ThSV Eisenach verzaubert seine über 2.000 Fans

Wartburgstädter bejubeln 33:24 (17:11) -Erfolg über die HSG Nordhorn-Lingen • Fynn Hangstein setzt sich mit 12 Treffern an die Spitze der Torjägerliste der Liga

Die im Vorfeld von beiden Seiten erwartet „enge Kiste“ wurde eine klare Sache für den ThSV Eisenach. Die Wartburgstädter, ohne den verletzten Ante Tokic, überrollten die HSG Nordhorn-Lingen mit 33:24 (17:11), verzückten ihre über 2.000 Fans, halten im Aufstiegsrennen Kurs. Die Schützlinge von Misha Kaufmann zeigten sich bestens gerüstet für das anstehende Liga-Spitzenspiel (am Sonntag, 23.04. 2023 um 17.00 Uhr) beim punktgleichen Dessau-Roßlauer HV, der am Freitagabend bei Tabellenführer HBW Balingen-Weilstetten mit 32:31 erfolgreich war.

Die Gäste fanden gegen unsere Abwehr kaum Lösungen. Im Angriff trumpften wir kreativ und effizient auf, fasste Peter Walz die Partie zusammen.

Der ThSV-Kapitän überzeugte einmal mehr in Angriff und Abwehr.

Dass wir uns so eindrucksvoll aus unserem kleinen Tief der letzten Wochen befreien, damit hatte keiner gerechnet, bekannte Eisenachs Rückraumspieler Fynn Hangstein, der sich mit seinen 12 Treffern an die Spitze der Torjägerliste der Liga ballerte, nun bei 191 eingenetzten Bällen steht.

Die Gäste vermochten Eisenachs temposcharfes Angriffsspiel nur auf Kosten von 8 Siebenmetern zu stoppen. Fynn Hangstein verwandelte alle variantenreich, auch gegen Bart Ravensbergen, einen der besten Torhüter im deutschen Handballunterhaus, nächste Saison bei Erstligist Frisch Auf Göppingen. Das Torhüterduell ging ohnehin an Eisenachs Johannes Jepsen, der die Atmosphäre im Thüringer Handballtempel in seinem viertletzten Heimspiel in vollen Zügen genoss. (Er beendet 23-jährige seine Profi-Karriere und studiert ab dem Herbst Medizin.). Nach dem Abpfiff war der „große Blonde“ von Autogrammjägern umlagert.

Daniel Hideg überzeugt als Abwehrchef
Daniel Hideg übernahm an diesem Abend vortrefflich die Rolle des Abwehrchefs.

In den letzten Wochen hatte ich wenig Einsatzzeiten. Umso mehr freue ich mich, dass heute vieles gut geklappt hat, dass ich wieder in einen Flow finde. Sicherheit findet man vor allem über Einsatzzeiten, erklärte der Eisenacher Rückraumspieler.

Zwei gute Abwehrchefs zu haben, sei eine vortreffliche Sache, betonte ThSV-Coach Misha Kaufmann mit Blick auf Philipp Meyer und Daniel Hideg. In den letzten Wochen habe der Focus nicht ausschließlich auf Handball gelegen.

Das war nicht optimal, berichtete der Eisenacher Coach. Jede Mannschaft bricht mal etwas ein. Wer aufsteigen will, muss da durch. Ich habe nicht an unserer Mannschaft gezweifelt, betonte Misha Kaufmann zur Pressekonferenz. Das war heute eine famose Leistung unserer gesamten Mannschaft im Duell Dritter gegen Fünfter, das war ein guter Tag für den Eisenacher Handball, strahlte Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte.

Mehrfach rollte die Laola über die Traversen der Werner-Aßmann-Halle, wurde das „Oh, wie ist das schön“ angestimmt. Thüringens Nationalhymne, das Rennsteiglied, wurde nach dem Anpfiff inbrünstig intoniert….

Gegenstoßtreffer und Tore durch Einläufer
Ähnlich wie vor zwei Wochen in Dessau, das Zwei-Städte-Team wurde regelrecht überrollt, war dem Tempo nicht gewachsen. Der körperlich präsente Deckungs-Innenblock schien heillos überfordert.

Die Niederlage geht auf meine Kappe. Ich habe mein Team nicht ausreichend auf die Partie in Eisenach vorbereitet. Wir hatten massive Probleme in der Abwehr, uns unterliefen zudem 17 technische Fehler, fand HSG-Trainer Daniel Kubes erstaunlich selbstkritische Worte.

Bei Einläufern schien seine Abwehr im Tiefschlaf. Fynn Hangstein passte zum sich an den Kreis gemogelten Rückraumkollegen Malte Donker beim 23:15 (43.). Malte Donker wurde etwas später ähnlich von Jonas Ulshöfer bedient und es hieß 27:16 (47.). Der von Linksaußen eingelaufene Ivan Snajder netzte zum 29:19 ein (53.). Zahlreiche Eisenacher Treffer resultierten aus Gegenstößen nach Ballgewinnen. Willy Weyhrauch stibitzte sich das Leder und vollendete selbst zum 13:7 (21.). Ein Ballgewinn von Peter Walz war Ausgangspunkt für den Gegenstoßtreffer von Fynn Hangstein zum 15:8 (24.). Willy Weyhrauch angelte sich den Ball, passte diesen zu Fynn Hangstein, der zum 25:15 verwandelte – und die erste Laolo über die Traversen der Werner-Aßmann-Halle auslöste.

Fynn Hangstein sicher vom Strich
Zu Beginn war Feuer unter dem Hallendach. Auch, weil die Referees gegen Eisenachs Ivan Snajder schon nach 5 Minuten die zweite Zeitstrafe verhängten. Doch Eisenachs Abwehr stoppte hernach mit fairen Mitteln die Angriffsversuche der Gäste aus Niedersachsen. Diese waren, weil tempomäßig überfordert, in der Wahl ihrer Mittel (insbesondere gegen Jannis Schneibel) nicht wählerisch, was seinen Ausdruck auch in 8 verhängten Strafwürfen fand. Fynn Hangstein verwandelte vom Strich zum 6:2 (10.) und seinen bereits 5. Siebenmeter zum 10:7 (16.). Das war zugleich das Signal für die Gastgeber mit Nachdruck zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Zaghaft und fehlerbehaftet, auch mit etwas Pech (bei Holztreffern) trudelten die Gäste frühzeitig in Richtung Niederlage. Beide Torhüter, Björn Buhrmeister (bis zur 11. Min.) und Bart Ravensbergen, fanden nicht die richtige Einstellung, wurden von ihren Vorderleuten freilich in Stich gelassen. So sehr sich Markus Stegefelt im Angriff mühte, Eisenachs Defensive hatte zumeist alles im Griff. Und hinter der Eisenacher Abwehr stand ja auch noch Johannes Jepsen. Eisenachs Malte Donker bediente Peter Walz zum 14:8 (22.). Daniel Hideg schloss über die rechte Seite zum 17:9 ab (28.).

ThSV Eisenach zieht souverän seine Kreise
Der Versuch eines Aufbäumens auf Seiten der HSG Nordhorn-Lingen glich nach Wiederbeginn dem „Sturm im Wasserglas“. Nach dem 18:13 (Wasilewski, 34.) zelebrierten die Wartburgstädter Handball bester Güte. Die Gäste staunten nur. Jannis Schneibel nutzte seine Qualitäten zum 20:14 (38.), 21:14 (39.) und 22:15 (40.).

Längst war es um die Gäste geschehen, befand Eisenachs Kapitän Peter Walz, der sich nach bekannter Art zum 24:15 durchtankte (44.).

Fynn Hangstein erhöhte per Siebenmeter auf 28:17 (51.). Da wollte der eingewechselte Marko Grgic nicht nachstehen, schmetterte den Ball zum 31:21 in die Maschen (56.). Die Eisenacher erlaubten den Gästen aus der Grafschaft ein Aufstocken der Torausbeute. Der Treffer von Lasse Seidel mit der Schluss-Sirene bewahrte die HSG Nordhorn-Lingen vor einer Niederlage im zweistelligen Bereich.

Statistik
ThSV Eisenach: Jepsen (10 Paraden), Gorobtschuk (25.-30. u. 56.-60./ 0 Paraden); Reichmuth, Hübke (1), Hangstein (12/8), Ulshöfer, Walz (4), Grgic (1), Hideg (1), Sousa, Meyer, Donker (2), Schneibel (6), Snajder (1), Weyhrauch (3), Saul (2)
HSG Nordhorn-Lingen: Buhrmeister 1.-11. und bei 1 Siebenmeter/ 0 Paraden); Ravensbergen (7 Paraden); Lindberg (4), Ritterbach (3), Stegefelt (4/1), Terwolbeck, de Boer (1), Firnhaber (1), Seidel (1), Simovic, Possehl (4), Wasielewski (3), Pöhle (3), Kalafut
Siebenmeter: ThSV Eisenach 8/8 (Hangstein verwandelt 3 x gegen Buhrmeister u. 5 x gegen Ravensbergen) – HSG Nordhorn-Lingen 1/1 (Stegefelt verwandelt 1 x gegen Jepsen)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 5 x 2 Min. (Hangstein u. Snajder je 2 x 2 Min., Walz 2 Min.) – HSG Nordhorn-Lingen: 5 x 2 Min. (Simovic 3 x 2 Min. u. Rot 58., Possehl u. Wasielewski je 2 Min.)
Schiedsrichter: Hannes/Hannes
Zuschauer: 2.089
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Walz, Hangstein, Hideg – HSG Nordhorn-Lingen: Stegefelt
Spielfilm: 6:2 (10.), 10:7 (17.), 17:9 (28.),18:13 (34.), 26:15 (46.), 33:24 (60.)

Th. Levknecht

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