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Hoher Krankenstand in allen Wirtschaftsbranchen

BARMER-Studie offenbart dringenden Handlungsbedarf

In den zehn größten Wirtschaftszweigen Thüringens ist der Krankenstand höher als im bundesweiten und thüringenweiten Durchschnitt. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Branchenatlas der BARMER. Demnach waren an einem gewöhnlichen Arbeitstag in Thüringer Unternehmen voriges Jahr durchschnittlich sechs von 100 Beschäftigten krankgeschrieben. Im gesamtdeutschen Durchschnitt waren es lediglich fünf von 100.

Die zehn Thüringer Branchen mit den meisten Beschäftigten liegen allesamt über diesen beiden Werten. Es besteht dringender Handlungsbedarf, denn gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Basis für wirtschaftlichen Erfolg, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER Thüringen.

Hoher Krankenstand verschärft Pflegenotstand
Die mit Abstand meisten krankheitsbedingten Fehlzeiten gibt es den BARMER-Auswertungen zufolge in Thüringens Pflegeheimen, wo rund 26.400 Menschen ihrer Arbeit nachgehen. Durchschnittlich 30,8 Tage waren Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in stationären Pflegeeinrichtungen im Jahr 2019 arbeitsunfähig gemeldet. Damit liegen sie 40 Prozent über dem Thüringer Durchschnitt von 21,9 Tagen. Fast die Hälfte der Fehlzeiten von Pflegeheim-Beschäftigten ist auf Rückenprobleme und psychische Leiden zurückzuführen.

Wenn Personal in Pflegeeinrichtungen krankheitsbedingt ausfällt, führt das zwangsläufig zu Mehrbelastungen bei den weiteren Beschäftigten und die Qualität der Versorgung leidet darunter. Ein Teufelskreislauf ist im Gange, so BARMER-Landeschefin Birgit Dziuk.

Die Ergebnisse aus dem Branchenatlas Thüringens zweitgrößter Krankenkasse legen nahe, dass eine Mischung aus hoher Arbeitsbelastung, ungünstigen Arbeitsbedingungen und mangelnder Wertschätzung mit dem hohen Krankenstand in den Pflegeheimen zusammenhängt. Es sei, so die Einschätzung der BARMER, davon auszugehen, dass sich die Situation der Beschäftigten in den Pflegeheimen seit Ausbruch der Corona-Pandemie weiter zugespitzt hat. Der Attraktivität der Pflegeberufe komme das leider nicht zugute.

Wenig Gesundheit im Thüringer Gesundheitswesen
Auch im mit 62.600 Beschäftigten größten Wirtschaftszweig Thüringens, dem Gesundheitswesen, steht es schlecht um die Gesundheit des Personals. In keinem anderen Bundesland gibt es eine so hohe Anzahl an krankheitsbedingten Fehltagen. Durchschnittlich 24,4 waren es vergangenes Jahr in Thüringen. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg fehlten Beschäftigte von Arztpraxen, ambulanten Pflegediensten und Krankenhäusern lediglich 16,5 Tage.

Einzelhandel und Verwaltungen an der Belastungsgrenze
Ähnlich sieht es im Einzelhandel aus, welcher mit rund 58.200 Beschäftigten die zweitgrößte Branche in Thüringen darstellt. Die durchschnittlich 23,4 krankheitsbedingten Fehltage liegen knapp sieben Prozent über dem Thüringer Mittel (21,9 Tage) und fast 30 Prozent über dem bundesweiten Schnitt von 18,2 Tagen. In den Verwaltungen (50.400 Beschäftigte) im Freistaat fehlten Beschäftigte voriges Jahr 28,3 Tage krankheitsbedingt. Der Krankenstand ist somit um ein Drittel höher als im Thüringer Durchschnitt.

Einzelhandel und Verwaltung sind elementare Branchen für das tägliche öffentliche Leben in diesem Land, sagt die Landesgeschäftsführerin der BARMER.

Der hohe Krankenstand sei Indiz dafür, dass die Beschäftigten auch hier an der absoluten Belastungsgrenze und darüber hinaus arbeiten.

Gesundheitsförderung ist Wirtschaftsförderung
Nach Ansicht der BARMER müssen die Arbeitsbedingungen in Thüringen wesentlich arbeitnehmerfreundlicher werden. Gefragt seien Bund, das Land, Arbeitgeber, aber auch die Beschäftigten selbst. Denn oftmals müsse schlicht die Initiative ergriffen werden.

Betriebssportgruppen gründen sich nicht, weil die Chefin oder der Chef das möchte, gibt Birgit Dziuk zu verstehen.

Die von der BARMER geforderten und geförderten besseren Arbeitsbedingungen zeichneten sich zudem nicht allein durch eine angemessene Vergütung aus, sondern vor allem durch möglichst planbare und familienfreundliche Arbeitszeiten und gesundheitsfördernde Angebote. Für deren Umsetzung in Thüringen gibt es angesichts von 90 Prozent Kleinst-, kleinen und mittelständischen Unternehmen jedoch ganz spezielle Herausforderungen.

Seit 2017 läuft deshalb das Pilotprojekt „Gesund arbeiten in Thüringen“ (GAIT), in dem die Krankenkasse gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin e.V. (DGAUM) sowie zahlreichen Thüringer Unternehmen Konzepte entwickelt, damit Gesundheitsförderung auch in Kleinst-, kleinen und mittelständischen Unternehmen effektiv gelingen kann. Erste Ergebnisse zeigen, dass Arbeitgebernetzwerke hierbei eine Lösung sein können. Auch digitale Angebote können Vorteile für die Gesundheit der Belegschaft bringen und sind ohne großen Aufwand umsetzbar.

Für die BARMER jedenfalls steht fest, Gesundheitsförderung ist Wirtschaftsförderung. Wir stehen gern dafür zur Verfügung, sagt Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk.

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