Anzeige

ThSV – Nach der Pause ging nahezu nichts mehr

Nach den ersten 30 Minuten hatte keiner der 1850 Zuschauer, darunter eine stimmgewaltige blau-weiße Kolonie aus Thüringen, mit einem solch klaren Endergebnis gerechnet. Im modernen TSV Bayer Sportzentrum gefielen die Eisenacher über weite Strecken der ersten Halbzeit mit der besseren Spielanlage. Der 13:13-Halbzeitstand ließ auf eine spannungsgeladene zweite Hälfte zwischen dem Aufstiegsaspiranten Bayer Dormagen und dem ThSV Eisenach schließen. Doch es wurde eine einseitige Angelegenheit für die Gastgeber. Die Wartburgstädter bissen sich an der aggressiven Abwehr der Hausherren nahezu sämtliche Zähne aus. Die nicht zimperlich zu Werke gehenden Dormagener, von den Schiedsrichtern Brandt/Veit (Vlotha/Kalletal) mit viel Langmut und Nachsicht bei rüden Attacken unterstützt, profitierten von der besser besetzten Wechselbank bei ihrem kraftaufwendigem Abwehrspiel. «Wir schlossen unsere Angriffszüge zu früh ab, eröffneten Dormagen Tempogegenstoß auf Tempogegenstoß», resümierte ThSV-Coach Zdenek Vanek.
Beim 23:17 (46.) hatte der Favorit die Weichen gestellt. Wieder einmal war es in einer Partie gegen den ThSV Eisenach, dass der Ex-Suhler Matthias Reckzeh im Bayer-Gehäuse zu großer Form auflief und damit nachdrücklich seine Vertragsverlängerung rechtfertigte. Der gerade 33 Jahre gewordene Keeper will mit Bayer Dormagen zum Abschluss der Saison in die 1. Bundesliga. «Ein Torhüter ist natürlich nur so gut wie die Abwehr», gab der Torhüter die Komplimente an seine Vorderleute weiter. Der 33:23-Sieg über Eisenach unterstreicht die Aufstiegsambitionen. 17:1 Heimpunkte stehen in der laufenden Saison zu Buche.
Ohne den verdienten Erfolg von Bayer Dormagen in Frage zu stellen, haderten die Wartburgstädter mit der Leistung der Unparteiischen. Ihre Aufgabe, die Gesundheit der Spieler zu schützen, wurden sie wohl kaum gerecht. Als Zdenek Vanek dies zur Pressekonferenz versuchte anzusprechen, erntete er höhnische Publikumsreaktionen. Der rüde Griff in den Wurfarm von Zbynek Vesely (21.) schrie förmlich nach einer roten Karte. (Krisztian Szep-Kis sah nach einer ähnlichen Aktion im Pokalspiel gegen Bietigheim sofort Rot.) Als Andrej Kastelic beim Wurfversuch die Beine weggezogen wurden, blieb der Pfiff der Männer in Schwarz gar vollends aus (49.).Und selbst der Schlag auf die Schläfe von Zbynek Vesely blieb für den Sünder ohne Folgen (54.). Der Rechtsaußen des ThSV Eisenach ging mit starken Kopfschmerzen und Verdacht auf Gehirnerschütterung in den Jahreswechsel.

Die Wartburgstädter gingen trotz mehrerer Handicaps respektlos und couragiert in die Partie. Bereits der Start in Eisenach war mit Tücken: Der Mannschaftsbus hatte bereits vor dem Erreichen der Katzenaue eine Panne. Ein Ersatz musste ran. Die Abfahrt verzögerte sich um 45 Minuten. Auf dem Parkett in Dormagen mussten die Eisenacher auf Tomas Sklenak verzichten. Seine Oberschenkelverletzung ließ einen Einsatz nicht zu. Stefan Kneer, praktisch aus dem Krankenbett geeilt, nahm vorerst auf der Bank Platz. Andrej Kastelic konnte nur mittels schmerzstillender Spritze auflaufen. Stephan Mellack übernahm die Regierolle, kurbelte von Beginn eifrig das Spiel an. Im 19-jährigen Till Riehn hatte er im linken Rückraum einen tatendurstigen Mitstreiter. Ballstafetten zu allen drei Kreispositionen waren das probate Mittel, um die offensive 4:2-Abwehr der Hausherren auszumanövrieren. Das gelang bestens. «Wir suchten diszipliniert unsere Chance», zollte Zdenek Vanek seinen Mannen für die erste Halbzeit Lob. Nur regelwidrig vermochte Dormagen die Eisenacher Werfer zu stoppen. Im Stil eines Routiniers versenkte Till Riehn alle vier Strafwürfe bis zum Pausenpfiff. «Seine Formkurve zeigt wieder nach oben. Ich hoffe, er überwindet langsam sein Tal, findet zu der Leistung vom Saisonbeginn zurück», merkte Zdenek Vanek zu Till Riehn an. Selbstbewusst traf er vom Punkt zum 6:6 (16.), was gleichzeitig sein 5. Treffer bis dahin war. Zbynek Vesely, zuletzt arg gescholten, brillierte mit Kaltblütigkeit und Geradlinigkeit beim Torwurf von Rechtsaußen. Die favorisierten Gastgeber lagen beim 7:8 (Szep-Kis, 18.) gar in Rückstand. Doch sie kamen immer wieder zu einfachen Treffern aus dem Rückraum. Eisenachs gesamte Defensivabteilung machte da keine gute Figur (12:10, 25.). Dank der Treffsicherheit von Zbynek Vesely ging es mit einem 13:13 in die Kabinen.
Dormagen kam mit neuem Schwung aus den Kabinen. Kapitän Peter Sieberger machte als «Wadenbeißer vor der Abwehr» Eisenachs Offensivabteilung das Leben schwer. Statt ruhig zu spielen, suchten die Eisenacher überhastet den Abschluss. Kastelic, merklich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, vermochte nicht die gewohnten Impulse zu setzen. Der eingewechselte Stefan Kneer versuchte zwar sofort mit seiner bekannten und ihn auszeichnenden Dynamik aus dem Rückraum für Furore zu sorgen, doch mit einem fiebrigen Infekt in den Gliedern gelang dies trotz allen Wollens nicht. Dormagens Abwehr setzte die Stoppzeichen. Was dennoch in Richtung Bayer-Gehäuse kam, fand in Matthias Reckzeh einen dankbaren «Abnehmer». Nun produzierte auch Till Riehn Fehlabspiele. Dormagen konterte die Thüringer zum 23:17 (46.) aus. Ein zum gegnerischen Kreis marschierender Tomas Sklenak wurde beim ThSV Eisenach besonders in dieser Phase vermisst. Dormagen hielt das laufaufwendige Abwehrspiel konsequent durch, wechselte dafür ohne Substanzverlust kräftig durch. «Unser großes Spielerpotenzial, unsere gut gesetzte Bank ist in jedem Spiel und auch im gesamten Saisonverlauf ein klares Plus für uns», freute sich Bayer-Coach Kai Wandschneider. So richtig in Fahrt zauberten die Dormagener nun gar für die Ränge. Drei Flieger-Tore, wie von Alexander Koke zum 29:19 (53.), wurden mit reichlich Beifall bedacht. Nahezu jeder Ball zappelte im ThSV-Kasten. Die zweiten 30 Minuten gingen mit 20:10 an Bayer Dormagen.
Der ThSV Eisenach geht trotz der Niederlage mit Optimismus in das neue Jahr. 21 Pluspunkte und Tabellenplatz 6, das hatte dem neuformierten jungen Team mit Trainerdebütant Zdenek Vanek vor dem Saisonstart keiner zugetraut. Rückschläge, wie die zweite Halbzeit in Dormagen, sind einzukalkulieren. «Die Arbeit mit den jungen Burschen macht Spaß. Die Chemie in der Mannschaft stimmt. Jeder, ob 17 oder 34 Jahre, ist ein gleichwertig wichtiger Teil», unterstrich Zdenek Vanek, ehe er seine «Schäfchen» in einige wohlverdiente Urlaubstage entließ. «Ich hoffe, die Zeit reicht, um alle Verletzungen und Blessuren auszukurieren, damit wir ab 9. Januar mit frischem Schwung wieder starten», blickt Zdenek Vanek in das neue Jahr. «Hausaufgaben» haben freilich alle mitbekommen, denn ab 9. Januar steht täglich zweimaliges Training auf dem Programm.
Trainer und Mannschaft ist es zu Beginn des neuen Jahres wichtig, allen Anhängern, allen Sponsoren, allen Freunden des ThSV Eisenach für ihre Treue im vergangenen Jahr zu danken und beste Wünsche für eine gemeinsame erfolgreiche Rückrunde zu übermitteln!

STATISTIK
Bayer Dormagen: Reckzeh, Kurth (bei einem Siebenmeter); Wisotzki (1), Breuer (6), Koke (2), Meyer (2), Duin (5), Laurencz, Sieberger (2), Wernicke, Jonannsen (5), Tesch (3), Lochtenbergh (4), Landsberg (3)
ThSV Eisenach: Lehmann, Nositschka (n.e.); Ladyguine (1), Weiß, Riehn (7/5), Emmelmann, Dau (1), Mellack (2), Baumgarten, Vesely (5), Kastelic (1), Szep-Kis (3), Liebetrau (n.e.)

Zeitstrafen: Dormagen 3×2 Min. – Eisenach 4×2 Min.

Anzeige
Anzeige
Top