ThSV Eisenach mit leidenschaftlichem Fight gegen mit Weltklasse gespicktem THW Kiel

Bildquelle: sportfotoseisenach – Eisenachs Vukasin Antonijevic trifft zum zwischenzeitlichen 27:27
Die Werner-Aßmann-Halle bebt/ Wartburgstädter verpassen beim 27:28 (14:14) einen verdienten Punkt/ Freud und Leid lagen dicht beieinander
Das mit Weltklasse gespickte Team des THW Kiel jubelte nach dem Abpfiff, als wenn es die Champions-League gewonnen hätte. Das unterstreicht die Leistung des ThSV Eisenach! Der Underdog von der Wartburg, von seinen Fans frenetisch nach vorne gepeitscht, verfehlte beim 27:28 (14:14) gegen den Rekordmeister einen Punktgewinn nur haarscharf. Der THW Kiel behält mit 10:0 Punkten seine weiße Weste, trifft am nächsten Spieltag (26.09.2026) im Nordderby auf die SG Flensburg-Handewitt. Bevor für den ThSV Eisenach die nächste Punktspielaufgabe ansteht (28.09.2026 beim HC Erlangen), reist er am Mittwoch, 23.09.2026 in der 2. DHB-Pokal-Runde zu Zweitbundesliga-Aufsteiger TV Emsdetten.

„Unsere Mannschaft und unsere Halle, dieses Gesamtkonstrukt, brachte den großen THW Kiel an den Rand einer Niederlage. Ja, wir hätten einen Punkt verdient. Am Ende steht aber auf der Habenseite eine Null. Wir müssen noch abgezockter werden, an der Verbesserung von Details arbeiten“, fasste ThSV-Rechtsaußen Gian Attenhofer die Partie zusammen. „Wir sind sehr traurig ob des verpassten Punktes, wir sind stolz auf die Leistung“, erklärte Eisenachs Linksaußen David Móré. „Uns fehlte die Coolness, unser 3-Tore-Plus zu behaupten oder gar auszubauen. Die Abwehr stand super“, fügte David More hinzu. „Wir haben es verpasst, big Points zu setzen“, ergänzte Mats Gruppe aus dem Eisenacher Torhüterteam. Er parierte einen Siebenmeter von Lukas Zerbe. Kiels-Top-Spieler Domen Makuc, gerade aus Barcelona gekommen, jagte den Ball vom Strich gegen Eisenachs jungen Keeper am Tor vorbei, Emil Madsen setzte das Leder im Duell mit Mats Grupe ans Holz. „Wir haben vieles richtig gemacht. Fünf uns zugesprochene Siebenmeter sind ein Beleg für unser gutes Angriffsspiel. Es stimmt mich traurig, ja frustriert, dass wir nicht mit einem Punkt belohnen konnten“, erklärte Mai Nowak, der Sportliche Leiter des ThSV Eisenach, am Rande der Pressekonferenz nach dem Spiel.
„Für uns war es unfassbar schwer zu bestehen. Zum Glück haben wir in den entscheidenden Phasen die richtigen Entscheidungen getroffen. Wir sind wahnsinnig froh, mit beiden Punkten die Heimreise antreten zu können“, gab Børge Lund, der Coach des THW Kiel, freimütig zu. „Diese Halle in Eisenach ist ein bestes Beispiel deutscher Handballkultur“, betonte der Norweger. Beim 20:17 lag der ThSV Eisenach mit 3 Treffern vorn (41.). Das Nervenkostüm der „Zebras“ schien angekratzt. Da schalteten Kiels Domagoj Duvnjak und Julian Köster in den Kampfmodus um, wurde Torhüter Gonzalo Perez de Vargas zu einem Faktor, schloss Lukas Zerbe konsequent ab. Das 25:27 (57.) bedeutete aber keine Vorentscheidung. Felix Aellen mit seinem fünften verwandelten Siebenmeter und Vukasin Antonijevic brachten den Thüringer Handballtempel beim 27:27 zum Beben (59.). Emil Madsen versenkte zum 27:28. Den Wurf von Eisenachs Felix Aellen, kurz vor der Sirene, parierte Gonzalo Perez de Vargas.

„Wir boten die beste Defensivleistung der Saison, hatten eine sehr gute Höhe, warteten mit guten Helfersituationen auf. Nach der frühzeitigen zweiten Zeitstrafe gegen Tillman Leu mussten wir im Deckungs-Innenblock umstellen. Das hat dann in der zweiten Halbzeit besser geklappt. Wir erzielen ein 3-Tore-Plus, verwerfen dann aber drei Bälle. Wir kommen dann frühzeitig ins passive Spiel, finden keine guten Lösungen im Angriff, kämpfen uns wieder zurück. Die Enttäuschung ist groß, weil wir am Ende ohne Punkte dastehen. Hervorzuheben und Dank zu sagen, für die unglaubliche Atmosphäre in unserer Halle. Diese wird unserer Mannschaft bei ihrer Entwicklung helfen. Wir haben gesehen, was es zu verbessern gilt“, rekapitulierte ThSV-Cheftrainer Sebastian Hinze.
Lasst Zahlen sprechen
Der THW Kiel gewann dieses Spiel nicht über spielerische Überlegenheit, sondern über Nervenstärke und die Qualität auf den entscheidenden Positionen. Beide Teams trennte am Ende nur ein Tor, und die Statistik unterstreicht die Ausgeglichenheit: 28 Kieler Treffer bei einer Wurfquote von rund 62 Prozent standen 27 Eisenacher Toren gegenüber, bei knapp 63 Prozent. Die Zahl der Technik- und Regelfehler war nahezu identisch: Eisenach 9, Kiel 8. Der ThSV Eisenach lief 27 erfolgreiche Angriffe, der THW Kiel derer 28. In Überzahl waren die Norddeutschen effektiver, markierten da 11, der ThSV Eisenach nur 6 Treffer. Ein Übergewicht hatten die „Zebras“ auch auf der Torwartposition. Perez de Vargas kam auf zehn Paraden, hielt mehrfach in Drucksituationen und parierte auch den letzten Wurf der Partie, als Eisenach wenige Sekunden vor Schluss zum Wurf kam. Dazu übernahm Lukas Zerbe mit sechs Treffern (aus 7 Versuchen) in der Offensive Verantwortung.

Zum Spielverlauf
Beide Teams begannen mit einem Abwehr- und Angriffswechsel. Julian Köster löste beim THW Kiel Rune Dahmke in der Abwehr ab, beim ThSV Eisenach kam Tillman Leu zunächst für Stephan Seitz in der Abwehr. Beim ThSV Eisenach besetzten David Móré und Gian Attenhofer durchgängig die Außenpositionen. Nach einer knappen Viertelstunde wechselten die Gäste erstmals ihren 38-jährigen Kapitän Domagij Duvnajk ein. Kurz zuvor hatte Veron Nacinovic zum 4:6 getroffen (13.). Ein Zuspiel von Dominik Solak verwertete Felix Aellen zum 5:6-Anschlußtreffer (14.). Eisenachs Tillman Leu kassierte seine zweite Zeitstrafe, zwang seinen Trainer zur Umstellung im Deckungs-Innenblock. Über diesen kamen die Gäste, inzwischen mit „Superstar“ Domen Makuc auf Rückraum-Mitte, nun mehrfach zum Torerfolg (7:10/20.). Mit der Einwechslung von Elias Scholtes im rechten Rückraum kam frischer Wind in die ThSV-Reihen, die mit einem 4:0-Tore Lauf 11:10 in Führung gingen (25.). Da staunte der Rekordmeister, antwortete aber zum 11:13. Der Ex-Eisenacher Vincent Büchner markierte seinen ersten Pflichtspieltreffer für den THW Kiel. Eine handballerische Delikatesse, der Kempa-Treffer zwischen Gian Attenhofer und David Móré zum 13:14 (28.). ThSV-Keeper Matija Spikic parierte, Peter Walz versenkte zum 14:14-Pisenstand. Da standen die blau-weißen Fans schon einige Minuten, peitschten ihr Team nach vorn.
Beim Stand von 15:14 hatte Peter Walz die erstmalige 2-Tore-Führung auf der Hand, doch sein Dreher wurde eine Beute vom THW-Schlussmann. Doch der sonst so sichere Kieler-Siebenmeter-Werfer Lukas Zerbe scheiterte am ins ThSV-Gehäuse eingewechselten Mats Gruppe (33.). Ein scharfer Ball von Harald Reinklind landete am Kopf von ThSV-Keeper Matija Spikic, für den Kieler gab es eine Zeitstrafe. Peter Walz lochte zum 17:15 ein (36.). Oskar Joelsson markierte das 18:16 (37.). Die Weltstars zeigten sich beeindruckt, von der Eisenacher Mannschaft und der Lautstärke im Thüringer Handballtempel! Domagoj Duvnajk versuchte seine Teamkollegen auf Kurs zu bringen. Doch zunächst zog Gian Attenhofer zum 20:17 ab (41.). Emid Madsen kassierte wegen Reklamierens eine Zeitstrafe. Tillman Leu traf vom Kreis zum 21:19 (43.). Der Wurfversuch von ThSV-Keeper Matija Spikic landete neben den THW-Kasten (44.). Die „Zebras“ zeigten Schwächen vom Siebenmete-Strich. Nur nicht schon wieder, wie im Vorjahr, in Eisenach einen Punkt lassen; die Gäste stellten auf eine offensive Abwehrvariante, mit Julian Köster vorgezogen, um. An Kapitän Domagoj Duvniak gab es für die Eisenacher kaum noch ein Vorbeikommen. Eisenachs Felix Aellern blieb sicher vom Siebenmeter-Strich. Auch gegen Andreas Woff. Er egalisierte das 23:24. Die Gäste gingen abgeklärt in die Crunchtime, trafen zum 24:26 (55.). Ein Handball-Krimi war eingeläutet. Mit einem weiterhin vom Strich humorlos vollenden Felix Aellen (56./58.). Mats Grupe, in der 55. Minute eingewechselt, parierte, Vukasin Antonijevic tankte sich zum 27:27 durch. Doch das Happyend aus Eisenacher Sicht fiel aus.
Eisenachs Mannschaftsarzt Dr. Enrico George versorgte Kiels Veron Nacinovic
Kiels Veron Nacinovic zog sich im Spielverlauf eine Verletzung der Augenbraune zu, spielte mit einem Druckverband am Kopf aber bis zum Ende durch. Nach der Partie wurde er von Eisenachs Mannschaftsarzt Dr. Enrico George medizinisch versorgt, die lädierte Stelle genäht.
THW-Coach lobt Ex-Eisenacher Vincent Büchner
Im Sommer wechselte Vincent Büchner vom ThSV Eisenach zum THW Kiel. Nach 7-wöchiger Verletzungspause bestritt der Linksaußen am Freitagabend sein zweites Pflichtspiel, markierte seinen ersten Punktspieltreffer für seinen neuen Verein. „Er erfüllt seine Aufgaben sehr gut, auf und neben dem Parkett. Er ist ein sehr guter Abwehrspieler, ihn zeichnet ein sehr gutes Rückzugsverhalten aus“, erklärte Børge Lund, der Coach des THW Kiel, zur Pressekonferenz nach dem Spiel.
Jannis Schneibel erstmals wieder auf der Wechselbank
Lang, ganz lang ist die Leidenszeit von Jannis Schneibel. Der Rückraumspieler war der Aufstiegsregisseur des ThSV Eisenach der Saison 2022/2023 in die 1. Handballbundesliga. Am vorletzten Spieltag zog er sich eine schwere Schulterverletzung zu, war beim Handball-Hitchcock am letzten Spieltag zur Zuschauerrolle verurteilt. In der Folge warfen ihn immer wieder schwere Verletzungen zurück. Im Januar 2024 ereilte ihn der erste Kreuzbandriss. Zur Saison 2024/2025 war er auf Ausleihbasis beim Zweitbundesligisten HBW Balingen-Weilstetten am Ball, zog sich hier einen erneuten Kreuzbandriss zu. Im Sommer 2025 kehrte der 25-jährige Rückraumspieler, der beim TV Hochdorf mit dem Handballspielen begann, in der Jugend zu den Rhein-Neckar Löwen wechselte, zum ThSV Eisenach zurück. Am Freitagabend saß er erstmals wieder auf der Wechselbank des ThSV Eisenach.
Statistik ThSV Eisenach – THW Kiel 27:28 (14:14)
ThSV Eisenach: Spikic (6 Paraden/ 25 Gegentore), Gruppe (bei 3 Siebenmetern und ab 55./ /3 Gegentore – 2 Paraden)); Joelsson (2), Scholtes (2), Attenhofer (3), Walz (4), Móré (3), Ende, Aellen (6/5), Solak (3), Antonijevic (1), Seitz (1), Kurch, Schneibel, Montebovi , Leu (2)
Trainer: Sebastian Hinze
THW Kiel: Perez de Vargas (10 Paraden/ 25 Gegentore, Wolff (bei 2 Siebenmetern/ 0 Paraden – 2 Gegentore); Faust; Duvnjak, Reinkind (4), Köster (2), Madsen (3), Johansson (1), Ankermann (2), Dahmke (2), Zerbe (6/1), Makuc (1), Pekeler (1), Skipagøtu (3), Büchner (1), Nacinovic (2)
Trainer: Børge Lund
Siebenmeter:
ThSV Eisenach 5/5 – Aellen verwandelt 3 x gegen Perez de Vargas und 2 x gegen Wolff)
THW Kiel: 1/4 – Zerbe scheitert beim Stand von 15:14 an Grupe (33.), Makuc wirft beim Stand von 21:19 gegen Gruppe am Tor vorbei (44.), Madsen wirft beim Stand von 23:23 gegen Grupe ans Holz (51.), Zerbe verwandelt 1 x gegen Spikic
Zeitstrafen:
ThSV Eisenach 4 x 2 Min – Leu (7./15.), Seitz (33.), Aellen (51.)
THW Kiel 4 x 2 Min. – Köster (4.), Reinkind (14./35.), Madsen (42.)
Schiedsrichter:
Christian vom Dorff/ Fabian vom Dorff
Zuschauer:
2.850 (ausverkauft)
Spielfilm:
4:5 (13.), 6:9 (17.), 7:10 (20.), 11:10 (25.), 11:13 (27.), 14:14 (30.), 17:15 (36.), 20:17 (41.), 21:21 (46.), 23:22 (48.), 24:26 (55.), 27:27 (59,), 27:28 (60.)