Vielleicht können wir gleich zum Auftakt einen Großen bezwingen…

Nachgefragt bei Manuel Zehnder vom ThSV Eisenach, der mit der Schweiz am Mittwoch auf Deutschland trifft

Nächste Woche startet die Handball-Europameisterschaft der Männer in Deutschland. Vom ThSV Eisenach wird Rückraumspieler Manuel Zehnder bei diesem sportlichen Highlight mit der Nationalmannschaft der Schweiz dabei sein.

Manuel Zehnder, für diese Saison vom HC Erlangen an den ThSV Eisenach ausgeliehen, führt mit 148 Treffern die Torjägerliste der 1. Handballbundesliga der Männer an. Als torgefährlicher Mittelmann hat er erheblichen Anteil an den 13 Pluspunkten, die den Aufsteiger von der Wartburg mit berechtigten Hoffnungen auf den Klassenerhalt im deutschen Oberhaus die Schwelle zum neuen Kalenderjahr übertreten ließen. Mit Manuel Zehnder stehen weitere 7 Spieler aus der 1. Handballbundesliga der Männer im EM-Aufgebot der Eidgenossen: die Torhüter Nikola Portner (SC Magdeburg) und Leonard Graziolo (HSG Wetzlar) sowie die Feldspieler Samuel Zehnder (TBV Lemgo Lippe, nicht verwandt mit Manuel Zehnder!), Maximilian Gerbl (TSV Hannover-Burgdorf), Lenny Rubin (HSG Wetzlar), Lukas Laube (TVB Stuttgart) und Lukas Meister (SC Magdeburg). Angeführt wird das Team vom inzwischen 40-jährigen Andy Schmid, der in 214 Länderspielen 1070 Tore markierte, von 2010 bis 2022 als Spielgestalter mit den Rhein-Neckar Löwen nationale und internationale Erfolge feierte.

Kurz vor dem EM-Start sprachen wir mit Manuel Zehnder, der mit der Schweiz am im ersten EM-Endrundenspiel am Mittwoch auf Deutschland trifft.
Was erwarten Sie ganz persönlich von Ihrem ersten großen Turnier?
Ich möchte in jedem Bundesligaspiel geilen Handball abliefern und genau das möchte ich auch bei der EM.

Wie sieht die Aufgabenteilung zwischen der 40-jährigen Handball-Ikone Andy Schmid und dem 24-jährigen Manuel Zehnder aus?
Diese wird je nach der Situation erfolgen. Andy Schmid ist natürlich ein sehr erfahrener Spieler. Ich werden wohl für die 1- gegen 1-Situationen und die Schnelligkeit zuständig sein. Er wird wohl sicherlich zuerst auf der Mitte anfangen. Doch es gibt neben Rückraum Mitte ja auch die Position im linken Rückraum. Soll heißen, Andy Schmid und ich können auch gemeinsam auf der Platte stehen. So geschehen beim 37:31-Auftaktsieg beim Yellow-Cup über Rumänien am Donnerstag.

Nikola Portner aus Ihrem Torwartteam sagte: „Individuell sind wir sehr, sehr gut, aber als Kollektiv müssen wir einen Schritt vorwärts machen und zusammenwachsen.“ Wie steht es mit diesem Zusammenwachsen?
Wir haben sehr gute Einzelspieler. Wir müssen diese Qualität bündeln und diese als Team auf das Parkett bringen. Ich sehe uns dabei auf einem guten Weg. Wir haben viel Spaß am gemeinsamen Handballspielen.

Beim Yellow Cup treffen Sie in Vorbereitung auf die EM auf Bosnien- Herzegowina, Rumänien und Argentinien. Wie läufts?
Zum Turnierauftakt, ich erwähnte es ja, bezwangen wir Rumänien mit 37:31. Am Freitagabend gab es einen 39:21-Kantersieg über Bosnien-Herzegowina. Zum Turnierabschluss und zugleich dem Ende der EM-Vorbereitung bezwangen wir Argentinien 35:27. Mit dem Gewinn des Yellow-Cup tankten wir Selbstvertrauen für die nun beginnenden Europameisterschaft.

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Gleich im ersten EM-Endrunden-Spiel trifft die Schweiz auf Gastgeber Deutschland und das vor 50.000 Zuschauern, verspüren Sie einen besonderen Druck?
Wir alle verspüren große Freude auf dieses Spiel. Von besonderem Druck kann keine Rede sein. Vor solch einer Kulisse zu spielen, einfach fantastisch. Wie in jedem anderen Spiel wollen wir auch dieses gewinnen. Unter Erfolgsdruck steht der Gastgeber.

Den Großteil der Spieler auf deutscher Seite kennen Sie aus dem Bundesligaspielbetrieb, ein Vorteil?
Im Umkehrschluss, die Spieler auf deutscher Seite kennen mich natürlich auch. Vor- und Nachteile liegen auf beiden Seiten.

Was muss alles passen, um die DHB-Auswahl zu bezwingen?
Ganz viel. Jeder muss 100 Prozent seiner Leistung abrufen, alles aus sich herausholen. Wir müssen ein Top-Spiel als Kollektiv abliefern.

Die Schweiz spielt in der Gruppe A mit Frankreich, Nordmazedonien und Deutschland. Was erwarten Sie in dieser Gruppe für Ihre Mannschaft? Mit welchem Ziel geht die Schweiz in die EM?
Neben Mazedonien sind wir der Außenseiter in dieser Gruppe. Keiner erwartet von uns ein Weiterkommen. Wir müssen einen Großen und Mazedonien schlagen, um eine Runde weiterzukommen. Einen Großen am besten gleich im ersten Spiel schlagen. Na klar, wir möchten schon gern die Gruppenphase überstehen…

Was trauen Sie der DHB-Auswahl zu?
Wenn wir die DHB-Auswahl gleich im ersten Spiel bezwingen, wird es für sie sehr schwer. Die DHB-Auswahl geht mit einer jungen starken Mannschaft in dieses EM-Turnier, das Pendel kann allerdings auf beide Seiten ausschlagen. Mit dem Plus des Heimvorteils kann die deutsche Nationalmannschaft aber auch weit kommen. Eine Aussage hierzu gleicht dem Blick in die Glaskugel.

Th. Levknecht

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