ThSV Eisenach vollzieht wichtigen Schritt

für ein weiteres Jahr 1. Handballbundesliga

Wartburgstädter bejubeln 30:27-Erfolg im Kellerduell beim Bergischen HC • Geschäftsführer Rene Witte warnt: „Wir sind noch nicht durch!“

Wir waren emotional und mental voll da, haben den Kampf angenommen, haben uns von nichts verunsichern lassen und die Nerven behalten, konstatierte Marko Grgic.

Der 20-jährige Rückraumspieler des ThSV Eisenach zog immer wieder aus der Distanz ab, steuerte die Nahtstellen der Abwehr der Gastgeber an, markierte selbst 6 Treffer zum 30:27 (16:14) -Erfolg seines Teams im Kellerderby beim Bergischen HC. Die Wartburgstädter vergrößerten mit diesem Doppelpunktgewinn den Abstand zu den Abstiegsrängen auf 5 Zähler.

Wir sind aber noch lange nicht durch. Bis zum Saisonende sind 12 Punkte zu vergeben, der Bergische HC hat sogar noch ein Spiel mehr als wir. Für uns gilt es demütig und hoch konzentriert zu sein, tritt Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte auf die Euphoriebremse.

Die volle Konzentration aller, Mannschaft und des gesamten Umfeldes, gelte den Heimspielen gegen den TVB Stuttgart (20.04.2024) und dem TBV Lemgo Lippe (26.04.2024). Für beide Partien sind noch Eintrittskarten erhältlich.

Um unser großes Ziel Realität werden zu lassen, müssen wir weitere Punkte einfahren, unterstreicht Rene Witte.

Manuel Zehnder auch in der Crunchtime nervenstark

Meine ehemaligen Mannschaftskameraden haben fest an sich geglaubt, in der Crunchtime die Ruhe behalten und verließen völlig verdient als Sieger des Parketts, freute sich Daniel Hideg, im Vorjahr mit dem ThSV Eisenach in die 1. Handballbundesliga aufgestiegen, jetzt mit Drittligist TuS Ferndorf an die Tür zur 2. Liga klopfend, inmitten der über 200-köpfigen blau-weißen Fanschar aus Thüringen in der Uni-Halle Wuppertal.

In einem beidseits emotionsgeladenen Spiel haben wir nie den Glauben an uns verloren. Das zeichnet uns schon die gesamte Saison aus. Unsere Aufbauspieler sind konsequent in die Tiefe gegangen, das war ein entscheidender Punkt, ging Eisenachs Rechtsaußen Willy Weyhrauch in die Analyse.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Nervenstark am Punkt: Manuel Zehnder.

Die Abwehrkanten des Bergischen HC wussten sich nicht regelkonform zu wehren. Die sicher amtierenden Unparteiischen Fabian Baumgart und Philipp Dinges sprachen den Eisenachern zehn Siebenmeter zu, von denen Manuel Zehnder neun einnetzte. Manuel Zehnder verwandelte nach der 25:24-Führung der Hausherren (55.) vom Strich zum 25:25 (56.) und 25:26 (58.), tankte sich zum 25:27 durch (59.) und machte mit seinem 12. Treffer zum 26:29 (60.) den Deckel drauf.

In dieser Phase parierte Mateusz Kornecki wichtige Bälle, zollte Willy Weyhrauch seinem Keeper ein Lob.

Zudem, jeder habe konsequent seinen Job erfüllt.

Dadurch haben wir als Mannschaft sehr gut funktioniert, argumentierte der zum Saisonende seine Handball-Kariere beendende Willy Weyhrauch.

Wir profitierten in der Schlussphase von unserem von Minute zu Minute gewachsenen Selbstvertrauen, betonte Marko Grgic.

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Der Bergische HC hielt in der mit 3.000 Zuschauern ausverkauften Heimstätte dem selbst aufgebauten Druck nicht stand. Von einem „Schicksalsspiel“, einem „Endspiel um den Klassenerhalt“, war die gesamte Woche aus Solingen und Wuppertal zu hören.

Trotz der Bedeutung, beide Teams sind ausgesprochen fair miteinander umgegangen, unterstrich Rene Witte.

Die Partie stand lange auf des Messers Schneider. Im Finish waren wir abgeklärter, vielleicht auch ein Stück frischer, resümierte Misha Kaufmann, der Coach des ThSV Eisenach.

Er überraschte die Hausherren, als er phasenweise mit 4 Rückraumakteuren, ohne Kreisspieler, agieren ließ. Misha Kaufmann und das gesamte Team wurden nach dem Abpfiff minutenlang gefeiert. Der ThSV-Coach war sichtlich berührt.

Ja, unsere mitgereisten Fans sorgten für eine uns zusätzlich stimulierende Stimmung, hob Willy Weyhrauch hervor.

BHC-Coach Jamal Naij: Wir trafen zwei bis drei falsche Entscheidungen

Es war ein unfassbar wichtiges Spiel für beide Seiten. Eisenach trat ruhig und clever auf, spielten das, was sie können, und das spielten sie gut, erklärte BHC-Coach Jamal Naji auf der anschließenden Pressekonferenz nach der 11. Niederlage seines Teams in Serie. Wir haben alles, was möglich ist investiert, trafen jedoch zwei bis drei falsche Entscheidungen, ging Jamal Naij in die Analyse. Motivation könne keiner seinem Team absprechen, doch der Energiehaushalt seine eine wichtige Frage gewesen, ergänzte der Trainer des Bergischen HC.

Vor seinem Team stehen nun schwere Wochen. Am Freitag geht es zum Nachholspiel nach Mannheim, zu den Rhein-Neckar Löwen.

© Th. Levknecht
Ein Teil der ThSV-Fans am Sonntag in Wuppertal.

Marko Grgic trifft mit der Halbzeitsirene

Nicht unerwartet, die „Bergischen Löwen“ starteten mit ganz viel Biss. Sie kamen zunächst über die Deckungsmitte zum Torerfolg, netzten zur 7:4-Führung ein (8.). Die Eisenacher stellten um, Philipp Meyer und Mait Patrail standen nun im Innenblock. In Eisenachs Angriff war ständige Rotation angesagt. Die Gastgeber standen ständig vor neuen Aufgaben. Der kleine Yoav Lumbroso zeigte seinen Gegenübern immer wieder die Hacken. Einen an ihm verwirkten Siebenmeter verwandelte Manuel Zehnder zum 7:8 (14.). Der zur Mitte eingelaufene Willy Weyhrauch traf zum 8:9 (15.). Der eingewechselte Simone Mengon startete in Richtung BHC-Kasten durch, wurde regelwidrig gestoppt. Manuel Zehnder verwandelte den fälligen Siebenmeter zum 10:12 (20.). Die Hausherren, mit Tomas Babak, Eloy Morante Maldonado und Yannik Fraatz im Rückraum, erhöhten die Schlagzahl, dem mehrfachen Anschlusstreffer durch Noah Beyer zum 13:14 (26.) und 14:15 (29.) vermochten sie aber nicht den Ausgleich folgen zu lassen. Eisenachs Marko Grgic zog mit Überzeugung zum 14:16-Pausenstand ab.

ThSV-Keeper Mateusz Kornecki pariert zwei wichtige Bälle

Mit Grego Krecic im rechten Rückraum kam noch mehr Power in den Angriff der Gastgeber. Kreisspieler Frederik Ladefoged glich für den BHC zum 16:16 aus (33.). Von der erhöhten körperlichen Präsenz der Gastgeber ließen sich die Eisenacher nicht irritieren, nahmen den Kampf an. Malte Donker wurde regelwidrig gestoppt, Manuel Zehnder versenkte per Strafwurf zum 16:17 (36.). Mit Marko Grgic, Yoav Lumbroso und Malte Donker im Rückraum heizten die Thüringer dem BHC ein. ThSV-Kapitän Peter Walz angelte sich einen Abpraller, ließ sich nicht stellen, versenkte zum 18:20 und wurde vom eigenen Anhang stürmisch gefeiert (42.). Den Eisenachern unterliefen nun Fehler, verhaspelten sich bei einem Tempogegenstoß, scheiterten aussichtsreich an BHC-Keeper Christopher Rudeck. Rückraumspieler Grega Krecic schloss über die rechte Seite zur 21:20-Führung für die Gastgeber ab (47.). Spannung pur war angesagt. Den Treffer von Marko Grgic zum 22:23 (52.) beantworte der BHC durch Grega Krecic und Elay Morante Maldonado zur eigenen 24:33-Führung (54.). Ein Freiwurfablage wuchtete Marko Grgic zum 24:24 ein (55.). In Überzahl schloss der Bergische HC zum 25:24 ab (55.), wähnte sich auf gutem Weg zum so sehnlichst erhofften Sieg. Die ThSV-Fans auf den Rängen erhöhten ihre akustische Unterstützung, das ThSV-Team auf dem Parkett startete, basierend auf einer kompromisslos agierenden Abwehr im Zusammenspiel mit Torhüter Mateusz Kornecki, die Schlussoffensive. Dem Gastgeber unterlief ein technischer Fehler, Mateusz Kornecki parierte zwei Bälle, die Männer von der Wartburg schlossen konsequent zum 25:28 durch Yoav Lumbroso ab (59.). Gegen bereits aufgebende „Bergische Löwen“ besorgte Willy Weyhrauch den Treffer zum 27:30-Endstand.

© Th. Levknecht
Daniel Hideg (re.), im Vorjahr mit dem ThSV Eisenach in die 1. Handballbujndesliga aufgestiegen, jetzt mit Drittligist TuS Ferndorf an die Tür zur 2. Bundesliga klopfend, jubelt mit Qendrim Alaj, dem Kapitän des ThSV Eisenach II, im blau-weißen Eisenacher Fanblock in der Uni-Halle Wuppertal.

Statistik
Bergischer HC: Rudeck, Johannesson; Beyer (6/2), Persson (1), Doniecki, Nothdurft, Krecic (4), M`Bengue, Ladefoged (4), Andersen, Fraatz, Babak (3), Arnesson, Nikolaison , Maldonado (7), Stutzke 2)
ThSV Eisenach: Spikic, Kornecki; Reichmuth, Zehnder (12/9), Patrail, Walz (2). Mengon (1), Grgic (6), Ende. Meyer, Lumbroso (1), Donker (2), Kurch (1), Snajder (2), Weyhrauch (2), Saul (1)
Siebenmeter: BHC 2/3 – ThSV 9/10
Zeitstrafen: BHC 3 x 2 Min. – ThSV 4 x 2 Min.
Schiedsrichter: Baumgart/Dinges
Zuschauer: 3.000

Th. Levknecht

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