ThSV: Willy Weyhrauch beendet nach der Saison seine Karriere

Bildquelle: sportfotoeisenach

  1. Handballbundesliga Männer

„Meine Handballzeit war rund.“

Willy Weyhrauch beendet nach der Saison seine Karriere 

Mit Willy Weyhrauch beendet der aktuell dienstälteste Spieler des ThSV Eisenach zum Saisonende seine leistungssportliche Karriere. Er kam im Sommer 2016 von den Füchsen Berlin zum Thüringer Traditionsverein, für den er bisher 330 Pflichtspiele bestritt, in denen er 524 Treffer markierte. 

Wir sprachen mit dem Linkshänder auf der Rechtsaußenposition: 

Sie sind gerade einmal 30 geworden, wollen aber Ihre Karriere schon beenden?

Ich hatte eine wunderbare Handballzeit, aber immer den Gedanken im Hinterkopf, wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt ist. Man soll bekanntlich gehen, wenn`s am schönsten ist. Mit dem Klassenerhalt in der 1. Handballbundesliga verabschiede ich mich gern. 

Haben Sie keinen Spaß mehr am Handball? 

Handball hat mir Spaß gemacht, sowohl in der Jugend als auch später im Männerbereich. Irgendwann ist es aber eben nicht nur Spaß gewesen, sondern auch zeitintensiv, von den körperlichen Problemen ganz zu schweigen. Ich merke zunehmend, dass ich Belastungen nicht mehr so wegstecke, wie das noch in sehr jungen Jahren der Fall war. Ich wollte immer selbst entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Schließlich will ich später noch mit meinen Kindern Ball spielen können. In den letzten Jahren ist vieles zu kurz gekommen. Ich freue mich auf mehr Zeit mit meiner Familie. 

Sie sagten, Sie hätten bei Ihrer Vertragsunterschrift 2016 nicht gedacht, so lange in Eisenach zu bleiben…?

Der Wechsel von den Füchsen Berlin zum ThSV Eisenach sollte der nächste Entwicklungsschritt meiner sportlichen Karriere sein. Ich brauchte als junger Spieler mehr Spielzeit. Aufgrund einer Verletzung und dem bitteren Abstieg in die 3. Liga lief das alles nicht nach Plan. Ich bin geblieben, um den neuen Weg zurück in die 2. und dann sogar in die 1. Bundesliga mitzugehen. 

Wird Ihnen der Mannschaftsport Handball oder auch das Fluidum Werner-Aßmann-Halle nicht fehlen? 

Ich habe die atmosphärischen Eindrücke über Jahre aufgesogen, durfte die Zeit mit vielen inspirierenden Menschen verbringen. Ich plane, auch in Zukunft die Stimmung in der Werner-Aßmann-Halle zu erleben, dann jubelnd im Publikum. 

Was kommt jetzt? Ein vollkommen neugearteter Lebensrhythmus, nicht mehr nach Trainingseinheiten und Spielplänen…?

Ich wollte diesen Schritt, freue mich auf neue Herausforderungen, freue mich auf das Familienleben mit größtenteils frei planbaren Wochenenden. Nach dem Abschluss meines Journalismus-Studiums im Sommer werde ich den Einstieg ins Berufsleben angehen.  

Welche Ziele haben Sie auf ihrem neuen beruflichen Weg? 

Das wird was komplett Neues, fernab des gewohnten Sportlerlebens. Einige Erfahrungen und Eindrücke durfte ich bereits über Studium und Praktika sammeln. Das wird eine herausfordernde und spannende Zeit in einer gänzlich anderen Branche. Ich hoffe, mit Informationen zu einem konstruktiven Diskurs und weniger Polarisierung beizutragen. 

Was haben Ihnen 25 Jahre Handball gegeben?

Als 5-Jähriger habe ich mit Handball im Verein angefangen. Ich habe gelernt, eigene Ziele den gemeinsamen unterzuordnen. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden, den Umgang mit Erfolg und Niederlage, Disziplin, Bewusstsein für Körper und Gesundheit. 

Wie hat sich der Handball in diesen Jahren verändert?

Das Spiel ist unglaublich schnell geworden, die Dynamik hat sich geändert. Videoanalysen bieten großes taktisches Potential, das ist in den letzten Jahren am Beispiel unserer Mannschaft erlebbar geworden. Dazu gehören sicherlich ein versierter Trainer und lernfähige Spieler. Ich bin gespannt, wie sich unser schöner Handballsport in den nächsten Jahren entwickeln wird. 

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Wie fing alles an?

Ich erinnere mich an einen Besuch in einem Sportgeschäft zusammen mit meiner Mama, die damals wie mein Papa selbst Handball spielte und Mannschaften trainierte. Ich durfte meine ersten Hallenschuhe aussuchen und dann ging`s zum Training. Damals noch bei den Minis mit Softball, ohne Kreismarkierung, mit zwei Stangen als Tor auf einem Drittel der Halle.  Den sportlichen Ehrgeiz habe ich schon zuvor beim Kicken mit meinem Bruder im Garten erlebt. Wir haben uns nichts geschenkt. Er spielte schon Handball, ich schaute als kleiner Bruder zu ihm auf und eiferte ihm nach.

Was waren die nachhaltigsten, die schönsten Momente?

Es begann mit dem Kreismeistertitel in meiner Heimatstadt Bad Belzig, über die erste Nominierung für die Landesauswahl Sachsen-Anhalt, die deutschen Meistertitel in Berlin, dem ersten Bundesligaspiel mit den Füchsen Berlin, Europa- und Weltpokal bis hin zu den beiden Aufstiegen mit dem ThSV Eisenach. Ich hätte meinen Eltern gern den Traum erfüllt, dass beide Söhne gemeinsam in einer Mannschaft auflaufen.

Was waren die bittersten Momente?

Die wohl bitterste Zeit waren die ersten beiden Jahre in Eisenach. Zunächst verletzte ich mich am Ellenbogen, im darauffolgenden Jahr stiegen wir in die 3. Liga ab. Der Beginn in Blau-Weiß hätte kaum schlechter laufen können. Glücklicherweise ging es danach bergauf. Schmerzlich war der ständige Abschied von lieb gewonnenen Menschen, was allerdings zum Leistungssport Handball dazu gehört.

Sie spielten untermehreren Trainern…?

Es dürften über die Jahre mehr an zwanzig Trainer gewesen sein. Von jedem durfte ich lernen und bin rückblickend dankbar für die Zeit und Energie, die jeder und jede von ihnen investiert hat. Besonders prägend waren Katrin Wiede bei meinem Heimatverein Bad Belzig, Bob Hanning und Dagur Sigurðsson bei den Füchsen Berlin, Sead Hasanefendic und Misha Kaufmann beim ThSV Eisenach – und einige mehr. Jeder musste meine gelegentlichen Launen ertragen. Ich war sicher nicht einfach und bedanke mich rückblickend bei allen, die das mitgemacht haben. 

Welche Gegenspieler sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Die Spiele mit Matze Musche waren zumindest immer unterhaltsam. Er ist äußerst gesprächig.  Da ging es zwischenzeitlich auf dem Spielfeld auch mal um ganz andere Themen. Aus den Spielen in der 2. Bundesliga bleibt mir Torhüter Denis Klockmann vom VfL Lübeck-Schwartau in Erinnerung. Allein seine Größe ließ das Tor bei Würfen von außen immer sehr stark schrumpfen. 

An welche Mitspieler werden Sie sich noch lange erinnern?

Iker Romero, seinerzeit der älteste Mitspieler bei den Füchsen, war für mich wie eine Vaterfigur. Man konnte sich bei Sorgen immer an ihn wenden. Ähnlich wie Daniel Luther beim ThSV Eisenach. Nicht vergessen werde ich unsere zwei Össis Thomas Eichberger und Daniel Dicker, sowie einige, die im jüngsten Aufstiegsjahr dabei waren, darunter Fynn Hangstein und Jonas Ulshöfer. Gegen Alex Saul spielte ich bereits in der E-Jugend, später im Kampf um die deutsche Meisterschaft im Nachwuchs. In Eisenach trafen wir uns wieder. Gemeinsam erlebten wir in den letzten Jahren Höhen und Tiefen. Das schweißt zusammen. 

Wird Ihnen schon flau, wenn Sie an den 02.06.24, den Tag Ihrer Verabschiedung denken?

Eher Vorfreude. Ich bin bereit, diese Lebensetappe abzuschließen, mit den Fans und der Mannschaft den Klassenerhalt zu feiern. Schon als feststand, dass wir im letzten Saisonspiel auf die Füchse Berlin treffen, stufte ich diese Partie als das perfekte Abschiedsspiel ein. 

Th. Levknecht 

Fotos

– Willy Weyhrauch trifft beim jüngsten Eisenacher Derbysieg in Leipzig – sportfotoseisenach 

– Willy Weyhrauch und ThSV-Pressesprecher Thomas Levknecht (sitzend)  zum Bundesvorlesetag in einem Eisenacher Kindergarten – Foto: Th. Levknecht 

– Willy Weyhrauch 2017 in einem Zweitligaspiel beim VfL Lübeck-Schwartau im Duell mit Keeper Denis Klockmann – sportfotoseisenach 

– Willy Weyhrauch wurde im Vorjahr Papa – Foto: Th. Levknecht 

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