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ThSV Eisenach überrascht mit defensivem Deckungssystem

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Abwwehrstabilität, der Grundstein des Eisenacher Erfolges in Hagen.

Trainer Misha Kaufmann beeindruckt doppelt: als gewiefter Taktiker und als „Handballphilosoph“ • Wartburgstädter bejubeln 23:19 (11:9)-Auswärtssieg beim VfL Eintracht Hagen

Misha Kaufmann, der Coach des ThSV Eisenach, war am Freitagabend in der Krollmann Arena Hagen gut drauf. Sein Team hatte um Zweitliga-Zähler beim hier beheimateten und vorjährigen Tabellen-Siebenten VfL Eintracht Hagen gerade mit 23:19 (11:8) gewonnen.

Unsere flexible Verteidigung, ob im 5:1, 4:2 oder 6:0, bildete den Grundstein. Unsere bewegliche 6:0-Abwehr hat die Gastgeber vor erhebliche Probleme gestellt, konstatierte der Schweizer.

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Überzeugender Auftritt während der Pressekonferenz in der Krollmann Arena: Eisenachs Coach Misha Kaufmann.

Keeper Erik Töpfer pariert über 46 Prozent der Bälle
Zur Pressekonferenz wurde er nach seiner Philosophie vom Handball gefragt. Und er beeindruckte! Mucksmäuschenstill wurde es im vollbesetzten Saal.

Der Mensch ist die zentrale Baustelle. Es geht um Raum, Zeit und Druck, um eine doppelte Überzahl zu schaffen, um Positionierung, um Passwege zustellen. Ich habe in Eisenach eine junge und lernwillige Mannschaft vorgefunden. Sie hat inzwischen verinnerlicht, mit Spaß und Leidenschaft zu verteidigen. Das alles wächst, erklärte Misha Kaufmann.

Wie gut bereits, das zeigten seine Schützlinge an diesem Abend. Die geringe Gegentorezahl war ein deutlicher Beleg.

Wer nur 19 Tore wirft, hat kaum die Chance zum Sieg, erklärte Stefan Neff, der Coach von Eintracht Hagen.

Er bekannte, mit Eisenachs standardmäßiger 5:1-Abwehr gerechnet zu haben. Die Gäste aus Thüringen seien zu abgezockt gewesen.

Eine Partie, die von beiden Abwehrreihen mit zwei guten Torhütern geprägt wurde. Eisenachs Keeper war freilich einen Tick besser. Die Abwehr vor ihm hielt unseren starken Rückraum in Schach, konstatierte Pavel Prokopec, der Co- und U 23-Trainer von Eintracht Hagen, von 2008 bis 2010 für den ThSV Eisenach am Ball.

Ein im zweiten Abschnitt 6 Treffer markierender Valentin Spohn war für die Hausherren zu wenig, um die Wartburgstädter aus dem Gleichgewicht zu bringen. Deren Trainer nutzte die ganze Breite seines Kaders. Er variierte im Angriff und in der Abwehr.

Unser Plan ist aufgegangen. Unsere kurzfristig besprochene 6:0-Abwehr war wohl der Schlüssel zum Erfolg. Malte Donker, Ivan Snajder und Peter Walz kochten größtenteils den Rückraum der Hausherren ab. Alle haben einen guten Job gemacht, bilanzierte ThSV-Keeper Erik Töpfer. Nach der guten Leistung beim Heimsieg über die Eulen Ludwigshafen bin ich wohl in Eisenach angekommen, freute sich der im Sommer vom EHV Aue gekommene 25-Jährige, der mit 16 abgewehrten Bällen in Hagen notiert wurde.

Das entsprach einer Fangquote von über 46 Prozent!

Die Absprachen zwischen Abwehr und Torhüter wurden eingehalten. Dadurch war es für beide Seiten leichter. Steht die Abwehr, kann der eine oder andere Fehler im Angriff besser kompensiert werden, befand Malte Donker. Wir lieferten eine überzeugende Leistung ab, strahlte Marko Grgic, der Neuzugang aus Saarlouis, nach seinem ersten Pflichtspieleinsatz für den ThSV Eisenach.

Zwischenzeitlich agierte er als Spitze einer 5:1-Abwehr, traf selbst in der 45. Minute zum 18:13 für seine Farben. Auch Kreisläufer Torben Hübke durfte einige Minuten ran.

Meine Einsatzzeiten werden von Spiel zu Spiel mehr, lachte der 20-jährige 2-Meter-Mann.

Robert Krass fehlte in Hagen und wird auch demnächst pausieren müssen. Der junge Linkshänder, von den Rhein-Neckar Löwen zum ThSV Eisenach gewechselt, hat sich im Training die Außenbänder gerissen.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Willy Weyhrauch schließt per Gegenstoß ab.

Fynn Hangstein mal nicht der Shooter
Die Partie zeigte, der ThSV Eisenach kann auch ohne viele Tore seines Top-Shooters Fynn Hangstein siegen. Der 22-jährige Rückraumspieler stellte sich vollends in den Dienst der Mannschaft, versenkte die drei seinem Team zuerkannten Siebenmeter sicher, zirkelte zuzüglich das Leder zum 21:16 für seine Farben in den verwaisten Hagener Kasten (53.), erfüllte seine Rolle im Rückraum und in der Abwehr bestens. Linkshänder Willy Weyhrauch, per Gegenstoß oder im Positionsangriff von Rechtsaußen, netzte bei 7 Versuchen 5 Bälle ein. Rückraumspieler Jannis Schneibel ließ sich von Fehlwürfen nicht entmutigen, wurde am Ende mit 5 Treffern notiert.

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Daniel Hideg energisch in Hagen.

ThSV Eisenach will im Heimspiel gegen die Marmeladenstädter nachlegen

Beim im Sommer noch einmal personell nachrüstenden VfL Eintracht Hagen war ein Sieg nicht unbedingt zu erwarten. Beeindruckend, wie unser Team über einen längeren Zeitraum eine 6:0-Abwehr praktizierte. Wir haben 60 Minuten ausgesprochen clever gespielt. Man hatte im zweiten Abschnitt nicht das Gefühl, das Spiel noch aus der Hand zu geben. Ausdrücklich möchte ich mich bei unseren 15 Fans in der Krollmann Arena bedanken, die am Ende mehr zu hören waren als die restlichen 715 Zuschauer, bilanzierte Rene Witte. Am kommenden Samstag wollen wir im Heimspiel gegen den VfL Lübeck-Schwartau nachlegen, hoffen auf eine stimmungsvolle Kulisse in unserer Werner-Aßmann-Halle, fügte der Eisenacher Manager hinzu.

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Malte Donker energisch im Angriff.

Nach knapp einer Viertelstunde letztmaliger Gleichstand
Die Eisenacher kassierten nach nicht einmal vier Minuten ihre zweite Zeitstrafe, doch nach der 3:2-Führung der Gastgeber (5.) errichteten die Wartburgstädter in verschiedenen Formationen ihr Abwehrbollwerk, bremsten die Rückraum-Kanoniers Pouja Norouzineshad und Philipp Vorlicek entscheidend aus. Beiden gelang nur je 1 Treffer. Mit seiner ersten Ballberührung hämmerte der eingewechselte Daniel Hideg eine Freiwurfablage zum 3:4 ins Netz (10.). Fynn Hangstein bediente Ivan Snajder zum 3:5 (11.). Nur beim 5:5 (14.) leuchtete nochmals ein Gleichstand an der Anzeigetafel. Willy Weyhrauch schloss eine Ballstafette zum 5:7 ab (17.). Beim Stand von 8:9 verhinderte Erik Töpfer den möglichen Ausgleichstreffer. Willy Weyhrauch (auf Vorlage von Alexander Saul) und Jannis Schneibel (mit Maßarbeit aus zentraler Rückraumposition) trafen zum 8:11-Pausenstand.

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Jannis Schneibel in Hagen.

Exzellente Abwehrarbeit und besonnene Angriffszüge
Den „Wackler“ nach Wiederbeginn zum 10:11 (33.) einschließlich drei Treffer von Valentin Spohn im zweiten Abschnitt warfen die Kaufmann-Schützlinge nicht aus dem Gleichgewicht. Ihre exzellente Abwehrarbeit paarten sie mit besonnenem Spielaufbau, „reizten ihre langen Angriffe aus“, wie Hagens Trainer Stefan Neff analysierte. Wechselnde Abwehrformationen stellten sein Team immer wieder vor neue – und kaum zu lösende Aufgaben. Willy Weyhrauch schloss einen Konter zum 13:16 ab (40.). ThSV-Keeper Erik Töpfer blieb im Duell mit Theo Guenter Buergin Sieger (43.). Kurz zuvor hatte Jannis Schneibel mit energischem Einsatz auf Zuspiel von Alexander Saul zum 13:17 vollendet. Marko Grgic (zum 13:18. / 45.), Alexander Saul (zum 14:19, 49.) und Jannis Schneibel (zum 15:20/ 52.) sorgten für das 5-Tore-Plus. Eine heftig umstrittene Zeitstrafe gegen Abwehrchef Philipp Meyer ließ di9e Eisenacher nicht straucheln. Erik Töpfer kaufte dem freien Tilman Pröhl eindrucksvoll das Leder ab (56.). Mit verwandeltem Siebenmeter zum 17:22 (58.) machte Fynn Hangstein den ersten Auswärtssieg (im zweiten Auswärtsspiel) perfekt.

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Ein besonderer Gruss von der Tribüne der Krollmann Arena an Jannis Schneibel.

Statistik
Eintracht Hagen: Paske, Grzesinski; Buergin (1), Norouzinezhad (1), Pröhl (2), Schmidt, Renninger, Klein, Voss-Fels (1), Vorlicek (1), Spohn (6), Gaubatz (2), Stüber (2), Stefan, Toromanovic, Busch (3/2)
ThSV Eisenach: Töpfer, Jepsen; Reichmuth, Hübke, Hangstein (4/3), Ulshöfer, Walz, Grgic (1, Hideg (2), Tokic, Meyer, Donker (1), Schneibel (5), Snajder (2), Weyhrauch (5), Saul (3)
Zeitstrafen: Eintracht Hagen 4 x 2 Min. – ThSV Eisenach 5 x 2 Min.
Siebenmeter: Eintracht Hagen 2/2 – ThSV Eisenach 3/3
Schiedsrichter: Völkening/ Zollitsch
Zuschauer: 730

Th. Levknecht

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