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ThSV Eisenach strebt nach Maximum und will „ganz viel Gesicht zeigen“

Wartburgstädter starten in die neue Zweitliga-Saison/ Zum Auftakt geht es zum TV Großwallstadt • Alle Mann an Deck

Die Erwartungshaltung in Handball-Eisenach ist seit jeher groß. Auch vor der nun beginnenden Zweitbundesliga-Saison. Der ThSV Eisenach schloss die Vorsaison, nach einem völlig verkorksten Auftakt (2:10 Punkte) auf dem 3. Tabellenplatz ab. „Der weckt natürlich Begehrlichkeiten“, so Maik Nowak, der Sportliche Leiter. So eine Entwicklung sei „eine Nummer in dieser Liga“, die als die stärkste 2. Handball-Liga der Welt eingestuft werde. „Der Anspruch des Trainers und der Mannschaft selbst ist sehr, sehr hoch“, betonte Maik Nowak und verwies auf die Parallele zum Ort der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. Diese fand im „Lippmann-Rau-Musikarchiv“ der „Kulturfabrik Alte Mälzerei“ in Eisenach statt. Auch hier gehe es um „Anstiftung zum Mittun“ sowie „Unterstützen und gemeinsames Erleben“. Trainer Misha Kaufmann, im Oktober des Vorjahres gekommen und der „Vater des Erfolges“, will das Maximum erreichen.

Es werden harte Zeiten kommen. Wir sind bereit. Die ausgesprochen lernwillige Mannschaft wird viel Gesicht zeigen. Für unsere Fans, für unsere Stadt, für unsere Region, betont Misha Kaufmann.

Insgesamt 19 Spieler (keiner über 30 Jahre!) zählt der Kader in der aktuellen Saison. Neuzugänge sind: Torhüter Erik Töpfer (aus Aue), Philipp Meyer (aus Würzburg), Marko Grgic (Saarlouis), Robert Krass (Rhein-Neckar Löwen), Torben Hübke (SG Flensburg-Handewitt), Timothy Reichmuth (Aarau/ Schweiz) und Cedric Marquardt (Gelnhausen). Der Stamm des Teams der so erfolgreichen Vorsaison ist geblieben. Auch der Top-Torjäger der 2.

Handballbundesliga, Fynn Hangstein, ist weiter an Deck. Neu im Trainerteam ist Stanislaw Gorotschuk als Torwart-Trainer, Teamleiter und Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Er selbst gehörte elf Jahren zum Torhüter-Team des ThSV Eisenach.

„Jeder muss bereit sein, die eigene Komfortzone zu verlassen!“
Miha Kaufmann lobte das Scouting von Maik Nowak und Manager Rene Witte.

Wir gehen einen neuen Weg mit jungen Spielern, die zu uns passen. Die menschliche Komponente ist sehr wichtig. Mein Job ist es, diese erfolgreich in unser System zu integrieren. Sie müssen bereit sein, ihre Komfortzone zu verlassen, um besser zu werden, gewährt der ehrgeizige Schweizer in Diensten der Thüringer einen Einblick in seine Philosophie.

Hinter uns liegt eine über sechswöchige intensive Vorbereitung, die zur vorjährigen schon Unterschiede aufwies. Wir haben uns in allen Bereichen auf unser System fokussiert, in punkto Mentalität weiterentwickelt. Die neuen Spieler haben sich schon gut integriert. Wir fiebern dem Punktspielstart entgegen, erklärte Ante Tokic, der stellvertretende Mannschaftskapitän.

Ein Platz im oberen Tabellendrittel, also zwischen 1 und 7, haben wir uns als Saisonziel ausgegeben, lässt Manager Rene Witte wissen. Alles was wir beeinflussen können, werden wir beeinflussen, betont Trainer Misha Kaufmann.

Präsident Shpetim Alaj ist sich sicher, das Team werde dem Anspruch der Fans auf eine „Mannschaft mit Charakter und Herz gerecht“. Er forderte zugleich „Demuth statt Überheblichkeit“ und zitierte einen Satz von Bob Dylan: „Wer hetzt, übersieht vieles, was er sehen sollte.“ Rene Witte hofft, dass die Zuschauer – mehr als zuletzt – wieder die Werner-Aßmann-Halle füllen, für das besondere Flair des Thüringer Handballtempels sorgen. Er wünscht sich noch mehr Dauerkarten-Käufer, bisher verlaufe der Verkauf schleppend. Etliche Bestellungen liegen bisher unabgeholt in der Geschäftsstelle bereit, neu an Dauerkarten Interessierte sind herzlich willkommen.

Handball nicht losgelöst von der allgemeinen Lage
Inflation, Krieg in Europa, Energiekrise, Corona, der Handball kann davon nicht losgelöst sein.

Nach zwei turbulenten Jahren sehnen wir uns nach Normalität, ächzt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, doch mit der Energiekrise infolge des fürchterlichen russischen Angriffskrieges und auch weiterhin dem Corona-Thema stehen wir erneut vor großen Herausforderungen.

Der HC Motor Zaporoshje nimmt am Spielbetrieb der 2. Handballbundesliga teil. Das Gastspielrecht des ukrainischen Serienmeisters müsse man als Akt der Menschlichkeit verstehen und verteidigen, betonte ThSV-Präsident Shpetim Alaj, selbst als Kriegsflüchtling nach Deutschland, nach Eisenach gekommen und gerade zum dritten Mal Opa geworden. (Beide Söhne spielen im Oberligateam des ThSV Eisenach.) Sportliche Bedenken müssten da in den Hintergrund treten. Der mehrfache ukrainische Meister unterlag in seinem bereits am Mittwoch ausgetragenem ersten Zweitbundesligaspiel dem TSV Bayer Dormagen überraschend mit 28:33 (15:17).

Auch vor dem ThSV Eisenach liegt eine erneut schwierige Saison. Da ist das wirtschaftliche Fundament.

Viele Firmen haben coronabedingt mit sich zu tun. Der übergroße Teil hält uns die Treue, etliche haben ihr Sponsoring sogar aufgestockt, berichtet Rene Witte.

Die Firma Schneider Bau sei beispielsweise nun einer der Hauptsponsoren, neben den Firma „Oßwald – Fahrzeugteile & Technischer Handel“ und „Hasselmann GmbH“. Zuschauer seien auch als Einnahmequelle ganz wichtig, erhöhten natürlich auch das Catering-Ergebnis.

Im Zuge der Energiespaßnahmen kündigte die Stadt Eisenach an, den Empfehlungen zur Energieeinsparung folgend, dass in den Sporthallen künftig nur noch kalt geduscht werden kann. Das stößt freilich nicht auf Jubel. Ganz im Gegenteil.

Wir sind mit der Stadt im Gespräch, wollen gegenüber den anderen Sportlern keine Sonderrechte, erklärt Rene Witte.

Die E-Jugend müsse die gleichen Bedingungen wie die Profis haben. Mit Humor nimmt Ante Tokic dieses Szenario. Zu Regeneration gehöre es, ab und an im Eis zu baden.

So werden wir halt jeden Tag die Eistone haben, nimmt es der 28-jährige Rechtsaußen locker.

Eintrittspreise angepasst – Paketpreise als Sonderangebot
Die gestiegenen Kosten machen auch vor dem ThSV Eisenach kein Halt. Deswegen wurden die Eintrittspreise angepasst. Wie andernorts auch üblich, bei Kauf eines Tickets an der Abendkasse wird ein Zuschlag von 2,00 € erworben.

Jeder kann im Laufe der Woche seine Eintrittskarte kaufen, online oder in der ThSV-Geschäftsstelle. Das gibt für uns auch Planungssicherheit, argumentiert Rene Witte.

Er kündigte zugleich „Paketpreise“ bei Einzelkarten an. Wer beispielsweise für die drei ersten Heimspiele je ein kauft, bekommt einen Nachlass von insgesamt 6,00 Euro. Das ist aber nur im online-Verkauf möglich! Bei einer Umfrage habe sich, so der Eisenacher Manager, eine Mehrheit für das Beibehalten der Anwurfzeit von 19.30 Uhr ausgesprochen. Dies werden dann auch bei Wochentags-Spielen so praktiziert. Rene Witte verwies auf das zunehmend bargeldlose Zahlen an den Verkaufsständen für Getränke und Imbiss.

Auswärtsspiel beim TV Großwallstadt: Mit Daniel Hideg und Philipp Meyer beide Abwehrchefs zum Saisonstart dabei
Der Spielplan der Saison 2022/2023 hält für den ThSV Eisenach zum Auftakt ein Auswärtsspiel bereit. In der Untermainhalle Elsenfeld (Dammfeldstraße 11/ Schulzentrum) ist der TV Großwallstadt am Samstag, 03.09.2022 um 19.30 Uhr Gastgeber. Beide Teams haben personell alles an Deck. Beim ThSV Eisenach wird nach einer Hüft-Operation in der Vorsaison mit anschließender mehrmonatiger Handballpause Daniel Hideg sein Comeback geben. Mit ihm und Neuzugang Philipp Meyer sind beide Abwehrchefs dabei. Die Wartburgstädter haben mit dem TV Großwallstadt noch eine Rechnung offen, kassierten sie in der Vorsaison zwei Niederlagen. Am Samstag soll die Abwehr den Grundstein zum Eisenacher Saisonauftaktsieg legen. Die Eisenacher werden sich auf ein personell verändertes Team auf der Gegenseite einrichten. Die personelle Veränderung beginnt schon auf der Trainerbank. Der Ex-Eisenacher Coach Maik Handschke, der als „Feuerwehrmann“ den TV Großwallstadt vor dem Abstieg bewahrte, ist zu seinem Arbeitgeber Handballverband Luxemburg zurückgekehrt. Der Kroate Igor Vori, als Spieler von Gold bei den Olympischen Spielen, Weltmeistertitel, Champions League bis etlichen Landesmeistertiteln, hat einen 2-Jahres-Vertrag unterzeichnet. Auf dem Feld nicht dabei sind u.a. Torjäger Savvas Savvas (jetzt Erstligist ASV Hamm-Westfalen), Tom Jansen (VfL Gummersbach) und Pierre Busch (Eintracht Hagen). Insgesamt acht Neuzugänge sorgen dafür, dass der Kader breiter aufgestellt ist. Als Savvas Savvas-Ersatz kam Adrian Kammlodt vom EHV Aue. Beim jüngsten 33:27-Pokalerfolg in Pfullingen versenkte er 9 Bälle. Vom HSV Hamburg kam, ebenfalls für den linken Rückraum, Finn Wullweber. Keeper Jan-Steffen Minerva, von 2015 bis 2018 (noch als Jan-Steffen Redwitz) beim ThSV Eisenach, bekam durch den Griechen Petros Boukovinas Unterstützung für die Aufgaben im Tor.

Als oberstes Ziel steht für uns der Klassenerhalt. Mit einem Sieg gegen Eisenach wollen wir gleich zwei Punkte hierzu einfahren, erklärte Jan-Steffen Redwitz mit Blick auf den Samstagabend.

Das Team von der Wartburg will diesen Plan durchkreuzen….

Th. Levknecht

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