ThSV Eisenach lässt erneut aufhorchen

Wartburgstädter bejubeln 27:24-Erfolg über Frisch Auf! Göppingen

Der ThSV Eisenach lässt weiter kräftig aufhorchen. Der Erstliga-Aufsteiger bezwang im Aufeinandertreffen von zwei Traditionsvereinen Fisch Auf! Göppingen mit 27:24 (15:11) und kann nach 3 Spieltagen 4:2 Punkte vorweisen.

Unsere junge Mannschaft hat wieder ihr Herz auf die Platte gebracht, strahlte Misha Kaufmann, von dessen Einsatz an der Seitenlinie lädierte Stimmbänder zeugten. Grandios, diese Halle, betonte der Eisenacher Trainer.

Die blau-weiße Kulisse unterstützte mit hohen Phonstärken ihre Mannschaft – und intonierte nach dem Abpfiff freudetrunken des „Rennsteiglied“. Der ThSV Eisenach habe das gesamte Spiel vorn gelegen und völlig verdient gewonnen, erklärte Göppingens Coach Markus Baur.

Unser Team hat unseren Zuschauern viel Spaß und Freude bereitet, merkte Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte an.

© Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Bärenstark: Eisenachs torgefährlicher Spielmacher Manuel Zehnder.

„Punktlandung“ ermöglicht Einsatz von Manuel Zehnder
Der beim Auswärtsspiel in Hannover mit einer Verletzung im Fuß ausgeschiedene Spielmacher Manuel Zehnder konnte mitwirken. Von einer „Punktlandung“ sprach ThSV-Coach Misha Kaufmann. Die medizinische Abteilung und der Spieler hatten intensiv am Heilungsprozess gearbeitet. Nach dem „gut gelaufenen Training“ am Vorabend sei die Entscheidung gefallen.

Sein Mitwirken war für uns verdammt wichtig, konnten wir dadurch unser System spielen, betonte Misha Kaufmann und zollte dem 23-jährigen Mittelmann allerhöchsten Respekt.

Manuel Zehnder stand in der Abwehr (als vorgezogene Spitze) und im Angriff (als torgefährlicher Regisseur) den Großteil der Partie auf dem Parkett, holte im Schlussgang die letzten Körner aus sich heraus, marschierte in die Nahtstellen der Göppinger Abwehr. Mit 8 Treffern war er bester Werfer auf dem Parkett.

© Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Alexander Saul zieht zu einem seiner 5 Treffer ab.

Göppingen bringt 6 von 7 Strafwürfen nicht im Eisenacher Kasten unter
Eine ausgesprochen flexible Abwehr mit einem gut aufgelegten Mateusz Kornecki im Tor bildete einmal mehr den Grundstein.

Gegen diese Abwehr fanden wir zwar einige gute Lösungen, doch wir brachten 6 von 7 Strafwürfen nicht unter. Das passte zu unserer miserablen Abschlussqualität, mit der nichts zu holen war, gestand Markus Baur.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Der Siebenmeter von Göppingens Andreas Flodmann landet am Kof von Eisenachs Keeper Mateusz Kornecki. Flodmann sieht regelkonform die rote Karte.
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Nach einer Viertelstunde setzte sein Spieler Andreas Flodmann einen Siebenmeter ins Gesicht von ThSV-Keeper Mateusz Kornecki und sah regelkonform Rot. Selbst der für die deutsche Nationalmannschaft schon so viele Siebenmeter versenkende Marcel Schiller scheiterte bei allen seinen drei Versuchen. Als der routinierte Außen beim Stand von 20:15 das Leder vom Strich nicht am eingewechselten Dominik Plaue vorbeibrachte (42.), war dies das Signal zum Eisenacher Zwischenspurt. Initiiert von Manuel Zehnder, „gewürzt“ mit zwei eigenen Treffern, zum 24:17 (50.).

Wir haben mit unserer konsequenten Abwehr die Göppinger bis dahin vor erhebliche Probleme gestellt, schilderte Eisenachs deckungsstarker Justin Kurch seine Sicht auf die Partie. Leider haben wir die Gäste dann noch herankommen lassen, vergeigten einen deutlichen Sieg, schob Justin Kurch hinterher.

Das schmeckte auch Misha Kaufmann nicht.

Beim 24:17 hätten wir den Deckel draufmachen können. Spielen wir konzentriert weiter, wird es ein Sieg mit deutlich mehr als 3 Toren Differenz, so der Schweizer in Diensten der Thüringer.

© Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Moritz Ende markierte seine ersten Bundesligatore.

Moritz Ende happy über erste Bundesligatore
Die Wartburgstädter hatten nach knapp 12 Minuten Rechtsaußen Willy Weyhrauch verloren. Dessen Zweikampf mit Marcel Schiller stuften die Referees als grobes Foulspiel ein und zückten den roten Karton. (Den aus dieser Aktion ebenfalls resultierende Siebenmeter hob Marcel Schiller an die Querlatte.) Moritz Ende, im Sommer von den Füchsen Berlin gekommen, besetzte fortan die Rechtsaußenposition.

Vor solch einer Kulisse zu spielen, hat riesigen Spaß gemacht. Mir gelangen in meinem ersten richtigen Bundesligaspiel auch gleich meine ersten Bundesligatore. Beim ersten Treffer musste ich ganz einfach alle Emotionen rauslassen. Für Berlin hatte ich nur im Europapokal getroffen. In der Schlussphase haben wir es durch Inkonsequenz versäumt, einen deutlichen Sieg einzufahren. Wir ließen etliche freie Bälle weg. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen, konstatierte der 23-Jährige.

© Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
ThSV-Keeper Dominik Plaue in Jubelpose.

ThSV Eisenach beseelt vom Siegeswillen
Die routinierten Schwaben (Durchschnittsalter knapp 28 Jahre) lagen beim 7:8 (18.). durch den sich energisch am Kreis behauptenden Kresimir Kozina letztmalig vorn. Die Gastgeber mit Abwehr- und Angriffswechseln, personell und taktisch, mit hohem Tempo, großer Kampfkraft und spürbarem Siegeswillen, getragen von über 2.200 lautstarken Fans, stoppten die Durchbrüche der Göppinger, trafen vom 10:10 (22.) zum 15:11 (30.). Der Rückraum, überwiegend mit Niclas Heitkamp, Manuel Zehnder und Alexander Saul, hielt den Taktstock fest in der Hand. ThSV-Kapitän Peter Walz erhöhte 28 Sekunden nach Wiederanpfiff vom Kreis auf 16:11 (31.). Beim 19:14 (36.) fanden sich zwei Kreisspieler (Peter Walz und Justin Kurch). Mit ihrer Vielzahl ausgelassener Siebenmeter verhinderten die Gäste selbst das Aufflammen einer Aufholjagd, so sehr sich Josip Sarac, Erik Persson und Kresimir Kozina auch mühten. Eine Fackel von Alexander Saul zischte zum 21:16 in den Göppinger Kasten (46.). Manuel Zehnder bediente Niclas Heitkamp zum 23:17 (49.), angelte sich kurz darauf das Leder aus den Reihen der Gäste und vollendete per Gegenstoß zum 24:17 (50.). Der ins Göppinger Gehäuse zurückgekehrte Bert Ravensberger parierte nun den einen oder anderen Ball. Doch Vid Petko verhaspelte sich am Kreis (51.) – und dann gab es ja das Siebenmeter-Dilemma. Erik Perssson verkürzte für die Gäste bis auf 4 Treffer (24:20, 55.), Manuel Zehnder antwortete mit dem 25:20 (56.). Eisenachs zweiter Saisonsieg geriet nicht in Gefahr. Justin Kurch und Moritz Ende hielten mit ihren Treffern die grün-weißen Gäste auf Distanz.

Sonntag wartet das nächste schwäbische Team
Am Sonntag, 10.09.2023 wartet der nächste schwäbische Kontrahent. Der TVB Stuttgart ist um 18.00 Uhr in der Porsche-Arena (Mercdesstraße) Gastgeber für den ThSV Eisenach.

Statistik
ThSV Eisenach: Spikic, Plaue (bei 3 Siebenmetern/2 Paraden – 0 Gegentore), Kornecki (9 Paraden/21 Gegentore); Reichmuth, Hübke, Zehnder (8/2), Walz (3), Mengon, Ende (3), Heitkamp (1), Meyer, Donker, Kurch (2), Snajder (4/1), Weyhrauch (1), Saul (5)
Frisch Auf! Göppingen: Ravensbergen (1.-28. u. 47.—60./ 7 Paraden – 17 Gegentore), Sego (1 Parade – 10 Gegentore); Kneule (2), Flodmann (1), Heymann, Sarac (5), Poteko (1), Ellebaek (3), Persson (3), Schiller, Lastro (3/1), Röller, Hermann, Kozina (3), Malus (3)
Siebenmeter: ThSV Eisenach 3/3 (Zehnder verwandelt 1 x gegen Ravensberger u. 1 x gegen Sego, Snajder verwandelt 1 x gegen Sego) – Frisch Auf! Göppingen 1/7 (Lastro verwandelt 1 x gegen Kornecki; Schiller wirft beim Stand von 6:6 gegen Kornecki an die Querlatte, 12.; Flodmann scheitert mit Kopftreffer beim 7:6 an Kornecki, 16.; Schiller scheitert beim 11:10 an Kornecki, 25.; Lastro scheitert beim Stand von 19:15 an Plaue, 40.; Schiller scheitert beim Stand von 20:15 an Plaue, 41.; Kozina wirft beim Stand von 24:19 gegen Plaue vorbei, 54.)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 8 Min. (Zehnder 24. u. 33.), u. Meyer (3. u. 36.) – Frisch Auf! Göppingen: 12 Min. (Kneule 16. u.36., Ravensbergen 28., Sarac 60., Ellebaek 34., Persson (25.)
Rote Karten: ThSV Eisenach: Weyhrauch (12., grobes Foulspiel) – Frisch Auf! Göppingen: Flodmann (16., grobe Unsportlichkeit)
Schiedsrichter: Heine/Standke
Zuschauer: 2.221
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Zehnder, Kornecki, Kurch – Frisch Auf! Göppingen: Sarac, Persson, Kozinaten

Th. Levknecht

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