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ThSV Eisenach mit deftiger 21:29 (10:17) -Heimpleite gegen den TV Großwallstadt

ThSV Eisenach mit deftiger 21:29 (10:17) -Heimpleite gegen den TV Großwallstadt, bei dem erstmals der ehemalige Eisenacher Coach Maik Handschke auf der Bank saß

„Wir dachten, wir wären weiter“, dieser Satz machte im Lager des ThSV Eisenach die Runde. Die Wartburgstädter wähnten sich nach drei Siegen, zwei davon auswärts, im Hoch. Statt des fest anvisierten Doppelpunktgewinnes setzte es gegen den abstiegsbedrohten TV Großwallstadt eine empfindliche 21:29 (10:17) -Heimpleite. Erwartungsvoll gestimmte knapp 1.000 Zuschauer unter 2 G plus-Regeln wurden schier fassungslos zurückgelassen.

Wir entschuldigen uns bei unseren Fans. Sie durften nach unseren jüngsten Erfolgen was anderes erwarten. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen; wir haben es wieder gesehen. Unsere Mannschaft muss aus diesem Auftritt ihre Lehren ziehen.

… konstatierte ein sichtlich angefressener Eisenacher Manager Rene Witte. Die Gäste aus Unterfranken, erstmals mit dem Ex-Eisenacher Coach Maik Handschke auf der Bank, schöpften mit diesem Doppelpunktgewinn neue Hoffnung in Sachen Klassenerhalt. Maik Handschke, vom November 2008 bis April 2010 Coach des ThSV Eisenach, wurde von seinem Arbeitgeber, dem Handballverband Luxemburgs, für den Trainerjob beim TV Großwallstadt bis zum Saisonende freigestellt. Er war erst zwei Stunden vor dem Anpfiff in der Kabine der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle persönlich auf seine neue Mannschaft getroffen.

ThSV-Kapitän Walz: Bei 10 Prozent Einsatzbereitschaft weniger gehst du als Verlierer vom Parkett

Peter Walz, der Kapitän des ThSV Eisenach, fragte sich, „waren wir uns zu sicher nach unseren starken Auftritten“, sprach von einer „desaströsen Abwehr“. „Ein Rechtsaußen, der im rechten Rückraum spielt, versenkt 8 Bälle gegen uns“, runzelte Peter Walz die Stirn. Gemeint war der 20-jährige Frieder Bandlow, der von 9 Versuchen 8 einnetzte.

Wir müssen in dieser ausgeglichenen Liga jedes Spiel mit 100 Prozent ernst nehmen. Bei 10 Prozent weniger gehst du als Verlierer vom Parkett. Das muss endlich jedem, auch dem aller Letzten, in unseren Reihen klar sein

… betonte Peter Walz. Ob in einer 5:1- oder 6:0-Abwehrformation, die Eisenacher bekamen keinen Zugriff. Ein äußert disziplinierter Savvas Savvas unterstrich mit 8 Treffern seine Torjägerqualitäten aus dem Rückraum. Ohne den ihn Corona-Quarantäne befindlichen Linkshänder Alexander Saul fehlte den Eisenachern der Tempomacher, Vorlagengeber und selbst torgefährlich abziehende rechte Rückraumspieler. Rechtshänder Daniel Hideg und Linkshänder Malte Donker vermochten nicht in dessen Rolle zu schlüpfen. Die Großwallstädter Abwehr um einen starken Routinier Povilas Babarskas konzentrierte sich auf Fynn Hangstein und Jannis Schneibel, riegelte ab. Die Eisenacher versuchten es immer wieder (vergeblich) über die Mitte, agierten ohne Überraschungseffekt, waren zu leicht ausrechenbar und leisteten sich zudem etliche technische Fehler.

Unser alte Trainer Ralf Bader und unser neue Coach Maik Handschke, dieser per Videonachrichten, hatten uns bestens auf das Eisenacher Angriffsspiel vorbereitet. Ihre Angriffszüge über den Kreis konnten wir unterbinden. Dass mit Alexander Saul beim Gastgeber ein wichtiger Mann fehlte, war nicht zu übersehen, aber auch wir hatten Corona-Ausfälle. Unser neuer Coach hat unmittelbar vor dem Anpfiff die richtigen Worte gefunden. Ich freue mich, auch ein paar Akzente zu diesem für uns wichtigen Sieg gesetzt zu haben.

… resümierte ein aufgekratzter Großwallstädter Keeper Jan-Steffen Minerva, der noch unter dem Namen Jan-Steffen Redwitz von 2015 bis 2018 zum Eisenacher Torwartteam gehörte. Mit nur 8 Paraden blieb er unter seiner üblichen Fangquote, entschied dennoch das Torhüterduell des Abends und – das war das wichtigste – jubelte mit seinem Team nach dem Abpfiff.

ThSV-Coach Kaufmann: Keine Kompaktheit, keine Bereitschaft

„Ich habe keine Kompaktheit, keine Bereitschaft, keine Aggressivität gesehen. Von der ersten Minute an enttäuschten wir. Und das, obwohl der TV Großwallstadt das gezeigt hat, was wir erwartet hatten. Bis zur 50. Minuten gelangen uns gerade einmal 14 Tore“, schüttelte Eisenachs Coach Misha Kaufmann frustriert den Kopf. Nach 48 Minuten leuchtete ein 14:27 auf der Anzeigetafel! Das erwartete Aufbäumen nach Wiederanpfiff war ausgeblieben. Schnell wurden auch die Erinnerungen an die vorjährige 23:33-Heimpleite gegen den gleichen Kontrahenten wach.

Sicherlich habe ich auch Fehler gemacht, wir sitzen alle im gleichen Boot. Ich will immer gewinnen. Wir wollten uns nach oben orientieren, doch hierzu fehlte heute die Mentalität. Wir waren nicht hungrig genug. Auf diesem Gebiet müssen wir weiter ganz intensiv arbeiten.

… unterstrich Misha Kaufmann.

TVG-Coach-Handschke: Nur zwei technische Fehler im ersten Abschnitt!

Ich habe mich gefreut, mal wieder in Eisenach zu sein. Beim Abschiedsspiel für Daniel Luther war ich das letzte Mal hier. Ich wusste, welch Qualität in meiner neuen Mannschaft steckt. Sie hat meine Worte förmlich aufgesaugt und umgesetzt. Auf die 5:1-Abwehr der Eisenacher hatte sie die passenden Lösungen parat. Im ersten Abschnitt unterliefen uns nur zwei technische Fehler, ein Faustpfand für unsere 7-Tore-Führung zur Halbzeit. Der befürchtete Schlendrian oder Nervosität blieben nach der Halbzeitpause aus. Ich bin überzeugt, der TV Großwallstadt hat ausreichend Potential, um die Liga zu halten.

… betonte Maik Handschke. Er wird während seines vorerst bis zum Saisonende vorgesehenen Engagement bei den Mainfranken aber auch weiterhin Aufgaben beim luxemburgischen Handballverband wahrnehmen. „Wir haben die Termine abgeglichen. Das ist machbar. Ich bin flexibel. Die Fahrzeit von Großwallstadt nach Trier beträgt 2 ½ Stunden“, erläuterte Maik Handschke, der ehemalige Nationalspieler sowohl für die DDR als auch für das wiedervereinigte Deutschland. (Das hat er übrigens gemein, mit Eisenachs A-Jugend-Trainer Uwe Seidel.)

Ob in 5:1- oder 6:0-Varinate, Eisenachs Abwehr bekam keinen Zugriff

Den Eisenachern fehlte neben Alexander Saul auch Ante Tokic, die sich beide in Corona-Quarantäne befinden. Der TV Großwallstadt musste aus gleichem Grund auf mehrere Akteure verzichten, hatte nur 10 Feldspieler und 2 Torhüter zur Stelle. Die Gastgeber starteten mit Ivan Snajder auf Links- und Willy Weyhrauch auf Rechtsaußen, Fynn Hangstein. Jannis Schneibel und Daniel Hideg im Rückraum, Peter Walz am Kreis und Johannes Jepsen im Tor. Nur beim 2:2 (,5., spektakulärer Rückhandwurf von Peter Walz) und beim 5:5 (10., durch einen von Willy Weyhrauch abgeschlossenen Gegenstoß) erschien ein Gleichstand auf der Anzeigetafel. Der TVG-Rückraum mit Kuno Schauer, Mario Stark und Savvas Savvas übernahm sofort das Sagen, strahlte Torgefahr auch über beide Außenpositionen aus. Der im rechten Rückraum eingewechselte und zu großer Form auflaufende Frieder Bandlow wurde zum Albtraum für die Eisenacher Defensive. Auch ein Torwartwechsel, Fran Lucin, kam ins ThSV-Gehäuse, vermochte die löchrige ThSV-Abwehr nicht zu flicken. Reserviert und unkonzentriert leisteten sich die Gastgeber Ballverluste. Görkem Bicer schloss per Gegenstoß zum 6:11 ab (17.). Umringt von THSV-Spielern schnappte sich Frieder Bandlow einen Abpraller und drückte diesen zum 7:12 über die Linie. Im Gegenzug verfehlte Eisenachs Willy Weyhrauch das TVG-Gehäuse, Florian Eisenträger netzte zum 7:13 ein (19.). Böse Erinnerungen an die Vorjahres-10-Tore-Heimniederlage gegen den TV Großwallstadt wurden wach. Gäste-Keeper Jan-Steffen Minerva parierte binnen weniger Sekunden gegen Willy Weyhrauch und Daniel Hideg, hatte aber sonst einen relativ geruhsamen Abend. Die Umstellung auf eine 6:0-Abwehr verhalf den Hausherren nicht zu mehr Kompaktheit. ThSV-Keeper Johannes Jepsen parierte zwar gegen Savvas Savvas, Ruben Sousa und Jannis Schneibel trafen für den THSV Eisenach. Doch was waren ganz wenige lichte Momente. Die Gäste erhöhten auf eine 7-Tore-Differenz bis zur Halbzeitpause.

Nichts ging mehr

Auch nach Wideranpfiff ließen sich die Gäste das Ruder nicht entreißen. Bei Holztreffern hatten die Eisenacher Pech. In Unterzahl traf Mario Stark zum 11:21 (36.). In eigener Halle lag der ThSV Eisenach gegen einen abstiegsbedrohten Kontrahenten frühzeitig mit 10 Treffern hinten. Die blau-weißen ThSV-Fans trauten ihren Augen nicht. Trotz des 7 gegen 6, personeller Umstellungen (Martin Potisk und Jonas Ulshöfer kam), das ThSV-Schiff hatte schon lange leck geschlagen. Ein Schneibel-Ball landete am Pfosten, ein Ball von Großwallstadts Frieder Bandlow sprang vom Innenpfosten zum 14:26 über die Linie (47.). Gefrustet kassierten die Eisenacher Zeitstrafen. Florian Eisenträger markierte von Linksaußen das 14:27 (48.). Nichts klappte. Fynn Hangstein setzte einen Siebenmeter neben den Großwallstädter Kasten (53.). Jannis Schneibel verwandelte kurz darauf von gleicher Stelle zum 17:28 (54.).

Ab der 55. Minute und bei Eisenachs 3:3-Deckung ließ die Konzentration bei uns nach, angesichts eines komfortablen Vorsprunges im zweistelligen Bereich nur eine Randnotiz.

… so Maik Handschke. Vier Treffer im Schlussgang (Hangstein 2, Donker, Wöhler) bedeuteten letztendlich nur Ergebniskosmetik zum 21:29-Endstand.

Der ThSV Eisenach und sein Anhang erlebten eine knallharte Landung auf dem Boden der Realität. Da müssen wir schnell wieder heraus“, betonte Rehe Witte. Eine kurze Punktspielpause bis zum Spiel in Rostock (26.03.) sollte hierfür genutzt werden…

Statistik

ThSV Eisenach: Lucin (14.-22. u. 44.-60./ 0 Paraden), Jepsen (5 Paraden); Iffert, Wöhler (1), Potisk (1), Hangstein (6), Ulshöfer (1), Walz (4), Hideg (1), Sousa (1), Dicker, Donker (2), Schneibel (2/1), Snajder, Weyhrauch (2)
Trainer: Misha Kaufmann

TV Großwallstadt: Minerva (8 Paraden), Ohm (ab 58./ 0 Paraden); Klenk, Babarskas, Eisenträger (4), Bandlow (8), Schauer (1), Bicer (3), Stark (5), Rink, Savvas (8/1), Busch
Trainer: Maik Handschke

Siebenmeter
ThSV Eisenach: 1/2 (Schneibel verwandelt gegen Minerva, Hangstein wirft gegen Minerva ans Holz)
TV Großwallstadt: 1/1 (Savvas verwandelt gegen Jepsen)

Zeitstrafen
ThSV Eisenach: 6 x 2 Min. (Wöhler, Hangstein, Walz, Dicker, Schneibel, Snajder)
TV Großwallstadt 4 x 2 Min. (Rink 4 Min., Babarskas u. Bandlow je 2 Min.)

Schiedsrichter: Engeln/Schmitz
Zuschauer: 993

Beste Spieler
Eisenach: keiner
TV Großwallstadt: Bandlow, Babarskas, Savvas

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