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ThSV: Zu wenig personelle Alternativen

Bis zur 50. Minute hielt der arg ersatzgeschwächte ThSV Eisenach mit vorbildlichem Einsatz den Ausgang der Partie bei der SG BBM Bietigheim völlig offen, doch nach dem 23:23-Zwischenstand zahlte sich die bestens besetzte Wechselbank der Gastgeber aus. «Der schmale Kader der Eisenacher kam uns in diesem Geduldsspiel natürlich entgegen», bekannte Jochen Zürn, der Coach der SG Bietigheim. Der Ausfall von fünf Stammkräften, darunter Rückraum-Turbo Tomas Sklenak (verletzt) und Kreisspieler Benjamin Trautvetter (Magen- und Darm Infekt), vermochten die Thüringer nicht über die gesamte Distanz zu kompensieren.
Geduldiger und beharrlicher Spielaufbau hieß das richtige Rezept des ThSV Eisenach. Pavel Prokopec (9 Treffer) hielt mit seinen Würfen aus dem Rückraum seine Farben lange auf Augenhöhe, doch zuviel lastete auf den Schultern des Eisenacher Kapitäns. Die Abwehr um den erneut sich in bester Form präsentierenden Schlussmann Radek Musil (parierte 20 Bälle, darunter zwei Siebenmeter) fightete vorbildlich, vermochte allerdings den aus dem linken Rückraum durchstartenden Ex-Junioren-Auswahlspieler Robin Haller (8 Treffer) nicht entscheidend zu bremsen. Mit mehr Frische im Schlussabschnitt zogen die Gastgeber vor 1000 Zuschauern vom 23:23 (50.) zum entscheidenden 29:23 (55.) davon, schoben sich mit einem 33:26 (15:14) Erfolg, und damit 9:3 Zähler aus den letzten Begegnung, in der Tabelle an den Wartburgstädtern vorbei. «Im Gegensatz zu den Hausherren waren unsere Alternativen auf der Bank sehr beschränkt. Wir haben vorbildlich gekämpft. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen», so Eisenachs Trainer Maik Handschke, der am Vormittag die Hiobsbotschaft vom Ausfall des mit einem heftigen Virus ringenden Benjamin Trautvetter ereilte. Der Schwarzschopf, in der Vorwoche noch der Matchwinner, wurde an der Kreismitte schmerzlich vermisst. Auch Alexander Schiffner musste wegen eines fiebrigen Infektes passen. Ergo, die Krankenstation des ThSV Eisenach war mit Girts Lilienfelds, Andreas Nositschka, Tomas Sklenak, Benjamin Trautvetter und Alexander Schiffner prall gefüllt. «Mit nur vier Rückraumspielern ist in dieser ausgeglichen Liga nicht erfolgreich zu bestehen», unterstrich Maik Handschke und hofft auf die Lichtung der Krankenstation bis zum nächsten Wochenende, dem Auswärtsspiel beim zuletzt 8:0 Punkte verbuchenden starken Aufsteiger TV Neuhausen (Samstag, 13.03.2010 um 20.00 Uhr).

Keeper Musil als Vorlagengeber
Kontrollierte Spielweise, die Marschroute von Maik Handschke, beherzigten die Eisenacher in der sich fast von alleine aufstellender Formation mit Adrian Wöhler auf Links- und Martin Hoffmann auf Rechtsaußen, Pavel Prokopec im linken und Daniel Luther im rechten Rückraum, Alexander Koke auf der mittleren Aufbauposition und Till Bitterlich am Kreis. Lazar Tosic kam als Wechselspieler im Rückraum, Philipp Lindner für den Kreis zum Einsatz. Nach langer Busfahrt bei erneutem Schneeeinbruch auch in Baden-Württemberg zeigten sich die Eisenacher von Beginn hellwach. Ihr Keeper Radek Musil verdiente sich Bestnoten als Torvorbereiter, mit präzisen Steilvorlagen auf den sprintenden Martin Hoffmann zum 1:2 (2.) und 3:4 (6.) sowie auf Adrian Wöhler (8:8, 13.). Bei den Hausherren zog zunächst der erfahrene Nico Kibat die Fäden, im Spielverlauf durch den jungen Andreas Blodig bestens ergänzt. Beim ThSV Eisenach übernahm Pavel Prokopec die Verantwortung beim Torwurf. Daniel Luther kam nach technischen Patzern nicht richtig in Fahrt, agierte gehemmt. Nach einem Luther-Fehler traf Bietigheims Matthias Hinz zum 6:5 (8.). Die Gastgeber wechselten von Beginn munter durch. Eisenachs Abwehr hatte stets und ständig neue Gegenspieler vor sich. Ruhiges Positionsspiel blieb die Eisenacher Marschroute, doch nach dem 9:9 (14.) verpufften drei ThSV-Angriffe ohne einen möglichen eigenen Führungstreffer. Anders die Gastgeber, die mit Torgefahr von allen Positionen zum 12:9 (23.) und 13:10 (25.), jeweils durch Robin Haller, versenkten. Auch wenn Pavel Prokopec einen Siebenmeter nicht an Bietigheims Torhüter Matthias Lenz vorbeibrachte (25.), die Eisenacher verfielen nicht in Hektik. Pavel Prokopec über die linke Angriffsseite, Alexander Koke per Strafwurf (nach Regelwidrigkeit an Prokopec) und Adrian Wöhler von Linksaußen trafen zum Anschlusstreffer (14:13, 28.). In Überzahl hatte Adrian Wöhler den Ausgleichstreffer auf der Hand, doch sein halbhoher Wurf wurde eine sichere Beute von Schlussmann Matthias Lenz (29.).

Entscheidung erst in den zehn Schlussminuten
Mit einer Zeitstrafe gegen Alexander Koke und mit Volldampf der Gastgeber ging es in die zweite Halbzeit. Die Hausherren erhöhten auf 19:15 (Haller, 35.) und brachten stets und ständig neue Kräfte, damit «Körner» für die Schlussetappe sparend. Klar, angesichts der Personalsituation, die Eisenacher setzten weiterhin auf Tempodrosselung, auf kontrollierte Spiel ohne Hektik, waren damit gut beraten. Ein spektakulärer Kempa-Treffer, vom fliegenden Alexander Koke eingenetzt, führte zum Anschlusstreffer (19:18, 40.). Dann zog Daniel Luther endlich mal aus der Bewegung kommend erfolgreich ab, kassierte Sekunden später von den wenig überzeugenden Unparteiischen Graf/Risch eine Zeitstrafe. ThSV-Keeper Radek Musil blieb im Siebenmeterduell mit Andreas Blodig Sieger und im Gegenzug zischte eine Alexander-Koke-Schlagwurf in Unterzahl zum 20:20-Ausgleichstreffer in die Maschen (44.). Nico Kibat übernahm, nach einer Verschnaufpause, wieder das Zepter bei den Gastgebern, traf selbst per Doppelpack 22:20 (46.). Die Eisenacher hatten (noch) die richtigen Antworten durch den sich endlich einmal von seinen Gegenspielern lösenden Till Bitterlich und einen platzierten Prokopec-Ball zum 23:23 (49.) parat. Doch die Kraftfrage stellte sich akut. Adrian Wöhler scheiterte von Linksaußen. Ein Luther-Ball wurde eine sichere Beute von Bietigheims Torhüter. Alexander Koke unterlief ein Zuspielfehler. Nun ergatterten die Gastgeber auch die zurückspringenden Bälle. Steffen Bühler traf im zweiten Zupacken zum 25:23 (51.). Einen von Radek Musil abgewehrten Ball lochte Matthias Hinz zum 26:23 (53.) ein. Die Gastgeber nutzten die schwindenden Kräfte der Gäste binnen knapp fünf Minuten zur Entscheidung. Pierre Freudl schloss einen Tempogegenstoß zum 28:23 (54.) ab. Dann scheiterte der sich völlig verausgebende Pavel Prokopec. Im Gegenzug brachte Robin Haller, dieses Mal vom Kreis, mit seinem Torerfolg zum 29:23 den Doppelpunktgewinn für die Hausherren unter Dach und Fach. Eine Wende mit den zwei vor der eigenen Deckung agierenden jungen Dachsen Philipp Lindner und Adrian Wöhler gelang den Eisenachern nicht. Philipp Schulz und Matthias Hinz ließen nach Tempogegenstößen dem guten Radek Musil im ThSV-Kasten zum 32:25 (59.) keine Abwehrchance, zelebrierten im Hochgefühl dann einen durch Robin Haller abgeschlossen Kempatreffer zum 33:26-Endstand, der den Spielverlauf über die gesamte Distanz nicht widerspiegelt. Letztlich gab die Besetzung der Wechselbänke den Ausschlag!

Statistik

SG BBM Bietigheim: Lenz, Krotz; Haller (8), Kibat (4/2), Knierim (1), Schäfer (1), Bühler (4), Bauer, Blodig (1), Hinz (5), Freudl (1), Löffler (1), Auer (2), Schulz (5)

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk; Hoffmann (3), A. Wöhler (3), Luther (3), Bitterlich (2), Lindner, Heinemann, Koke (6/1), Tosic, Prokopec (9)

Zeitstrafen: Bietigheim 3 x 2 Min. / Eisenach 2 x 2 Min.

Siebenmeter: Bietigheim 4/2 / Eisenach 2/1

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