis und Blaz Voncina im Tor. Diese vermochte aber im ersten Abschnitt nicht an ihre Leistung vom 32:27-Auswärtssieg in Wilhelmshaven anzuknüpfen. Mit gut strukturiertem Handball übernahmen die Dresdner um Sebastian Greß das Sagen. Bei ihnen durfte erstmals der Ex-Eisenacher Marius Noack von Beginn im Tor ran.

Ich habe ihn für gute Trainingsleistungen belohnt, argumentierte Rico Göde.

An einstiger Wirkungsstätte parierte der 21-jährige Philosophie-Student bis zum Seitenwechsel 6 Bälle und hatte seinen Anteil an der Dominanz seines Teams. Kreisspieler Jonas Thümmler war schon in den vergangenen Jahren von der Eisenacher Abwehr, egal in welcher Zusammensetzung, nicht zu neutralisieren. Nur beim 2:2, Jannis Schneibel hatte Peter Walz am Kreis bedient (4.), leuchtete ein Gleichstand auf der Anzeigetafel. Breit angelegte Angriffszüge führten zum Erfolg der Gäste. Seine individuellen Qualitäten nutzend, netzte Sebastian Greß zum 4:7 ein (11.). Zwar egalisierten die Hausherren zum 8:8 (16.), doch die Gäste antworteten. Julius Dierberg traf von Linksaußen zum 8:11 (19.). Jonas Thümmler behauptete sich am Kreis zum 9:13 (22.). Martin Potisk kam beim ThSV Eisenach auf Rückraum Mitte. Manch hartem Zweikampf folgte die versöhnliche Geste! Aus dem Rückraum schmetterten die Gäste gar zum 10:16 ein (26.). Lukas Wucherpfennig verwandelte zwei Strafwürfe sicher zum 12:18 (30.). Alexander Saul besorgte fast mit der Halbzeitsirene das 13:18.

Bildquelle: © Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Peter Walz dreht nach eingenetztem Ball jubeln ab.

Eisenach mit famoser Schlussviertelstunde, Dresden fällt in Ohnmacht
Mit dem ebenfalls 21-jährigen Max Mohs im Tor ging der HC Elbflorenz in die zweite Halbzeit.

Ich wollte damit einen neuen Impuls setzen, begründete Dresdens Coach den Wechsel.

Während seines 21-minütigen Einsatzes parierte Max Mohs allerdings nur einen Ball. Der Willen, die Partie zu kippen, war beim Gastgeber offenkundig. Die Gäste fabrizierten in doppelter Überzahl einen technischen Fehler. Wegen Balleinklemmens musste aber auch Dresdens Arseniy Buschmann für zwei Minuten auf die Bank. Ante Tokic zirkelte das Leder aus der eigenen Hälfte gleich doppelt zum 19:20 in den Gästekasten (38.). Elbflorenz-Coach Rico Göde beorderte sein Team mittels grüner Karte zur Dienstbesprechung. Strittige Schiedsrichter-Entscheidungen heizten die Stimmung auf der Eisenacher Bank und auf den Rängen an. Die Sachsen behielten kühlen Kopf, die Thüringer verloren das Leder. Nun traf auch Lukas Wucherpfennig für den HC Elbflorenz aus der eigenen Hälfte ins gegnerische Tor (20:24, 43.). Nils Kretschmer wuchtete aus der Distanz zum 21:25 ein. Die 46. Spielminute hatte gerade begonnen, es sah alles nach einem Doppelpunktgewinn der Gäste aus.

Unglaublich, wir geben die Partie noch aus der Hand, ärgerte sich Karsten Wöhler.

Der von Ivan Snajbel ausgelassene Siebenmeter und das Verfehlen des leeren Dresdner Tores aus der eigenen Hälfte (Jannis Schneibel) spielte den Gästen doch eigentlich in die Karten. Doch im Gegenteil! Der HC Elbflorenz fiel regelrecht in Ohnmacht! Martin Potisk zerrte unaufhörlich an den Ketten, Daniel Hideg ließ sich von Fehlwürfen im Vorfeld nicht entmutigen, Peter Walz demonstrierte Willenskraft pur, die Deckung rührte Beton an, Keeper Blaz Voncina kaufte Sebastian Greß das Leder ab, die Phonstärken auf den Rängen nahmen zu. Aus dem 21:25 (46.) wurde ein 28:27 (57.). Einen Ballverlust der Dresdner nutzte Alexander Saul mit seinem 8.Treffer zum 29:27 (57.). Eine Antwort, um die erste Niederlage gegen den ThSV Eisenach abzuwenden, hatte der Tabellen-Vierte von der Elbe nicht. Die Wartburgstädter stockten Dank eines famosen Schluss-Spurtes ihr Punktekonto auf 29 Zähler auf, kletterten auf Tabellenplatz 11 und dürfen entspannt die Saison 2021/2022 in der 2. Handballbundesliga planen. Dem eine ganz starke Saison spielenden HC Elbflorenz dürfte die Niederlage in diesem prestigeträchtigen Aufeinandertreffen weh tun, ging doch eine Serie zu Ende. In der Eisenacher Kabine (bei der Mannschaft) und vor der Werner-Aßmann-Halle (bei den blau-weißen Fans) herrschte hingegen ausgelassene Freude. Endlich wurde der Bock umgestoßen. Mehr noch, der ThSV Eisenach holte in der aktuellen Spielzeit 3 Punkte gegen den HC Elbflorenz.

Bildquelle: © Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
In Siegerpose: Eisenachs Kapitän Alexander Saul.

Austragung der Nachholpartie gegen den TV Großwallstadt am Mittwoch fraglich
Aufgrund von positiven Corona-Testungen in den eigenen Reihen musste der TV Großwallstadt das für das Wochenende angesagte Punktspiel beim VfL Lübeck-Schwartau absagen. Die Austragung der für Mittwoch, 09.06.2021 anberaumten Nachholpartie des TV Großwallstadt beim ThSV Eisenach erscheint fraglich. Der ThSV Eisenach wird zeitnah informieren.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Elbflorenz-Torhüter Marius Noack lieferte im ersten Abschnitt an seiner ehemaligen Wirkungsstätte eine passable Leistung ab.

Statistik
ThSV Eisenach: Voncina (1.-11.u. 39.-60./ 6 Paraden), Eichberger (11.-39/ 2 Paraden), Fehr; Iffert, Volar, Wöhler (2/2), Potisk (3), Walz (4), Hideg (4), Tokic (3), Dicker (1), Obranovic, Schneibel (1), Snajder (5/2), Weyhrauch, Saul (8)
HC Elbflorenz: Noack (1.-30./ 6 Paraden), Mohs (31.-51./ 1 Parade), Huhnstock (ab 51./3 Paraden); Wucherpfenig (4/3), Niestroj, Emanuel (1), Dierberg (5), Buschmann, Dumcius (3), Kretschmer (5), Jungemann (1), Stavat (1), Greß (3), Vanco, Thümmler (4), Wellner
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 10 Min. (Walz 4 Min., Potisk, Hideg, Dicker je 2 Min.) – HC Elbflorenz: 8 Min. (Kretschmer 4 Min., Buschmann u. Jungemann je 2 Min.)
Siebenmeter: ThSV Eisenach: 4/6 (Snajder verwandelt 1 x gegen Noack und 1 x gegen Huhnstock, wirft 1 x gegen Mohs ans Holz und gegen Mohs über das Tor, Wöhler verwandelt 1 x gegen Mohs und 1 x gegen Huhnstock) – HC Elbflorenz: 3/4 (Wucherpfennig verwandelt 1 x gegen Voncina u. 2 x gegen Eichberger, scheitert 1 x an Voncina)
Schiedsrichter: Friedel/Herrmann
Zuschauer: 580
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Saul, Walz, Snajder – HC Elbflorenz: Dierberg, Kretschmer

Th. Levknecht

Werbung
Werbung
Top