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Angekommen in Thüringen

Junge Afghanin lernt in Viernau Friseurin

Zahra Sadat stammt aus Afghanistan. Vor sieben Jahren kam sie mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern aus Mazar-e Sharif nach Eisenach. Dort besuchte Zahra, die im Januar 22 Jahre alt geworden ist, zuerst einen Deutschkurs, um dann zur Schule gehen zu können. Diese beendete sie 2020 mit einem Hauptschulabschluss. Anschließend versuchte sie, noch den Realschulabschluss anzuhängen, entschied sich aber dann doch lieber dafür, eine duale Ausbildung zu beginnen.

Ich habe viele Praktika gemacht – bei einem Rechtsanwalt, in der Kosmetik, beim Friseur und als Verkäuferin. Aber Friseur hat mir am besten gefallen, erzählt Zahra Sadat mit leiser Stimme.

Doch einen Ausbildungsplatz fand sie in Eisenach nicht. Also suchte sie weiter in Südthüringen – und fand den Salon von Bernd Hoffmann und dessen Inhaberin Susi Hoffmann-Neske im Steinbach-Hallenberger Ortsteil Viernau. Friseurmeisterin Susi Hoffmann-Neske und Altmeister Bernd Hoffmann luden die junge Afghanin nach einem kurzen Mail-Wechsel zum Gespräch ein.

Das hat gepasst, erinnert sich Bernd Hoffmann, also haben wir gleich eine Woche Praktikum verabredet. Da ist Zahra jeden Tag von Eisenach her gekommen. Das hat mich sehr beeindruckt, wie jemand so viel Einsatz zeigt. Auch im Beruf – die Zahra sieht alles und macht alles. Darum wollten wir ihr eine Chance geben und bilden sie nun zur Friseurin aus.

Am 1. November 2021 begann Zahras erstes Lehrjahr. Allerdings mit viel bürokratischem Aufwand.

Ich hätte nie gedacht, dass die Jobcenter von Eisenach und Schmalkalden-Meiningen untereinander nicht vernetzt sind. Da musste unsere Frau Sadat alles komplett neu beantragen. Dabei haben wir sie unterstützt, sonst wäre das gar nicht zu schaffen gewesen, berichtet der 71-jährige Friseurmeister. Ich frage mich, wie das im großen Maßstab mit dem Fachkräftenachwuchs aus dem Ausland klappen soll – bei all der Bürokratie.

Auch die Fahrerei fand Bernd Hoffmann auf Dauer zu anstrengend für die junge, bescheidene Frau und schlug ihr vor, sich doch in Steinbach-Hallenberg eine Wohnung zu suchen.

Ich hab‘ schon eine gefunden, antwortete Zahra.

Auch diesmal half Hoffmann weiter und stellte die Kaution.

Hier sind alle sehr nett. Einen Betrieb, der besser ist, gibt es nicht, schwärmt die Auszubildende und wird umgekehrt vom Chef sehr gelobt: Wir brauchen sie im Laden sehr. Die Kunden mögen unsere neue Mitarbeiterin und schätzen vor allem ihre Kopfmassagen.

Zur Berufsschule fährt Zahra Sadat nach Zella-Mehlis. An den Wochenenden besucht sie ihre Eltern in Eisenach. Die 22-jährige ist in Thüringen angekommen und fühlt sich wohl hier.

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