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Chancen & Risiken: Experten-Einschätzung zur geplanten Cannabis-Legalisierung

Cannabis-Legalisierung: Im Koalitionsvertrag der neuen Ampelregierung steht es nun schwarz auf weiß: Der Konsum von Cannabis zu Genusszwecken für Erwachsene soll legalisiert werden. Dieses Vorhaben der Koalition bringt neben Euphorie jedoch auch Verunsicherung in der Bevölkerung mit sich. Welche Chancen, aber auch welche Risiken verbergen sich hinter dem Vorhaben und wie kann der legale Konsum der weltweit am häufigsten konsumierten Droge reguliert und kontrolliert werden?

Unzählige Verfahren vor deutschen Gerichten zeigen es Jahr für Jahr: Wer illegale Drogen erwerben und konsumieren möchte, hat dazu auch in Deutschland genügend Möglichkeiten. Die mit der bisherigen Kriminalisierung verbundenen Folgen, darunter die Belastung für Polizei und Justiz sowie diverse Risiken für die Käufer, sind die wichtigsten Gründe für die nun zur Diskussion stehende Legalisierung von Cannabis: Im Umfeld illegaler Drogen finden oft auch Geldwäsche und andere Ausprägungen der organisierten Kriminalität statt, außerdem ist der Erwerb von Cannabis „auf der Straße“ mit Risiken für die Konsumenten und Konsumentinnen verbunden. Die erworbene Ware ist nicht nur oft gestreckt, sondern auch immer wieder mit abhängigkeitserzeugenden Schadstoffen vermischt, sodass Nutzer möglichst langfristig an die illegalen Vertreiber gebunden werden.

Um dieser Herausforderung entgegenzutreten, strebt die neue Regierungskoalition einen sicheren Zugang zur Droge Cannabis für erwachsene Menschen an. Dies soll über einen kontrollierten Verkauf in zertifizierten Fachgeschäften erfolgen. Dabei soll das Produkt nicht nur geprüft und standardisiert, sondern auch versteuert werden. Frei von Risiken ist der Cannabis-Konsum dadurch aber noch lange nicht: Die Psychologen und Psychologinnen des TÜV Thüringen weisen ausdrücklich darauf hin, dass nur starke Persönlichkeiten über die erforderliche Gesundheitskompetenz zum Verhindern von missbräuchlichem Konsum verfügen. „Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Fähigkeit zur Selbstreflektion und Emotionsregulation oft noch nicht sehr gut ausgeprägt. Hier spielt oftmals auch Gruppendynamik eine Rolle, sodass sich diese Konsumentengruppe nicht ausreichend oder gar nicht vor missbräuchlichem Konsum oder gar einer psychischen Abhängigkeit von der Droge schützen kann. Ein Mindestalter von 25 Jahren würde eine gefestigte Persönlichkeit deutlich wahrscheinlicher machen und auch die Gehirnentwicklung wäre dadurch weniger beeinträchtigt“, meint die Psychologin Katrin Gossow von der Begutachtungsstelle für Rechtspsychologie des TÜV Thüringen.

Die Psychologin des  TÜV Thüringen weist zudem auf die regelmäßige und strenge Überprüfung der Betreiber der Fachgeschäfte und das Fälschungspotenzial bei der reglementierten Ausgabe von Cannabis hin:

Die Händler und Verkäufer legaler Drogen tragen eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Der Gesetzgeber verlangt daher von diesen einen entsprechenden Sachkundenachweis. Neben Drogenberatungsstellen sieht der TÜV Thüringen die Kompetenz zur Schulung von Verkaufspersonal vor allem bei entsprechenden Fachpersonal wie Psychologen oder Sozialpädagogen mit entsprechender Zusatzqualifikation, so Gossow.

Zukünftig soll so sichergestellt werden, dass Klienten hinreichend über mögliche Risiken aufgeklärt und gegebenenfalls auch geschützt werden, um die gesellschaftlichen Auswirkungen möglichst gering zu halten. Auch der TÜV Thüringen möchte seinen Beitrag leisten und die psychologischen Kompetenzen seines Unternehmens bei der anstehenden gesellschaftlichen Veränderung zur Verfügung stellen, damit die erhofften Vorteile der Cannabis-Legalisierung die möglichen Nachteile tatsächlich überwiegen.

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