Alkohol, Drogen, Medikamente

Beschäftigte im Thüringer Gastgewerbe besonders suchtgefährdet

Die Gefahr einer Suchterkrankung ist in Thüringen für Beschäftigte im Gastgewerbe besonders hoch, am niedrigsten ist sie in den Verwaltungen. Das geht aus dem Morbiditäts- und Sozialatlas des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) hervor.

Demnach sind 255 von 10.000 in dieser Branche tätigen Menschen von einer Suchterkrankung im Zusammenhang mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten betroffen (Bund: 174 Fälle). Die geringste Rate verzeichnen die Auswertungen bei Beschäftigten in Verwaltungen, wo sie bei 116 von 10.000 liegt. Landesweit und über alle Branchen leiden etwa 213 von 10.000 Menschen in Thüringen an einer Abhängigkeitserkrankung, was den bundesweiten Schnitt von 183 je 10.000 um 16 Prozent überschreitet.

Die Dunkelziffer der Suchterkrankungen liegt sicherlich deutlich höher. Wichtig ist, dass Betroffene so früh wie möglich Hilfe in Anspruch nehmen, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen.

Zur Prävention und Früherkennung biete die BARMER auch Unternehmen individuelle Angebote, unter anderem im Arbeitgebernetzwerk „Gesund arbeiten in Thüringen“. Sucht sei keineswegs Willens- oder Charakterschwäche, sondern eine chronische Krankheit, die jede und jeden treffen kann. Werden Beratungsangebote, Unterstützung und Therapie aber frühzeitig genutzt, könne eine Chronifizierung verhindert werden.

In Gera viele, im Eichsfeld wenige Suchterkrankungen

In den Landkreisen Thüringens fallen der Analyse der BARMER zufolge die branchenübergreifenden Raten von Suchterkrankungen sehr unterschiedlich aus. So sind vor allem in den Städten viele Menschen betroffen. In Gera liegt die Rate bei 281 je 10.000, es folgen Weimar (278 je 10.000), Jena (257 je 10.000) und Erfurt (254 je 10.000). Am geringsten sind Suchterkrankungen im Eichsfeld verbreitet, wo 145 von 10.000 Menschen dagegen ankämpfen. Auch im Kreis Sonneberg (164 je 10.000) und Kyffhäuserkreis (166 je 10.000) sind die Raten vergleichsweise niedrig.

Es bedarf tiefergehender Analysen, welche spezifischen Gründe es für diese Unterschiede gibt. Entscheidend ist, dass überall im Land präventive Angebote verfügbar sind, um Suchterkrankungen vorzubeugen, so BARMER-Landeschefin Birgit Dziuk.

Abhängigkeit hat viele verschiedene Ursachen

Abhängigkeit habe viele Ursachen und Ausprägungen. In der Regel entstehe sie durch das Zusammenwirken verschiedener biologischer, psychologischer, psychotraumatologischer und sozialer Faktoren. Die BARMER kläre deshalb umfassend über Risiken von Suchtmitteln jedweder Art auf und informiere patientengerecht über Wege, von einer Sucht loszukommen, so Dziuk weiter. Beispiele für solche Angebote seien etwa zertifizierte Gesundheitskurse zum Thema Sucht oder der Teledoktor, bei dem medizinische Expertinnen und Experten der BARMER Hilfesuchende beraten. Selbsthilfemittel können ganzjährig beantragt werden.

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