Wir hatten das Gefühl, das Spiel gewinnen zu können

ThSV Eisenach unterliegt beim TSV Hannover-Burgdorf hauchdünn mit 30:31 (14:14) / Manuel Zehnder verletzt ausgeschieden

Der ThSV Eisenach ist eine Bereicherung für die Liga. Wir sind extrem glücklich über den Sieg, gestand Christian Prokop, von 2017 bis 2020 Trainer der deutschen Handballnationalmannschaft der Männer, seit 2021 Coach des TSV Hannover-Burgdorf.

Die Wartburgstädter unterlagen dem Prokop-Team in der niedersächsischen Landeshauptstadt nur hauchdünn mit 30:31 (14:14).

Diese Niederlage schmerzt sehr. Mit großem Kampf und ganz viel Leidenschaft haben wir auch die Ausfälle kompensiert, sehr viel Gutes umgesetzt, konstatierte Eisenachs Coach Misha Kaufmann.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
ThSV-Kapitän Peter Walz trifft vom Kreis.

Er verlor kurz nach dem Seitenwechsel seinen torgefährlichen Spielmacher Manuel Zehnder mit einer Knöchelverletzung. Gestützt auf Teamkameraden humpelte er vom Parkett. Christian Prokop übermittelte sofort beste Wünsche. Für den ThSV Eisenach war es ein Schock. Fehlt doch mit dem langzeitverletzten Jannis Schneibel bereits der Aufstiegs-Regisseur. Christian Heitkamp, Simone Mengon und Alexander Saul agierten hernach überwiegend im Rückraum. Die Wartburgstädter ließen sich von einem zwischenzeitlichen 2-Tore-Rückstand (40.) nicht von ihrer Linie abbringen, lagen nach Toren von Peter Walz und Simone Mengon beim 22:24 (45.) mit zwei Treffern vorn. Der Favorit wankte. Die knapp 4.000 Zuschauer staunten über den kessen und handballerisch starken Aufsteiger von der Wartburg. Dieser vermochte sich letztendlich aber nicht zu belohnen. Von einer bitteren Niederlage sprach dann auch ThSV-Geschäftsführer Rene Witte.

Wir präsentierten uns taktisch bestens eingestellt. In dieser Liga dürfen wir uns keine großen Fehler erlauben. In den letzten zehn Minuten haben wir zu viele Hundertprozentige ausgelassen, sonst wären ein oder gar zwei Punkte möglich gewesen, bilanzierte Rene Witte, dessen Gedanken bei Manuel Zehnder waren. Wir alle hoffen, es ist nichts Schlimmeres. Konkretes wird eine Diagnose in der Sportklinik Erfurt ergeben, ergänzte Eisenachs Geschäftsführer.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Hier war bei Manuel Zehnder noch alles in Ordnung.

Flexible Abwehr und Konsequenz im Angriff

Wir lieferten eine starke Leistung ab, stellten Hannover mit unserer flexiblen Abwehr unter Druck, schlossen selbst konsequent ab, lagen Mitte der zweiten Halbzeit mit zwei Treffern vorn. Was uns bis zur 50. Minuten ausgezeichnet hat, fehlte uns in den letzten 10 Minuten. Wir waren nicht mehr so konsequent beim Torwurf, uns unterliefen leichte Fehler. Hannover hat davon profitiert, unsere Fehler konsequent bestraft, analysierte Eisenachs Rechtsaußen Willy Weyhrauch.

Kreisspieler Justin Kurch schlug in die gleiche Kerbe:

Wir hatten das Gefühl, das Spiel gewinnen zu können, haben uns in der Schlussphase mit ausgelassenen Torchancen und leichten Fehlern selbst ein Bein gestellt.

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Zwei ausgelassene Siebenmeter gehörten dazu. Darius Quenstedt, der Keeper der Gastgeber, wurde im Finish ein Faktor.

Er und Marian Michalczik haben das Spiel noch für uns umgebogen, gestand Christian Prokop.

Die Partie stand bis zur Schluss-Sekunde auf des Messers Schneide. Nach dem 28:26 (54.) netzten die Eisenacher immer wieder zum Anschlusstreffer ein. Die mitgereisten blau-weißen Fans erhöhten unüberhörbar ihre Phonstärke im weiten Rund der ZAG Arena. Das Eisenacher Team auf dem Parkett kämpfte wie die Löwen, doch Alexander Saul (56.) und Ivan Snajder (58.) scheiterten vom Siebenmeter-Strich (58.), von dem Marius Steinhäuser (8 Treffer aus 9 Versuchen) für die Hausherren traf. U 21-Junioren-Weltmeister Niclas Heitkamp (6 Treffer aus 7 Würfen) lochte beim Stand von 31:29 für die Eisenacher ein, die Hausherren sicherten in den verbleibenden 42 Sekunden den glücklichen Sieg.

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Linkshänder Willy Weyhrauch beim Torwurf.

ThSV Eisenach entwickelt enorm viel Torgefahr

Selbstbewusste Eisenacher sorgten von Beginn für Staunen im weiten Rund. Verschiedene Deckungsformationen stellten die Gastgeber vor erhebliche Probleme.

Eisenach spielte im Angriff sehr diszipliniert, leiste sich keine Fehler, wir kamen nicht zum Gegenstoß, gestand Recken-Trainer Christian Prokop.

Sein Team ging zwar mit 5:3 in Führung (6.), doch die Gäste setzten ihr Konzept beharrlich und erfolgreich um. Abwehr- und Angriffswechsel sorgten für Stabilität. Enorm die Torgefahr. Dem Europapokal-Teilnehmer wurde tüchtig eingeheizt. Deren körperlich präsenter Deckungsinnenblock hatte mehrfach das Nachsehen. Eisenachs Angriffskonzept stach. Willy Weyhrauch verwertete ein Zuspiel von Alexander Saul zum 6:6 (13.). Justin Kurch vollendete vom Kreis zum 7:8 (16.). Ivan Snajder schloss einen Gegenstoß zum 8:10 ab (21.). Manuel Zehnder zirkelte eine Freiwurfablage über die Recken-Abwehrmauer zum 10:12 in die Maschen. Die Gastgeber nutzten die mehrfache Eisenacher Unterzahl. Ihr Keeper Simon Gade traf zum 14:13 für seine Farben aus dem eigenen Kreis in den verwaisten ThSV-Kasten (28.). Alexander Saul sorgte mit seinem Treffer für den 14:14-Pausenstand.

Die Gastgeber nutzten einen Eisenacher Ballverlust, um durch Marius Steinhäuser mit 18:17 in Führung zu gehen. Es folgte die Eisenacher Schrecksekunde mit der Verletzung von Marius Zehnder. Die Eisenacher waren kurzzeitig geschockt, die Hausherren gingen mit 20:18 und 21:19 (jeweils 39.) in Führung. Die Thüringer berappelten sich. Benedict Heitkamp übernahm Verantwortung beim Torwurf, glich im Doppelpack zum 21:21 aus (41.). Die Kaufmann-Schützlinge waren wieder in der Spur. Simone Mengon traf zum 22:24 (44.). Verzweiflungswürfe der Gastgeber verfehlten den THSV-Kasten. Doch den Eisenachern unterliefen leichte Ballverluste. Die Recken nutzten dies zum 26:26-Ausgleich (51.). Für den gerade eine Zeitstrafe absitzenden Ivan Snajder schritt Alexander Saul zur Siebenmeter-Marke – und scheiterte. Recken-Schlussmann Darius Quenstedt wurde im Finish ein entscheidender Faktor, meisterte wenig später auch einen Wurf von Ivan Snajder von Linksaußen (54.). Die Hausherren schlossen konsequent zum 28:26 durch Marian Michalczik ab (54.). Der Erstliga-Aufsteiger fightete bravourös. Alexander Saul (55.) und Justin Kurch (57.) lochten jeweils zum Anschlusstreffer ein. Beim Stand von 31:29 brachte Ivan Snajder einen Siebenmeter nicht an Darius Quenstedt vorbei, der der gefeierte Held wurde. Im 7 gegen 6 markierte Niclas Heitkamp den neuerlichen Anschlusstreffer. Zu mehr reichte es nicht.
Eine grandiose Leistung des ThSV Eisenach blieb unbelohnt. Doch die Wartburgstädter nehmen die Erkenntnis mit, in der neuen Liga auf Augenhöhe mithalten zu können….!

© Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Manuel Zehnder (Mitte) verlässt gestützt auf Teamkollege Alkexander Saul die Halle. Recken-Trainer Christian Prokop (re.) übermittelt Genesungswünsche.

Heimspiel gegen Frisch Auf Göppingen

Zum zweiten Heimspiel der Saison empfängt der ThSV Eisenach im Aufeinandertreffen von zwei Traditionsvereinen am Mittwoch, 06.09.2023 um 19.00 Uhr das Team von Frisch Auf Göppingen. Eintrittskarten im Vorverkauf online unter www.thsv-eisenach.de und in der ThSV-Geschäftsstelle. An der Tageskasse wird ein Aufschlag von 4,00 € je Ticket erhoben.

Statistik
TSV Hannover-Burgdorf: Quenstedt, Gade (1 Tor); Vujovic, Nyfjäll (2), Uscins (7), Steinhäuser (8/2), Michalczik (4), Kulesh, Strmljan (1), Edvardsson (6), Gerbi, Hanne, Brozovic (2), Feise, Ayar, Büchner
ThSV Eisenach: Kornecki, Plaue, Spikic; Reichmuth, Hübke, Zehnder (5/2), Walz (3), Mengon (2), Ende, Heitkamp (6), Meyer, Donker, Kurch (3), Snajder (4/1), Weyhrauch (2), Saul (5)
Zeitstrafen: Hannover 3 x 2 Min. – Eisenach 7 x 2 Min.
Siebenmeter: Hannover 2/2 – Eisenach 3/5
Schiedsrichter: Hurst/Krag
Zuschauer: 3.934

Th. Levknecht