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Zu oft am Sonneberger Keeper gescheitert

ThSV Eisenach II unterliegt nach packendem Fight in der Spielzeugstadt mit 33:37 (17:21)

Der Sonneberger HV und der ThSV Eisenach II lieferten sich ein rassiges Handballspiel, sehr zur Freude der über 200 Zuschauer in der schmucken Sporthalle „Berufsbildendes Zentrum“. Vor dem Anpfiff hatte der moderierende Hallensprecher „DJ Blaulicht“ erhebliche Mühe, die Namen der Spieler des Gastgebers zu verlesen. Wenige Augenblicke nach dem Anpfiff bemerkten die Referees, dass auf dem Parkett der vorgeschriebene Anwurfkreis mit einem Durchmesser von 4 Metern fehlte. Manuel Müller, der Sonneberger Trainer, improvisierte mit Klebebandstücken.

Die Südthüringer, mit einer Mischung aus Routiniers und jungen Spielern (Durchschnittsalter 28,4 Jahre), vornehmlich ausländischer Herkunft, verdankten den 37:33 (21:17) -Sieg über das im Schnitt gerade einmal 21 Jahre aufweisende Team des ThSV Eisenach II vornehmlich der KIasse ihres 34-jährigen Keepers Borys Kriuchkov, der 20 (!) Bälle abwehrte.

Seine 4 zum Schluss gehaltenen Würfe entschieden letztendlich die Partie, konstatierte Sonnebergs Coach Manuel Müller.

In seinem mit ausländischen Akteuren gespickten Kader sei Deutsch die Umgangssprache.

Alle Spieler wohnen hier, gehen hier zur Schule oder einer normalen Arbeit nach, erläuterte Manuel Müller zum andernorts kritisch gesehenen Sonneberger Projekt.

Zwei rote Karten für Spieler des Sonneberger HV
Basierend auf ihrer individuellen Klasse mit körperlichem Plus sahen die Schützlinge von Manuell Müller beim 25:17 (35.) wie der Sieger aus. Juniorennationalspieler Dino Mustafic hatte gerade einen seiner 10 Treffer markiert. In dieser Phase packten die insgesamt rustikal zu Werke gehenden Gastgeber die Keule aus. Die Eisenacher Julius Brenner und Qendrim Alaj waren die Zielobjekte. Zunächst stoppte Tom Rehm den energisch den Kasten ansteuernden Julius Brenner mit grobem Foulspiel und sah die rote Karte (32.). Wenige Minuten später stoppte Konstiantyn Ustymenko Regisseur Qendrim Alaj mit einem Schlag ins Gesicht, sodass der Eisenacher Kapitän stark blutend zu Boden ging (so auch im Spielprotokoll vermerkt). Für diese Aktion sah der Sünder Rot und Blau, was eine Sperre nach sich ziehen wird. Die Unparteiischen Carsten Klich und Lutz Pfefferkorn meisterten diese Phase souverän, waren der gesamten Partie sichere Leiter; auch wenn die Gastgeber das anders sahen. Nach den zwei roten Karten wurde wieder Handball gespielt.

ThSV Eisenach II egalisiert 8-Tore-Rückstand

Wir ließen uns vom 7-Tore-Rückstand und den Fouls der Gastgeber nicht aus der Ruhe bringen, bewiesen kühlen Kopf. Es spricht für die Moral der Mannschaft, wie wir binnen knapp 15 Minuten zum Gleichstand trafen, vermerkte der von der „Schlacht“ gekennzeichnete Qendrim Alaj.

Sein Team vermochte Überzahlphasen nicht zu nutzen. Mehr noch, in Unterzahl trafen die Gastgeber. ThSV-Coach Daniel Hellwig stellte nach dem klaren Rückstand auf eine 6:0-Abwehr mit zwei offensiven Halben um. Im Verbund mit dem sich prächtig steigernden 17-jährigen Bastian Freitag im Tor stand die Abwehr kompakter, wurde im Angriff resoluter abgeschlossen, Treffer um Treffer verkürzt. Julius Brenner netzte zum Anschlusstreffer (28:27, 47.) ein. Bastian Kemmler stibitzte sich das Leder aus den Sonneberger Reihe und vollendete zum 30:30-Ausgleich (50.). Der gerade das 18. Lebensjahr vollendende Florian Müller besorgte mit seinem 7. Treffer den 33:33-Ausgleich (54.).

Das Momentum lag auf unserer Seite, wir hätten zupacken müssen, konstatierte ThSV-Coach Daniel Hellwig.

Er verstand nicht, weshalb seine Mannschaft nun das Tempo verschleppte. Allerdings, der ThSV Eisenach II brachte nur 7 Feldspieler zum Einsatz, denen möglicherweise zum Schluss die Körner fehlten. ThSV-Keeper Bastian Freitag parierte gleich doppelt gegen den freien Sonneberger Shooter Dino Mustafic (55.). Die drei Treffer von Volodymyr Maslak zum 36:33 (58.) vermochte auch er nicht zu verhindern. Im Angriff vermochten Florian Müller (aus spitzem Winkel) und Hristijan Remenski (vom Kreis) nicht den überragenden Sonneberger Schlussmann zu überwinden. Die Partie war entschieden.

ThSV-Coach Hellwig: „Wir waren nicht kaltschnäuzig genug.“

Wir verlassen erhobenen Hauptes die Halle, unterstrich ThSV-Kapitän Qendrim Alaj, der zwei Siebenmeter ausließ. Wir waren nicht kaltschnäuzig genug. Letztendlich entschied unsere Abschluss-Schwäche. Wir müssen noch abgezockter werden, dann können wir auch gegen Teams wie den Sonneberger HV gewinnen, resümierte Daniel Hellwig, der mit einer 3:3-Abwehr beginnen ließ. Bedenklich, im ersten Abschnitt ließen wir uns von einer wesentlich älteren Mannschaft überrennen, vermerkte der ThSV-Coach.

Mit ihrer körperlichen Präsenz wuchernd trafen die Gastgeber zum 7:4 (9.) und 11:7 (14.). In der überaus torreichen ersten Halbzeit (insgesamt 38 Treffer) spielten die Eisenacher dann mehr über die Außen, trafen zum 12:12 (durch einen „Wackler“ ihres Kapitäns). Qendrim Alaj zog dann gar schlitzohrig zum 12:13 ab (23.). Der aus dem rechten Eisenacher Rückraum energisch in die Tiefe gehendee Nawid Karimi-Zand netzte zum 14:14-Ausgleich ein (24.) ein. (Nach einem Schlag auf den Wurfarm musste der 21-Jährige im zweiten Abschnitt passen.), Die Hausherren brachten neues Personal.

Uns unterliefen in der Abwehr zu viele kleine Fehler. Beim Einläufern schliefen wir, resümierte Daniel Hellwig.

Diese Aussetzer bestrafte der Sonneberger HVC gnadenlos zur 21:17-Führung zur Halbzeitpause und zum 25:17 (35.) nach Wiederanpfiff. Zu oft war beim Sonneberger Keeper Endstation.

Wie wir dann zurück ins Spiel kamen, spricht für die Moral, betonte Daniel Hellwig.

Gern hätte er zumindest einen Zähler mitgenommen. Drin war das…

Statistik
Sonneberger HV: Kriuchkov, Melniychuk; Ustymenko (2), Harmandaroglu, Virich, Ladyko, Maslak (8), Sychov, Untu (3), Mustafic (10/3), Zakharov (8), Bulov (6), Levitskiy, Rehm, Kruichkov
ThSV Eisenach II: Freitag, Büchner; Müller (7), Brenner (4), Urbach, Remenski (2), Stegner, Kemmler (4), Gastrock-Mey (4), Karimi-Zand (5), Lehmann, Q. Aalj (7/2), Katzwinkel
Siebenmeter: HV Sonneberg 3/3 – ThSV Eisenach II 2/5
Zeitstrafen: HV Sonneberg. 5 x 2 Min., Rot und Blau gegen Ustymenko nach grobem Foulspiel (37.), Rot gegen Rehm nach grobem Foulspiel (32.) – ThSV Eisenach: 1 x 2 Min.
Schiedsrichter: Klich/Pfefferkorn
Zuschauer: 220

Th. Levknecht

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