ThSV Eisenach lässt Champions-League-Team zittern

Bildquelle: Ch. Heilwagen – Rasanter Zweikampf: Justin Kurch (blaues Trikot) gegen Welthandballer Mathias Gidsel (grünes Trikot)
Wartburgstädter liefern Füchse Berlin packenden Fight, unterliegen nach rasanten 60 Minuten knapp mit 38:41 (14:17) / Standing Ovation schon lange vor dem Abpfiff
Stehende Ovationen am Freitagabend in der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle. Aufgekratzte Stimmung hernach in der Mannschaftskabine der Hausherren. Der ThSV Eisenach hatte den demnächst im Final4 der Champions-Legue stehenden Füchsen Berlin, kürzlich erst DHB-Pokalsieger geworden, einen packenden Fight geliefert, unterlag nach rasantem Spiel dem Hauptstadtklub knapp mit 38:41 (14:17). Die Wartburgstädter mussten auf ihre bereits zuletzt verletzungsbedingt fehlenden Stammkräfte Dominik Solak, Philipp Meyer, Max Beneke und Silvio Heinevetter verzichten. Kurzfristig fiel auch noch Alexander Saul aus. Erstmals saß Eigengewächs Marec Stupka (19 Jahre) mit auf der Bank. Die Füchse Berlin waren bis auf den langzeitverletzten Fabian Wiede mit ihrem kompletten Kader angereist.
„Dänisch Dynamit“ sicherte letztendlich den knappen Sieg des haushohen Favoriten. Welthandballer Mathias Gidsel und sein dänischer Rückraum-Landsmann Lasse Andersson sorgten dafür, dass die Füchse Berlin auf Champion-League Kurs bleiben. Für Matthias Gidsel standen 11 Treffer und insgesamt 17 Torbeteiligungen, für Lasse Andersson 10 Treffer und 5 Assists, die meisten in der zweiten Halbzeit und da ganz besonders in der Schlussphase. Bemerkenswert: Die zweite Halbzeit ging in separater Wertung 24:24 aus. Was für ein Angriffsfeuerwerk!

„Wir haben ein sehr gutes Heimspiel abgerissen!“
„Auf ein solches Spiel gegen Weltklasse-Spieler auf der Gegenseite freut man sich schon im Vorfeld. Wir genießen das Privileg, gegen internationale Top-Handballer antreten zu dürfen. In Respekt sind wir aber nicht erstarrt. Im Gegenteil! Wir gingen furchtlos von Beginn die Aufgabe als Underdog an. Wir hatten die ganze Woche vor diesem Highlight-Spiel extrem hart gearbeitet. Uns gelangen viele Tore über die Kreismitte. Wir hatten im Vorfeld geschaut, wann der Innenblock der Füchse hochgeht, wir sind dann reingelaufen. Mit Erfolg! Trotz der 41 Gegentore präsentierte sich unsere Abwehr besser als in den letzten Spielen. Wir boten ein richtig geiles Spiel“, erklärte Eisenachs Kreismitte- und Innenblock-Spieler Tillman Leu (6 Tore aus 9 Versuchen). „Wir sind das hohe Tempo der Füchse mitgegangen. Beiden Mannschaften gelangen viele Durchbrüche. In den letzten 10 Minuten unterliefen uns ein bis zwei Fehler zu viel, doch das will ich nicht so kritisch sehen. Wir waren fokussiert, warteten mit einer hohen Abschlussqualität auf. Wir haben ein sehr gutes Heimspiel abgerissen, darauf können wir stolz sein“, betonte Sebastian Hinze. „Mir macht es sehr viel Spaß, jeden Tag mit den Jungs zu arbeiten. Sie wollen jeden Tag besser werden. Wir alle profitieren von dieser besonderen Kultur der Zusammenarbeit.“, fügte der Coach des ThSV Eisenach hinzu.
Füchse-Coach sichtlich erleichtert
„Ich bin absolut zufrieden, überaus glücklich, zwei Punkte aus einer Halle mit fantastischer Stimmung mitzunehmen.“ Die Erleichterung war Nicolej Krickau, dem Coach der Füchse Berlin, ins Gesicht geschrieben. Vor zwei Jahren hatte er als Coach der SG Flensburg-Handewitt im Thüringer Handballtempel eine 27:28-Niederlage einstecken müssen. Dank 8 Treffer (aus 9 Versuchen) von Mathias Gidsel führten die Füchse zur Halbzeit mit 17:14. Eisenachs Taktik-Mut wurde mit Gegentreffern ins leere Tor bestraft.

Vom 5-Tore-Rückstand zur zwischenzeitlichen Führung
Die Füchse lagen zwar kurz nach der Halbzeitpause mit 5 Toren vorn (20:15/35.), doch die Eisenacher fighteten, ließen ihr ganzes Herz auf der Platte. Am Vorabend seines 28. Geburtstages stibitzte sich Vincent Büchner das Leder aus den Gäste-Reihen, glich per Tempogegenstoß zum 28:28 aus (46.). ThSV-Keeper Matija Soikic parierte und der nächste Gegenstoß rollte in Richtung Füchse-Kasten. Kapitän Peter Walz vollendete zum 29:28 (47.). Keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Standing Ovation! „Nach unserer erfolgreichen Aufholjagd Mitte der zweiten Halbzeit mit unserem Führungstreffer sind uns leider zu viele technische Fehler unterlaufen. Zwei davon von mir. Diese Minuten wurden uns zum Verhängnis. Die Füchse konnten wieder zur eigenen 3-Tore-Führung stellen“, ärgerte sich Eisenach stark auftrumpfender Rückraum-Linker Oskar Joelsson (8 Treffer aus 10 Versuchen). Lasse Andersson, der Füchse-Mann der zweiten Halbzeit, und Matthes Langhoff netzten zum 31:34 (52.) ein.
Für einen Sieg über ein solches Top-Team braucht es eine perfekte Leistung
„Gegen ein nationales und internationales Topteam spielten wir auf Augenhöhe. Das gilt es zu unterstreichen. Wir haben die richtige Reaktion mit Blick auf unsere letzten beiden Spiele gezeigt. Wir hatten die Woche vor der Partie sehr gut gearbeitet und das dann auch gezeigt. Und dennoch, ich bin ein wenig enttäuscht, wir haben zu viele Bälle weggeworfen“, merkte Eisenachs Spielgestalter Felix Aellen an. „Im Duell mit einer der drei Top-Mannschaften der Welt boten wir eine sehr gute Leistung. Um gegen ein solches Team zu gewinnen, reicht aber eine sehr gute Leistung nicht, da ist ein perfektes Spiel vonnöten. Die Füchse haben jeden noch so kleinen Fehler unsererseits bestraft“, bilanzierte Eisenachs Keeper Matija Spikic.

Gidsel, immer wieder Gidsel
Die Eisenacher, mit Timothy Reichmuth auf Links- und dem Ex-Berliner Moritz Ende auf Rechtsaußen, Oskar Joerlsson, Felix Aellen und Stephan Seitz im Rückraum, Tillman Leu am Kreis und Matija Spikic im Tor startend, waren sofort auf Betriebstemperatur. Stephan Seitz netzte zum 3:1 ein (4.). Die Berliner mit ihrem Gala-Rückraum Mathias Gidsel, Nils Lichtlein und Lasse Andersson standen sofort unter Druck. Mathias Gidsel provozierte Zeitstrafen, verscherzte sich die Sympathien der blau-weißen Fanschar. Nach Knapp 17 Minuten hatten Eisenachs Innenblocker Tillman Leu und Justin Kurch schon je zwei Zeitstrafen kassiert. Die Ballkontakte von Mathias Gidsel wurden bis zur Halbzeitpause mit einem Pfeifkonzert begleitet. Der Däne, die „Lebensversicherung“ der Füchse, zeigte seine individuelle Klasse. ThSV-Keeper Matija Spikic parierte gegen den freien Mijaljo Marsenic (15.). Auf Eisenacher Seite strahlte Oskar Joelsson viel Torgefahr aus. Ihm gelangen Durchbrüche zum 8:7 (16.) und 9:8 (18.). Die Hausherren brachten Tillman Leu am Kreis immer wieder in Position, wie beim 10:9 (18.). Matija Soikic kaufte auch dem freien Tim Freihöfer das Leder ab (21.). Zwischenzeitlich übernahm Tobias Gröndahl bei den Füchsen die Regieposition. Mit ganz viel Tempo vollendete Mathias zum 10:12 (22.). Die Hausherren versuchten es mit dem 7 gegen 6. Mathias Gidsel nutzte Eisenacher Ballverluste zu zwei Treffern ins leere Gehäuse zum 11:14 (27.). Beim ThSV Eisenach kamen zwischenzeitlich Vukasin Antonijevic und Aleksandar Capric im Rückraum. Vom Siebenmeter-Strich versenkte Felix Aellen zum 14:15 (29.). Justin Kurch patzte, Nejc Cehte „dankte“ zum 14:16 (30.). Praktisch mit der Halbzeitsirene traf Füchse-Keeper Dejan Milosavljev zum 14:17 ins verwaiste Gehäuse auf der Gegenseite.
Offener Schlagabtausch! Zweite Halbzeit geht 24:24 aus
Die Eisenacher, inzwischen mit Vincent Büchner auf Links- und Gian Attenhofer auf Rechtsaußen, sahen sich nach Wiederbeginn rasch mit 15:20 im Rückstand. Von Resignation keine Spur! Die blau-weißen Fans peitschten ihr Team nach vorn. Die Grünen aus der Landeshauptstadt zeigten sich von der Lautstärke im Thüringer Handballtempel beeindruckt. In Sekundenabständen lag das Leder in beiden Toren. Lasse Andfersson (Füchse) und Oskar Joelsson (ThSV), zwei Rückraum-Linke, zogen mehrfach erfolgreich ab. Vincent Büchner, demnächst beim THW Kiel, demonstrierte seine Steal- und Gegenstoßqualitäten, traf zum 19:21 (38.). Die Schützlinge von Sebastian Hinze blieben dran. Stephan Seitz hob das Leder zum 22:24 ins Füchse-Gehäuse (40.). Die Gäste setzten mehrfach Tim Freihöfer auf Linksaußen in Szene, der auch den Anschlusstreffer von Vincent Büchner zum 26:27 (44.) per Siebenmeter zum 26:28 beantwortete (45.). Das blau-weiße Feuer auf Parkett und Rängen loderte. Ballgewinn Vincent Büchner, der zum 28:28 vollendet. Eisenachs „Capitano“ Pater Walz bringt seine Farben mit 29:28 in Führung (47.). Die Partie hätte nun in jede Richtung umschlagen können. Beim Stand von 31:31 rief Nicolej Krickau sein Team zusammen (50.). Lasse Andersson und Tim Freihöfer nutzten kleine Eisenacher Fehler zum 31:34 (52.). Felix Aellen erhöht noch einmal die Schlagzahl im Eisenacher Angriff, der Anschlusstreffer gelingt aber nicht. Felix Aellen ballte nach dem 37:39 (58.) noch einmal die Faust. Das letzte Wort hatten die Füchse Berlin – und Mathias Gidsel. Er verbuchte den Assist für den Treffer von Tim Freihöfer zum 38:41-Endstand. Ein Kraftakt mit glücklichem Ende für den haushohen Favoriten!

So geht es weiter
Am kommenden Donnerstag, 4. Juni 2026 stehen für die Füchse Berlin und dem ThSV Eisenach die letzten Auswärtsaufgaben der Saison an. Die Füchse gastieren um 20.00 Uhr bei der MT Melsungen, der ThSV Eisenach zur gleichen Uhrzeit bei der SG Flensburg-Handewitt. Zum Saisonausklang, am Sonntag, 07.06.2026 empfängt der ThSV Eisenach den HSV Hamburg, die Füchse Berlin die SG Flensburg-Handewitt. Alle Spiele des letzten Spieltages werden um 15.00 Uhr angepfiffen.
Stimmen zum Spiel
Nicolej Krickau, Trainer der Füchse Berlin
„Ich bin absolut zufrieden, ja überaus glücklich über diesen Sieg in einer Halle mit fantastischer Stimmung. Wir sind absolut zufrieden mit den zwei Punkten, die sind nicht selbstverständlich, auch nicht, wenn man den Spielfilm sieht mit Unentschieden in der Schlussphase. Der Spielverlauf war schon besonders. Ende der ersten Halbzeit glaubten wir, unsere Abwehr hat sich stabilisiert, doch nach dem Seitenwechsel kassierten wir 24 Gegentore aus allen Positionen. Das spricht für den Angriff der Gastgeber. Wir haben das nicht in den Griff bekommen. So brauchten wir am Ende individuelle Leistungen zum Sieg. Bei so hohen Temperaturen zu spielen, das sind wir auch von internationalen Spielen gewohnt.“
Sebastian Hinze, Trainer des ThSV Eisenach
„Wir haben während der Woche überragend gearbeitet, alles auf der Platte gelassen, sind das hohe Tempo der Füchse mitgegangen. Beiden Mannschaften gelangen viele Durchbrüche. In den letzten 10 Minuten unterliefen uns ein bis zwei Fehler zu viel, doch das will ich nicht so kritisch sehen. Wir waren fokussiert, warteten mit einer hohen Abschlussqualität auf. Wir haben ein sehr gutes Heimspiel abgerissen, darauf können wir stolz sein. Mir macht es sehr viel Spaß, jeden Tag mit den Jungs zu arbeiten. Sie wollen jeden Tag besser werden. Wir alle profitieren von dieser besonderen Kultur der Zusammenarbeit.“
Oskar Joelsson, Rückraumspieler des ThSV Eisenach, 8 Treffer aus 10 Versuchen
„Im ersten Abschnitt stellten wir eine gute Abwehr. Nach dem Seitenwechsel hat neben Mathias Gidsel auch Lasse Andersson viel Druck auf unsere Abwehr ausgeübt. Im Angriff boten wir über die gesamten 60 Minuten eine sehr gute Leistung, was 38 Tore gegen ein internationales Spitzenteam belegen. Nach unserer erfolgreichen Aufholjagd Mitte der zweiten Halbzeit, ja sogar mit unserem Führungstreffer, sind uns leider zu viele technische Fehler unterlaufen. Zwei davon von mir. Diese 5 Minuten wurden uns zum Verhängnis. Die Füchse konnten wieder zur eigenen 3-Tore-Führung stellen. Wir boten ein richtig geiles Spiel. Um gegen eine Top-Mannschaft wie die die Füchse zu gewinnen, braucht es eine Top-Leistung über 60 Minuten.“
Tillman Leu, Kreis- und Innenblock-Spieler des ThSV Eisenach, 6 Tore aus 9 Versuchen
„Auf ein solches Spiel gegen Weltklasse-Spieler auf der Gegenseite freut man sich schon im Vorfeld. Wir genießen das Privileg, gegen internationale Top-Handballer antreten zu dürfen. In Respekt sind wir aber nicht erstarrt. Im Gegenteil! Wir gingen furchtlos von Beginn die Aufgabe als Underdog an. Wir hatten die ganze Woche vor diesem Highlight-Spiel extrem hart gearbeitet. Uns gelangen viele Tore über die Kreismitte. Wir hatten im Vorfeld geschaut, wann der Innenblock der Füchse hochgeht, wir sind dann reingelaufen. Mit Erfolg! Trotz der 41 Gegentore präsentierte sich unsere Abwehr besser als in den letzten Spielen. Wir boten ein richtig geiles Spiel. Um gegen eine Top-Mannschaft wie die die Füchse zu gewinnen, braucht es eine Top-Leistung über 60 Minuten.“
Felix Aellen, Angriffsregisseur des ThSV Eisenach, 6 Treffer aus 8 Versuchen
„Gegen ein nationales und internationales Topteam spielten wir auf Augenhöhe. Das gilt es zu unterstreichen. Wir haben die richtige Reaktion mit Blick auf unsere letzten beiden Spiele gezeigt. Wir hatten die Woche vor der Partie sehr gut gearbeitet und das dann auch gezeigt. Und dennoch, ich bin ein wenig enttäuscht, wir haben zu viele Bälle weggeworfen.“
Matija Spikic, Torhüter des ThSV Eisenach, parierte 11 Bälle
„Im Duell mit einer der drei Top-Mannschaften der Welt boten wir eine sehr gute Leistung. Um gegen ein solches Team zu gewinnen, reicht aber eine sehr gute Leistung nicht, da ist ein perfektes Spiel vonnöten. Die Füchse haben jeden noch so kleinen Fehler unsererseits bestraft. Sie liefen im zweiten Abschnitt viele Gegenstöße, markierten Treffer ins leere Tor.“

Statistik ThSV Eisenach – Füchse Berlin 38:41 (14:17)
ThSV Eisenach: Spikic (11 Paraden/ 41 Gegentore), Gorobtschuk; Joelsson (8), Reichmuth, Capric, Attenhofer (1), Walz (3), Ende, Aellen (6/2), Antonijevic, Seitz (7), Kurch (2), Büchner (5), Stupka, Leu (6)
Füchse Berlin: Milosavljev (1 Tor, 8 Paraden – 30 Gegentore), Ludwig (43. bis 54./ 8 Gegentore – 1 Parade); Darj (1), Prantner (1), Andersson (10), Arino. Gröndahl (1), Lichtlein (2), Gidsel (11), Freihöfer (8/2), Cehte (1), Pichiri, Langhoff (2), Herburger (2), av Teigum, Marsenic (1)
Siebenmeter
ThSV Eisenach: 2/2 – Aellen verwandelt 2 x gegen Milosavljev
Füchse Berlin: 2/2 – Freihöfer verwandelt 2 x gegen Spikic
Zeitstrafen
ThSV Eisenach: 5 x 2 Min. – Leu (5./15.), Kurch (9./17.), Walz (45.)
Füchse Berlin: 2 x 2 Min. – Darj (41.), Cehte (57.)
Schiedsrichter: Schulze/ Tönnies
Zuschauer: 2.850 (ausverkauft)
Spielfilm: 5:5 (9.), 9:8 (18.), 13:13 (28.), 14:17 (30.), 15:20 (35.), 23:25 (41.), 29:28 (47.), 31:34 (52.), 36:38 (57.), 37:40 (59.), 38:41 (60.)