ThSV Eisenach kann wohl für ein weiteres Jahr 1. Handballbundesliga planen

Wartburgstädter überrollen mit historischem Sieg den HBW Balingen-Weilstetten in dessen Halle mit 34:21 (14:8)

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Manuel Zehnder mmarkierte 11 Treffer.

Diese 800 Kilometer-Reise hatte sich für nahezu 50 ThSV-Fans gelohnt. Hellauf begeistert waren ebenso die in Baden-Württemberg wohnenden und in die Sparkassen-Arena Balingen gekommenen Anhänger der Wartburgstädter, darunter der ehemalige Jugendbundesligaspieler des ThSV Eisenach Joel Schwarz. Im Aufsteigerduell überrollte der ThSV Eisenach den gastgebenden HBW Balingen-Weilstetten vor 2.350 Zuschauern mit 34:21 (14:8) und kann nun wohl für ein weiteres Jahr 1. Handballbundesliga planen.

Rechnerisch sind wir noch nicht ganz durch, doch die Tür ist ganz weit auf, strahlte Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte.

Mit einer fantastischen Teamleistung, in der alle Puzzlesteine passten, hat unsere Mannschaft mit Nachdruck bewiesen, dass sie in diese Liga gehört, erklärte Maik Nowak, der Sportliche Leiter des ThSV Eisenach.

Eine starke Abwehr im Zusammenspiel mit unseren beiden Torhütern bildete den Grundstein, analysierte Marko Grgic.

Der 20-jährige Rückraumspieler übernahm wieder ganz viel Verantwortung, überzeugte als Werfer (7 Treffer aus 8 Versuchen) und als Passgeber. Was vor der Saison kaum einer für möglich gehalten hatte, der Aufsteiger von der Wartburg hat nach 31 Spieltagen 22 Pluspunkte auf dem Konto, rangiert auf dem 15. Tabellenrang und hat 5 Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Wir alle, angefangen bei der Mannschaft, über unsere Sponsoren und Partner bis hin zu unseren fantastischen Fans, können stolz sein, betonte Rene Witte.

Wir haben ein enorm wichtiges Spiel gewonnen, betonte ein aufgekratzter Eisenacher Trainer Misha Kaufmann, bevor es zur langen Heimfahrt mit Kaltgetränken ging…

Mammutleistung der Mentalitätsmonster zum höchsten Auswärtssieg

Nach der nicht so guten Leistung bei der Heimniederlage gegen den TBV Lemgo Lippe haben sich alle voll auf die Partie in Balingen fokussiert. Von der ersten Minute war zu spüren, wer hier siegen wollte, konstatierte Rene Witte.

Über den wenige Stunden vor dem Anpfiff verbreiteten Entscheid der Lizenzierungskommission der HBL, dem HSV Hamburg keine Lizenz zu erteilen, war Rene Witte nicht gerade glücklich. Seine Sorge erwies sich als unbegründet. Alle Spieler des ThSV Eisenach ließen sich davon in der Konzentration nicht beeinflussen. Eisenachs Geschäftsführer sprach hernach von einer „Mammutleistung der Mentalitätsmonster“. Und diese führte gar zu einem „historischen Sieg“. Das 34:21 war der höchste Auswärtssieg des ThSV Eisenach in dessen Erstbundesligageschichte. Bis zum Freitagabend datierte die Bestmarke auf den 07.10.2001, als die Eisenacher beim Post SV Schwerin mit 29:19 erfolgreich waren. Der Erfolg in Balingen war zugleich der zweithöchste Erstbundesligasieg des ThSV Eisenach. Nur das 33:19 am 06.08.2002 über den VfL Pfullingen fiel um einen Treffer höher aus.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
ThSV-Kapitän Peter Walz jubelte.

Misha Kaufmann öffnete die Taktikkiste

Misha Kaufmann hatte „zwei nervöse Mannschaften“ in der ersten Halbzeit gesehen.

Bis zur 20. Minute war es eine Partie auf Augenhöhe, pflichtete Tobias Hotz, der Interimstrainer der Hausherren, ihm bei.

Die erste Halbzeit wurde von starken Torhütern geprägt, ergänzte Philipp Meyer, der Abwehrchef der Wartburgstädter.

Bei ThSV-Keeper Matija Spikic stand zur Halbzeit eine Fangquote von 63 Prozent! Beide Teams brachten in der ersten Halbzeit je zwei Siebenmeter nicht unter. ThSV-Torhüter Mateusz Kornecki parierte gegen Patrick Volz (12.), Oddur Gretarsson visierte gegen den Polen, nächste Saison im Tor der „Gallier von der Alb“, nur das Holz an (6.). Eisenachs Manuel Zehnder scheiterte an Mohamed Essam Moustafa El-Tayar, dem „Siebenmeter-Killer der Liga“, gleich zweifach (11./23.). Eisenachs Top-Torjäger versenkte dennoch 11 Bälle (bei 15 Versuchen).

Wir ließen in der ersten Halbzeit zu viele Torchancen aus, räumte Philipp Meyer selbstkritisch ein.

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Sein Trainer Misha Kaufmann öffnete die Taktikkiste ganz weit. Über weite Strecken der 1. Halbzeit agierten die Eisenacher nur mit Rechtshändern im Rückraum. Später operierten sie mit 4 ständig rotierenden Rückraumspielern, ohne Kreisläufer. Auch die Abwehrformationen und – systeme wurden mehrfach gewechselt. Oldie Mait Patrail kam zu Einsätzen in der Abwehr und im Angriff. Die Gastgeber sahen sich ständig neuen Aufgaben gegenüber. Nach dem Treffer von Manuel Zehnder zum 4:5 (9.) gaben die Eisenacher die Führung nicht mehr ab.

Mit der steigenden Zahl unserer Fehlwürfe, insgesamt 25, davon nur 7 bis 8 aus dem Rückraum, nahm das Spiel seinen Lauf, räumte Tobias Hotz ein.

Eisenachs Kreativität verblüffte die Hausherren. Unmittelbar vor der Pause trafen die Thüringer vom 7:11 (25.) zum 8:13 (29.).

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Torhüter Matija Spikic war ein starker Rückhalt.

10-Tore-Führung kurz nach Wiederanpfiff

Mit ganz viel Energie, ebenso viel Ausstrahlung und noch mehr Sicherheit dominierten wir nach dem Seitenwechsel, bilanzierte Misha Kaufmann.

Er schickte zunächst mit Marko Grgic, Manuel Zehnder, Yoav Lumbroso und Malte Donker einen 4-Mann-Rückraum auf das Parkett. Bei den Hausherren lief nicht mehr viel zusammen. Manuel Zehnder besorgte die erstmalige 10-Tore-Führung (10:20, 34.).

Zwischen der 30. und 46. Minute ließen wir kaum was zu, riegelten hinten ab, unterstrich Philipp Meyer.

Als Marko Grgic mit großem Einsatz das Leder eroberte, schallten „Marko-Grgic-Sprechchöre“ aus dem Eisenacher Block. Der ThSV Eisenach brillierte zugleich mit sehenswerten Angriffsaktionen, zu denen auch Dustin Kraus beitrug.

Er deutete an, was er kann, gab Maik Nowak zur Leistung des vom VfL Potsdam gekommenen Blondschopfes zu Protokoll.

Aufgrund einer Verletzung bei Willy Weyhrauch war Dustin Kraus in den Kader gerückt. Die Außen Ivan Snajder, Moritz Ende und Timothy Reichmuth zeigten sich ausgesprochen treffsicher Ein „Zungenschnalzer“ war der Rückhandtreffer von Manuel Zehnder zum 13:26 (43.). Timothy Reichmuth besorgte die 15-Tore-Führung für die Gäste von der Wartburg (15:30, 50.). Resignieren gab es weder beim Gastgeber-Team auf dem Parkett noch bei den einheimischen Fans. Die junge Garde der HBW Balingen-Weilstetten (Elias Huber, Tim Hildenbrand, Tim Grüner) stockte die eigene Trefferausbeute auf.

Im Schlussgang ließen wir zu viele freie Wurfchancen ungenutzt, merkte Philipp Meyer selbstkritisch an.

Die Hausherren gaben sich nicht auf, die heimischen Fans würdigten die ersten Bundesliga-Paraden des 23-jährigen Theo Mestrovic, der für den erkrankten Mario Ruminsky in den Kader gerückt war, nach seiner Einwechslung in der 44. Minute 6 Bälle abwehrte. Dustin Kraus gelang beim 18:32 (55.) sein erster Bundesligatreffer für den ThSV Eisenach. Er, Simone Mengon und Alexander Saul bildeten die Rückraumreihe in der Schlussphase. Alexander Saul traf zum 21:34-Endstand (60.). Da hatte der Eisenacher Fanblock längst Freudengesänge angestimmt. Trotz der klaren Niederlage wurde das einheimische Team vom eigenen Anhang mit aufmunterndem Beifall verabschiedet!

Wir waren emotional länger da, doch die Spirale der letzten Zeit können wir nicht komplett lösen. Kämpferisch kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, erklärte Tobias Hotz zur Pressekonferenz nach der Partie.

Für sein Team ist der Abstieg so gut wie besiegelt.

In Robert Schulze und Tobias Tönnis hatte die Partie zwei vorzügliche Leiter. Beide Teams machten ihnen das Amtieren freilich leicht. Auch Ralf Damian hatte als Technischer Delegierter wenig Arbeit.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Joel Schwarz (li.), ehemaliger Jugendbundesligaspieler des ThSV Eisenach, war in seinem Originatltrikot aus Konstanz nach Balingen gekommen, um seinen ehemaligen Verein zu unterstützen und um seinen einstigen Betreuer aus dem ThSV-Internat Thomas Levknecht (re.) zu treffen.

Statistik
HBW Balingen-Weilstetten: El Tayar, Mestrovic; Grahovac, Vistorop (3), Leimeter (2), Huber (3), Ingason, Gretarsson, Grüner (3), Hildenbrand (2), Müller (2), Schoch, Fügel (1), Saueressig (2), Volz (1), Heinzelmann (2)
ThSV Eisenach: Spikic, Kornecki; Reichmuth (1), Zehnder (11/1), Patrail, Walz (2), Mengon, Grgic (7), Ende (4), Meyer, Lumbroso (1), Donker (1), Kraus (1), Kurch, Snajder (4/1), Saul (2)
Siebenmeter: Balingen 0/2 – Eisenach 2/4
Zeitstrafen: Balingen 4 x 2 Min. (Rot Grahovac nach 3. ZS, 41.) – Eisenach 2 x 2 Min.
Schiedsrichter: Schulze/Tönnis
Zuschauer: 2.350

Th. Levknecht

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