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Gemeinsam erfolgreich für die Gelbbauchunke

Bildquelle: © Arne Willenberg / Wildtierland Hainich gGmbH
Charakteristisch für die Gelbbauchunke sind die schwarz-gelbe Unterseite und die herzförmigen Pupillen.

Nazza, bei einem Vor-Ort-Treffen in Nazza überzeugten sich die Untere Naturschutzbehörde des Wartburgkreises, die Wildtierland Hainich gGmbH mit ihrer Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld und die TUPAG Agrar GmbH von dem Erfolg der diesjährigen Maßnahmen für die gefährdete Gelbbauchunke und verabredeten das weitere Vorgehen. 

Unweit von Nazza entstehen durch den Ackerbau der TUPAG Argar GmbH, einem landwirtschaftlichen Unternehmen mit Sitz in Niederdorla, gelegentlich kleine Gewässer in staunassen Bereichen der Ackerflächen. Diese Gewässer werden von der Gelbbauchunke besiedelt und von Mai bis Oktober zur Eiablage und für die Entwicklung der Kaulquappen genutzt. Durch die Regenfälle im Frühsommer entstanden in diesem Jahr besonders viele dieser Kleingewässer.

Wir konnten die entsprechenden Flächen in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Wartburgkreises markieren und die TUPAG Agrar GmbH hat diese bei der Feldbewirtschaftung ausgespart. So blieben die Kleingewässer erhalten und es werden in Kürze ca. 500 bis 1.000 Jungtiere der Gelbbauchunke die nassen Lebensräume verlassen, freut sich Martin Burmeister, Projektleiter des „Gelbbauchunkenprojekts“.

Die Gelbbauchunke ist eine Amphibienart die vor allem solche immer wieder neu entstehenden, vegetationslosen Kleingewässer besiedelt. In unserer heutigen Landschaft entstehen solche Lebensräume unter anderem durch land- oder forstwirtschaftliche Bewirtschaftung auf staunassen Böden.

Ziel unseres Vor-Ort-Termins war es, die ökologischen Ansprüche der Gelbbauchunke mit den landwirtschaftlichen Vorgaben und dem Ackerbau abzustimmen, erläutert Dr. Juliane Vogt, Leiterin der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich /Eichsfeld.

Bildquelle: © Dr. Juliane Vogt (Wildtierland Hainich gGmbH)
Vor-Ort-Termin zum Schutz der Gelbbauchunke auf Agrarflächen der TUPAG Agrar GmbH: Von links nach rechts Frau Irmscher (Rechtanwältin TUPAG), Herr Dr. Feder (Leiter Untere Naturschutzbehörde Wartburgkreis), Herr Reinbeck (Geschäftsführer TUPAG) und Herr Burmeister (Projektmitarbeiter Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld).

Die Teilnehmer vereinbarten einen regelmäßigen Informationsaustausch, damit neu entstehende Laichgewässer der Gelbbauchunke nicht versehentlich durch den Ackerbau entfernt werden.

Wir unterstützen diese Maßnahmen im Rahmen unserer Möglichkeiten gerne und freuen uns, dass die Mitarbeitenden der Natura 2000-Station hier ihre fachliche Expertise einbringen und zugleich die wirtschaftlichen Effekte für unseren landwirtschaftlichen Betrieb im Auge haben, sagt Sören Reinbeck, Geschäftsführer der TUPAG Agrar GmbH.

So wurde unter anderem beraten, wie beispielsweise Gewässer in Randbereichen der Ackerflächen gezielt angelegt werden können, um die wirtschaftlichen Einbußen für die TUPAG möglichst gering zu halten. Die Teilnehmer der Runde sind optimistisch, dass das Vorkommen der seltenen Gelbbauchunke hier bei Nazza so gemeinsam erhalten und gefördert werden kann.

Bildquelle: © Dr. Juliane Vogt (Wildtierland Hainich gGmbH)
Gelbbauchunkenjungtier in einer mit wassergefüllten Fahrspur im ausgesparten Bereich der Ackerfläche.

Hintergrund
Das Projekt „Maßnahmen zum Schutz der Gelbbauchunke in Westthüringen“ startete 2019 und wird durch die Europäische Union und das Land Thüringen finanziert.

Unsere Landschaften werden immer aufgeräumter. Wo einst Flüsse und Bäche Wiesen und Gräben geflutet haben, sind Feuchtwiesen heute trockengelegt, Fließgewässer und Quellen befestigt. Diese fehlende natürliche Dynamik führt zu einem Verlust von konkurrenz- und vegetationsfreier Kleingewässer. Auf diese Lebensräume sind „Pionierarten“ wie die Gelbbauchunke spezialisiert. Die Gelbbauchunke benötigt flache und warme Tümpel zum Laichen. In dem Projekt werden daher sowohl Maßnahmen zur Verbesserung der Laichgebiete, als auch zur Verbesserung ihres Landlebensraums umgesetzt. Hierzu werden in der Regel kleine Gewässer angelegt, die sich nach stärkeren Regenfällen mit Wasser füllen. Um zu vermeiden, dass die Gewässer nach einigen Jahren zuwachsen und verlanden, werden einige Flächen extensiv mit Rindern beweidet. Zudem werden Landnutzer und interessierte BürgerInnen durch Öffentlichkeitsarbeit am Beispiel der Gelbbauchunke für Themen wie Biodiversität und Artenschutz sensibilisiert. Auch die Beratung und Begleitung der Landwirtschaft gehört dazu.

Die Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld befindet sich in Trägerschaft der Wildtierland Hainich gGmbH, die auch das Wildkatzendorf Hütscheroda betreibt. In dem von der Station betreuten Gebiet im Nordwesten Thüringens (Landkreise Eichsfeld, Unstrut-Hainich und nördlicher Wartburgkreis) werden viele praktische Naturschutzprojekte initiiert und durchgeführt.

Das Projekt zur Gelbbauchunke wird gefördert als Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL). Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

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