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Finale des Wartburg-Experiments

Bildquelle: © Deutsche Bibelgesellschaft
Podiumsrunde „Poesie & Polemik“: Michael Jahnke, Landesbischof Ralf Meister, Yevgeniy Breyger, Senthuran Varatharajah, Iris Wolff, Uwe Kolbe, Thomas A. Seidel, Franziska Nentwig (Wartburg Stiftung), Boris Lochthofen (MDR)

Präsentation der „Wartburg-Tagebücher“

Am Freitagabend, 9. September, fand das Wartburg-Experiment seinen feierlichen Abschluss. Im Palas der Wartburg präsentierten die Schriftsteller Uwe Kolbe, Iris Wolff und Senthuran Varatharajah mit dem Band „Der Augenblick nennt seinen Namen nicht“ – Wartburg-Tagebücher ihre Texte, die während ihres Aufenthalts auf der Burg entstanden waren. Die Buchpräsentation erfolgte im Rahmen der Veranstaltung „Poesie & Polemik“, bei der die Autoren mit Boris Lochthofen, Direktor des MDR-Landesfunkhauses Thüringen, und Yevgeniy Breyger, Gewinner des Lyrikpreis München 2021 ins Gespräch kamen. Das Buch mit Breygers und anderen Beiträgen wurde ebenfalls der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vor der Präsentation brachte Katja Wolf, Oberbürgermeisterin der Stadt Eisenach, ihren Dank für das außergewöhnliche Projekt und die Beteiligung der Wartburg-Autoren zum Ausdruck. In der Stadt habe es gute Tradition, besondere Momente besonders zu begehen, so Wolf. Das goldene Buch der Stadt Eisenach halte solche Momente fest.

Deswegen ist es mir eine Ehre, es nun aufschlagen und unsere drei ganz besonderen Gäste einladen zu dürfen, sich in das goldene Buch einzutragen.

Bildquelle: © Deutsche Bibelgesellschaft
Arno Kleibel (Otto Müller Verlag), Senthuran Varatharajah, Iris Wolff, Uwe Kolbe, Thomas A. Seidel (Internationale Martin Luther Stiftung), Michael Jahnke (Deutsche Bibelgesellschaft)

„Im Anfang war das Wort.“ Bezugnehmend auf Luthers Übersetzung des Johannes-Prologs, könne man den Abend auch unter das Motto stellen „Im Anfang war das Werk“, sagte Thomas A. Seidel, Vorsitzender der Internationalen Martin Luther Stiftung. Schließlich gelte es, zwei Werke zu begrüßen und zu feiern:

zwei Werke, die aus der Beschäftigung mit der Heiligen Schrift in der Übersetzung Martin Luthers und der schriftstellerischen Arbeit des jeweiligen zeitgenössischen Autors beziehungsweise der Autorin entstanden sind., so Seidel.

Bildquelle: © Deutsche Bibelgesellschaft
Lesung von Iris Wolff

Im Zuge der anschließenden Buch-Präsentation der Wartburg-Tagebücher sowie des Lyrikpreis München 2021 stellten die Autorin und die Autoren Auszüge ihrer Texte vor und ergänzten diese um eine eigene kurze Einordnung. Kolbe, Wolff und Varatharajah hatten während ihres Aufenthalts auf der Wartburg im Herbst vergangenen Jahres daran gearbeitet hatten.

Ich habe in meinen vier Wochen Wörter gesammelt, sagte Autorin Iris Wolff über ihre Zeit auf der Wartburg und überschreibt ihre Textsammlung mit dem Titel „Fische fangen – Unterwegs in der Sprache“.

Jeder Satz und jedes Wort sei in dieser Zeit bewusst durchlebt und erfahren worden. Mit Verwandlung, Vorstellungskraft, Chaos und Offenheit stellte Wolff einzelne Begriffe vor.

Ich habe versucht, die 28 Tage der Wartburg in 28 Konglomerat-Steine zu zerlegen, sagt Uwe Kolbe Dabei setzt er die alltagssprachliche Bedeutung für ein Gemisch mit der spezifisch geologischen in Beziehung: Die Gesteinsart „Konglomerat“ bildet die Erhebung, auf der die Wartburg errichtet wurde.

Die Texte Kolbes stehen folglich unter dem Titel „Das Wartburg-Konglomerat“.

Luther sagte 1521 in Worms, dass er nichts widerruft, so Senthuran Varatharajah.

Auf Iris Wolff bezugnehmend und mit Blick auf seinen Aufenthalt auf der Wartburg genau 500 Jahre nach Luther ergänzt er:

Ich habe hier Wörter verloren und immer, wenn ich schreibe, widerrufe ich alles.

Seine Texte kreisen vor allem um eine Passage aus Dantes Komödie und einen Vers aus den Klageliedern.

Die Wartburg-Tagebücher zeigen uns heute eindrücklich, dass das Experiment erfolgreich war, sagt Michael Jahnke, Leiter des Bibelprogramms der Deutschen Bibelgesellschaft. Allen dreien ist es gelungen, die Bibel mit diesem besonderen Ort, seiner Geschichte und unserer Gegenwart ins Gespräch zu bringen.

Bildquelle: © Deutsche Bibelgesellschaft
Senthuran Varatharajah, Iris Wolff, Uwe Kolbe

Im Zuge des Wartburg-Experiments hatten sich die Eichendorff-Preisträgerin Iris Wolff, der Heinrich-Mann-Preisträger Uwe Kolbe und der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger Senthuran Varatharajah auf einen ungewöhnlichen Versuch eingelassen: An authentischer Stätte direkt neben Luthers Schreibstube residierten sie Ende des vergangenen Jahres für jeweils vier Wochen auf der Wartburg. Dort führten sie einen inneren Dialog mit Luthers Bibel und verfassten jeweils einen literarischen Text. Zusammen sind die Beiträge nun im Band „Der Augenblick nennt seinen Namen nicht“ – Wartburg-Tagebücher bei der Deutschen Bibelgesellschaft und dem Otto Müller Verlag in Vertriebskooperation mit dem Wartburg Verlag erschienen.

Im zweiten Teil des Abends kamen die Autorin und die Autoren gemeinsam mit Boris Lochthofen, Direktor des MDR-Landesfunkhauses Thüringen, unter dem Thema „Poesie & Polemik“ ins Gespräch, sprachen über den besonderen Schreibprozess auf der Wartburg, ihr Verhältnis zu Sprache und dem Übersetzen. Durch das Rundgespräch führten Frau Burghauptmann Dr. Franziska Nentwig von der Wartburg Stiftung und Ralf Meister, Landesbischof der Evangelischen Kirche Hannovers und leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Das Wartburg-Experiment wurde realisiert von der Internationalen Martin Luther Stiftung und der Deutschen Bibelgesellschaft in Medienpartnerschaft mit dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und dem Mitteldeutschen Rundfunk und in Kooperation mit der Wartburg Stiftung, der Stadt Eisenach, der Stiftung Lutherhaus Eisenach, dem Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und dem Kulturbüro der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das Wartburg-Experiment wurde gefördert durch den Freistaat Thüringen, Staatskanzlei.

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