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Zwei rote Karten binnen 6 Minuten waren zuviel

ThSV Eisenach II unterliegt in Ronneburg nach 19:16-Führung noch klar mit 29:36/ Heftig umstrittene rote Karten für Pascal Küstner und Christian Trabert

Es hätte ein glanzvolles Comeback von Torhüter Christian Trabert werden können. Der ThSV Eisenach II führte beim amtierenden Landesmeister 20:17. Christian Trabert war mit bis dato 13 abgewehrten Bällen der große Rückhalt. Ronneburgs stets zweistellig treffenden Rückraumspieler Mirko Alexy waren gerade einmal zwei Feldtore gelungen. Der Eisenacher Keeper und der Ronneburger Torjäger standen sich im Siebenmeterduell gegenüber, frotzelten über die Art des Torwurfes. Mirko Alexy verwandelte. Die Reaktion von Christian Trabert stuften die Schiedsrichter Raimo Füßler und Dennis Schneider als grobe Unsportlichkeit ein, zeigten Christian Trabert Rot und zusätzlich Blau, was eine Sperre zur Folge hat. Mirko Alexy sprang Christian Trabert sofort zur Seite, erklärte den Spielleitern das „Spaß-Duell“. Doch die beiden Herren aus Suhl verstanden keinen Spaß.

Ich habe das Begehren meines Spielers voll mitgetragen, gab Stefan Koska, Trainer des HSV Ronneburg, als Sportsmann zu Protokoll.

Es war die zweite heftig umstrittene rote Karte binnen 6 Minuten für die Männer von der Wartburg. Pascal Küstner, selbst immer wieder harten Körperattacken ausgesetzt, musste nach einer unübersichtlichen Abwehraktion vorzeitig vom Parkett (32.)  Die Referees Raimo Füßler und Dennis Schneider, mit einer neutralen Spielleitung im ersten Abschnitt, waren nach dem Seitenwechsel völlig umgeschwenkt. Das fand seinen Ausdruck nicht nur in den beiden roten Karten,  sondern auch in der Beurteilung von Technik- und Regelfehlern. Nach dem Rot für Christian Trabert rückte A-Jugend-Torhüter John Martin, nach einer im Training zugezogenen Verletzung eigentlich nicht einsatzfähig, ins ThSV-Gehäuse. Gegen die Würfe von Mirko Alexy war er machtlos. Bis zum 25:25, einem von Armend Alaj per Gegenstoß erzielten Treffer, hielt der ThSV Eisenach II die Partie noch offen, doch dann überrollte der von der eigenen Anhängerschaft lautstark angefeuerte HSV Ronneburg die Wartburgstädter zum den Spielverlauf in keiner Weise wiederspiegelnden 36:29 (13:15)-Endstand.

Als aus Spaß ernst wurde – Schiedsrichter ohne Humor

Wir hatten die Gastgeber im Griff. Auch an der Anzeigetafel abzulesen. Als aus Spaß ernst wurde, wurde die Partie gegen uns entschieden. Nicht einmal die blaue Karte wurde zurückgenommen, runzelte der in vielen Handballschlachten gestählte ThSV-Trainer Jörn Schläger die Stirn.

Die Anwesenheit von Thüringens Schiedsrichterchef Lutz Pfefferkorn als Schiedsrichterbeobachter  hat die Entscheidungen der beiden Spielleiter wohl nicht unmaßgeblich beeinflusst. Nach dem Rot für ihren Keeper unterliefen dem ThSV Eisenach – zumindest nach Auffassung der Spielleiter – noch 10 technische Fehler.

Damit waren es in der Summe 21 technische Fehler. Das habe ich noch nicht erlebt, gestand Jörn Schläger.

So sei freilich kein Handballspiel zu gewinnen.

Die Eisenacher hätten bereits zur Pause deutlich führen müssen, machten sich mit ihren Fehlern das Leben selbst schwer. Die rote Karte für den Torhüter war der Knackpunkt. Getragen von unserer Kulisse trumpften wir dann mit Kampf und Leidenschaft auf. Dem waren die ganz jungen Eisenacher Spieler nicht mehr gewachsen, bilanzierte Stefan Koska, der nach dieser Saison die Ronneburger Trainerbank definitiv verlassen wird.

Nach der spielentscheidenden Szene taute Ronneburg Shooter Mirko Alexy auf, schraubte seine persönliche Ausbeute in den zweistelligen Bereich, auf 14 Treffer.

Solch einen Mann für die einfachen Tore hatten wir nicht, konstatierte Jörn Schläger.

Sein Rückraumspieler Christian Lämmerhirt (Sehneneinriss in der Schulter) wurde schmerzlich vermisst. Beim HSV Ronneburg saß der Ex-Eisenacher Christopher Stölzner lediglich als Motiwar auf der Bank. Den 15-Tore-Mann vom Hinspiel zwingt eine Aduktorenverletzung zu einer neuerlichen längeren Handball-Abstinenz.

ThSV Eisenach mit Personalnot auf der Torhüterposition
Mit einem Sieg in Ronneburg und der gleichzeitig völlig überraschenden 32:33-Niederlage von Tabellenführer HBV Jena bei Kellerkind HSG Saalfeld/Könitz hätte sich der ThSV Eisenach II nachhaltig für den Titel bewerben können. Mit nur 6 Minuszählern, bei zwei weniger absolvierten Spielen, liegt der Sonneberger HV (Spielabsage am Samstag)  derzeit bestens im Meisterschaftsrennen. Durch die unterschiedliche Zahl der absolvierten Spiele gibt die Tabelle der Thüringenliga Männer derzeit ein verzerrtes Bild. Trotz Platz 6 ist für den ThSV Eisenach II der Meisterschaftszug noch nicht abgefahren. Der Personalnotstand auf der Torhüterposition verringert die Ambitionen: Lars Kremmer ist erkrankt, Marius Noack und John Martin sind verletzt, Christian Trabert gesperrt. Da ist die sportliche Leitung des neu gewählten Vereinsvorstandes gleich gefordert!  Der ThSV Eisenach ist erst am 18.02.2018 wieder um Punkte gefordert, empfängt dann mit dem SV Hermsdorf ein weiteres Spitzenteam. Schiedsrichter: Klich/Pfefferkorn.

ThSV Eisenach mit kreativem Tempo-Handball
Auf dem gefürchteten Ronneburger Parkett startete eine blutjunge Eisenacher Sieben ausgesprochen selbstbewusst. Kreativer Tempo-Handball war angesagt. Die Feldspieler wurden von Beginn durch einen Keeper unterstützt, der nach langer Handballpause und einmaligem Training sofort wieder seine Klasse demonstrierte. Maximilian Manys, auf Linksaußen mit Licht und Schatten, markierte aus ganz spitzem Winkel das 3:4 (9.). Philipp Emmelmann verwandelte nach Foulspiel an Armend Alaj von der Siebenmeterlinie zum 3:5 (10.). Christian Trabert kaufte im großen Stil dem frei vor ihm auftauchenden Christopher Eisenstein das Leder ab (16.). Daniel Bohrt (am Kreis) und Pascal Küstner (Rückraum) scheuten keinen Zweikampf. ThSV-Coach Jörn Schläger nutzte nahezu alle personellen Alternativen, schickte Qendrim Alaj, Philipp Emmelmann und Armend Alaj für den Rückraum auf das Parkett. Im Positionsangriff, freilich nicht fehlerfrei, wurde auf die Breite gesetzt. Philipp Urbach traf von Rechtsaußen zum 5:8 (12.). Mit zwei wuchtigen Kreisspielern versuchte HSV-Coach Stefan Koska die Dominanz der Gäste zu brechen. Nach einem Ballverlust von Eisenachs Routinier Philipp Emmelmann traf Martin Bäumler zum 9:9-Gleichstand (24.). Die Fehlerquote der Eisenacher im Angriff stieg. Kevin Günther im Kasten der Gastgeber parierte nun mehrfach, vielfach bei Würfen von den Außenpositionen. Nach dem 13:13 (29.) trafen Armend Alaj und der eingewechselte Benjamin Trautvetter (auf Zuspiel von Pascal Küstner) zum 13:15-Pausenstand.

Im Schlussgang war der Widerstand der Eisenacher gebrochen
Nach Wiederbeginn ließ der ThSV Eisenach II keinen Zweifel am Vorhaben, beide Punkte mit unter die Wartburg zu nehmen. Die rote Karte für Pascal Küstner steckten sie noch weg. Noah Streckhardt kam im Rückraum. Die Eisenacher kombinierten zum Kreis, wo der am Vorabend mit 100 % Stimmen in den Vereinsvorstand gewählte Benjamin Trautvetter nur regelwidrig am Torwurf gehindert wurde. Philipp Emmelmann verwandelte alle seinem Team zuerkannten Siebenmeter. Es folgten kurz hintereinander die beiden Knackpunkte der Partie, die Disqualifikationen gegen Pascal Küstner (32.) und Christian Trabert (38.). Die Eisenacher wehrten sich tapfer. Mit einem scharf und präzise in den Torwinkel treffenden Mirko Alexy drehten die Gastgeber die Partie allerdings erst vollends im Schlussgang gegen konsternierende Eisenacher vom 25:25 (50.) zum 33:26 (58.). In Serie tauchten freie Ronneburger vor ThSV-Schlussmann John Martin auf, Rico Stein (7 Treffer) und Martin Bäumler (6) stockten ihre Trefferbilanz auf.

Statistik
HSV Ronneburg: Günther, Weihrauch; Eisenstein (3), M. Beer, Lange, S. Stölzner (2), Alexy (14/4), Stein (7), Bäumler (6), D. Beer (2), Seime (2)
ThSV Eisenach II: Trabert, Martin; Trautvetter (3), Urbach (3), Küstner (2), Emmelmann (8/6), Kleint, Manys (2), A. Alaj (3), Kreutzer (1), Bohrt (2), Baur, Streckhardt (1), Q. Alaj (4)
Zeitstrafen: HSV Ronneburg: 5 x 2 Min., Rot für Lange, 51., n. 3. ZS  /  ThSV: 2 x 2 Min., Rot für Küstner (32.), Rot und Blau für Trabert (38.)
Siebenmeter: HSV Ronneburg 4/4 – ThSV Eisenach II  6/6
Schiedsrichter: Füßler/Schneider
Zuschauer: 220

Andrea T. | | Quelle:

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