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ThSV Eisenach lässt Empor-Kogge stranden

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Willy Weyhrauch trifft von Rechtsaußen.

In einem Handballklassiker setzen die Wartburgstädter mit einem 31:23 (14:11) über den HC Empor Rostock ihren Erfolgskurs fort

Im 9. Spiel in Folge blieb der ThSV Eisenach ungeschlagen (17:1 Punkte). In der 64. Auflage des Klassikers gegen den HC Empor Rostock hieß es vor der stimmungsvollen Kulisse von über 1.750 Zuschauern 31:23 (14:11). Die Ostseestädter, bei denen mit dem langzeitverletzten Robin Breitenfeld sowie Jonas Thümmler zwei ganz wichtige Stammkräfte fehlten, waren noch gut bedient, kamen sie doch um eine Niederlage im zweistelligen Bereich herum.

Nach einer intensiven ersten Halbzeit mit leidenschaftlich verteidigenden Eisenacher ging es nach dem 14:11 sehr schnell, sorgten die Gastgeber für klare Verhältnisse, fasste Tristan Staat, der Interimstrainer der Ostseestädter, die 60 Minuten zusammen.

Sein Eisenacher Kollege Misha Kaufmann sprach von unnötig vielen Gegentreffern.

Wir haben die Gäste in der zweiten Halbzeit klar beherrscht, schalteten da einen Gang zurück. Wir haben unseren Job nicht zu 100 Prozent erfüllt. Das wurmt mich, erklärte der Schweizer in Diensten der Thüringer.

Er bedankte sich für die „Riesen-Stimmung“ in der Werner-Aßmann-Halle.

Ich bin stolz, hier sein zu dürfen, ergänzte der Coach des ThSV Eisenach.

Dessen Team behauptet den 2. Tabellenrang mit 19:3 Zählern hinter dem verlustpunktfreien Tabellenführer HBW Balingen-Weilstetten. Zur Choreografie des Abends passte es bestens, dass mit Frieder Singwald und Horst Ehrhardt zwei noch lebende Spieler der Mannschaft von Motor Eisenach in der Halle gefeiert wurden, die von 64 Jahren, im Oktober 1958, im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im Feldhandball der DDR den SC Empor Rostock mit 13:11 bezwangen.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Horst Ehrhardt und Frieder Singwald, vor 64 Jahren, im Oktober 1958, mit Motor Eisenach Deutscher Meister im Feldhandball der DDR, im Finale den SC Empor Rostock 13:11 bezwingend, wurden am Samstag nochmals umjubelt.

Jannis Schneibel: Versäumt, das Torverhältnis aufzubessern
Auch in der Kabine des Siegers herrschte keine völlige Zufriedenheit.

Bis zur 42. Minute boten wir eine gute Leistung, lagen mit 23:13 vorn. In der Folge gelingt es uns nicht, diese 10-Tore-Führung auszubauen, obwohl die Chancen da waren. Das ist sehr ärgerlich. Es ist nicht unser Anspruch, ein Spiel so zu beenden. Wir hätten was für unser Torverhältnis tun können, fand Jannis Schneibel klare Worte.

Der 22-Jährige Eisenach drückte der Partie seinen Stempel auf, als kreativer Spielgestalter, der selbst 8 Treffer (bei 9 Versuchen) markierte. Noch einen Treffer mehr erzielte Fynn Hangstein, obwohl dieser im ersten Abschnitt zwei Siebenmeter nicht an Empor-Keeper Robert Wetzel vorbeibrachte.

Unsere sehr gute Phase in der zweiten Halbzeit haben wir nicht genutzt, um deutlicher zu gewinnen. Ein 8-Tore-Sieg in der 2. Handballbundesliga ist dennoch nicht zu verachten, konstatierte Fynn Hangstein. Mit dem klaren Plus im Hinterkopf sind wir nachlässig geworden, ließen die Effektivität vermissen. Daran müssen wir arbeiten, erklärte Rechtsaußen Willy Weyhrauch. Wir standen über weite Strecken in der Abwehr gut, ließen bis zur 47. Minute nur 16 Gegentreffer zu. Wichtig war es, nach dem Remis gegen Hüttenberg wieder doppelt zu punkten. Jetzt warten mit dem Auswärtsspiel in Nordhorn und dem Heimspiel gegen Dessau aktuelle Hochkaräter der Liga auf, beschreibt der in Angriff und Abwehr erneut überzeugende Ivan Snajder, der zudem Treffsicherheit vom Strich bewies, die Lage.

Bemerkenswert: Die Eisenacher kassierten lediglich eine Zeitstrafe!

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Daniel Hideg dreht nach seinem Treffer zum 30:23 jubelnd ab.

Ballgewinne in der Abwehr werden zu Gegenstoßtreffern genutzt
Die Wartburgstädter setzten von Beginn auf ihre 5:1-Abwehr, mit Fynn Hangstein vorgezogen. Timothy Reichmuth und Daniel Hideg lösten zunächst Alexander Saul und Jannis Schneibel in der Defensive ab. Anfangs stotterte der ThSV-Motor noch ein wenig, leuchteten bis zur 9. Minute nur ein 1:0 auf der Anzeigetafel. Dann nahm das Eisenacher Spiel Fahrt auf, mit schnellem Umschaltspiel nach Ballgewinnen in der Abwehr. Kapitän Peter Walz versenkte zum 5:1 (11.). Die Eisenacher nahmen kurzzeitig den Fuß vom Gaspedal. Die Rostocker, bei denen Marc Pechstein zunächst Sveinn Sveinsson für Abwehraufgaben ablöste, kamen kurzzeitig besser ins Spiel (6:4, 14.). Die Gastgeber, um den vor Tatendrang sprühenden Jannis Schneibel, drehten wieder auf. Fynn Hangstein hatte wenig Mühe, das Leder zum zweiten Mal im leeren Empor-Kasten zu versenken. Nach dem 10:5 (19.) und einer Rostocker Auszeit, übernahm Jonas Ottsen die Spielführung bei den Gästen, rückte der eigentliche Rückraumspieler Marc Pechstein mangels anderer Alternativen an den Kreis. Sehr zur Freude der kleinen, aber unüberhörbaren kleinen Empor-Fangruppe, blieben die Ostseestädter durch Angriffszüge über Linksaußen Nick Witte dran (10:8, 21.). Ihm zog dann wenig später der in der 21. Minute ins ThSV-Gehäuse gekommene Johannes Jepsen den Zahn. Der 22-jährige Keeper stärkte mit 11 Paraden, was einer Fangquote von 38 Prozent entsprach, seinen Vorderleuten den Rücken. Mit seinem 5. Treffer lochte Jannis Schneibel zum 14:11-Pausenstand ein.

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ThSV-Keeper Johannes Jepsen Sieger im Siebenmeterduell mit Rostocks Janos Steidtmann.

Nach 10-Tore-Führung schalten Eisenacher einen Gang zurück
Nach Wiederanpfiff düsten die Wartburgstädter auf der Überholspur davon. Ballgewinne wurden zu Treffern per Gegenstoß genutzt (16:11, Hangstein, 32.). Beide Außen, Ivan Snajder (links) und Willy Weyhrauch (rechts), erhöhten auf 18:12 (34.). Torhüter Johannes Jepsen bediente Fynn Hangstein zum 19:13 (36.). Inzwischen besetzte Malte Donker die Position im rechten Eisenacher Rückraum, übernahm Marko Grgic die Rolle der Spitze der 5:1-Abwehr. Marc Pechstein brachte vom Strich das Leder nicht an ThSV-Schlussmann Johannes Jepsen vorbei. Zwei von Ivan Snajder verwandelte Siebenmeter ließen den ThSV Eisenach mit 23:13 in Führung gehen (42.). Die Laola-Welle rollte über die Ränge des Thüringer-Handballtempels. Malte Donker traf zum 27:17 (51.), Jannis Schneibel zum 28:18 (52.). Die Eisenacher wurden nachlässig, gestatten die Gästen aus Mecklenburg-Vorpommern noch ein Stück Ergebniskosmetik (29:23, 59.). Daniel Hideg und Fynn Hangstein lochten zum 31:23-Endstand ein. Die blau-weiße Anhängerschar war längst in Feierlaune, stimmte Thüringens Nationalhymne, das Rennsteiglied, an.

Statistik
ThSV Eisenach: Töpfer (1.-21./ 3 Paraden), Jepsen (bei 2 Siebenmetern und ab 21./ 11 Paraden); Reichmuth, Hübke, Hangstein (9/1), Ulshöfer, Walz (2), Grgic, Hideg (1), Tokic, Sousa (1), Donker (1), Schneibel (8), Snajder (6/3), Weyhrauch (2), Saul (1)
HC Empor Rostock: Wetzel (5 Paraden), Mehler (ab 36./2 Paraden); Wilhelm (5), Sveinsson (3), Steidtmann (3/3), Ottsen (2), Völzke, Witte (3), Asmussen (2), Demerza (1), Horlitz, Vignisson (1), Pechstein (1), Lößner (2)
Siebenmeter: ThSV Eisenach: 4/6 (Hangstein verwandelt 1 x gegen Wetzel und scheitert 2 x an Wetzel), Snajder verwandelt 1 x gegen Wetzel und 2 x gegen Mehler) – HC Empor Rostock: 3 /6 (Steidtmann verwandelt 3 x gegen Jepsen und scheitert 2 x an Jepsen, Pechstein scheitert 1 x an Jepsen)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 1 x 2 Min. (Walz) – HC Empor Rostock: 4 x 2 Min. (Witte 2 x 2 Min., Wilhelm u. Vignisson je 2 Min.)
Schiedsrichter: Biehler/ Dietz
Zuschauer: 1.752
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Schneibel, Jepsen – HC Empor Rostock: Sveinsson

Th. Levknecht

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