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ThSV mit wichtigem Auswärtszähler

Sie lagen sich jubelnd in den Armen: Mannschaft, Trainer, Vorstand und die kleine mitgereiste Anhängerschar des ThSV Eisenach. Im 11. Auswärtsspiel der Saison gelang der erste Punktgewinn auf fremdem Parkett.
Drei Tage nach der 20:38-Schlappe beim Tabellenführer SG Flensburg/Handewitt zeigte sich der ThSV Eisenach von seiner besten Seite, auf die Minute topfit, kämpferisch und spielerisch voll auf der Höhe der richtungsweisenden Aufgabe in der Nordseesporthalle Wilhelmshaven. Ein 25:25 (12:13) war der Lohn. Damit erwies sich die Maßnahme der Eisenacher, Mittwochnacht gleich nach Wilhelmshaven weiter zu fahren, sich Reisestrapazen zu ersparen, vor Ort sich vorzubereiten, als richtig. «Die Investition lohnte sich», freuten sich Günter Oßwald und Detlef Gollhardt, Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident der Wartburgstädter, im hohen Norden.
Für Gastgeber Wilhelmshavener HV gab es vor dem Anpfiff frohe Kunde. Die Etatlücke von 500000 Euro konnte durch einen neuen Hauptsponsor, das Schortenser Unternehmen Nordfrost, geschlossen werden. Der Spielbetrieb ist damit bis zum Saisonende gesichert, die Angestellten (die Spieler) erhielten erstmals wieder Lohn.

In der Stammformation mit Karsten Lehmann im Tor, Karsten Wöhler (Linksaußen), Sergio Casanova (Rückraum links), Danijel Grgic (Rückraum Mitte), Evars Klesniks (Rückraum rechts), Moustapha Taj (Rechtsaußen) und Till Bitterlich (Kreis) übernahmen die Eisenacher ohne einen Angriffs- und Deckungswechsel sofort das Zepter. Kapitän Karsten Wöhler übernahm über 60 Minuten die Sonderbewachung von Wilhelmshavens Regisseur Oliver Köhrmann, an den sogar der HSV Hamburg Interesse zeigt. Damit war die Schaltzentrale der Gastgeber empfindlich geschwächt. Besonnen, ohne Hektik, bauten die Eisenacher ihre Angriffsaktionen auf. Die Hausherren hingegen wirkten nervös, produzierten technische Fehler. ThSV-Keeper Karsten Lehmann sorgte mit mehreren parierten Bällen für zusätzliche Verunsicherung bei Wilhelmshaven.

ThSV-Rechtsaußen Moustapha Taj, mit viel Beifall begrüßt, sprühte an einstiger Wirkungsstätte vor Spielwitz. Er eröffnete den Trefferreigen zum 0:1 (2.), griff in die Trickkiste beim Treffer zum 8:10 (20.), luchste schlitzohrig seinen ehemaligen Teamkollegen das Leder zum 8:11 (22.) und 14:15 (34.) ab. Danijel Grgic und Sergio Casanova ergänzten sich im Rückraum. Casanova traf zum 1:4 (6.) und mit überlegtem Heber zum 3:6 (8.). An Eisenachs konsequenter Deckungsarbeit bissen sich die Hausherren die Zähne aus. Sie zeigte Wirkung. Zvonimir Bilic unterlief ein Schrittfehler, Oliver Köhrmann setzte den Ball neben den Lehmann-Kasten. Doch Eisenachs Sergio Casanova brachte vom Punkt das Leder nicht an Valter Matosevic vorbei (13.). Nach einem abgeblockten Bilic-Wurf versenkte Danijel Grgic zum 4:8 (15.). Die Eisenacher versäumten es aber, das Torepolster zu behaupten oder gar auszubauen. Zwei Wilhelmshavener Konter führten zum 8:9-Anschluss (19.). Karsten Lehmann kaufte im großen Stil Wilhelmshavens Kreisspieler Allan Rasmussen (20.) und Rückraumspieler Jaroslaw Frackowiak (24.) den Ball ab. Zwei Taj-Treffer sorgten für das 8:11 (22.). Nach einem neuerlichen Ballgewinn von Moustapha Taj konnte Sergio Casanova jedoch nicht vollenden (23.). Der eingewechselte Youngster Stefan Kneer traf umgehend zum 10:13 (27.). Doch in die Pause ging es nur mit einem 12:13. «“Zur Halbzeit hätten wir deutlicher führen müssen», ärgerte sich Danijel Grgic.

Der Kroate entschied dann in der zweiten Halbzeit vier wichtige Duelle. Viermal trat er vom Punkt gegen seinen Landsmann und Nationalmannschaftskollegen Valter Matosevic an und blieb immer Sieger. Der 34-jährige 170-fache Auswahlschlussmann lief dennoch zu großer Form auf, war hauptverantwortlich, daß sein Team zum 14:14-Ausgleich (33.) und sogar zur 17:16 Führung (37.) kam. Der WHV-Torhüter meisterte reihenweise gefährliche Bälle, selbst aus Nahdistanz (Bitterlich). Angestachelt durch die Leistung ihres Torhüters erhöhten die Gastgeber die Schlagzahl. Moustapha Taj spekulierte zwei Mal falsch, Marco Beers hatte dadurch freie Wurfbahn, wie beim 18:17 (42.). In einer angesichts der Bedeutung von beiden Seiten ausgesprochen fair geführten Partie hatten die Feric-Schützlinge auf den Führungstreffer der Einheimischen stets die richtige Antwort. Wichtig: Sie ließen sich nicht aus ihrem Konzept bringen, verfielen nicht in Hektik. Selbstbewußt suchte der junge Stefan Kneer den direkten Weg zum Tor, markierte selbst zwei Treffer und holte zwei Siebenmeter heraus. Beim 22:24 (50.) hatten die Eisenacher berechtigte Aussicht auf sogar zwei Punkte. Doch da war aber noch der WHV-Keeper, der seinen Kasten nun förmlich vernagelte, in den zehn Schlußminuten sich nur noch einmal, durch Landsmann Danijel Grgic vom Punkt zum 24:25 (54.) bezwingen ließ.

Mit dem Ausgleichstreffer von Marco Beers zum 25:25 (57.) wurde eine turbulente aber trefferlose Schlußphase eingeläutet. Eisenachs Abwehr behielt klaren Kopf, unterband effizient Angriffsversuche in Richtung des nun von Dragan Jerkovic gehüteten Gehäuses. Aber auch selbst konnte nicht zum Treffer angesetzt werden. Wilhelmahaven kam 27 Sekunden vor Ultimo nochmals in Ballbesitz. Karsten Wöhler schritt energisch ein, kassierte von den insgesamt eine überzeugende Leistung bietenden Unparteiischen Fleisch/Rieber eine Zeitstrafe und wegen Reklamierens beim Abgang noch eine „Zugabe“ von zwei Minuten. Da waren noch 10 Sekunden zu spielen. Wilhelmshavens folgender Angriffsversuch wurde prompt auf Kosten eines erneuten Freiwurfes gestoppt. Moustapha Taj nahm mit dem Fuß den Ball ins Seitenaus. Die Schiedsrichter zückten wegen Unsportlichkeit „Rot“. Doch viel wichtiger, dadurch war die Uhr abgelaufen. Vier noch auf dem Parkett verbliebene Eisenacher blockten den noch auszuführenden Freiwurf ab – und durften dann jubeln!

STATISTIK
Wilhelmshavener HV: Matosevic (14 Paraden), Weiner (bei einem Strafwurf); Fegter, Kirschke, Schlich (1), Bilic (3), Beers (6), Rasmussen (2), Vasilakis, C. Köhrmann (2), O.Köhrmann (5/5), Bilanovic (1), Gylfason (2), Frackowiak (3)

ThSV Eisenach: Lehmann (1.-43./ 8 Paraden), Jerkovic (bei 2 Strafwürfen, 43.-60./ 4 Paraden); Taj (6), Kneer (2), Wöhler, Augensen, Ameddah (n.e.), Bitterlich (1), Klesniks (2), Grgic (7/4), Göhl, Casanova (7/1), Sehovic (n.e.)

Siebenmeter: Wilhelmshaven 5/5 – Eisenach 7/5
Zeitstrafen: Wilhelmshaven 2×2 Min.; Eisenach 4×2 Min., Rot für Taj nach Unsportlichkeit (60.)
Schiedsrichter: Fleisch/Rieber (Ostfildern-Veilingen/ Nürtingen)
Zuschauer: 1800

TRAINERSTIMMEN
Michael Biegler (Wilhelmshavener HV):
Nur das Publikum und Torhüter Matosevic haben den einen Punkt verdient. Nach zwei Wochen intensiver Vorbereitung auf das Spiel gegen Eisenach bot meine Mannschaft eine enttäuschende Leistung. In der Anfangsphase ließen wir beste Torchancen aus, entfernten uns völlig von unserem Konzept. Eisenach zeigte die erwartete taktische Einstellung, doch meine Mannschaft setzte die Vorgaben nicht um. Meine Deckung „brannte“ nicht wie die der Eisenacher; darüber wird zu reden sein.
Zlatko Feric (ThSV Eisenach):
Es war ein wichtiges Spiel für beide Mannschaften, für den ThSV Eisenach wohl noch einen Deut wichtiger. Wir haben die demotivierende Leistung vom Mittwoch in Flensburg gut verarbeitet. Unsere Verantwortlichen haben uns einen Verbleib im Norden gewährleistet, uns Reisestrapazen erspart. Wir konnten bestens vorbereitet in dieses richtungsweisende Match gehen. Wir spielten konsequent, taktisch diszipliniert. Mit ruhigem zielgerichteten Spielaufbau suchten wir die Schwachstellen der Gastgeber und setzten zum Torwurf an. Ein Garant des Erfolges war die offensive Abwehrvariante gegen Wilhelmshavens Spielmacher Oliver Köhrmann, von Karsten Wöhler bestens praktiziert. Die gesamte Mannschaft bestach mit einer geschlossenen Leistung. Nach Augenblicken der Freude richtet sich unserer Blick jedoch gleich auf den Mittwoch. Im Heimspiel gegen Stralsund muß ein Doppelpunktgewinn folgen, sonst ist der Punkt aus Wilhelmshaven nichts wert.

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