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Feuchtes Frühjahr, trockener Sommer: Ernteergebnisse in Thüringen fallen regional sehr unterschiedlich aus

Bei der heutigen (1. September) gemeinsamen Erntepressekonferenz mit dem Thüringer Bauernverband in der Roland Mills Ost GmbH in Bad Langensalza präsentiert Agrarministerin Susanna Karawanskij die vorläufigen Ergebnisse der Ernte:

Die Befürchtungen einer Missernte durch die anhaltende Trockenheit haben sich zum Glück nicht bestätigt. Es ist jedoch auch keine gute, sondern beim Getreide eine regional sehr durchwachsene Ernte. Die Futterernte fällt jedoch problematisch aus. Um die Versorgung der Tierbestände im Winter abzusichern, müssen die im Vorjahr angelegten Futterreserven angebrochen und regionale Futterbörsen genutzt werden.

Das Erntejahr war erneut durch Wetterextreme geprägt. Durch reichlich Niederschläge im Winter wurden die Bodenwasservorräte gut aufgefüllt. Das kompensierte teilweise die extreme Trockenheit im Sommer und führte im Vergleich zum langjährigen Mittel zu einer nur leicht unterdurchschnittlichen Ernte. Die wegen der lange andauernden Trockenheit befürchteten schlechten Ernteerwartungen trafen zwar regional begrenzt zu, wurden aber durch gute Ergebnisse in anderen Regionen aufgefangen.

Angesichts der extrem trockenen Sommermonate stehen wir im Gesamtergebnis vor einer passablen Ernte. Die Ergebnisse fallen wieder regional sehr unterschiedlich aus, von Spitzenerträgen bis zum nahezu Komplettausfall. Nur die Maisernte und die Futterproduktion schneiden überregional sehr schlecht ab, bilanziert Ministerin Susanna Karawanskij.

Die Getreideernte liegt leicht unter den Ergebnissen des Vorjahres und des sechsjährigen Mittels. Obwohl die Getreideanbaufläche um fast 10.000 Hektar höher liegt als 2021 ist die Gesamterntemenge mit insgesamt ca. 2,38 Millionen Tonnen etwa 40.000 Tonnen geringer als im Vorjahr. Eine Ausnahme ist erneut die Wintergerste als ertragreichste Getreideart, die mit 77 dt/ha deutlich über dem sechsjährigen Mittel liegt. Die einzelnen Erträge bei der Wintergerste liegen jedoch zwischen 46 und 117 dt/ha und verdeutlichen das Gesamtphänomen der starken regionalen Disparitäten.

Ich begrüße die Entscheidung des Bundes, die zunächst geplante Stilllegung von Ackerflächen ab 2023 zu verschieben. In unsicheren Zeiten brauchen die Agrarbetriebe bei der Produktion unserer Lebensmittel mehr denn je Planungssicherheit. Deshalb unterstützt Thüringen derzeit den Bund aktiv bei der Beantwortung der noch offenen Fragen zum GAP-Strategieplan mit dem Ziel, jetzt kurzfristig die Genehmigung bei der EU zu erreichen, um dann die noch fehlenden Bundes- und Landes-GAP-Verordnungen für die Landwirte bereitstellen zu können. Jeder weitere politische Schritt, der die Auflagenlast für die Landwirte erhöht, sollte dabei vermieden werden, plädiert Ministerin Karawanskij.

In den letzten Jahren treten vermehrt Wetterextreme auf. Die Ernteerträge spiegeln die regional differenzierten und kleinflächigen Niederschlagsverteilungen im Freistaat wider. Das Thüringer Becken gehört in diesem Jahr zu den trockensten Regionen Deutschlands.

Als Folge des fortschreitenden Klimawandels setzt sich die Tendenz zu Wetterextremen fort, sagt die Ministerin. Der Bund muss endlich seine Blockadehaltung bei der finanziellen Unterstützung von Risikovorsorgeinstrumenten für Agrarbetriebe aufgeben. Die Thüringer Landesregierung wird hier weiter auf ein gefördertes Risikomanagement drängen, denn das ist mittelfristig günstiger für die öffentliche Hand, als teure ad-hoc Krisenhilfen.

Die Landesregierung unterstütze Agrarbetriebe dabei, erforderliche Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Produktion an den Klimawandel anzupassen, so Karawanskij. Das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum führt bereits praxisnahe Versuche zu klimaangepassten Anbauverfahren im Pflanzenbau durch, erforscht Methoden zum trockentoleranten Ackerfutter- und Grünlandanbau und zum Management des Bodenwasservorrats für die Bewältigung von Trockenperioden.

Das boden- und wasserschonende Strip-Till-Verfahren wird als Pilotprojekt in Kooperation mit acht Thüringer Agrarbetrieben mit 460.000 Euro gefördert, betont Karawanskij.

Durchwachsene Getreideernte
Mit 70 dt/ha Winterweizen und 51 dt/ha Sommergerste liegt das Niveau 4 bzw. 6 dt/ha unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Weizen hat eine gute Backqualität und erreicht bundesweite Spitzenwerte. Bei der Gerste ergeben die untersuchten Proben dieses Jahr bisher nur zu ca. zwei Drittel Braugerstenqualität. Die Roggenernte ist mit 64 dt/ha gut, bei Triticale gibt es mit 55 dt/ha nur unterdurchschnittliche Erträge.

Sehr gute Rapsernte
Die Rapsanbaufläche in Thüringen ist leicht auf 98.500 Hektar gesunken, nachdem sie im Vorjahr 102.500 Hektar betrug. Dennoch liegt der Rapsertrag mit etwa 36,4 dt/ha deutlich über dem Niveau des langjährigen Mittels (34,4 dt/ha). In diesem Jahr gab es kaum Rapskrankheiten und die Ölgehalte sind gut.

Schlechte Futterernte
Die Mais- und Futterernte ist in diesem Jahr enttäuschend. Während der erste Schnitt bei Ackerfutter und vom Grünland noch mittelmäßig ausfiel, brachten der zweite und der dritte Schnitt wegen der Trockenheit kaum noch Erträge. Durch die sehr gute Futterernte mit hoher Qualität im Vorjahr stehen immerhin Futterreserven zur Versorgung der Tierbestände zur Verfügung.

Das Einrichten von regionalen Futterbörsen zum Aufbau von Versorgungsnetzwerken durch den Thüringer Bauernverband ist eine weitsichtige und hilfreiche Maßnahme, so Ministerin Karawanskij.

Obsternte mit Licht und Schatten
Bei Erdbeeren sind die Erträge enttäuschend und liegen mit 61 dt/ha ein Drittel unter dem Niveau des sechsjährigen Mittels (91 dt/ha). Die Apfelernte wird unterdurchschnittlich prognostiziert, da Ertragsausfälle durch Sonnenbrand bei vielen Früchten drohen. Bei der Kirschernte wurden hingegen gute Erträge erreicht. Beim Wein werden zwar durchschnittliche Ernteerträge, dafür aber mit hervorragender Qualität erwartet.

Den Erntebericht können Sie unter folgendem Link einsehen: https://infrastruktur-landwirtschaft.thueringen.de/fileadmin/Landwirtschaft/07_Pflanzliche_Erzeugung_Gartenbau_und_Sonderkulturen/Erntebericht_2022.pdf

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