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ThSV triumphiert im Erzgebirge

Wann hat es das gegeben? Minuten nach dem Abpfiff musste die gesamte Mannschaft des ThSV Eisenach noch einmal auf das Parkett. «Wir wollen die Mannschaft sehen», skandierten die mit dem vollbesetzten Traditionsbus der KVG Eisenach angereisten Anhänger aus der Wartburgstadt in der Erzgebirgshalle in Aue-Lößnitz. Mit einem überraschend klaren 31:40 (19:19)-Auswärtserfolg im Traditionsderby zwischen dem EHV Aue und dem ThSV Eisenach verzückte die ThSV-Crew ihre Fans. «Im Angriff sahen wir das Beste, was die Mannschaft in dieser Formation jemals gezeigt hat», war Runar Sigtryggsson, der Spielertrainer des ThSV Eisenach, voll des Lobes. Von Danjiel Grgic vortrefflich eingeleitet, zogen die Eisenacher einen Angriffspower auf, dem die Gastgeber besonders im zweiten Abschnitt nahezu hilflos gegenüberstanden. Danjiel Grgic, von der «Last» der Kapitänsrolle befreit, brachte sein ganzes Repertoire an handballerischer Finesse in den Dienst der Mannschaft ein, öffnete bei seinen 10 (!!) Feldtoren die Trickkiste. Der zuletzt mehrfach gescholtene Regisseur demonstrierte mit seinen Kollegen, wie schön Handball sein kann. «Von Links- bis Rechtsaußen haben alle prächtig mitgespielt», unterstrich Runar Sigtryggsson nach dem Abpfiff. Er selbst kam mit Beginn der zweiten Halbzeit für Abwehraufgaben auf das Parkett. Mit dem von ihm initiierten Angriffs- und Deckungswechsel, Philipp Karbe und Runar Sigtryggsson selbst lösten über weite Strecken in der Defensive Krisztian Szep-Kis (8 Tore) und Danjiel Grgic ab, die dadurch ihre Kräfte für die Offensive nutzen konnten, zog in der Defensive merklich Sicherheit ein. «In der zweiten Spielhälfte haben wir angefangen, auch Abwehr zu spielen», flachste Runar Sigtryggsson.
Der ab der 35. Minuten den ThSV-Kasten hütende 17-jährige Simon Herold hatte seinen Anteil an der Stabilisierung der Abwehr. Andrej Kastelic (9 Treffer) demonstrierte seine Klasse erneut in Abwehr und Angriff. Die Entscheidung fiel Mitte der zweiten Halbzeit, als sich die Eisenacher von einem 22:22 (34.) auf 25:32 (47.) absetzten. Aue hatte da fast nur seinen Torschützen vom Dienst, Michal Tonar, entgegenzusetzen. Seine 12 Treffer konnten die Niederlage nicht abwenden, die den EHV Aue weiter in den Abstiegssog ziehen.
«Neun Endspiele in Sachen Klassenerhalt stehen uns bevor», unterstrichen Rüdiger Jurke und Klaus Müller, Urgesteine des Auer Handballs, jetzt Manager und Trainer, den Ernst der Lage. Beim Unternehmen Klassenerhalt begleiten den EHV Aue die besten Wünsche aller Eisenacher, damit es auch im nächsten Spieljahr zu diesem ewig jungen «Ostschlager» in der 2. Bundesliga kommt. Zukunftsorientiert in den Schlussminuten vor 1100 Zuschauern die Eisenacher Formation mit den Youngstern Till Riehn, Robert Weiß, Philipp Emmelmann, Stefan Kneer und Simon Herold. Der 17-jährige Robert Weiß setzte mit seinem Treffer zum 40:31 den Schlusspunkt unter eine famose Leistung des ThSV Eisenach.
Die erste Halbzeit war so richtig nach dem Geschmack aller Zuschauer; 38 Tore binnen 30 Minuten, gleichmäßig verteilt. Beide Trainer runzelten angesichts des Abwehrverhaltens ihrer Mannschaften freilich die Stirn. Die Auer, bei denen der Ex-Eisenacher Alexander Urban ab der 6. Minute an seine Stammposition am Kreis rückte, zeigten sich hinsichtlich der offensiven Deckungsvariante der Gäste während der ersten Spielhälfte gut gerüstet. Beim ThSV Eisenach nahm bis kurz vor dem Halbzeitpfiff Philipp Emmelmann die Kreisposition ein. Ronny Göhl, mit Reserven in der Chancenverwertung, traf zum 2:5 (8. Min.). Krisztian Szep-Kis, für den Philipp Karbe in der Abwehr kam, schmetterte zum 3:6 (9.), Stefan Kneer zum 4:7 (12.) ein. In Unterzahl traf Krisztian Szep-Kis zum 6:9 (14.). Aues sonstiger großer Rückhalt im Tor, Andreas Bayerschmidt, bekam keine Hand an den Ball und verließ frühzeitig sein Gehäuse. Mit Michael Hilbig im Tor verwandelten die Hausherren einen 10:13 Rückstand (19.) in eine 18:16 Führung (27.), auch weil ihre Tormaschine Michal Tonar schier nach Belieben traf. Nun mit Havard Augensen am Kreis gewann der ThSV-Motor zusätzlich an Fahrt. Er besorgte auch den Ausgleichstreffer zum 19:19.
Zur Halbzeitpause hatte sich Runar Sigtryggsson die Trainingshose ausgezogen und griff für Defensivaufgaben selbst ins Geschehen ein. Nach vorne war der Angriffsturbo mit Grgic und Szep-Kis nicht zu stoppen. Mit verwirrenden Kombinationen und präzisem Abschluss hetzten die Thüringer die Einheimischen von einer Verlegenheit in die andere. «Wir kamen kaum zu Kontertoren, markierten unsere Treffer überwiegend durch unsere spielerische Überlegenheit», bilanzierte Runar Sigtryggsson. War Danjiel Grgic am Ball, stockte den Auern merklich der Atem. Schlitzohrig traf er zum 19:21 (32.). Dank Michal Tonar und Clemens Kurzweg blieb der EHV Aue zunächst dran. Nach dem 22:22 (34.), dem letztmaligen Gleichstand, übernahmen die Eisenacher auf dem Parkett und die mitgereisten Fans auf den Traversen klar das Kommando. Havard Augensen konnte nur regelwidrig gestoppt werden, Andrej Kastelic versenkte vom Siebenmeterpunkt zum 24:27 (41.). Er nahm sich in der Abwehr nun Michal Tonar an. Im Duell zweier «alter Füchse» engte der 33-jährige Eisenacher den 34-jährigen Torjäger Nummer 1 der 2. Bundesliga in seinem Aktionsradius merklich ein. Kastelic war zudem vom Punkt erneut eine «“Bank». Danjiel Grgic und Krisztian Szep-Kis tummelten sich nach Herzenslust, stillten ihren Torhunger. Szep-Kis ließ auch dem dritten eingesetzten Auer Schlussmann zum 25:29 (43.) und 25:32 (47.) keine Chance. Mit technisch feiner Klinge bediente Danjiel Grgic am Kreis Havard Augensen, der zum 26:34 (52.) verwandelte. Der vierte Auswärtssieg der Saison war den Eisenachern nicht mehr zu nehmen. Der junge Simon Herold untermauerte sein Torwarttalent, krönte seine Leistung mit einem gehaltenen Siebenmeter. Nahezu akrobatisch verwertete Philipp Emmelmann eine «Zucker-Vorlage von Danjiel Grgic zum 30:39 (57.), bevor dann nahezu die gesamte Jugend ran durfte.
Die Eisenacher revanchierten sich für die bittere Heimniederlage aus der Hinrunde. Danjiel Grgic, der Mann oftmals zwischen Kreis- und Weltklasse, war an diesem Tag letzteres, weil einfach genial!

STATISTIK
EHV Aue: Bayerschmidt, Hilbig, Klaus; Hätterich (1), Urban (2), Serafimovics (2), Meinhardt (3/1), Diener (1), Kurzweg (7), Charlaton (3), Tonar (12/5), Swat
ThSV Eisenach: Lehmann (1.-35.), Herold (35.-60.); Kneer (5), Sigtryggsson, Karbe, Augensen (3), Weiß (1), Riehn, Emmelmann (2), Latchimy, Grgic (10), Göhl (2), Kastelic (9/6), Szep-Kis (8)
Zeitstrafen: Aue 3×2 Min.; Eisenach 5×2 Min. (Rot für Karbe 60. nach 3. ZS)
Siebenmeter: Aue 8/6
Eisenach 6/6
Schiedsrichter: Blümel/Lopaschewski (Berlin)
Zuschauer: 1100

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