Gender-Pay-Gap 2022 in Thüringen: Frauen verdienten rund 7 Prozent weniger als Männer

Im Jahr 2022 betrug der prozentuale Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Thüringen, der unbereinigte Gender-Pay-Gap, 7 Prozent. Wie das Thüringer Landesamtes für Statistik mitteilt, erzielten Frauen in Thüringen einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 18,20 Euro, während der durchschnittliche Bruttostundenverdienst der Thüringer Männer bei 19,49 Euro lag. Damit gehört der Freistaat Thüringen zu den Bundesländern mit dem geringsten unbereinigten Verdienstunterschied.

Der unbereinigte Gender-Pay-Gap vergleicht den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmerinnen und aller Arbeitnehmer miteinander. Somit wird auch jener Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der beispielsweise durch unterschiedliche Berufe, Branchen, Arbeitszeitmodelle, Beschäftigungsumfang, Bildungsstand oder Karrierestufen verursacht wird. Langfristig betrachtet hat sich der unbereinigte Gender-Pay-Gap in Thüringen seit 2012 zwischen 5 und 9 Prozent bewegt.

Auf Ebene des höchsten allgemeinbildenden Schulabschlusses war der unbereinigte Gender-Pay-Gap 2022 in Thüringen mit 13 Prozent bei Frauen und Männern mit Abitur am höchsten. Vergleicht man den beruflichen Ausbildungsabschluss, so war der höchste unbereinigte Gender-Pay-Gap mit 18 Prozent bei Beschäftigten, die promoviert oder habilitiert haben. Ein hoher Verdienstunterschied betraf außerdem Frauen und Männer mit einem Bachelorabschluss (15 Prozent), einem Diplom/Magister/Master/Staatsexamen (14 Prozent) sowie einem Meister-/Techniker-/Fachschulabschluss (13 Prozent). Ein vergleichsweise niedriger Verdienstunterschied von 6 Prozent betraf Beschäftigte mit einem anerkannten Berufsabschluss. Arbeitnehmerinnen ohne beruflichen Ausbildungsabschluss verdienten im Durchschnitt sogar mehr als ihre männlichen Pendants, sodass der unbereinigte Gender-Pay-Gap hier bei -4 Prozent lag.

Der unbereinigte Gender-Pay-Gap in Gesamtdeutschland blieb mit 18 Prozent unverändert zum Vorjahr. Eine größere Lohnlücke zwischen Frauen und Männern war vor allem im früheren Bundesgebiet (einschließlich Berlin) feststellbar und erreichte 19 Prozent . In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) blieb der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied mit 7 Prozent hingegen relativ gering. Damit entsprach der unbereinigte Gender-Pay-Gap in Thüringen dem Niveau der ostdeutschen Bundesländer.

Bitte beachten: Die Ergebnisse für das Jahr 2022 sind nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar, da unterschiedliche Datenquellen und Erhebungsmethodiken zugrunde liegen. Bis zum Berichtsjahr 2021 wurden Ergebnisse basierend auf der vierjährlichen Verdienststrukturerhebung (VSE) berechnet, die letztmalig für das Berichtsjahr 2018 durchgeführt und anschließend fortgeschrieben wurde. Ab dem Berichtsjahr 2022 wurde diese durch die neue monatliche Verdiensterhebung abgelöst. Bei dieser neuen Verdiensterhebung fällt beispielsweise der Anteil der Verdienststärksten höher aus als noch in der Verdienststrukturerhebung, womit die Datenqualität verbessert wurde.

Aufgrund der Umstellung auf die neue Verdiensterhebung mussten im Bereinigungsverfahren des Gender-Pay-Gap methodische Änderungen vorgenommen werden, womit eine Vergleichbarkeit der aktuellen Ergebnisse mit den Ergebnissen aus dem Vorjahr weiter erschwert wird. Die wichtigsten Änderungen betreffen den Austausch des Merkmals Leistungsgruppe durch das Anforderungsniveau, die Verwendung der Wirtschaftszweigabteilungen (Zweisteller), anstatt der Wirtschaftszweiggruppen (Dreisteller) sowie den Verzicht auf das Merkmal differenzierter Regionstyp.

Die Ergebnisse zum Gender-Pay-Gap basieren auf den Erhebungen eines repräsentativen Monats. Im Berichtsjahr 2022 handelt es sich dabei um den April.