Anzeige

Verkehrte Welt beim ThSV Eisenach

Bildquelle: sportfotoeisenach
öllig losgelöst jubelte das Team des ThSV Eisenach nach dem Siegtreffer in allerletzter Sekunde im Auswärtsspiel bei TuSEM Essen

Wartburgstädter bejubelten mit einem 24:23 bei TUSEM Essen ihren 9. Auswärtserfolg/ Magere Heimbilanz soll diese Woche gegen den TuS Ferndorf (Dienstag) und den EHV Aue (Samstag) aufpoliert werden 

Mit einem 24:23 (10:7) -Erfolg am Freitagabend bei Erstbundesliga-Absteiger TuSEM Essen, dem 9. Auswärtssieg der Saison und jetzt 18:14-Zähler auf Reisen, katapultierte sich der ThSV Eisenach auf den 2. Platz in der Auswärtstabelle der 2. Handballbundesliga. Knapp hinter Ligaprimus VfL Gummersbach. In der Heimtabelle werden die Wartburgstädter mit nur 13:13 Punkten auf Rang 18 geführt. Völlig verkehrte Welt beim Thüringer Traditionsverein! Galt er doch stets als heimstark und auswärtsschwach. Selbst die abstiegsgefährdeten Teams vom TV Großwallstadt und Bayer Dormagen entführten kürzlich beide Punkte aus der Werner-Aßmann-Halle. Woran das liegt, eine konkrete Antwort hat auch Peter Walz nicht. Dass zuhause der Druck vielleicht höher ist, will der Kapitän nicht gelten lassen. Dass die zweite Liga so extrem ausgeglichen wie noch nie ist, es keine „Laufkundschaft“ gibt, hat Peter Walz natürlich auch im Hinterkopf. Die mit blutjungen und noch unerfahrenen Spielern auf zentralen Positionen besetzte Mannschaft lerne aus solchen Niederlagen, so Peter Walz, der als 27-jähriger Kapitän immer wieder voran geht. „Mit dem Trainerwechsel im Oktober setzte unsere Auswärtsstärke ein“, sprach Rückraumspieler Daniel Dicker einen aus seiner Sicht wichtigen Aspekt an. In der Summe der Auswärts- und Heimspiele belegt der ThSV Eisenach aktuell mit 31:27 Punkten den 7. Tabellenplatz. 

Zwei Heimspiele binnen weniger Tage 

Diese Woche bietet sich die Gelegenheit, die überaus magere Heimbilanz aufzupolieren. Am Dienstag, 26.04.2022 gastiert um 19.30 Uhr der nicht nur mit dem jüngsten 25:20-Auswärtserfolg beim Tabellen-Zweiten HSG Nordhorn-Lingen für Furore sorgende TuS Ferndorf mit dem Ex-Eisenacher Branimir Koloper als Abwehrchef in der Werner-Aßmann-Halle. Die Nordsiegerländer, lange Zeit im Tabellenkeller festsetzend, stehen nun über dem Strich. „Wir wollen auch in Eisenach punkten“, lässt der inzwischen 36-jährige Branimir Koloper wissen. In der 98. (!!) Auflage des Traditionsderbys empfängt der ThSV Eisenach am Samstag, 30.04.2022 um 19.30 Uhr den die rote Laterne der Liga tragenden EHV Aue. Zwei Partien gegen stark abstiegsbedrohte Teams, in denen – mit Blick auf die jüngste Vergangenheit – bei den Eisenachern höchste Vorsicht und Konzentration geboten sind. „Wir sind bestens aus der kurzen Osterpause gekommen, wollen nun in heimischer Umgebung den Bock umstoßen und punkten, um unsere gute Tabellenposition zu halten“, erklärt Eisenachs Manager Rene Witte. „Mit der Unterstützung hoffentlich vieler Fans wollen wir diese Woche optimal punkten“, schieben Peter Walz und Daniel Dicker nach dem Training am Samstagvormittag nach. Obwohl erst in der Nacht um 2.00 Uhr aus Essen zurück, Trainer Misha Kaufmann rief sein Team bereits um 9.00 Uhr zur ersten Trainingseinheit des Tages.   

Eisenachs 5:1-Abwehr zieht dem TUSEM-Angriff den Stecker

„Wir setzten in Essen ein weiteres Ausrufezeichen“, freute sich Misha Kaufmann nach dem Trip in den Ruhrpott. „Wir boten bis zur 47. Minute eine überzeugende Leistung in der Defensive, im Zusammenspiel zwischen Block und Abwehr, ließen bis dahin nur 14 Gegentore zu, haben alles richtig gemacht“, beschrieb Eisenachs Coach den Spielverlauf bis zur eigenen 21:14-Führung. Ex-Nationalspieler Michael Hegemann, eigentlich Co-Trainer, musste beim Gastgeber kurzfristig für den erkrankten Jamal Naij in die Chefrolle schlüpfen, benannte Eisenachs 5:1-Abwehr mit Fynn Hangstein vorgezogen als Hauptgrund für die eigene schwache Torausbeute bis dahin. „Mit dieser Abwehr bereitete uns der ThSV Eisenach erheblichen Stress“, gestand Michael Hegemann. „In Fran Lucin hatten wir zudem einen starken Keeper“, wollte der frühzeitig mit zwei Zeitstrafen belastete Peter Walz nicht unerwähnt lassen. TUSEM produzierte eine ungewohnt hohe Zahl an Fehlern. „Das hätten wir noch konsequenter ausnutzen können“, gestand Daniel Dicker. Der österreichische Nationalspieler behielt als Abwehrchef des ThSV Eisenach im Innenblock mit seinen Nebenleuten den Durchblick. „Abwehrchef, ja das ist meine zugedachte Rolle, die ich bis zu meinem Wechsel im Sommer so gut wie möglich ausfüllen werde“, erklärte der Rückraumspieler. Kein Geheimnis, er ist mit der Begrenzung seiner Einsätze auf den Abwehrbereich nicht zufrieden.  

Ungeahnte Zitterpartie in der Schlussphase mit Happyend

Bis zur 47. Minute waren die Thüringer das dominierende Team. Wohl keiner der über 1.400 Zuschauer hatte noch eine spannungsgeladene Schlussetappe erwartet. Bis zur 47. Minute waren die Eisenacher das dominierende Team, doch nach dem 21:14 folgte ein 9:2-Tore-Lauf für die Ruhrpott-Sieben. Die Hausherren heizten nun ihrerseits mit einer 5:1-Deckung mit Malte Seidel vorgezogen den Thüringern ein. „Uns unterliefen dumme Fehler, wir kassierten dumme Zeitstrafen“, skizzierte Misha Kaufmann die Phase zwischen der 47. und 60. Minute. Eisenachs 21- und 22-jährige Rückraumspieler zeigten Nerven. Die bis dahin bedepperte TuSEM-Anhängerschaft erwachte. Eine ungeahnte Zitterpartie. „Wir luden die Gastgeber regelrecht zum schnellen Umschaltspiel ein“, konstatierte Daniel Dicker. Die Zeitstrafen gegen Eisenach (insgesamt 8 gegenüber eine für TuSEM) und die Siebenmeter für Essen (8 gegenüber 3 für Eisenach) häuften sich. Der Vorsprung schmolz und schmolz. „Wir verloren völlig den Faden, wurden nach misslungenen Angriffsaktionen durch die Essener Gegenstöße doppelt bestraft“, bilanzierte Peter Walz. Die Hausherren trafen über Rechtsaußen Felix Klinger und Noah Beyer vom Siebenmeter-Strich. Kurz hintereinander war für die Eisenacher Peter Walz (59.) und Ivan Snajder (60.) nach der dritten Zeitstrafe die Partie vorzeitig beendet. Noah Beyer versenkte per Strafwurf zum 23:23-Ausgleich. Die Sporthalle „Am Hallo“ stand Kopf. Da waren noch 34 Sekunden zu absolvieren. Die Eisenacher waren in Ballbesitz. Allerdings in doppelter Unterzahl! Torjäger Fynn Hangstein übernahm Verantwortung, zirkelte praktisch mit der Sirene das Leder aus zentraler Rückraumposition zum Siegtreffer für seine Farben in den TuSEM-Kasten. Sekunden später stürmten seine Mannschaftskameraden auf das Parkett und jubelten völlig losgelöst nach dem Happyend. „Ja, wir hatten auch das Glück des Tüchtigen“, räumte Peter Walz ein. 

Freud und Leid lagen wieder einmal dicht beieinander

„Den Spielverlauf betrachtend, der Eisenacher Sieg ist nicht unverdient, führten die Gäste über weite Strecken. Mit unserem Schlussspurt ergab sich die Chance zum Punktgewinn, doch wir vermochten uns nicht zu belohnen“, konstatierte Michael Hegemann. „So ist Handball. In der Vorwoche kassierten wir in allerletzter Sekunde den Gegentreffer zu einer Niederlage, heute trafen wir in allerletzter Sekunde zum Sieg. Mal ist man Bettelmann, mal König“, erklärte ein aufgekratzter und dennoch von der Schlussphase gekennzeichneter Misha Kaufmann. 

Statistik

TuSEM Essen: Diedrich (1 Tor/ 3 Paraden), Bliss (3 Paraden); Beyer (8/7), Ellwanger (1), Rozman (1), Dangers, Becher, Ignatov, Szczesny (2), Bergner, Müller (1), Firnhaber, Seidel, Maldonado (3), Klingler (6) 

ThSV Eisenach: Lucin (1 Tor/ 10 Paraden), Jepsen (1 Parade); Iffert, Wöhler, Potisk (1), Hangstein (7/2), Ulshöfer (1), Walz (3), Tokic (3), Sousa, Dicker, Donker, Schneibel (4), Snajder (2), Weyhrauch, Saul (2)

Siebenmeter: TuSEM 7/8 – ThSV Eisenach 2/3

Zeitstrafen

TuSEM Essen: 1 x 2 Min. 

ThSV Eisenach: 8 x 2 Min., Rot für Walz (59.) u. Snajder (60.) n. 3. ZS

Schiedsrichter: Katharina Heinz-Hebisch/ Sonja Lenhardt

Zuschauer: 1.411

Anzeige
Top