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Fortschritte beim Aktionsplan Wald 2030ff: „Wir schützen unsere Wälder vor dem Klimawandel“

In der gestrigen (26.5.) Kabinettsitzung stellte das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft den Umsetzungsstand des „Grünes Herz Thüringen – Aktionsplans Wald 2030ff“ vor.

Die Folgen des Klimawandels beeinträchtigen unsere Wälder erheblich. Die Landesregierung sieht es als ihre wichtigste Aufgabe an, die vielfältigen klimatischen, ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Funktionen der Wälder zu erhalten. Wir investieren große Summen in mehr Personal und geeignete Technik, damit wir den Wald gegen den Klimawandel wappnen und ihn vor Trockenheit, Waldbränden sowie Schädlingen schützen können, erklärte Forststaatssekretär Torsten Weil im Nachgang.

Der Aktionsplan enthält unterschiedliche Maßnahmen, von denen die meisten bereits schrittweise umgesetzt werden. Zunächst werden die Waldschäden beseitigt. Dabei ist das Land auf die Unterstützung der insgesamt 180.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in Thüringen angewiesen.

Gemeinsam mit den privaten und kommunalen Waldbesitzerinnen und -besitzern haben wir noch eine Chance, den Schädlingsbefall erfolgreich einzudämmen und die Wälder in Thüringen langfristig gegen den Klimawandel zu wappnen. Die Waldbesitzerinnen und -besitzer spielen eine entscheidende Rolle bei der Schadensaufarbeitung und beim Waldumbau. Für diese landesbedeutsame Aufgabe brauchen sie unsere finanzielle und logistische Hilfe, so Weil.

Über zwei Förderrichtlinien, die weitere finanzielle Mittel für zahlreiche forstwirtschaftliche Maßnahmen zur Schadensbekämpfung vorhalten, stehen 2020 in Thüringen rund 20 Mio. Euro für die Waldbesitzerinnen und -besitzer bereit. Die Richtlinien sind bei Bedarf an neue Entwicklungen anpassbar. Im Jahr 2020 wurden bisher insgesamt mehr als 6,8 Mio. Euro über die beiden Förderrichtlinien bewilligt. Damit die Förderanträge schnell bearbeitet werden können, erhielt die Bewilligungsstelle mehr Personal. Bereits 2019 wurden mit der »Soforthilfe Kommunalwald« insgesamt 10 Mio. Euro an 530 waldbesitzende Kommunen zur Schadensbekämpfung zugewiesen.

Weil weist darauf hin, dass wegen des Schadensausmaßes die Länder auf Unterstützung des Bundes angewiesen sind:

Thüringen wird sich im Ergebnis des Nationalen Waldgipfels 2019 beim Bundesforstministerium weiterhin dafür einsetzen, dass bei der Ausgestaltung der künftigen Bundesförderung, die Waldbesitzer mit einer Unterstützung von mindestens 547 Mio. Euro in den nächsten 4 Jahren rechnen können.

ThüringenForst – Kompetenzzentrum für Waldumbau

Die Landesforstanstalt nimmt als untere Forstbehörde eine zentrale Funktion bei der Umsetzung des Aktionsplans Wald 2030ff ein. Durch eine flächendeckende Organisation und ein enges Netzwerk ist die ThüringenForst AöR die wichtigste Kooperationspartnerin für private und körperschaftliche Waldbesitzer.

Die Landesforstanstalt ist unser Thüringer Kompetenzzentrum für zukunftsfähige Wälder. Auf den Flächen der Landesforstanstalt wurden seit Mitte 2018 zum Beispiel 1,2 Mio. Pflanzen ausgebracht. Für ihre systemrelevanten Aufgaben braucht die ThüringenForst AöR jetzt und perspektivisch ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen. Die erfolgreiche Umsetzung des Aktionsplans Wald 2030ff ist nur mit einer leistungsstarken Landesforstanstalt zu erreichen, sagt Forststaatssekretär Weil.

So testet die Landesforstanstalt aktuell auch innovative Verfahren zur bodenschonenden Holzernte, deren Förderung in diesem Jahr auf 480.000 Euro deutlich aufgestockt wurde. Dazu zählen der Einsatz kleiner bodenschonender und selbstfahrender Forstraupen sowie eine neuentwickelte, kleine Holzrückemaschine aus Südthüringen, die aktuell im Testbetrieb eingesetzt wird.

Aufgrund der Schadenssituation hat der Gesetzgeber die reguläre Finanzierung der Landesforstanstalt um bis zu 16 Mio. Euro bis 2022 angehoben. Somit wird gewährleistet, das ThüringenForst seine wichtigen Aufgaben zum Waldschutz unter erschwerten Bedingungen wahrnehmen kann. Für die erfolgreiche Umsetzung des Aktionsplan Wald 2030ff berät und unterstützt die Landesforstanstalt die Waldbesitzerinnen und -besitzer bei der Schadenbeseitigung und beim Waldumbau, forscht praxisbezogen zur Anpassung der Thüringer Wälder an den Klimawandel und entwickelt eine klimaresiliente Baumartenauswahl für zukunftsfähige Wälder. Auf die angespannte Situation auf dem Holzmarkt reagierte die Landesforstanstalt bereits 2018 zügig mit einem Stopp von Frischholzeinschlag für Fichte im Staatswald und später auch für Buche in den Hauptschadgebieten.

Mit der Umsetzung des Aktionsplans Wald 2030 bereits erfolgreiche Ergebnisse erzielt:

  • Die Zahl der Waldmessstationen für das Umweltmonitoring wurde auf 15 erhöht und das erfasste Datenspektrum ausgeweitet.
  • Drohnen werden eingesetzt und Satellitendaten ausgewertet, um Schadflächen und die Baumvitalität besser bewerten zu können.
  • Zum schnelleren Transport des Schadholzes aus dem Wald wurde die Tonnageerhöhung für LKW von 40t auf 44t bis Ende 2020 verlängert.
  • Im Thüringer Waldgesetz wurde die Schaffung standort- und klimastabiler Wälder als Aufgabe festgelegt.
  • Im Umfeld von Schadflächen soll Schalenwild wirksam bejagt werden.
  • Die Wiederaufforstungsfrist wurde auf 6 Jahre verlängert, um an geeigneten Standorten eine Wiederbewaldung durch Naturverjüngung zu ermöglichen anstatt teure Pflanzungen umzusetzen.
  • Um Waldbrände in Thüringen zu begegnen, werden Feuerlöschteiche in Waldgebieten saniert und die Forstämter mit Material zur Waldbrandbekämpfung ausgestattet.
  • Die Thüringer Bauordnung (ThürBO) wurde überarbeitet, um klimafreundliches Bauen mit Holz zu erleichtern. Die ThürBO wurde dem Thüringer Landtag zur Beschlussfassung vorgelegt.
  • Bei Bautätigkeiten des Freistaats soll zudem verstärkt Holz als Baustoff eingesetzt werden, um eine Vorbildwirkung zu erzielen.
  • Für die Feuerwehren wurden Fortbildungen zur Waldbrandbekämpfung und Löschübungen durchgeführt. Das Thüringer Innenministerium hat ein Handbuch zur Vegetationsbrandbekämpfung veröffentlicht.
  • Beide Polizeihubschrauber in Thüringen sind für die Waldbrandbekämpfung einsetzbar.
  • Derzeit wird die Thüringer Katastrophenschutzverordnung überarbeitet, um den Katastrophenschutz auch für die Bekämpfung von Waldbränden einsetzen zu können.

Hintergrund zur Waldsituation:

Als Reaktion auf die durch den Klimawandel verursachten, erheblichen Waldschäden im Freistaat hat die Thüringer Landesregierung im August 2019 den Aktionsplan »Grünes Herz Thüringen. Aktionsplan Wald 2030ff« beschlossen. Seit 2018 haben Dürre, Stürme, Schadinsektenbefall und Waldbrände die Nadel- und Laubwälder in vielen Regionen Thüringens geschädigt. Das betrifft  genutzte wie naturbelassene Waldflächen. Im Vorjahr sind über alle Baumarten und Eigentumsformen rund 4,8 Mio. Kubikmeter Schadholz angefallen – ein historisch noch nie erreichter Wert.

Die derzeitigen Niederschläge entspannen die Situation im Wald etwas. Abhängig vom weiteren Witterungsverlauf und bei erneuter starker Trockenheit sind jedoch in diesem Jahr Schäden in ähnlicher Höhe zu erwarten, sagt Weil.

Viele Wälder seien nicht mehr in der Lage, kurzfristig auf drastische Klimaveränderungen wie Hitze und Trockenheit zu reagieren. Die geschwächten Bäume werden dadurch anfällig für Schadinsekten, die sich stark vermehren.

Staatssekretär Weil: Wälder sind unsere wirksamsten Heilmittel gegen den Klimawandel. Sie binden CO2 in großen Mengen und können so die Folgen des Klimawandels eindämmen. Sie produzieren Feuchtigkeit und wirken sich positiv auf das regionale Mikroklima aus. Der Waldschutz ist eine Aufgabe mit der wir die Zukunft unserer Gesellschaft entscheidend positiv beeinflussen können. Die heutigen Investitionen in unsere Wälder garantieren unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Zukunft.

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