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ThSV Eisenach mit unerwarteter Heimniederlage

„Zu viele dämliche Fehler“

Bayer Dormagen verpasst ThSV Eisenach bittere Pille: Wartburgstädter kassieren 25:26 (13:13) -Heimniederlage/ Torjäger Fynn Hangstein überspringt 200-Tore-Marke 

„Wir wollen unser gutes Auswärtsgesicht zuhause zeigen“, lautete die Losung von Eisenachs Trainer Misha Kaufmann. Doch es kam anders. Kämpferisch gab der ThSV Eisenach alles, da konnte den Spielern kein Vorwurf gemacht werden. „Doch uns unterliefen zu viele dämliche Fehler“, konstatierte Trainer Misha Kaufmann. „Nach Ballgewinnen verloren wir viel zu schnell wieder das Leder, haben zudem zu viel verworfen“, bekannte Rückraumspieler Martin Potisk. Nach einem Handball-Hitchcock jubelten die abstiegsbedrohten Gäste vom TSV Bayer Dormagen. Beim Stand von 25:25 und Ballbesitz für den ThSV Eisenach ging es nach einer Auszeit in die letzten 30 Sekunden. Eisenachs Rückraumspieler Jannis Schneibel setzte 8 Sekunden vor Ultimo zum Torwurf an, doch der Ball wurde geblockt, erreichte Jan Reimer, der zum von den Gästen umjubelten 25:26 (13:13) -Endstand einnetzte. 

ThSV-Kapitän Peter Walz: Wir scheiterten letztendlich an uns selbst

Freud und Leid lagen wieder einmal ganz dicht beisammen. Jannis Schneibel, dessen Vertragsverlängerung bis zum Jahr 2026 vom über 1200-köpfigen Eisenacher Anhang vor dem Anpfiff mit ganz viel Beifall aufgenommen wurde, war untröstlich, verbarg sein Gesicht. „Jannis, ein junger Bursche, will das Tor machen. Wir hätten mit dem letzten Wurf vielleicht noch drei Sekunden warten sollen. So war es unclever. Es schmerzt ihn, es schmerzt mich. Jannis wird seine Lehren daraus ziehen“, erklärt Misha Kaufmann. „Jannis hat uns im Saisonverlauf schon ein paar Punkte geholt. Zudem, ich will das Spiel nicht an einem Wurf festmachen“, fügte der Eisenacher Coach hinzu. Rene Witte, der Manager des ThSV Eisenach, verwies noch einmal auf die Ausgeglichenheit der Liga. „Jeder kann jeden schlagen. Favoritenrollen gibt es nicht“, so Rene Witte. ThSV-Coach Misha Kaufmann sprach von einem „Abnutzungskampf der Liga als Teil des Business“.  „Wichtig ist, dass wir aus diesem Spiel lernen. Kopf hoch ist angesagt“, erklärte Rechtsaußen Ante Tokic.  „Wir scheiterten letztendlich an uns selbst. Kampf und Einstellung haben gestimmt.  Wir sind nun mal eine sehr junge Mannschaft, durchlaufen einen Lernprozess“, stellte Eisenachs Kapitän Peter Walz fest. Rückraumspieler Malte Donker dankte den Fans für eine „Super-Stimmung“. Dass Rückraumspieler Fynn Hangstein als Top-Torjäger der Liga die 200-Tore-Marke übersprang, jetzt bei 205 Treffern steht, wurde angesichts der doch unerwarteten Niederlage nur eine Randnotiz. 

Für den ThSV Eisenach steht jetzt ein Regenerationsprogramm an. Die Handballbundesligen pausieren aufgrund von Länderspielen am Osterwochenende. Am Freitag, 22.04.2022 reist der ThSV Eisenach zum TuSEM Essen, bevor binnen weniger Tage (26. und 30.04.2022) die Heimspiele gegen den TuS Ferndorf und dem EHV Aue folgen. 

Bayer-Manager Björn Barthel: Nachverpflichtungen mit wichtigen Akzenten

Die Gäste strahlten. „Unsere Nachverpflichtungen haben sehr wichtige Akzente gesetzt“, betonte Björn Barthel, der Dormagener Manager. Er meinte damit die erst kürzlich verpflichteten Artur Karvatski und Mislav Grgic, die je 6 Bälle versenkten. Treffsicher zudem Rechtsaußen Jan Reimer, dem – immer wieder in Szene gesetzt – 8 Treffer aus 9 Versuchen gelangen.  „Wir haben gute Lösungen gegen die 5:1-Abwehr der Eisenacher gefunden. Dass wir die Crunchtime gewonnen haben, macht uns natürlich happy“, sprudelte es aus einem aufgekratzten Dormagener Coach Peer Pütz heraus, der zu Beginn des Kalenderjahres Dusko Bilanovic auf dem Trainerstuhl abgelöst hatte. Auch die „Wiesel“ werden, so ihr Coach, mal ein paar Tage vom Handball abschalten, ehe es in die Vorbereitung auf das wichtige Spiel gegen den TV Großwallstadt gehe. 

Der TSV Bayer Dormagen schöpfte mit seinem erst zweiten Auswärtssieg neue Hoffnung im Abstiegskampf, beträgt der Rückstand zum ersten Nichtabstiegsplatz nur noch zwei Punkte. Die Bayer-Sieben kann zudem in zwei Nachholpartien noch zusätzlich punkten. Der ThSV Eisenach, in der Auswärtstabelle mit 16:14 Punkten (dabei ein 23:21 Auswärtssieg in Dormagen) auf Platz 5, wird in der Heimtabelle mit nunmehr lediglich 13:13 Zählern auf Rang 17 geführt. In der Summe belegen die Wartburgstädter mit 29:27 Zählern den 11. Tabellenplatz. 

ThSV-Keeper Jepsen: Ich hätte früher mehr Bälle halten müssen

„Wir bekamen in der Abwehr zu wenig Zugriff, obwohl die Auslösehandlungen der Gäste oft die gleichen waren.  Die Absprachen zwischen Block und Torwart klappten nicht“, bilanzierte Eisenachs Trainer Misha Kaufmann. Sein Torhüter Johannes Jepsen ergänzte selbstkritisch: „So schlecht wurden die Absprachen in der Abwehr nicht eingehalten. Ich muss einfach mehr Bälle halten. Nicht erst am Ende.“ Dass der ThSV Eisenach zum Ende der zweiten Halbzeit zu einer Siegchance kam, hatte er mit seinem sich steigernden Keeper Johannes Jepsen zu verdanken. Beim 15:18 (38.), 20:22 (45.) und auch beim 23:24 (57.) lagen die Wartburgstädter im Rückstand. Die Gastgeber gingen nun mit einem 7 gegen 6 volles Risiko. Alexander Saul, nach einer verletzungsbedingten Behandlungspause zurück, schmetterte eine Freiwurfablage zum 24:24 ins Netz (58.).  Dormagens Artur Karvatski unterlief ein technischer Fehler. Der eingewechselte Willy Weyhrauch traf per Gegenstoß zum 25:24 (59.). Sollte es doch noch ein Happyend für den ThSV Eisenach geben? Zunächst markierte Artur Karvatski aus dem rechten Rückraum mit seinem 6. Treffer den 25:25-Gleichstand. Das Happyend gelang dann dem TSV Bayer Dormagen. 

ThSV Eisenach: 5:2-Führung fand keine Fortsetzung

Die erste Viertelstunde verlief nach dem Geschmack der Hausherren, die trotz etlicher verletzungs- und krankheitsbedingten Ausfälle während der Trainingswoche bis auf Daniel Hideg (Operation an der Hüfte) alle an Deck hatten, mit der Stammformation starteten. Daniel Dicker löste Alexander Saul für Abwehraufgaben ab. Alexander Saul traf nach Freiwurfablage zum 5:2 (14.). Während Martin Juzbasic im Gästekasten mehrfach zur Stelle war, mussten beide Eisenacher Keeper das Leder immer wieder passieren lassen. Ihre Vorderleute leisteten sich bei eigenem Ballbesitz immer wieder Fehler. Fynn Hangstein brachte vom Siebenmeter-Strich das Leder nicht unter (14.). Der treffsichere Jan Reimer netzte für die Gäste zum 6:7 ein (18.). Spätestes jetzt war allen klar, der Tabellenvorletzte will punkten. „Den Start haben wir verschlafen, doch dann fanden wir zu unserer Linie, spielten diszipliniert“, rekapitulierte Dormagens 2,07-Meter-Mann Andre Meuser. Der ThSV Eisenach operierte mit zwei Kreisläufern (Peter Walz und Ruben Sousa). ThSV-Keeper Johannes Jepsen blieb Sieger im Siebenmeterduell mit Mislav Grgic Sieger (23.). Ivan Snajder netzte per Gegenstoß zum 10:9 ein (24.). Daniel Dicker musste zum zweiten Mal eine Zwei-Minuten-Strafe abbrummen. Der Dormagener Rückraum mit Ian Hüter, Mislav Grgic und Andre Meuser dosierte das Tempo, spielte exakt nach Plan. Per Schlagwurf lochte Andre Meuser zum 11:12 ein (28.). Fynn Hangstein, von der „Siebenmeter-Fahrkarte“ zu Beginn unbeeindruckt, verwandelte – nach Regelwidrigkeit an Jannis Schneibel – vom Strich zum 12:12 (28.). Nach einem von Jan Reimer für die Gäste verwandelten Strafwurf lochte Alexander Saul zum 13:13-Pausen-Remis ein. 

Wechselnde Rückraumbesetzungen 

ThSV-Coach Misha Kaufmann versuchte es nach dem Seitenwechsel mit verschiedenen Formationen im Rückraum. Martin Potisk, Jannis Schneibel und Alexander Saul wurden zunächst aufgeboten. Als Volltreffer erwies sich bei den Gästen die Einwechslung von Neuzugang Artur Karvatski, der von 8 Versuchen 6 aus dem rechten Rückraum versenkte. Beide Eisenacher Schlussleute hatten das Nachsehen. Jan Reimer traf zum 13:15 (33.) und 14:17 (36.).  Das 15:17 durch Ante Tokic beantwortete erneut Artur Karvatski zum 15:18 (38.). Zwei Ballgewinne nutzten Ivan Snajder und Ante Tokic zum 18:18-Ausgleich (40.). Der ins ThSV-Gehäuse zurückgekehrte Johannes Jepsen meisterte gleich einen Wurf von Tim Mast. Kurz darauf kassiert Jannis Schneibel wegen Ballfesthaltens eine unnötige Zeitstrafe. Zwischenzeitlich agieren Jonas Ulshöfer und Martin Potisk gemeinsam im Rückraum. Die Gäste legen vor, Eisenach gleicht durch Ante Tokic aus. Dann kochte die Volksseele auf Parkett und Rängen, als die Referees Julian Fedtke und Niels Wienrich  eine Angriffsaktion von Alexander Saul als Stürmerfoul an Mislav Grgic ahnden. Alexander Saul musste länger auf dem Parkett behandelt werden und gestützt dieses verlassen. Die Gäste trafen gar zum 20:22 (46.). Nach einer weiteren heftig umstrittenen Szene verhängen die Spielleiter gar eine Zeitstrafe gegen den Eisenacher Trainer. Die Wellen der Entrüstung auf den Rängen schlagen immer höher. Ein übles Foul an Martin Potisk findet keine persönliche Bestrafung. Fynn Hangstein versenkt von Punkt, nach einer Jepsen-Parade zieht Alexander Saul aus der Bewegung zum 22:22 ab (51.). Kurz darauf treffen Artur Karvatski (Dormagen) und Daniel Dicker (Eisenach) nur das Holz. Ein Freiwurf für den ThSV Eisenach wird zum Bumerang, mündet im Treffer zum 22:23 (53.). Die Spannung steigt. Beiden Teams unterlaufen – nach Meinung der Schiedsrichter – Stürmerfouls. Fynn Hangstein verwandelt einen an ihm selbst verwirkten Siebenmeter zum 23:23 (55.). ThSV-Keeper Johannes Jepsen kauft dem völlig freien Jan Reimer das Leder ab, doch seine Teamkollegen verlieren unter Druck das Leder. Dem 23:24 lässt Alexander Saul das 24:24 und wenig später Willy Weyhrauch das 25:24 folgen (59.). „Im Finish hätte die Partie auf jede Seite kippen können. Am Ende war das Glück den Gästen mehr hold“, so Misha Kaufmann abschließend. Ein Remis wäre dem Spielverlauf wahrscheinlich gerecht geworden…..

Statistik

ThSV Eisenach: Jepsen (10 Paraden), Lucin (14. bis 24., 32.-40./ 2 Paraden); Iffert, Wöhler, Potisk (1), Hangstein (7/5), Ulshöfer, Walz (3), Tokic (6), Sousa (1), Dicker, Donker, Schneibel, Snajder (2), Weyhrauch (1), Saul (4)

Bayer Dormagen: Juzbasic (11 Paraden), Simonsen (bei einem 7-Meter/ 0 Paraden); Karvatski (6), Meuser (2), Senden, Stein, Biernacki (1), I. Hüter (1), Reimer (8/3), Grgic (6/1), Zurga, P. Hüter (1), Johannmeyer, Grbavac, Seesing, Mast (1)

Siebenmeter

ThSV Eisenach: 5/6 (Hangstein verwandelt 4 x gegen Juzbasic und 1 x gegen Simonsen, Hangstein scheitert 1 x an Juzbasic)

Bayer Dormagen: 4/5 (Grgic verwandelt 1 x gegen Lucin u. scheitert 1 x an Jepsen, Reimer verwandelt 3 x gegen Jepsen)

Zeitstrafen

ThSV Eisenach: 5 x 2 Min. (Dicker 2 x 2 Min., Snajder, Schneibel u. Coach Kaufmann je 2 Min.)

Bayer Dormagen: 5 x 2 Min. (I. Hüter u. P- Hüter je 2 x 2 Min., Seesing 2 Min.)

Schiedsrichter: Fedtke/Wienrich

Zuschauer: 1.207                                                                                                                    Th. Levknecht 

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