„Wir sind in die Tempofalle gelaufen.“
Viel Selbstkritik beim ThSV Eisenach nach der 23:35 (13:19)-Niederlage bei den Füchsen Berlin
„Für uns war mehr drin als eine 12-Tore Niederlage. Wir haben unsere Linie nicht durchgezogen, sind in die Tempofalle gelaufen. Die Füchse haben dann kurzen Prozess mit uns gemacht“, konstatierte Silvio Heinevetter aus dem Torhüterteam des ThSV Eisenach nach der 23:35 (13:19) – Niederlage der Wartburgstädter bei den Füchsen Berlin. Der ehemalige Nationaltorhüter war von 2009 bis 2020 für die Füchse Berlin am Ball, feierte nationale und internationale Erfolge. Im Team des ThSV Eisenach standen mit Moritz Ende und Max Beneke zwei weitere Spieler mit einer Vergangenheit bei den Füchsen Berlin. Max Beneke war erst kurz vor Saisonbeginn von den Füchsen Berlin zum ThSV Eisenach ausgeliehen wurden. Der Rückraumspieler wurde schon vor der Erwärmung von den Füchse-Spielern mit Umarmungen begrüßt. Er hatte allerdings mit zwei Fehlversuchen eine Aktie daran, dass der ThSV Eisenach alle drei ihm zuerkannten Siebenmeter nicht unterbrachte. Auch Fynn Hangstein vergab einmal vom Strich. Füchse-Keeper Lasse Ludwig brauchte aber nicht einzugreifen, alle drei Bälle landeten am Holz.
Nicht nur Silvio Heinevetter übte Selbstkritik, auch die Verantwortlichen und die Spieler des ThSV Eisenach schlugen kritische Töne an:
Sebastian Hinze, Trainer des ThSV Eisenach: „Ein verdienter Sieg der Füchse Berlin. Wir sind offensiv gut gestartet, gewinnen Zweikämpfe, Stephan Seitz schafft uns Räume. Doch wir lassen Kontertore zu, lassen einen Siebenmeter aus, bekommen den Rückzug bis zur Halbzeitpause nicht organisiert. Mit Wiederbeginn zeigten wir eine Reaktion, standen defensiv gut, mit viel Aktivität, haben den Füchsen sogar etwas Stress bereitet. Silvio Heinevetter pariert da zudem zwei Bälle. Leider war der Rückzug in den letzten 13 Minuten ein Thema, sodass die Differenz auf 12 Tore kletterte. Wir müssen in solchen Situationen zum Verteidigen bereit sein. Die Füchse haben dieses Manko gnadenlos ausgenutzt.“
Maik Nowak, Sportlicher Leiter des ThSV Eisenach: „Das Ergebnis ist zu hoch ausgefallen. Das haben alle gesehen. Doch schon in der ersten Halbzeit kassierten wir zu viele Tore aus Gegenstößen, etwa 10 an der Zahl. Im zweiten Abschnitt stand unsere Abwehr besser, höher und aggressiver. Doch wir ließen 100-prozentige Torchancen aus. Unsere Fehlerquote schnellte noch einmal in die Höhe, was die Füchse gnadenlos bestraften. Unser Rückzug glich im zweiten Teil dem der gesamten ersten Halbzeit. Unsere Mannschaft fährt jetzt doppelt motiviert zum DHB-Pokal-Spiel am Mittwoch nach Minden.“
Peter Walz, Kapitän und Kreisspieler: „Wir haben zu viel verworfen, sind schlecht zurückgelaufen. Da wird es ganz schwer in Berlin. Zurücklaufen, das hat was mit Einstellung zu tun.“
Justin Kurch, Kreisspieler: „Wir sind ganz gut in die Partie gestartet, besonders im Angriff. Unser Hauptproblem, wir bekamen das Tempospiel der Berliner nicht unter Kontrolle. Im zweiten Abschnitt lief die Partie lange pari pari, blieb der 6-Tore-Rückstand. Dann unterliefen uns im Angriff etliche Fehler, die die Gastgeber eiskalt bestraften, zu Gegenstößen nutzten.“
Moritz Ende, Rechtsaußen, von 2021 bis 2023 bei den Füchsen Berlin: „Wir haben die Stärke der Füchse, das Umkehrspiel, zugelassen. Wir haben unsere guten Torchancen nicht genutzt, brachten freie Bälle nicht unter, gerieten bis zur Pause mit 6 Treffern in Rückstand. Da muss sich jeder an die eigene Nase fassen, analysieren, was jeder selbst der Mannschaft noch mehr geben kann. Besonders in der Phase, als aus einem 6-Tore- ein 12-Tore-Rückstand wurde. Aber auch so ein Spiel hat was Gutes. Wir lernen daraus, damit jeder seinen Job besser macht, wir alles es künftig besser machen. Schon am Mittwoch wartet das nächste Pflichtspiel, die Pokal-Aufgabe bei GWD Minden. Wir werden mit dem Messer zwischen Zähnen nach Ostwestfalen fahren.“
Zum Spielverlauf
Per Aufsetzer traf Stephan Seitz zum 0:1 (1. Min.). Die Eisenacher, mit Vincent Büchner auf Links- und Moritz Ende auf Rechtsaußen, Oskar Joelsson, Felix Aellen und Stephan Seitz im Rückraum, Tillman Leu am Kreis und Matija Spikic im Tor beginnend, durften sich beim 2:2 (4.) letztmalig über einen Gleichstand freuen. Beim Stand von 5:4 setzte Max Beneke einen Siebenmeter ans Holz. Kurz traf auch Vincent Büchner nach einem Gegenstoß nur den Pfosten. Die Ausgleichschance gleich doppelt vertan. Felix Aellen steuerte mit ganz viel Einsatz und in die Tiefe gehend immer wieder den an diesem Tag von Lasse Ludwig gehüteten Füchse Kasten an, war mit 6 Treffern auch bester Werfer seines Teams. Die Hausherren, hochkonzentriert und ihre individuellen Qualitäten nutzend, schlossen zum 7:4 ab (12.). Der tatendurstige Fabian Wiede und Welthandballer Mathias Gidsel netzten zum 11:7 ins leere ThSV-Gehäuse ein. Die Hauptstädter, hellwach und schnell auf den Beinen, bestraften jeden Lapsus der Gäste von der Wartburg. Dass Mathias Gidsel nicht zu stellen war, konnte erwartet werden (13:7, 20.). ThSV-Coach Sebastian Hinze beantragte eine Auszeit, brachte neues Personal, Peter Walz am Kreis, Max Beneke und Vukasin Antonijevic im Rückraum, Timothy Reichmuth auf Linksaußen und nach dem 14:8 Silvio Heinevetter ins Tor (22.). Kurz darauf scheiterte Moritz Ende am Holz. Matthes Langhoff, laut seines Trainers einer der Besten des Tages, vernaschte die Eisenacher Abwehr mit 3 Treffern in Folge zum 19:13 (29.). Den 20. Füchse-Treffer verhinderte Silvio Heinevetter.
Mit deutlich mehr Biss kamen die Thüringer aus den Kabinen. Der Deutsche Meister kontrollierte das Spiel. Es schien, er begnüge sich mit dem 6-Tore-Plus. Der Eisenacher Innenblock, nun mit Philipp Meyer und Justin Kurch, sorgte für Abwehrstabilität. Vukasin Antonijevic versetzte die Abwehr der Hausherren, erhöhte seine persönliche Ausbeute auf 5 Treffer. Nach dem 23:18 (42.) brachte Nicolej Krickau, nach dem Erdbeben bei den Füchsen deren Coach, neues Personal. Torhungriges. Die Eisenacher agierten halbherzig, bekamen keinen Zugriff mehr. Auch Mathias Gidsel hatte noch Lust am Torewerfen, er und Lasse Andersson erhöhten auf 29:19 (51.). Lediglich Silvio Heinevetter und Vukasin Antonijevic stemmten sich noch etwas gegen die Hauptstädter, bei denen sich alle Feldspieler in die Torschützenliste eintrugen, Auch der junge Max Günther per Siebenmeter zum 35:23-Endstand. „Wir spielten uns in einen Flow“, freute sich Füchse Coach Nicolej Krickau. Sein Team ist wieder auf Erfolgskurs. In der Champions-League und in der Bundesliga. Die über 8.500 Zuschauer waren jedenfalls happy.
Statistik
Füchse Berlin:
Ludwig (11 P.), Milosavljev; Wiede 3, Darj 2, Andersson 4, Arino 2, Gröndahl 4/2, Gidsel 7, Freihöfer 4/3, Langhoff 3, av Teigum 4, Günther 1/1, Marsenic 1
ThSV Eisenach:
Spikic (2 P.), Heinevetter (8/1 P.); Joelsson 1, Reichmuth 1, Beneke 4, Hangstein, Walz 1, Ende 2, Aellen 6, Meyer, Antonijevic 5, Seitz 1, Kurch 1, Büchner 1, Saul, Leu
Zeitstrafen:
Füchse Berlin 1 x 2 Min. – ThSV Eisenach 2 x 2 Min.
Siebenmeter:
Füchse Berlin 6/7 – ThSV Eisenach 0/3
Schiedsrichter:
Thiyagarajah / Thiyagarajah
Zuschauer:
8.509 (Max-Schmeling-Halle, Berlin)
Th. Levknecht